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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-20 · 8 (20.2.1891) · p. Seite 148

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
8 (20.2.1891)
Date
1891-02-20
Page
Seite 148 (sequence 14)
Language
German
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Seite 148 Hesterreichische Wochmschrift Nr 8. Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - israelitische Union.) Samstag den 21. d. M. Abends 7 Uhr findet im Restaurant K h u n e r, I., Börsegasse 14, eine Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes; 2. Vortrag des Herrn Professor Dr. Jonathan Wolf über: „Ein Blick in das Buch der Weisheit"; 3. Besprechung der bevorstehenden Reichsrathswahlen. Wien, 17. Februar. Die gegen den Antisemitismus gerichtete Stelle im Wahlhirtenbrief der österreichischen Bischöfe, welche wir im heutigen Leitartikel besprechen, lautet wörtlich wie folgt: „Die Kirche achtet und ehrt die Liebe und Anhänglichkeit an die eigene Nation; sie achtet und ehrt die Sprache, die Rechte und Eigenthümlichkeit einer jeden; aber sie muß es entschieden mißbilligen, wen diese Liebe und Anhänglichkeit ausarten würde zu Ungerechtigkeiten gegen die Rechte Anderer, zur fanatischen Befeindung jeder fremden Volksthümlichkeit. Mit einem Worte, n a ch katholischen Grundsätzen darf die Liebe zur eigenen Nation nicht wider das Gesetz der Räch st e n- und Bruderliebe sich w e n d e n und zum heidnischen R a c e n h a s s e h e r a b s i n k e n. . . . Wie Ihr aber immer wählen, welchen Gegnern Ihr bei der Ausübung eures Wahlrechtes immer gegenüberstehen möget, vermeidet alles, was den gesellschaftlichen, bürgerlichen oder nationalen wie religiösen Frieden stören könnt e." Wie«. (T r a u e r g o t t e s d i e n st.) Der Vorstand der israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Nellbau veranstaltete Montag den 16. d. M. zu Ehren des Andenkens seines Hingeschiedenen 'pflichteifrigen und verdienstvollen Schriftführers, Herrn Isidor Preis, im Vereinstempel einen würdigen Trauergottesdienst. In dem schwarz drapirten Tempel hatten sich die Hinterbliebenen Familienangehörigen, der Gesammtvorstand des Vereines, die Herren Obmänner der Tempelvereine der verschiedenen Bezirke, sowie zahlreiche Trauergäste eingesunden, die ihre Theilnahme für den Verblichenen, der die Arbeit seines ganzen thatenreichen Lebens dem Dienste die Oeffentlichkeit und seiner Glaubensgenossen gewidmet hatte, durch stille Andacht bezeugten. Nach Vortrag des Abendgebetes und Entzünden des Seelenlichtes für den Verblichenen wurde vom Tempelchor ein Trauerlied mil Orgelbegleitung gesungen und hierauf vom Vereinsprediger Herrn Dr. Weinsberg die Gedenkrede gehalten, die der unvergeßlichen Verdienste gedachte, die sich der Verstorbene in seinen zahlreichen öffentlichen Stellungeu, und namentlich als Vorsteher des Tempelvereines, erworben hat. In wahrhaft ergreifender Weise wurden hierauf vom Ober- Cantor Herrn D ü n m a u n die üblichen Trauergebete recitirt und mit dem Kadisch-Gebete endete die erhebende Trauerfeier für einen Mann, den ein unerbittliches Geschick vorzeitig der Stätte seines hingebungsvollen Wirkens fär die jüdische Sache entrissen, dessen Andenken jedoch in Ehren gehalten werden wird, so lange wahres Verdienst und edler Eifer für alles Schöne und Gute im Kreise der Mitstrebenden anerkannt werden wird. Wie«. (Personalnachrichte n.) Fräulein Olga Reichel, die Tochter des bestbekannten Großindustriellen Herrn L. Reichel, hat sich mit Herrn Edmond Wolfs verlobt — Sonntag den 22. Februar, halb 3 Uhr Nachmittag, findet im israelitischen Tempel, ll., Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Emilie N e ur a t h mit Herrn Bernhard Robi 1 schek statt. I Wien, 16. Februar. (V e r g a n i v o r G e r i ch t.) Am 12. d M. fand vor dem Bezirksgerichte Alsergrund die Verhandlung der Ehrenbeleidigungsklage Ernst Verganis gegen seinen ehemaligen Mitarbeiter Petvaidic-Petting und den Hauptmann Stefanov ic statt. Berg an i brachte in seinem Blatte über diese Verhandlung einen durchaus verlogenen Bericht, so daß ein antisemitisches Blatt, die „Ostdeutsche Rundschau", hierüber bemerkt: „Die sich stets wiederholende Berufung auf die alleinige Lügenhaftigkeit der sogenannten Judenblätter hat ihre Zugkraft vollkommen eingebüßt; im Pattai-Vergani-Processe erklärte ein antisemitischer Zeuge: „Das Deutsche Volksblatt lügt mehr als alle Judenblätter zusammengenommen." Bei der erwähnten Verhandlung handelte es sich um den Beweis der Satisfactions-Unfäbigkeit Verganis. Der Proceß gelangte nicht zum Abschlüsse, doch ging aus den Depositionen des Zeugen K. H. Wolf hervor, daß V e r g a n i sich in einer Redactionssitzung von dem Zeugen die ärgsten Beschimpfungen ruhig hat gefallen lassen. „Ich habe" sagte Wolf „ihm damals vorgeworfen, daß er sich auf unrechtmäßige und unredliche Weise in den Besitz des Blattes gesetzt habe, daß er gegen seine Mitarbeiter hinterlistig und gemein vorgegangen sei und daß ich wünschen würde, einen Ehrenmann an der Spitze des Blattes zu sehen." Durch die Aussage des Zeugen H r o n wurde ferner erhärtet, daß V e rg a n i einen von P a t t a i dem Armenfonds zügewiesenen Betrag von 150 fl. 44 kr. zur Bestreitung der Proceßkosten gegen Pattai bestimmte. Die Verhandlung wird an einem späteren Zeitpunkt zu Ende geführt werden. Wie«, 10. October Vom Herrn Rabbiner Doctor G r ü n w a l d in Jungbunzlau erhalten wir folgende Zuschrift: Löbliche Redaction! Pater Sebastian Euringer, Priester der Diöcese Augsburg, Verfasser des Buches: Der Masoratext des Kohelit (Hinrichs, 1890, Leipzig) schreibt mir in seinem Briefe de dato 6. Februar 1891 aus Oxford Folgendes: „Ich habe aus Ihrer werthen Karte gesehen, daß Sie ein überzengungstreuer Jude sind, wenn auch meine Ueberzeug ing eine abweichende ist, so ehre ich doch voll und ganz die Ihrige, und ehre ich in Ihnen noch mehr, einen des Volkes, von dem wir die Bibel überkommen haben. Des Volkes, das auch nach unserer Ueberzengung das auserwählte war, und nach der Verheißung es wieder sein wird am Ende der Tage, des Volkes, welches lebendige Tradition für die Heiligkeit der Bibel und die Wahrheit ihrer Offenbarungen ist. Dies hat Cardinal M an n i n g vor Kurzem ausgesprochen, und ich und alle wahren Christen sind dieser Ueberzeugung. denn der Antisemitismus ist keine Pflanze echten Christenthums; denn dieses kennt nur Nächsten lieb e." Die zwei Wörter echten und liebe sind vom Schreiber dreimal unterstrichen. Indem ich diese Aeußerung eines katholischen Priesters der Veröffentlichung für werth halte, zeichne ich rc. Wien, 17. Februar. (Verein zur Hebung der Gewerbe für Wien und seine Vororte.) Der Verein hielt am 16. d. M., 7 Uhr Abends, unter Vorsitz des Herrn Obmannes S. B r o d seine erste solenne Plenarversammlung ab. Bei vollgefülltem Saale und unter Anwesenheit des Gemeinderathes und Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Gustav Simon, des Architekten und Vorstandsmitgliedes Herrn Karl Tagleicht, der Vorstandsmitglieder der österreichisch-israelitischen Union Herren Jeiteles und Freyberg und vieler bedeutenden Industriellen hielt k. k. Baurath und Gemeinderath, Herr Wilhelm Stiaßny einen Vortrag über die Gründe des Niederganges der Gewerbe in Wien. Die sachliche Durchführung, die geistvolle Beleuchtung und der oratorische Schwung des Redners erwirkten einen großen Beifall.

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