Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 8 (20.2.1891)
- Date
- 1891-02-20
- Page
- Seite 150 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020856--00161-3024135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 150 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 8 Galberg in Mühlberg, Niederösterreich, statt, der auch von der ganzen christlichen Bevölkerung aufs tiefste betrauert wird. Die ganze Gemeindevertretung, die Feuerwehr. Veteranen und die christliche Bevölkerung betheiligte sich an der Leichenfeier. Vrng, im Februar. „M A - L £ NO-VI-NY pro d e - t i,“ zu deutsch: ..Kleine Zeitung für Kinder"; dies ist der Name einer in Prag (von Dr. Frant. Backovsky) herausgegebenen Zeitschrift, die in den öffentlichen Schulen colportirt wird; dieselbe bringt in Nummer 6 folgenden Artikel: „Der Jude." ..Auf der nächsten Seite, „liebe Kinder", sehet Ihr einen Juden abqebildet. Er steht im Hofe eines Prager Hauses und schreit schnaufelnd: „Handelunn'. Handelnnnnnn! Handelninnnnnn?" — Mit diesem Geschrei fordert er die Bewohner des Hauses ans, daß sie ihm etwas verkaufen. Er kaust Alles: Alte Kleider, Eisen, Silber, Gold und überhaupt Alles, aber er gibt wenig dafür; wenn er es jedoch später Jemanden wieder verkauft, so will er sehr viel dafür. Was er kauft, das steckt er in dem Sack auf dem Rücken oder in die Taschen. Gekleidet ist er mit einem Anzug, schäbig genug, damit wohl die, welche ihm etwas verkaufen, nicht merken, wie der Jud' von seinem „Handel" reich werde. Dagegen zu anderen Zeiten, wenn er nicht hausiren geht, sehen wir ihn luxuriös gekleidet einhergehen oder in einer Carosse fahren." Es ist tief zu bedauern, daß derartige literarische Erzeugnisse Einganz und Verbreitung in öffentliche Schulen finden können, wenn man erwägt, daß in den Sckulbibl'vtheken jedes noch so harmlose Buch die mit der Unterschrift eines Lehrers versehene Clausel enthalten muß, daß er dasselbe gelesen und unverfänglich gefunden. D. F. Keichemm (Böhmen). Mit allerhöchster Entschließung vom I. d. M. wurde dem hiesigen Rabbiner Salomon Lengsfelder das goldene Berdienstkreuz verliehen. Hr.-Weseritsch 13. Februar. Am 10. b. M. ist hier der allgemein geachtete Herr Moriz S. Blum, nach kurzem Leiden in seinem 59. Lebensjahre gestorben. Durch das Hinscheiden dieses Mannes erlitt unsere Gemeinde einen sehr herben Verlust. Blum war Gründer des Krankenunterstützungs- und Beerdigungsvereines „Chewra Kadischa" und bis zu seinem Dode langjähriger Obmann desselben und war stets unermüdlich für das Gedeihen dieses Vereines thätig Blum hinterläßt eine trauernde Witwe und sechs unmündige Kinder. Am 12. d. M. fand die Leichenfeier statt, welche sich zu einer spontanen Kundgebung für den Dahingeschiedenen gestaltete. Der Feier wohnte eine sehr zahlreiche Bevölkerung unserer Stadt ohne Unterschied des Standes und der Confession bei. Der hiesige Rabbiner Herr Dr. M. Weiner schilderte in einer trefflichen Rede die Verdienste des Dahingeschiedenen. Vreßvnrg. (Journalistisches.) Unter dem Titel „Magyar Zsido" ist vor einigen Tagen die erste Nummer eines ungarischen Organes für die Interessen des orthodoxen Judenthums erschienen. Der Herausgeber desselben ist der frühere Rabbinatsschüler Herrn Heinrich Israel, Das Blatt erscheint wöchentlich. Lemberg, im Februar 1891. Der hiesige Cultusvorstand hat an den Lordmayor von London, Sir Aldermann Savory uachstehendes Dankschreiben gerichtet: „Eure Herrlichkeit! Das denkwürdige Meeting, welches unter der Leitung Eurer Herrlichkeit, am lv. December 1890 in London pattfand und den Zweck verfolgte, der öffentlichen Meinung über die Verfolgung, welche Millionen der jüdischen Raffe in Rußland ausgesetzt sind, Ausdruck zu verleihen, erfüllt die Herzen der Juden der ganzen Welt mit Dankbarkeit, zunächst für die Person Eurer Herrlichkeit, sodann für die ganze englische Nation, in deren Mitte es möglich ist, daß in dieser Zeit so illustre Namen sich für die Bertheidigung der Rechte eines so hartbedrückten Volkes mit ihrem ganzen Einfluß eingesetzt haben. Die Repräsentanz der jüdischen Cultusgemeinde in Lemberg, der Metropole Galiziens, erlaubt sich im Namen der 36.000 Juden, welche in dieser Stadt wohnen, Eurer Herrlichkeit den innigsten Dank auszudrücken, daß Eure Herrlichkeit, geleitet vom edelsten und reinsten Gefühle der Humanität, sich unserer armen Glaubensgenossen in Rußland angenommen und den Impuls zu dieser, in der Geschichte der Jetztzeit so glorreichen Action gegeben haben." Irankfnrt a.M., 13 Februar. (Die Bibliothek des Doctor Brüll.) Der Tod des großen Gelehrten hat in wissenschaftlichen Kreisen die ernste Frage angeregt, was aus der Bibliothek des Verewigten werden soll. Diese Bibliothek von einem eminenten Kenner gesammelt, enthält selbstverständlich fast alle wissenschaftlichen und literarischen Erscheinungen der hebräischen, sowie talmudischen Literatur, seit den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts, ferner zahlreiche alte und neue Jndaica in den verschiedensten Sprachen, eine außerordentlich große Menge talmudischer Drucke bis zu den ältesten Zeiten hinauf, endlich eine beachtenswerthe Reihe Handschriften, unter denen nicht wenige sogar sehr selten sind. Im Ganzen dürste diese Sammlung, die von ihrem Besitzer in seiner gründlich gelehrten Weise durchgearbeitet wurde, an 8000 Nummern zählen und eine Zersplitterung derselben wäre aus doppelten Gründen zu bedauern; erstens wegen des Verlorengehens eines seit zwei Jahrzehnten aufgewendeten, rastlosen Mähens, und zweitens, weil hier in Frankfurt eine derartige Bibliothek so leicht nicht wieder der Oeffentlichkeit sich darbietet. Was auf diesem Gebiete in unseren Mauern vorhanden ist, beschräntt sich auf den ungeordneten Theil der Stadtbibliothek mit circa 1500 Nummern, von denen Manches werthvoll ist, sowie auf die Kirchheim'sche mit circa 700 Nummern. Die Privat büchereien — des Baron Willy von Rothschild mit ihrem noch nicht katalogisirten Inhalt, des Herrn L. Ph. P r i n s mit circa 12.000 Nummern, des verstorbenen Herrn Niederh o f h e i m mit circa 3000 Bänden, der Herren Gebrüder Mainz mit circa 1200 Bänden, sowie des Herrn L. R a p p mit circa 2500 Bänden, letztere zumeist allerdings in vielfachen Wiederholungen. Alle diese Sammlungen kommen hier wegen ihres nicht öffentlichen Charakters ganz außer Bettacht. Es wäre also jetzt, bemertt der „Frankfurter Herold", in die Erwägung einzutreten, in wie fern die völlige Erhaltung der Brüll'schen Bibliothek, deren Einzelheiten noch zahllose Glossen des berühmten Gelehrten aufweisen, wünschenswerth erscheint und welche Mittel in Bewegung gesetzt werden müssen, um sie sodann prattischen Zwecken gemäß, der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Königsberg, 4. Februar. Unser Glaubensgenosse Professor Hermann ist zum Rector der hiesigen Universität gewählt worden. Wafel, 6. Februar. Herr Jules D r e y f u s, Sohn des Vorstehers der hiesigen israelitischen Gemeinde, ist zum Hauptmann der Artillerie befördert worden. Trier, 5. Februar. Herr Rechtsanwalt Rothschild ist zum Justizrath ernannt worden. Kaag. In unserem Finanzministerium ist ein Jude neuerdings zu einem hohen Posten befördert worden. Herr Jacob Drielsma ist Vortragender Rath und leitet als Chef die Abtheilung für Zölle und indirecte Steuern. London. Am 7. d. M. ist die Witwe unseres unvergeßlichen Chief-Rabbi, Frau Dr. Cölestine Adler, ihrem Gatten in die Ewigkeit gefolgt. Die Dahiugeschiedene war eine Zierde der jüdischen Frauen, als Gattin unvergleichlich in ihrer aufopfernden Hingebung für die Pflege ihres Gemahls, als Mutter eine liebevolle, stomme Erzieherin ihrer Kinder, als Vorsteherin der Wohlthätigkeitsanstalten unab-