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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 168

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 168 (sequence 14)
Language
German
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Seite 168 Hesterreichifche Wochmschrift Nr. 9 gehört und für ewige Zeit festgehalten werden soll. Was sich hier offenbart, ist der unverrückbare Untergrund tiefjüdischen Empfindens; wer es vermag, der wird das Weh nachfühlen, welches den edlen Autor beschlich, da er wußte: so sollte, müßte das Judenthum empfinden, denken; so fühlt und empfindet es aber nicht. So müßten alle Zionskinder denken, wenn sie die Eigenschaften besäßen, denen Steinthal in zweien seiner Vorträge das schönste aller Loblieder widmet, das ihnen je gesungen wurde — Demuth und Toleranz. „Denn in keinem Augenblicke darf unbeachtet bleiben, daß die Demuth nicht bloß das durchbohrende Gefühl unseres Nichts ist, sondern auch der hohe Flug zum Göttlichen. Sie ist die Mutter der Ideale und ist nicht herabdrückend und abschreckend, sondern ermuthigend, kräftigend zu allem Guten, das in der Endlichkeit atomweise heranwächst. Und Toleranz? Besitzen wir sie etwa gegen uns telbst? „Wie nun, wenn ein Jude die religiösen Ceremonien nicht übt. die Verbote nicht achtet? Ueberschreitet er nicht die Grenzen der Toleranz, indem er seine Gedanken in That umsetzt?" — Ich antworte: „Wenn er die religiösen Gebote und Verbote verspottet, mit spöttischer Großthuerei übertrifft, so ist er entschieden intolerant, so verletzt er das Recht derer, welche diese Gebote ehren, so zeigt er Uebelwollen gegen diejenigen, in deren Kreise er wenigstens die erste und nothwendigfte Nahrung des Geistes, die erste und nothwendigste Pflege des Gemüthes gefunden hat. und denen er darum höchste Dankbarkeit schuldet — eine Schuld, die erst mit seinem Tode erlischt. — Sei aber auch Du nicht in falscher Weise empfindlich; halte Dich nicht sogleich für verletzt, wenn Du den Andern thun siehst, was Du Dir nicht erlaubst." Nach beiden Seiten hin ist im Verlauf der Zeiten schwer gefehlt worden, so daß Haß und Zwiespalt mehr als nöthig gesät wurden; und die Ernte ist allenthalben Gleichmuth und Leichtsinn, Mangel an Tiefe und Herzlichkeit. Tiefe und Herzlichkeit bilden den Grundton der Steinthal'schen Abhandlungen, wie eines jeden seiner Worte überhaupt. Gründlichkeit und Wahrheit will er zu den richtungzeigenden Leitsternen des Judenthums machen; das ist nur möglich, wenn man. wie er selbst ein Leben voll Andacht führt. „Ueber Andacht" ist einer der Vorträge betitelt; unstreitig das Schönste, was je darüber gesagt wurde. Es ist nicht anders; man versteht, was es heißt, andächtig sein, wenn man die goldenen Worte liest, weil man es beim Lesen wird. „Die Selbstsucht kann in alles Gute dringen und dann verdreht sie dasselbe, ohne es in der äußern Erscheinung zu ändern, in seinem innersten Wesen. Auch der Pflichtgemäßeste Lebenswandel, wenn er blos die Gunst, den Schutz und die Wohlthaten Gottes, oder die Achtung und Ehre der Menschen bezweiÄ, ist ja gerade so unsittlich, wie die falsche Andachtsübung. Bedarf die Andacht zu ihrer Ergänzung der sittlichen That: so gehört auch umgekehrt zum Wesen der guten That die Andacht .... Fern also treibe bei der That wie beim Gebet auch der verstohlenste Hinblick auf Lohn und Strafe." . . . Was wir im Gebet gelernt haben ist dies: wo wir auch stehen und gehen, sind wir vor Gott; was immer wir auch treiben mögen, in unserm geschlossenen Gemach, wie auf offenem Markte, sind wir vor dem Herrn aller Geister. Das Gotteshaus und das Gebet bieten n*r die Vorbereitung für den Gottesdienst im Leben. . . Die religiöse Andacht, verwandt mit der wissenschaftlichen und ästhetischen Stimmung, verschmilzt mit dieser. Sie ist es, welche in alle Schönheit und alle Wahrheit, in Natur und Geschichte den göttlichen Geist haucht; und die in Kunst und Wissenschaft gewonnene Erbauung mit der religiösen ergießt sich in die sittliche That. Solche Gedanken beseelen den Philosophen Steinthal, der sich neben dem alles durchdringenden Verstände das edelste der Herzen und ein echtjüdisches Herz erhalten hat. Mögen das Buch „Zu Bibel und Religionsphilosophie" all' die mit glücklichster Befriedigung lesen, welche, seien sie Arbeiter auf dem Felde des Geistes oder der Materie, sich ein Herz bewahrt haben für Judenthum; all' die mit Beschämung, welchen dies aus Uebermutb oder aus Leichtfertigkeit nicht gelungen ist. Alle aber sind Steinthal zu Dank verpflichtet für die herrliche Gabe, weil sie es allein schon waren durch den einzigen Ausspruch, den er thut: „So laßt uns beherzigen: wir sind nickt in der Wahrheit, wenn wir wieder Sturm losfahren; Wahrheit finden wir in der Menschen Innerstem und in der Gesckichte, wo man die leise Stimme des göttlicken Wesens vernimmt." Dr. D. Feuchtwang. Jjfemtt zur Hekarupfuug des Antisemitismus. Herr Dr. Karl von Kißling veröffentlicht folgenden Aufruf in den Taqesblättern: In Deutschland hat sich vor Kurzem ein Verein zur Abwehr des Antisemitismus gebildet; es find demselben tausende von Männern aller Stände'' und politischer Richtungen beigetreten, und zieren den ersten Auftuf die Namen der bedeutendsten Staatsmänner, Gelehrten. Aerzte. Professoren. Richter, Rechtsanwälte und Abgeordneten. Die Staat und Gesellschaft gleichmäßig bedrohende antisemitische Bewegung, welche zur gefährlichsten Verrohung des Volkes führen muß, hat aber auch in Oesterreich bereits höchst schädlich, insbesondere auf die Gesittung der akademischen Jugend, eingewirkt, und ist es darum auch hier geboten, daß sich die Gegner dieser, dem Jahrhundert der Aufklärung und der Humanität zur Schmach und Schande gereichenden sittlichen und geistigen Verirrung, zusammenfinden. Im Vereine mit einigen Gesinnungsgenoffen richte ich an alle Männer, welche von wahrer christlicher Duldsamkeit und Nächstenliebe und daher vom Abscheu gegen den rohen Antisemitismus erfüllt sind, die Bitte, mir ihre Namen mit der Ermächttgung mitzutheilen. ihn in der Einladung zur Constituirung des Vereines, mit dem Sitze in Wien, veröffentlichen zu dürfen. Ein Beitrag wird nicht verlangt, es werden aber freiwillige Beiträge zur Drucklegung und unentgeltlichen Verbreitung des mir seinerzeit von Döllinger zur Benützung gestellten vortrefflichen akademischen Vortrages «die Juden in Europa", sowie der Aussprüche berühmter Männer der Jetztzeit über den Anüsemitismus, verwendet werden. Linz, am 22. Februar 1891. Dr. Karl von Kißling. Puliliration des ilrael. C«U«svorltani>es i« Wie«. Lonürmanden-Nnlerricht. Im Interesse der religiösen Erziehung der weiblichen Jugend unserer Gemeinde wurde die Confirmation der israelitischen Mädchen eingeführt. Der Confirmation selbst geht ein Confirmanden-Unterricht voraus, an welchem Mädchen freiwillig theilnehmen können, die das 14. Lebensjahr bereits erreicht haben. Die?. T. Eltern oder Vormünder werden demgemäß höfischst eingeladen, die bezeichneten Töchter, beziehungsweise Mündel, zu veranlassen, sich bei ihrem betreffenden Religionslehrer wegen Theilnahme am Confirmanden-Unterrichte zu melden. Mädchen, bie feinen öffentlichen Unterricht genießen, und über Wunsch der Eltern oder Vormünder confirmirt werden sollen, können diesfalls directbei den Herren Predigernder israelitischen C u l t u s g e m e in d e od e r bei dem gefertigten Vor stände bis 15. März d. I. angemeldet werden. Wien, 30. Jänner 1891. Der Vor st and der israelitischen Cultusgemeinde.

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