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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-27 · 9 (27.2.1891) · p. Seite 156

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
9 (27.2.1891)
Date
1891-02-27
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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Seite 156 Hesteneichifche Wochenschrift »Cr. 9 im großen Style den Inden als etwas Fremdes, Ausländisches erschienen und bekannt geworden ist. Wie die Phönizier das eigentliche Handelsvolk der alten Welt waren und den Handelsverkehr mit Frankreich, Spanien, Italien und selbst England vermittelten, so waren es später Griechen, die den großen Stapelplatz Alexandrien gründeten und zur Blüche brachten, wenngleich hier schon die Juden, als gelehrige Schüler der Griechen, den letzteren Concurrenz zu machen anfingen und deshalb von ihnen gehaßt und verfolgt wurden. Die Gesetzgebung des Alten Testaments ist bekanntlich durchaus für ein ackerbautreibendes Volk zugeschnitten. Die Bestimmungen des Brach- und Jubeljahres statuirten den Heimfall verpfändeter und verkaufter Liegenschaften, sowie die Nichtigkeit aller Schuldverbindlichkeiten, Dadurch wurden Latifundien, fid ei commissarische Grundcomplexe eine Unmöglichkeit. Zinsen dursten die Israeliten unter sich weder nehmen noch geben. Der Talmud dehnt diese Bestimmung auch für den Geschäftsverkehr mit Nichtisraeliten aus, den es übrigens, wie bemerkt, in stüherer Zeit nicht gab. Dadurch wurde die Anhäufung des mobilen Capitals verhindert. Die landwirthschaftliche Naturanlage ist dem jüdischen Volke lange zu eigen geblieben. Denn noch im Talmud werden Schafzucht und Handel mit Kleinvieh als „Quelle des R e i ch t h u m s" empfohlen. Was man sich aber zur Zeit der Mischna unter einem reichen Manne vorstellte, geht aus der Bestimmung derselben hervor, daß, wer fünfzig Gulden besaß und ein Geschäft betrieb, oder zweihundert Gulden, ohne Geschäfte zu machen, die öffentliche Wohlthättgkeit nicht in Anspruch nehmen durste. Man denke: mit zweih u n d e r t G u l d e n war derJude zur Zeit Iesu ein Rentier! Diese finanzielle Naivetät wird auch Prinz Alois Liechtenstein bewundern. Je weniger Werth aber im Alten Testament und im Volke Israel auf den Besitz gelegt wurde, ein desto größerer wurde auf die Pflichten des Besitzes gelegt. Es hieße hier leeres Sttoh dreschen, wollten wir alle die zahlreichen Ermahnungen des alten Testaments zur Wohlthätigkeit anführen. Ueberall stehen die W i t t w e n und Waisen, die Armen und Fremden im Vordergründe. Sie bilden, wie der Midrasch fein bemerkt, die vier Hausgenossen Gottes, welche der israeliüsche Familienvater ebenso zu speisen, zu versorgen, zu erstellen verpflichtet war, wie seine eigenen vier Hausgenossen, die Gattin, den Sohn, die Tochter, die D i e n st l e u t e. Die Gesetzgebung des Alten Testaments ist eine Gesetzgebung für N i ch tbe sitz ende, nicht für Capital ist en. Dasselbe gilt vom Talmud. „Nehmt euch derKinder derArmen an, denn von ihnen geht die Lehre aus" ist seine Devise, die für sich allein inehr besagt, als ein ganzes Armengesetz. Die Juden können vom Christenthum gewiß Manches lernen, die Pflichten des Besitzes brauchen sie von chm nicht zu lernen. Wodurch sind denn nun die Juden gegen ihre ursprüngliche Naturanlage und Geistesrichtung auf die Bahn des Gelderwerbs hingelenkt worden? Wir sagen allgemein Bekanntes, wenn wir antworten: durch Zuchtwahl. Das Mittelalter hat die Juden dadurch, daß es ihnen jede andere Quelle der Ernährung verschloß, zu Wucherern förmlich gezüchtet. Jahrhunderte hindurch wurden sie von dm weltlichen und geistlichen „Herren" dazu gedrillt, das Volk „auszusaugen", um alsdann wieder von den „Herren" ausgesogen zu werden. Die Geschichte des Judenthums im Mittelalter ist die Geschichte eines Schwammes. Erst sog er sich voll, dann wurde er ausgedrückt. Und so ging's abwechselnd durch Jahrhunderte. Die Ahnen des Prinzen Alois Liechtenstein, der heute so gegen die Juden loszieht, wissen ein Lied von diesem Wechselproceß zu singen: „Schwamm darüber!" Der hohe Adel sollte überhaupt der letzte sein, welcher die antisemitische Lehre propagirt, daß die Juden die Völker aussaugen. Die Juden haben ja dies Geschäft nur im übertragenen Wirkungskreise für den hohen Adel besorgt. Niemand kann indeß aus seiner Haut, auch die Juden nicht. Trotz ihrer mittelalterlichen Drillung verstehen es die Juden nicht, zu besitzen. Schon im Talmud werden reiche Leute erwähnt, deren nächste Nachkommen Bettler waren. Später ist es ebenso gewesen. Wo ist das kolossale Vermögen der d e P i n t o, Berman v o n H a l b e r st a d t, Lipman Cohen von Hannover, der Samson Wertheimer und Samuel Oppenheimer u. a. hrngekommen? Mag sein, daß die Unmöglichkeit, Liegenschaften zu erwerben, zu der schnellen Verflüchtigung der angesammelten Reichthümer beitrug. Indessen besitzen die Juden schon lange das Recht, Liegenschaften zu erwerben, trotzdem wissen auch die großen Gemeinden der Gegenwart von ephemeren Crösussen unter den Juden zu erzählen. Man kann die hervorragend reichen Juden, die auch eben solcher Ahnen sich rühmen können, an den Fingern abzählen. Die meisten sind Ahnen, für wie viel nachkommende Geschlechter ist noch die Frage. Das Reichsein rst nur eine im Kampf um's Dasein enfftandene Angewöhnung der Juden, ihre Naturanlage ist das Armsein. Wir wollen den Antisemiten verrathen, wie man die ihnen so unangenehme Angewöhnung des Reichthums den Juden wieder abgewöhnen kann. Hetzreden, auch die des Prinzen Alois Liechtenstein thun's nicht, auch nicht Ausnahmsgesetze. Sie bewirken das Gegentheil. Beweis: das Mittelalter. Sorgt vielmehr dafür, daß die Juden Oberste und Generale werden können, daß sie zu allen Staatsämtern zugelassen, daß sie zu Grasen und Fürsten erhoben werden können, hebt mit einem Worte die Schranken auf, welche die Juden von allen Seiten behindern und laßt ihrem natürlichen Triebe nach Ehre, die ihnen mehr gilt als Geld, freren Spielraum, und sehr bald wird das jüdische Capital nur mehr der Sage angehören. Vielleicht ist es indeß jetzt schon eine. Es ergeht den Juden wie jenem Kinde, das mit einem Apfel in der Hand in die Schule kommt, und das von seinen zahlreichen Mitschülern mit der Bitte bestürmt wird, ihnen etwas davon zu geben. Da wirst das Kind den Apfel unter die Menge und ruft: „Jetzt habt Ihr den Apfel, nun gebt m i r etwas davon". Wir meinen, daß, wenn die paar reichen Juden ihre Aepfel, aber ebenso auch die geistlichen und weltlichen „Herren" die ihrigen einer allgenleinen Verkeilung opfern würden, die Juden insgesammt sich besser dabei stünden, als unter den gegenwärtigen Verhältnissen, wo Alle immer nur nach dem jüdischen Apfel schreien. Die Fürsten Liechtenstein sollen nur erst ihre Aepfel hergeben und mit dem guten Beispiel vorangehen, die jüdischen Capitalisten werden gewiß Nachfolgen. Wie dem aber auch sein mag, der jüdische Besitz mag Sage oder Wirklichkeit sein, die Erfüllung der Pflichten des Besitzes gehört bei den Juden nicht in das Reich der Sage. Erwerben haben sie durch Zuchtwahl gelernt, zu geben verstehen sie von Natur. Das erstere kann man ihnen, wenn man sie nach unserm Recept behandelt, wieder abgewöhnen, das letztere wird man ihnen nie abgewöhnen. Die jüdische Wohlthätigkeit wird noch immer von sich reden machen, auch wenn die antisemitischen, bürgerlichen und fürstlichen Hetzer gegen das jüdische Capital loszuziehen längst werden aufgehört haben.

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