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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-20 · 8 (20.2.1891) · p. Seite 151

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
8 (20.2.1891)
Date
1891-02-20
Page
Seite 151 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 8 Gesterreichifche Wochenschrift Lreue 151 lässig bemüht, die Pflichten der Menschenliebe gegen Arme auszuüben und zu fördern. Am 10. October 1821 in Berlin geboren, war die Verblichene eine Schwester des Herrn Geheimen' Sanitätsrath Dr. Lehfeldt in Berlin und eine Schwägerin des berühmten Rabbiners Dr. Michael Sachs. Fainilienblatt. Wochen- Feber 1891 i Adar 5651 Katender Freitag 20 12 Samstag 21 13 rrrcn Sonntag 22 14 klein Purim Montag 23 15 Dienstag 24 Ui Mittwoch 25 17 Donnerstag 2Ö 18 Freitag 27 19 Griechin nnd Jude. Erzählung von *** (Fortsetzung.) Da Simon nicht antwortete, ging der Wächter brummend fort. „Wenn man dir morgen die neununddreißig Peitschenhiebe geben wird, wirst du schon zu sprechen anfangen. Mehr kann man dir ja leider nicht thun. Seit diese verfluchten Römer uns beherrschen, darf man nicht einmal einen Gotteslästerer steinigen." Nach diesem tröstlichen Zuspruch schlug er brummend die Thüre hinter sich zu. Simon ließ Brot und Wasser unberührt. Lange saß er im Dunkel der Nacht über die Ereignisse des Tages, über das was ihm am nächsten Tage bevorstand, nachdenkend. Das trat das Bild seines Großvaters, wie er ohnmächtig umsank, vor seine Augen, und er vergoß bittere Thränen. Aber endlich machten Jugend und Natur ihre Rechte geltend, ein wohlthätiger Schlummer umfing ihn und ein schöner Traum entrückte ihn der traurigen Wirklichkeit. Er glaubte sich in einen prächtigen Tempel versetzt. Aus den Schilderungen Irenes von den griechischen Tempeln, ans den Erzählungen seines Großvaters von dem Gotteshause in Jerusalem bildete die Traumphantasie ein prachtvolles, märchenhaftes Bauwerk, in den« sich jüdischer und griechischer Cultus vereinigten. Dort stand leuchtend ein hehres Marmorbild mit Gold und Edelsteinen geschmückt, ein Festzug schritt vorbei, Priester in weißen Gewändern zogen, Palmenzweige tragend, voran, Jungfrauen folgten, in Körben die Erstlinge der Ernte tragend. Psalmengesang ertönte, erst leise, dann immer lauter, verwandelte sich endlich in sanfte, süße Laute, wie er sie von Irene gehört. Ja, es war Irenes Stimme, aber sie sang nicht mehr Simon! Simon! rief sie und er erwachte, unmuthig, daß er nur so schön geträumt. Aber wie ward ihm, als die Stimme wieder leise Simon! rief, als er eine Gestalt am Fenster erblickte. Er sprang rasch auf und eilte zum Fenster. „Irene, bist Du's", rief er. „Stille, stille," antwortete diese, „damit nicht dein Wächter erwache." „Wie kommst Du hieher und wie hast Du erfahren, daß ich hier bin?" fragte Simon. „In der ganzen Stadt schreien es ja die Juden aus, daß Tn ein Verbrecher und Gotteslästerer bist und daß Gott nur wegen deiner Missethaten keinen Regen schickt. Als ich fragte, was für ein Verbrechen Du begangen hast, wollte mir kein Mensch antworten. Einige von deinen Glaubensgenossen spuckten vor mir aus, andere zeigten mir drohend die Fäuste, und einer rief mir zu, man werde Dich morgen steinigen. Darum habe ich abgewartet, bis es finster geworden ist und bin hieher geeilt, um Dich zu befreien. Du kannst leicht durch das Fenster heraussteigen, sieh, das Gitter ist ganz morsch" — und wirklich gab das schwache Holzgitter dem Rütteln ihrer kräftigen Händchen nach. „Es ist auch nicht hoch" — fuhr sie fort — „ich reiche aus einem Steine stehend bis zum Fenster." Als Simon nicht antwortete, rief sie eifriger: „Nur schnell heraus und fort von hier, bevor der eingeschlasene Wächter aufwachl; aus dem Wege kannst Du mir dann erzählen, warum die Leute Dich Verbrecher und Gotteslästerer nennen." „Weil ich mit Dir von deinen Göttern gesprochen und deinen Gesang angehört habe, soll ich morgen vor Gericht gestellt werden," antwortete endlich Simon. „Was" — fuhr Irene aus — „weil Du mit mir gesprochen hast. Halten es denn deine Leute für ein Verbrechen, mit einer freien Griechin zu sprechen? Ist der Gesang nicht eine Gabe der Götter und sind denn nicht die Götter, von denen ich Dir erzählte, die Götter des Kaisers und der ganzen Welt?" „Ach, Du weißt es nicht," antwortete Simon, wer sich mit heidnischen Frauen unterhält und ihren Gesang anhört, wird selbst ein Heide, jagen unsere Rabbinen, und ein Jude, der vom Glauben ieiner Väter abfällt, den heidnischen Göttern oder bösen Dämonen dient, der soll strenge bestraft werden." „Böse Dämonen nennet Ihr den Weltherrscher Zeus und den herrlichen Apollo," ries Irene entrüstet, „sind sie nicht größere und mächtigere Götter als euer Jehova, dessen Bild kein Mensch je gesehen hat; doch" — unterbrach sie sich — „verlieren wir nicht die Zeit mit diesen Reden, komm schnell fort von hier." „Ich kann und darf nicht fort," erwiderte Simon, „ich muß morgen vor den Richtern erscheinen." „Damit sie Dich steinigen lassen!" ries Irene erbittert. „Nein," sagte Simon, „gesteinigt werde ich nicht. Ich werde zur gerechten Strafe für meine Sünde gegeißelt werden." Irene wollte antworten, da unterbrachen schwere lauthallende Tritte eines Bewaffneten das Gespräch des Gefangenen und der jungen Griechin. Erschrocken fuhr diese vom Fenster zurück und sprang vom Steine herunter, der ihr als Stufe gedient hatte, um die Flucht zu ergreifen. Aber schon hatte ein starker Arm sie um die Hüfte gefaßt, und als sie sich losreißen wollte, rief eine rohe Stimme aus lateinisch: „Sei ruhig Täubchen und folge mir in's Nest." „Laß' mich los, ich bin eine freie Griechin, die Tochter eines römischen Bürgers," schrie die mit aller Kraft sich Sträubende. Aber der römische Centurio, der sie ergriffen hatte, ließ sie nicht los. „Eben deshalb, weil Du eine Griechin bist und keine jüdische Barbarin," rief er lachend, „bist Du würdig, das Lager eines römischen Centurio zu theilen. Komm Schätzchen mit mir, römische Bürgerstöchter treiben sich nicht in später Nacht allein in Judenstädten herum", und sie fest an sich preßend, drückte er der vergebens sich Sträubenden einen frechen Kuß auf die Lipp>.n. Da konnte sich Simon nicht länger halten. Mit kräftige,» Stoß durchbrach er das morsche Holzgitter, zwängte sich durch die Fensteröffnung und packle den Römer von rückwärts. Erstaunt wendete dieser sein Gesicht gegen den Angreifer, und als er an der Tracht den Juden erkannte ries er: „Laß los, frecher Jude", und ver suchte sein Schwert zu ziehen. Da er aber Irene nicht loslaffen wollte und sie mit dem rechten Arm an sich drückte, konnte er se»n Schwert nicht aus der Scheide ziehen. Er stieß daher mit der geballten linken Faust dem Juden in's Gesicht, so daß ein Blutstrom aus dessen Nase schoß. Simon ließ sich aber dadurch nicht abhalten, den Römer umsofester zu packen, so daß dieser, um sich wehren zu können, Irene loslassen mußte. „Komm fort, fliehe schnell," rief die Freigewordene Simon zu: aber jetzt ließ ihn der Römer nicht mehr los. Ein furchtbares Ringen begann. Der römische Officier zog sein Schwert und stieß nach Simon. Geschickt wich dieser aus und faßte den Römer mit beiden Händen am Halse, ein kurzes Riegen folgte und beide Kämpfer stürzten zu Boden. Der Römer wollte schreien, aber nur ein leises Röcheln kam aus seinem fest umklammerten Halse. Simon sprang auf zu seinen Füßen lag die Leiche des Centurio. Vom erbitterten Kampfe berauscht stieß Simon die Leiche mit dem Fuße weg und rief: „So möge es allen Feinden Israels ergehen." „Weh. was hast Du gethan, Du hast den Centurio getödtet," klacte Jrei.e erschrecken. Doch fchinll sich fassend, setzte sie leiser hinzu:

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