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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-20 · 8 (20.2.1891) · p. Seite 146

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
8 (20.2.1891)
Date
1891-02-20
Page
Seite 146 (sequence 12)
Language
German
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Sette 146 Gesterretchittye WocheuschrtN vtt. 8. und verband mit einer weltmännischen Aufklärung einen pietätvollen religiösen Sinn. Er starb bei vollem Bewußtsein mit dem lautgesprochenen jüdischen Glaubensbekenntnisse. Bei seinem Leichenbegängnisse sang sein einstiger College und Freund, Cantor Gold stein, in geradezu meisterhafter Weise. Rabbiner Tr. Güdemann hielt eine» ergreifenden Nachruf. Am offenen Grabe sprach noch Sulz ers einstiger Lehrer und Freund Dr. Brüll, Rabbiner in Ober-Döbling. E. F. Wien. Das a l l g e.n e i n e ö st e r r e i ch i s ch e israelitische T a u b st u m m e n i n st i t u t in Wien veröffentlicht seinen 37. Jahresbericht. Die Anstalt zählte im abgelaufenen Schuljahre 99 Zöglinge, wovon im Monate Juli 17 als gebildet entlassen und im September dafür wieder neu 16 ausgenommen wurden, so daß sich gegenwärtig 98 in derselben befinden. Nicht unbedeutend ist die Zahl derjenigen Unglücklichen, die ohne Hilfe des Vereines allen Arten von Launen und Bedrückungen, Verführung und Entartung ausgesetzt sind und als vernunftlose Wesen die irdische Laufbahn durchwandern müssen. Viele Hunderte sind bereits durch Unterricht und Erziehung befähigt worden, eine Kunst oder ein Handwerk zu erlernen, und sich dadurch gleich anderen vollsinnigen Menschen ihren Lebensunterhalt durch eigene Betriebsamkeit zu erwerben. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Thatsache, daß von den ausgetretenen Zöglingen dieser Anstalt, zwei, Herausgeber und Redacteure vielgelesener Blätter für TaubsNlwme sind, wovon ein Blatt hier in Wien unter dem Namen „Taubstummen-Courier" und eines unter dem Namen «Taubstummen- Weltblatt" in New-Iork erscheint. „Diese höchst erfreulichen Resultate" — sagt der Bericht — „haben wir nur den unserem Institute entgegengebrachten Sympathien zu danken und es freut uns, constatiren zu können, daß auch in diesem Jahre die allseitige Theilnahme für das menschenfreundliche Wirken unserer Anstalt in zahlreichen Spenden und Unterstützungen werkthätigen Ausdruck gefunden hat. Allein trotz der zahlreichen Spenden stehen die Zuflüsse nicht auf der vollen Höhe der Bedürfnisse. Noch immer wiederholt sich die traurige Thalsache, daß nicht allen sonst gerechtfertigten Bitten um Aufnahme in die Anstalt entsprochen werden kann, weil die vorhandenen Mittel dazu nicht ausreichen. „Insbesondere ist es zur materiellen Kräftigung unserer Anstalt dringend geboten, daß der Kreis der ständige Beiträge leistenden Mitglieder sich erweitern möge. „Daher richten wir an alle hochherzig fühlenden und wohlwollend denkenden Förderen der humanitären Bestregenden die inständige Bitte, daß jeder Einzelne in seinen Kreisen dahin wirken möge, gleichgesinnte Wohlthäter zur Unterstützung unserer Anstalt zu bewegen. Hierdurch allein wird es möglich sein, den Ausfall an ständigen Beiträgen zu decken und dem Institute diejenigen materiellen Mittel zuzuführen, deren es bedarf, um die angestrebteu idealen Ziele zu erreichen." Celfchen a. dtzköe, 16. Februar Wir erhalten folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 3 vom l6. Jänner 1891 finden wir unter der Localuachricht „Tetschen a. d. Elbe" die Notiz, daß nicht die Inhaber der Firma „Kurzhals" wohl aber die Inhaber unserer Firma als Antisemiten bekannt sind. Wir vermuthen, aus welcher Quelle diese schmutzige Nachricht geflossen und sehen uns daher diesem lediglich auf eine Störung unserer geschäftlichen Interessen berechneten Vorgehen gegenüber veranlaßt, der Oeffentlichkeit wahrheitsgetreu zu erklären, daß die Inhaber unserer Firma weder Antisemiten find, noch sich jemals derartigen Bestrebungen angeschlossen haben, dieselben vielmehr schon in Rücksicht auf unsere Geschäftsverbindungen derlei Tendenzen niemals gehuldigt haben. Wir erklären sohin unsererseits diesen Vorgang als ein aus bodenloser Böswilligkeit entsprungenes, durchaus tendenziöses Beginnen. Nachdem aber die betreffende Notiz auch einige specielle Fälle znm Beweise ihrer verleumderischen Behauptung anzuführen für nothwendig erachtete, so sei zunächst als unwahr bezeichnet, daß Herr S ch o m b u r g in einem hiesigen Vereine jemals einen antisemitischen Skandal provocirt hat und ebenso als unwahr, daß Herr Rudolf E b e r t damals, oder sonst einmal Herrn S ch o m b u r g mannhaft entgegengetreten ist. Wir erklären ferner, daß es unwahr ist, wenn behauptet wurde, daß Herr E b e r t in einem anderen Verein in Gegenwart des Herrn Schomburg den Antisemitismus zurückgewiesen, mit dem Austritte aus dein Vereine gedroht und kaum zu erwartende Erfolge erzielt hätte. Wir erklären schließlich als unwahr, daß unsere Firma, jemals mit Vergant oder sonst einem der Gesinnungsgenossen desselben in Verbindung getreten ist, und erwarten, daß jeder unbefangen denkende Künde, der unsere Firma kennt, diesen Zwischenfall als das ansehen wird, was er wirklich ist, als ein unlauteres, auf Schädigung unseres Geschäftes berechnetes, keineswegs anständiges Unternehmen. Wir bitten Sie, geehrter Herr Redakteur, um ebenfalls der Wahrheit die Ehre zu geben, dieser unserer Erwiderung einen Raum in Ihrem geschätzten Blatte zu gönnen und zeichnen mit dem Ausdrucke unserer vollsten Hochachtung Schomburg & Stegemann. Frankfurt a. M., 8. Februar. Heute fand hier das Leichenbegängniß unseres leider so früh dahingeschiedenen Rabbiners Dr. Nehemias Brüll statt, der mehr als zwanzig Jahre als geistliches Oberhaupt an der Spitze der hiesigen israelitischen Gemeinde gestanden hat. Wie groß die Verehrung war, die man dem tiefen Forscher, dem großen Gelehrten zollte, das zeigte sich hier recht deutlich. Die städtischen Behörden waren durch eine Deputation vertreten, die evangelische Geistlichkeit durch die Pfarrer Ehlers, Junge und C o r r i v a i n. die Loge „Zur aufgehenden Morgenröthe" durch ihren Vorstand. Zahlreiche Vereine und Private hatten Kränze geschickt. Von auswärts waren viele Rabbinen herbeigeeilt, um ihrem großen Collegen, den sie als Lehrer und Führer verehrten, das letzte Geleite zu geben. Das Lehrerkollegium und die beiden obersten Ctassen des Philanthropins waren vollzählig erschienen. — Am Grabe gab zuerst dem tiefen Schmerz der Gemeinde, der Angehörigen und des ganzen Judenthums, für das der Verstorbene gelebt und gewirkt, Ausdruck der langjährige Amtsgenosse des Verstorbenen, Dr. Plaut. Er pries den Dahingegangenen als einen in sich gefestigten Charakter von seltener Lauterkeit, als Mann der Wahrheit. der die Wahrheit bekannte und Wahrheit redete in seinem Herzen, dessen ganzes Leben und Streben der göttlichen Wahrheit diente, die er zu reiner, ungetrübter Anerkennung zu bringen bestrebt war. Herr Emil R o s e n t h a l schilderte Namens des Vorstandes der hiesigen Gemeinde das segensreiche Wirken, das bescheidene, nicht nach äußerer Anerkennung strebende Auftreten, den reinen Gotteseifer, der ihn in allem, was er gethan, beseelte. Als Vertreter der Loge „Zur ausgehenden Morgenröthe" sprach Herr Fritz Auerbach. Herr Dr. S a a l f e l d beklagte mit warmen, begeisternden Worten den schweren Verlust, den durch den jähen, all zu frühen Tod Brüllt die Wissenschaft, insbesondere die Wissenschaft des Judenthums, erlitten. Was Z u n z und Rappoport, was Geiger und St e i n begonnen, das hatte Brüll mit seinem Scharffinn und seiner gründlichen Gelehrsamkeit fortgesetzt, und noch in seinen letzten

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