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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-20 · 8 (20.2.1891) · p. Seite 147

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
8 (20.2.1891)
Date
1891-02-20
Page
Seite 147 (sequence 13)
Language
German
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Htt. 8 Gesterreichifche Wochenschrift «rette 147. Tagen war er beschäftigt mit der Herausgabe von Z u n z' „Gottesdienstlichen Vorträgen". Die Vollendung dieses Werkes und noch so vieles anderen, was man für die Geschichte und die Wissenschaft des Judenthums von ihm erwartete, war ihm vom Schicksal nicht vergönnt, das ihn im besten Mannesalter aus seinem Wirkungskreis dahinraffte, zum großen Schmerz — all derer, die sich mit jüdischer Wissenschaft beschäftigen. Die Trauer über den schweren Verlust, den wir und mit nns die Wissenschaft erlitten, ist ein allgemeiner und das Andenken an den Dahingeschiedenen wird ein gesegnetes, so wie sein Wirken unvergeßlich sein. Vrestau, 9. Februar. Die Spende des Herrn Wilhelm Ritter von G u t m a n n zur Gründung einer jüdischen theologischen Lehranstalt in Wien, sowie die von dem Spender in seinem Programm ausgesprochene Absicht, die Realisirnng des Werkes nach Möglichkeit zu beschleunigen, veranlaßte die österreichischen Hörer des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, demselben eine kalligraphische Dankadresse zukommen zu lassen. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: „Euer Hochwohlgeboren! Ueberall. wohin die Kunde von dem edlen Schritte gedrungen, den Euer Hochwohlgeboren durch die thatkräüige Inangriffnahme der Gründung einer jüdischen theologischen Lehranstalt in Wien gethan haben, hat sie die jüdischen Herzen freudig bewegt und mit froher Hoffnung erfüllt. Insbesondere aber haben die jüdischen Theologen österreichischer Staatsangehörigkeit dieses für die jüdische Wissenschaft und Religion so hochwichtige Ereigniß mit inniger gFreude begrüßt; bedeutet es doch die Erfüllung eines von ihnen längst ehegten Herzenswunsches, daß es dem Oesterreicher ermöglicht werde, in Zukunft den rabbinischen Studien in seinem Vaterlande obliegenzu önnen. Die Unterzeichneten österreichischen Hörer des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau verleihen also nur ihren wahrhaftigsten Gefühlen Ausdruck, indem sie Euer Hochwohlgeboren für dieses hochherzige Beginnen ihren tiefgefühltesten Dank und ihre aufrichtige Verehrung ausprechen. Möge es Euer Hochwohlgeboren gegönnt sein, dieses gottgefällige Unternehmen recht bald von herrlichem Erfolge gekrönt zu sehen, möge die Anstalt, mit der Euer Hochwohlgeboren Name für ewige Zeiten verknüpft sein wird, erstehen, blühen und gedeihen, eine Zierde der altehrwürdigen Wiener Gemeinde, ein Hort des österreichischen Judenthums, eine leuchtende Stätte jüdischer Lebre und Wissenschaft und ein beredtes Zeugniß dafür, daß auch in der Zeit so heftiger Anfeindungen von Außen und des bedauerlichsten Jndifferentismus in der eigenen Mitte große und edle Männer nicht gefehlt haben, die sich an der Flamme jüdischer Religion und Wissenschaft erwärmten und für sie begeisterten. Es zeichnen in besonderer Verehrung Euer Hochwohlgeboren ergebene. (Es folgen 17 Unterschriften.)" Herr Wilhelm Ritter von Gutmann richtete hierauf an die Absender der Adresse folgende Zuschrift: „Meine lehr verehrten Herren! Für Ihre mich ebenso ehrende als erfreuende Adreffe spreche ich Ihnen meinen herzlichsten, innigsten Dank aus. Ich hoffe, daß es mit des Allmächtigen Unterstützung jetzt möglich sein wird, den so lange gehegten Plan der Errichtung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt seiner Verwirklichung entgegen zu führen. Wien wird in nicht ferner Zeit die so sehr entbehrte Centralstätte für die Pflege jüdischer Wissenschaft besitzen, und es wird uns hoffentlich auch gelingen, dieselbe durch Heranziehung bewährter Lehrkräfte stets auf der Höhe der Zeit zu erhalten, damit sie auch im Kampfe gegen unsere Feinde eine Stütze gewähre und ein Hilfsmittel zur Widerlegung ihrer Anschuldigungen bilde. Daß mit der Gründung dieses Institutes auch mein Name verknüpft ist, wird mir allezeit ein stolzes Bewußtsein und eine freudige Erinnerung sein. Indem ich Ihnen allen nochmals bestens danke, grüßt Sie herzlichstJhr ergebener Wilhelm Gutmann. Wien, 6. Februar 1891." Darmstadt, 17. Februar. Die zweite Kammer begann heute die Berathung des Budgets. Beim Cultus- Etat beschloß die Kammer, die Regierung zu ersuchen, auch für Zuschüsse an die deutsch-katholischen und die israelitischen Religions-Gemeinschaften Vorsorge zu treffen. Schröder (national-liberal) beklagt es, daß im Lande seit einiger Zeit die Juden als solche verfolgt werden und für diese Bewegung sogar evangelische Geistliche eingetreten sind und noch eintreten, was ihnen als Diener des Friedens nicht zukomme. In der Bevölkernng herrscht eine gewisse Verwirrung. Darum möge die Regierung Alle» lhun, damit dies unterbleibe, nöthigenfalls unter Anwendung disciplinarischer Mittel. — Minister-Präsident Finger versichert, daß die Regierung die B e w e g u n g, welch e eine Krankheit sei. aufmerksam verfolge Die Beamten haben Weisungen erhalten, anfzuklären und Ausschreitungen entgegenzutreten. Er hoffe von dem gesunden und christlichen Sinne des Volkes, daß es bald den K r a n kheitsstoff abstoßen werde Neuere Berichte aus Oberhessen lassen erkennen, daß die Leidenschaft dort bereits abnehme. — Racke (ultramontan) bezeichnet es als Verbrechen, Jemanden um seiner Religion willen zu verfolgen. Dies soll man nie vergessen; es sei nocb nicht lange her. daß eine andere große Religious-Gesell'chaft im Reiche verfolgt wurde und noch seien Angehörige derselben cxpatriirt. — Wolfs kehl (national-liberal) äußerte die Ansicht, daß man zur Bekämpfung des Antisemitismus sich rücksichtsloser Mittel bedienen müsse; auch erklärte er eine andere Organisation der Verwaltung der Judengemeinden für nothwendig. — Minister-Präsident Finger bezeichnete ebenfalls eine solche Reorganisation als eine wichtige Ausgabe, deren Lösung nicht ausgeschoben werden kann. London. Der Lord-Mayor erhielt vom Unterstaatssecretär des auswärtigen Amtes nachfolgendes Schreiben: „Foreign Office, 7. Februar 1891. Mein Lord! Der russische Gesandte hat den Marquis von Salisbury ersucht, Euerer Lordschaft das Schreiben, welches Sie an Seine Majestät den Kaiser von Rußland am 34. v. M. gerichtet haben, nebst der Denkschrift, welche demselben beilag. betreffend die Lage der Juden in Rußland, zurückzustellen, und ich bin demgemäß von Seiner Lordschoft angewiesen, diese Schriftstücke hiemit Ihnen zu übermitteln. Ich verbleibe, mein Lord, Ihr ganz ergebener P. W. C u r r i e. Der Brief an den Zaren hatte folgenden Wortlaut: „Mansion House London, 34. Jänner 1891. An Seine kaiserliche Majestät Alexander lll. Herrscher aller Reuffen! Euere Majestät! Als Obmann der öffentlichen Versammlung, welche in Guildhall von der Stadt London am 10. December 1890 abgehalten wurde, habe ich die Ehre, Eurer Majestät anliegend die ehrerbietige Bittschrift der Bürger Londons in Betreff der Lage der Juden in Rußland zu unterbreiten. Die Bittschrift, welche durchaus unpolitisch ist, konnte nicht im gewöhnlichen Wege befördert werden und dies mag meine Entschuldigung dafür sein, daß ich das Schriftstück an Eure Majestät durch die Post übersende und daß deren Uebermittlung sich verzögerte. Eure Majestät werden gnädigst bemerken, daß die Bittschrift von hoher Achtung und Rücksicht erfüllt ist, welche die Bürger Londons der Person und dem Throne Euerer Majestät zollen und werkthätige Theilnahme und Milde von Euerer Majestät für die Berbefferung der Lage von Dero jüdischen Unterthanen erbitten. Ich brauche wohl kaum Euerer Majestät zu versichern, daß die Bittschrift weder von politischen noch religiösen Erwägungen ausgeht, sondern lediglich von dem Gefühle, daß der Ausdruck menschlichen Jntereffes für die Wohlfahrt der Juden seitens der Stadt London bei Euerer Majestät jene gnädige und hochherzige Ausnahme finden werde, welche Dero wohlbekannte Zuneigung für alle Claffen von Unterthanen in Dero weitem Reiche erheischen mag. Mit der Versicherung meiner ganz ehrerbietigen Ergebenheit und Hochachtung habe ich die Ehre zu verbleiben Euerer Majestät unterthänigster und gehorsamster Diener Josef S a v o r y, Lord-Mayor der Stadt London.

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