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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 161

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 161 (sequence 7)
Language
German
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«kr. 9 Gesterreichische Wochenschrift Teile 161 solution bezüglich der Wiederwahl des ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch auf telegraphischem Wege dessen drei Wahlbezirken bekanntgegeben wurde. Der Vorsitzende erklärt ferner, daß der Abend blos einer Wohlbesprechnng anläßlich der bevorstehenden Reichsratbswablen gewidmet und nicht als eine Wählerversammlung aufzufassen sei, weshalb er keine wie immer Namen habende Interpellation an die als Gäste erschienenen Candidaten zulassen könne. Hierauf hält Herr Professor Dr. Jonathan Wolf seinen angekündigten Vortrag über: „Ein Blick in das Buch der Weisheit" Der Vortragende bezeichnte das ..Buch de r Weisheit" als eines der herrlichsten Schriftdenkmale der Vergangenheit des jüdischen Volkes. Ausgeschlossen aus dem Kreise des heiligen Schriftthums nimmt dieses Buch unter den sogenannten Apokryphen den vornehmsten Platz ein. Es redet zu uns in griechischer Sprache, aber es verleugnet nicht den Geist der Bibel, den Geist der Heiligkeit und Sittenreinheit. Eine edle Hebräerin in griechischer Gewandung könne man das Buch der Weisheit nennen; denn Hellas und Judäa erscheinen hier innig verbunden. Ein griechischer Philosophenmantel in künstlerischem Faltenwürfe deckt die ernste, hochaufstrebende Gestalt des Autors, dessen Namen uns die Geschichte vorenthalten hat. Die Ueberlieferung will in ihm den König Salomo sehen und nennt das Buch die „Weisheit Salomos", eine Annahme, welche nach dem Inhalte und der Form des Buches sich längst als hinfällig erwiesen hat. Der Vortragende lädt nun die Versammlung ein, mit ihm einen raschen Gang durch die Blätter dieses merkwürdigen Buches zu machen und hält diesen Gang für lohnend genug, wenn er aus mancherlei Spuren den Autor des Buches mit einiger Wahrscheinlichkeit errathen läßt. Nach einer in großen Zügen angelegten Skizze des Inhalts des Buches der Weisheit weist der Redner aus die strenge Einheit des Werkes, auf die methodische Gliederung und planmäßige Anlage alle seiner Theile hin. Er nimmt außer dem allgemein religi ös-sittlichen noch einen apologetisch-polemischen Lehrzweck an, daß nämlich das Buch nicht blos die Weisheit und den jüdischen Glauben vertheidigen und empfehlen, sondern auch alles antijüdische Wesen, das von ungläubigen Weltleuten und dem feindseligen Heidenthume ausgieng. bekämpfen und widerlegen will. Er geht nun auf die Entstehnngszeit des Buches über und nimmt, da die neuern Gelehrten zwischen dem dritten vorchristlichen und dem ersten nachchristlichen Jahrhundert schwanken, das Zeitalter Alexander Jannais (105 bis 79 a. C.) als die Entftehungsz e i t des Buches an. Denn der Geist des Buches der Weisheit sei. trotz aller polemischer Streifzüge, der Gei st der Versöhnung be st ehender Gegensätze. Aus den Worten dieses Buches klingen vernehmlich die Stimmen der Pharisäer, Saducäer und Essäer. Um die Zeit Alexander Jannais hatte der Antagonismus zwischen diesen Parteien seinen Höhepunkt erreicht, und erst nach dem Tode dieses Fürsten gelang es der Königin Salome Alexandra während ihrer neunjährigen Regierung (79 bis 70 a. C.) die Gegensätze zu mildern, und als eine verkörperte „Weisheit" rein durch ihre Persönlichkeit die streitenden Parteien des Staates zum Schweigen zu bringen. Aus einer interessanten Stelle im jerusalemischen Talmud (Berachoth VH, 2). wo von einer hohen parthischen Deputaüon, die bei König I a n n a i Audienz nahm, erzählt wird, sie sei von weiter Ferne gekommen, um „W orte der Weisheit" zu hören, aus vielen stylistischen Eigenthümlichkeiten des Buches der Weisheit, so die namentlich im achten Capitel behaglich ausgesponnene Vergleichung mit ehelichen Verhältnissen, die geflissentliche Entgegensetzung eines bitteren und süßen Ehelebens, die ängstliche Vermeidung von Namen, und andere Momente — aus diesen Spuren glaubt der Redner den Autor des Buches zu erkennen und stellt die beachtenswerthe Hypothese ans: Es ist nicht die W e i s h e i t Salomo's, welche wir im Buche der Weisheit bewundern, sondern die Weisheit Salome's, einer ausgezeichneten Fürstin, welche, gesetzestreu im Herzen, bei Lebzeiten ihres königlichen Gatten, den tiefsten Seelenschmerz empfand. Denn ihr Gatte, König I a n n a i, war ein Gesetzesverächter und ein grausamer Tyrann. So hat wohl die Königin Salome, die den reinsten Gegensatz zu ihrem Gatten bildete, ihr volles Herz und ihren reichen Geist auf die Blätter des Buches der Weisheit ausgegossen. Der Vortragende weist zum Schlüsse daraus hin, daß noch die neueste Geschichtschreibung (Wilhelm O n ck e n s Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen, 153. Abteilung) die Ansicht festhält, als ob unsere weise Königin mit der ränkevollen und grausamen Königin Salome Alexandra, der Gattin des Königs Juda Anitobul (welcher von 106 bis 105 a. C. regierte), identisch wäre, mit der sie doch nur den Namen, nicht aber den Charakter gemeinsam hat. Es liebt eben die Welt, „das Strahlende zu schwärzen"; nnd auch diese subjectiv gefärbte neueste Geschichtschreibung müsse denn doch zugeben, daß durch die „stramme Gesetzesersüllung unter der Regierung der Königin Salome gewiß Ordnung und Zucht in Staatsverwaltung und Volksleben eingeführt wurde". Der Redner schließt mit den Worten: So habe ich Ihnen, hochgeehrte Versammlung, nicht blos einen Blick in das „Buch der Weisheit" eröffnet, sondern auch ein edles Frauenbild gezeichnet, welches in der Galerie der fürstlichen Frauengestalten unserer Geschichte den letzten, aber nicht den geringsten Platz einnimmt. Unter all diesen Bildern, bestechend und fesselnd durch Würde und Hoheit, durch Demuth und Liebreiz, durch Geist und sinnenden Ernst leuchtet uns ein edles Profil mit sein geschnittenen 'Zügen, ein resoluter, fast männlicher Gefichtsausdruck, besonders in die Augen. Es ist das Münzportrait der Königin Salome Alexandra, unter ihrer Regierung geprägt, und jetzt der Sammlung W. H. Waddington einverleibt. Und zu ihrem Münzportrait weiß ich keine schönere Unterschrift, als den Vers aus dem goldenen „Alphabet der Frauen": „Ihren Mund öffnete sie mit Weisheit, und freundliche Lehren schwebten auf ihrer Zunge." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Herr Sigm. Kanders nimmt hierauf das Wort und beantragt die Constituirung eines 100gliedrigen Wahlcomites. Herr Feiglstock würdigte die Verdienste der ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch, Hofrath Guiewosz und Dr. Zucker und tritt in warmen Worten für die Candidatur des Herrn Alexander S ch a r f ein. Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Kann tritt dieser Candidatur entgegen und warnt vor einer Stimmenzersplitterung. Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Glaser bedauert den Kampf zwischen Liberalen und Demokraten, umsomehr als dessen Ursprung in kleinlichen Motiven zu suchen sei. Dr. Glaser citirt die Worte des Hoftathes Exner, welcher es als eine Ehrensache der liberalen Partei betrachte, Dr. Kronawetter ein Mandat zu verschaffen. Den Kampf Kronawetters in Hernals hält Redner für aussichtlos. Professor Benedict, stürmisch begrüßt, gibt seiner Freude Ausdruck, daß seine Candidatur selbst bei ehemaligen Antisemiten Beifall finde nnd tritt in kurzer Rede für die demokratischen Principien ein. Kaufmann Strauß bemerkt unter lebhaftem Beifall der Versammlung, daß die Juden dem Kampfe zwischen Liberalen und Demokraten ferne stehen müssen. Herr Strauß plaidirt für die Unterstützung der Candidatur W r a b e tz im 9. Bezirke.

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