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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 159

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 159 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Hesterreichifche Wochenschrift Sette 159 und man glaubte damals, daß dieser Mann niemals seine Vergangenheit und seine Ueberzeugung verleugnen werde. Und nun, Herr Redacteur. frage ich, wann hat es Dr. Geßmann aufrichtiger gemeint, damals im Hause des Juden, oder am 18. in der Wählerversammlung? Im Hause des Juden winkte ihm nur ein gutes, wenn auch „koscheres" Mittagessen, heute ein Reichsrathsmandat" * * * Arische Duldsamkeit. Am 20. d. M. fand in Sechshaus eine Versammlung der Christlich-Socialen zur Anhörnug ihres Candidaten, des Mechanikers Schneider, statt. lieber diese Versammlung liegt folgender Bericht vor: „In der Versammlung hatten sich etwa 500 Personen eingefunden, von denen 800 der fortschrittlich gesinnten Partei angehörten, während sich ungefähr 200 aus Parteigängern Schneiders recrutirten, die aus allen Bezirken zusammengewürfelt waren. Bei der Wahl des Vorsitzenden entschieden sich nahezu zwei Drittel der Anwesenden für den deutsch-fortschrittlichen Gemeinderath von Fünfhans Herrn Winter. Kaum hatte derselbe die Tribüne bestiegen, als derselbe auch schon von kräftigen Händen erfaßt, von d e r T r i b ün e hinabgedrängt und so das Signal zu Ausschreitungen gegeben wurde, deren Einzelheiten jeder Beschreibung spotten. Wie wuthschnanbend fielen die Anhänger Schneiders über die fo tschrittlichen Wah er her, zerrten demselben die Kleider vom Leibe, schwangen die Stühle und an einzelnen Stellen des Saales entspann sich ein Handgemenge. das einen, überaus bedrohlichen Charakter a n n a h m. Ein Mitglied der Fünfhauser Gemeindevertretung wurde durch einen gegen seinen Kopf geschleuderten Sessel verletzt, ein Schuhmachermeister aus der Goldschlag st raße erhielt einen wuchtigen Schlag auf das rechte Auge, einem Stechvieh-Händler sowie einem bekannte,! Steinmetzmeister wurden Rock und Gilet förmlich vom Leibe gerissen und der zertretenen Hüte gab es die schwere Menge. Auf solche unerhörte Art und Weise vergewaltigt, mußten die in Zweidrittel-Majoritat befindlichen fortschrittlichen Wühler der Rohheit und Brutalität ihrer Gegner weichen, und es ist bezeichnend genug, daß, wie constatirt wurde, die S c a n d a l m a ch e r mit Eisenstücken, Stöcken und dergleichen bewaffnet waren. Hätten die fortschrittlichen Wähler nicht rechtzeitig den Schauplatz dieser skandalösen Scenen verlassen, so wäre es zweifelsohne zu grauenerregenden Ausschreitungen gekommen." * Arische Berwaltungsräthe. In einer Ottakringer Wählerversammlung verlangte vor wenigen Tagen Fürst Liechtenstein die Verstaatlichung des Bank- und Creditwesens, das ganz in den Händen der Juden sei, er behauptet, daß die Creditinstitute dadurch, daß nur Juden als Sensoren gewählt würden, nur den ihnen genehmen Leuten Credit geben, und im Wege des Reescompte den Christen das Geld, das doch ursprünglich christliches gewesen sei, noch übermäßig vertheuern. Deshalb müßten als Sensoren kaiserliche Beamte angestellt werden. Auch gewisse Zweige des Handels müssen verstaatlicht werden, z. B. der Kohlenhandel, der ganz in die Hände gewissenloser Einzelner gelangt sei, die nun das Volk ausüeuten. Auf diese Anschuldigungen antwortete Dr. K r o u aweiter Tags darauf mit folgenden Worten: „Fürst Liechtenstein hat letzthin von dem Drucke gesprochen, unter dem die christliche Bevölkerung durch das jüdische Capital leide. Der „Compaß", das vom General- { secretär der Unwnbank herausgegebene commercielle Jahrbuch, gebe diesbezüglich einen interessanten Aufschluß. Wenn man die Berwaltungsräthe und Directoren der Banken und Actiengesellschaften durchgehe, so ergibt sich uns ein eigenartiges Bild. Die größere Zahl der Verwalt u n g s r ä.t he und Directoren sind Träger hochadeliger Namen, die Juden befinden sich in der Minorität. Die Prinzen Rohan. Lobkowitz u. s w. sind da Hand in Hand vereint mit den Teitelbäumen, Lindenbergs und Reizes!" * * * Professor Benedikt gegen die Salon-Antisemiten. Der „Demokratische Centralverein" hielt vor acht Tagen in Mariahilf eine zahlreich besuchte Versammlung ab, bei welcher Professor Benedikt gegen den sogenannten „Salon Antisemitismus" sprach. „Die traurigste Verpflichtung, sagte Professor Benedikt, die einem Candidaten obliegt, ist die, von der Wahlparole zu sprechen, und diese ist der Kampf gegen den Antisemitismus. Es wäre mir viel angenehmer, wenn ich überhaupt nicht davon zu reden hätte. Da -dies aber einmal so ist. muß ich vor Allem auf eine wichtige Thatsache aufmerksam machen. Wenn Oesterreich das Unglück widerfahren sollte, daß Prinz Alois Liechtenstein in den Reichsrath kommt, und er sollte fein Versprechen, Ausüahmsgefetze gegen die Juden zu beantragen, halten, und es würde ihm zur Einbringung des Antrages eine Unterschrift fehlen — ich würde ihm diese Unterschrift geben. Ja, ich würde ihm meine Unterschrift geben, damit dieser Antrag zur Verhandlung komme. Heute, fährt Professor Benedikt fort, will ich eine ganz eigene Gruppe der Antisemiten schildern — d i e Salon-Antisemiten. Unter den Antisemiten gibt es Herren, die in der Nacht manchmal schliefen, wenn sie nicht im Gasthaus wären; aber am Tage haben sie geträumt — von Ministerportefeuilles. Wer einen Theil seiner Mitbürger ihrer Rechte berauben will, ist nichr werth, ein an st ändiger Mensch genannt zu werden, mag er nun Salon-Antisemit sein, oder das Gegentheil davon. Das ist dieselbe sittliche Verrohung und Gesunkenheit, dieselbe absichtlicheNiedert r a ch t." -}» Schönerer gegen Dergani und Liechleusteiu. Der entthronte Antisemitenpapst Georg Schönerer erscheint wieder auf der politischen Bildfläche. In Hernals hat er dem Fürst Liechtenstein einen deutschnationalantifemitischen Gegencandidaten gegenübergestellt, den er jüngst in einer Versammlung persönlich empfahl. Schönerer begann seine Rede mit der Erklärung, daß selbstsüchtige Streber Verwirrung in die Reihen der antisemitischen Partei getragenhätten. lieber den Fürsten Liechtenstein und seine Candidatur sagte Schönerer: „Eines schönen Tages sah ich auf der Galerie des Abgeordnetenhauses den Prinzen Liechtenstein mit einer Dame, die ich als eine Jüdin zu erkennen glaubte; ich wollte mich aber der Sache vergewissern, umsomehr, da Prinz Liechtenstein

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