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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 169

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 169 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 9 Gesterretchlfche Mocheufchrtst Seite 169 (Lorrespondenzen. Wien, 25. Februar. Baron Hirsch-Stiftung. Gestern fand die Constituirunq des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung statt, bei welcher Statthaltereirath Ritter v. Szawlowski als Regierungscommissär intervenirte. In Vertretung des Baron Hirsch eröffnete der Direktor des Wiener Bankvereins Dr. I o l y die Versammlung und constatirte, daß von Seiten der Staatsverwaltung die Herren Hofrath von G n i e w o s z. Hofrath Dr. v. R o z a. Sectionsrath R. v. Chledowski und Professor Dr. Charkiewicz zu Curatoren ernannt wurden, daß die Herren Ritter v. Bauer, Josef R. v. Fürth, David R. v. Gutmann, Dr. Adolf Jellinek, Moriz Edler v. Kuffner, Wilhelm Na schauer, Heinrich Nirenst ei n, Alexander Freiherr v. Popper, Hofrath Josef R. v. Pf ei ffer, Dr. Arnold v. Rapoport, Professor Dr. Rosenblatt, Philipp T h o r s ch, Sigmund T r e b i t s ch, Dr. Julius Freiherr v. W a l db er g ihren freiwilligen Eintritt erklärt haben. Dr. Jo ly begrüßte die Versammlung und schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf nahm der Regierungscommiffär das Wort und erklärte im Namen der Regierung, daß dieselbe der Stiftung das größte Wohlwollen entgegenbringe und dem Curatorium vollste Unterstützung angedeihen lassen werde, auf daß die Stiftung den Intentionen des Stifters gemäß zum Wohle der Bevölkerung Galiziens und der Bukowina wachse und gedeihe. Bei der hierauf folgenden Wahl wurde Herr Josef R. v. Fürth einhellig zum Präsidenten des Curatoriums gewählt. Dieser dankte für die auf ihn gefallene Wahl und legte in kurzen, markigen Zügen die Ziele dar, welche die Stiftung zu verfolgen haben wird. Hiebei hob der Präsident hervor, daß die (Stiftung, deren Wohlthaten statutengemäß nicht nur den israelitischen, sondern auch den christlichen Kindern zu Gute kommen, bezwecke, die arg vernachlässigte Jugend mancher Landestheile Galiziens und der Bukowina durch Heranziehung zu regelmäßigem Unterricht und zum Handwerk und Ackerbau, zu nützlichen und anhänglichen Bürgern des Landes auszubilden, ohne dabei jedoch den religiösen Gefühlen derselben nahetreten oder selbe ihrem engeren Vaterlande entfremden zu wollen. Als Bicepräsident wurde Herr Dr. Arnold Rapoport von Porada gewählt. welcher im Namen Galiziens dem Sttfter den Dank für die Stiftung aussprach. Zum Präsidenten-Stellvertreter wurde Herr Hofrath v. Gniewosz, zum Schatzmeister Herr Sigmund Ritter v. B a u e r, zu dessen Stellvertreter Herr Heinrich Nirenstein und zum Secretär Herr Dr. Fried länder bestellt. Zum Schlüsse gab Herr Hofrath Dr. Roza in seinem Namen und dem der anderen von der Regierung in das Curatorium entsendeten Herren die Erklärung ab, daß sie nicht als fremder Körper inmitten des Curatoriums erscheinen, sondern daß sie als Collegen bestrebt sein werden, an dem gemeinsamen Werke mitzuwirken. Da die Coupons der als Stiftungsvermögen erlegten Werthpapiere momentan nicht fällig sind, hat Baron Hirsch dem Curatorium zur Deckung der ersten Auslagen einen Betrag von 26.000 fl. zuqewiesen, welche demselben von Dr. Jo ly übergeben wurden. Das Curatorium beschloß noch, sofort dem Baron Hirsch telegraphisch den Dank für die hochherzige Sttftung auszusprechen und wurde damit die Versammlung geschloffen. Wrag, im Februar. Samstag am 14. d. M. hielt Herr Isidor Hirsch aus Hamburg, Sohn des dortigen Oberrabiners, einen Vortrag im „Verein Afike Jehuda" über das alexandrinische Judenthum. Das alexandrinische Judenthum ist ein viel durchforschter, bekannter Abschnitt der jüdischen Geschichte, es ist nicht leicht hier auch nur betreffs geringfragigen Einzelheiten Neues zu bringen, und doch hat Dr. Hirsch nicht wenig scharfsinnige Bemerkungen in seinem Vortrage eingestreut, so z. B. prägnante Beweisführung über die Falschheit der alexandrinischen „Dokumente" bezüglich der Entstehung der Septuaginte, die treffenden Bemerkungen über den historischen Werth der talmudischen Notizen für jene Epoche, die Beweisführung über die bisher noch nicht erwiesene Annahmeder Transcription des Bibeltextes mit griechischen Schriftcharakteren. Doch worauf es dem Vortragenden zumeist ankam, war eine solche Gruppirung der Thatsachen, daß der Hörer ein klares Gesammtbild der besprochenen Geschichtsperiode empfange; ferner die Betrachtung der Thatsachen von einem Standpunkte, der die Ursachen, und die nicht zu verhindernden Folgen jener Thatsachen begreifen lehrt. Diese Aufgabe wurde glücklich gelöst. Dr. Hirsch betrachtet das alexandrinische Judenthum als propagandistische Periode, weil sie dem Judenthum Expansion verleihen will, ihm die Consistenz raubt. Das alexandrinische Judenthum soll den ästhetisirenden Helenismus mit dem gemüthstiefeu Judaismus durchtränken. Darum wird die griechische Bibelübersetzung als erster „Apostel" in die Welt gesandt. Denselben Zweck verfolgt der Aristeasbrief, die jüdischen Sybillen, der Pfeudo-Phokilides. In Wahrheit jedoch wird der gemüthstiefe Judaismus vom üsthetisirenden Hellenismus aufgelöst. Und während sich Philo für einen treuen Schüler Mosis hält, beweist er durch seine Schriften, daß die Lehre Mosis für den Alexandriner nichts anderes bedeuten kann, als eine verherrlichende Allegorie des Platonismus. Es ist nun selbstverständlich, daß ein solches Jndenthum, welches nur die Form, aber nicht mehr den Geist des Judaismus festhielt, dem Hellenismus keinen eigentlichen Widerstand entgegen zu setzen vermochte. Es mußte in Alexandrien zu Grunde gehen. Versprengte Reste desselben kamen nach Palästiua und arbeiteten hier für das Christenthum vor. In Palästina war allerdings der Helenismus schwach. Dafür aber wurde das Ziel des Alexandrinismus, die Verschmelzung des Hellenismus und des Judaismus auch im Christenthum nicht erreicht. Diese Aufgaben lösten selbst die spätern Jahrhunderte nicht. Erst unsere Zeit strebt die Lösung auf richtigem Wege an, indem sie die biblische Humanität der Kunst und Wissenschaft nicht mehr unterordnet, sondern alle drei für gleichberechtigte Factoren in der Cultur hält. Die schöne Vortragsweise Dr. Hirsch's wurde durch ein klangvolles Organ unterstützt, und mit Spannung lauschten die Zuhörer dem jungen, aber gelehrten Gaste, der ihnen aus der Fülle seines Wissens ein anschauliches Bild aller Bestrebungen des alexandrinischen Judenthums hervorholte. Der reiche Applaus war wohlverdient. Denn ist auch die alexandrinische Epoche tragisch, die Darstellung derselben gleichsam eine Tragödie, so verstand es Dr. Hirsch, der aristotelischen Lehre, daß die Tragödie den Hörer erschüttern und reinigen müsse, gerecht zu werden» indem gezeigt wurde, wie nicht Willkür und blinder Zufall, sondern das ewige Gesetz von Grund und Folge das Schicksal der Völker leite. 0—r. Hssegg. Februar. Oberrabiner David L ö w y in Vukovar, der am 2. August v. I. sein 40jähriges Dienstjubiläum beging und bei dieser Gelegenheit ob seiner erworbenen Verdienste in und außerhalb seiner Gemeinde von Sr. Majestät mit dem goldenen Verdienstkreuze ausgezeichnet wurde, starb plötzlich am 7. d. M. an einer Herzlähmung in seinem 67. Lebensjahre. Zu dem Leichenbegängnisse, welches sich zu einer imposanten Trauerkundgebung gestaltete, fanden sich ein: Deputationen von mehreren Nachbargemeinden, die ganze katholische und serbische Geistlichkeit, die Rabbiner Dr. Sam. Spitzer aus Essegg, Dr. Armin F l e s ch aus Mohacs und R. N e u m a n aus Vukovar, fämmtliche Beamten der Gespanschast, der Finanzdirector und dessen Beamten, der Stadtmagistrat mit dem Bürgermeister, ferner von der Garnison Major Graf Montecucoli und Lieutenant Prinz L i ch t e n st e i n, die Feuerwehr mit ihrem Commandanten, der katholische und serbische Gesangverein, sowie fämmtliche Honoratioren der Stadt. Die Leichenfeier begann im Trauerhause mit einem Trauerchoral, gesungen vom Obercantor Heller und dem Chorpersonal, worauf Oberrabbiner Dr. F l e s ch aus Mohacs. ein Neffe des Verstorbenen, die erste Leichenrede im Namen der Familie in sehr ergreifenden Worten hielt. Im neuen Tempel, welcher schwarz drapirt war, schilderte Oberrabbiner Dr. Spitzer in einer ergreifenden Rede das Leben und Wirken des

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