Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 8 (20.2.1891)
- Date
- 1891-02-20
- Page
- Seite 145 (sequence 11)
- Language
- German
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Kr. 8 Gesterreichifche Wochenschritt Tette 14s Schreiber dieses hat, gleichfalls aus Pietät für seine Ahnen, an der Einrichtung dieses Gottesdienstes Antheil genommen. Der Grabstein des Gründers der Familie Sulzer auf dem Friedhof zu Hohenembs steht circa 150 Jahre. Der Friedhof von Sulz, der im Eichenwalde sich befindet und von den ältesten Bewohnern als solcher bezeichnet wird, ist Äurch die Hochwässer der Frutz nicht mehr zu erkennen und ganz und gar versandet. Zur Eruirung von Grabsteinen und Inschriften müßten mühselige Nachgrabungen vor- -genommen werden. Ich habe Eingangs dieser Skizze darauf hingewiesen, daß die Juden schon im Jahre 1848 in Heiligeukreuz. Lei Feldkirch oermuthet werden. Dies scheint auch durch folgende Thalsache begründet. Ein Mann in Feldkirch hatte in den 60er Jahren einen jüdischen Mantel mit Gold gestickt, den er trotz aller Bemühungen nicht hergeben wollte. Es stellte sich heraus, daß es ein Paroehes mit dem Prat sei, von -Heiligenkreuz herstamme und ein Alter von 600 Jahren habe. Das Paroehes wurde später von Herrn Ritter von Tschavoll erworben. J_ _ Kesesriichte. * Ueber die Juden in Arabien macht der berühmte Forschungsreisende Dr. Eduard Glaser in einem Vortrage, den er am 29 v. M. im Münchener „Journalisten- und Schriftstellerverein" gehalten, folgende interessante Mittheilungen: Cafes gibt es in Ssana nicht. Man nimmt einfach gegenseitig die Gastfreundschaft in Anspruch. Eines Tages setzte er sich zu einem Händler an die Straße, Kaffee und Margileh wird gereicht. Da verträumt man die Stunden. Da kam ein kleiner bettelnder Judenknabe. Die Juden sind zahlreich in Jemen. Um's Jahr 500 n. Ehr. gab es jüdische Könige über das Land. Die Juden sind jetzt vielfach Handwerker und ihr Verdienst ist oft blos 10 bis 20 Pf. per Tag nach unserem Geld, auch 3 Pf. Da behelfen sie sich bei zahlreicher Familie damit, daß sie einen oder mehrere Knaben zum Islam übertreten lassen, dann nehmen sich die Muhamedcmer um die Kinder an. Um den Bettelnden hatten sich bald andere kleine Araber gesammelt und einer sagte dem Fremden, der jüdische Knabe sei auch Muhamedaner geworden. Darauf fragte Dr. Glaser den Kleinen, ob er nun seinen jüdischen Vater noch besuchen dürfe Der Junge getraute sich vor den Anderen nicht, eine Antwort zu geben. Da rief eines der Kinder: „Nein, er darf ihn nicht besuchen, denn fein Vater ist Jude." Ein größerer Kaabe, der schon die Schule besuchte, trat aber vor und sagte: „Ja, er muß seinen Vater besuchen, sonst kommt er in die Hölle. Wir müssen unsere Ellern lieben und ihnen alle Tage die Hand küssen und uns nicht darum kümmern, was sie sonst sind!" Die anderen Knaben stimmten bei. Auf Befragen, wer ihnen das vorgeschrieben, sagten sie: „Unser Lehrer." Erfreut reichte der Reisende jedem der Knaben ein Kapferstück für die richtige Antwort. Einer sagte: „Ich brauch's nicht, mein Vater hat Geld, aber diesem Cameraden kannst du dafür zwei geben, der ist arm." Außer Muhamedanern gibt es nur Juden, Andersgläubige nicht. Der zum Islam Uebertretende wird mit großen Ehren ausgenommen und man verschafft ihm Einkommen. Aber zu seinem ersten Glauben zurückkehren darf er nicht, sonst setzl er sein Leben aufs Spiel. Und doch, wenn ein solcher Convertit zu einem auswärtigen unabhängigen Stamm sich flüchtet und um Schutz bittend erklärt, daß er seinen alten Glauben wieder annehmen wolle, so ist er geborgen. Der Schutz wird nicht versagt und der ganze Stamm setzt seine Existenz für den Schützling ein. Der Ausdruck ist: „Er steht vor meinem Gesicht", das heißt: in meinem Schutz. So sagte eines Tages der Scheck eines Stammes zu dem Reisenden: „Wegen des Juden, den du bei mir gesehen hast, haben wir nun 25 Jahre Krieg." (Lorrespondenzen Wie«. (Capellmeister Julius Sulzer.) Am!3. Februar 1891 starb hier der Capellmeister Herr Julius Sulzer im 61. Lebensjahre. Derselbe, der älteste Sohn des weltberühmten Ober-Cantors Professor Salomo« Sulzer, zeigte frühzeitig große musikalische Begabung und wurde von seinem großen Vater dementsprechend erzogen. Mit selten schöner Stimme sang er als Knabe schon im Tempelchore. Er studirte später viele Jahre bei Fechter und bei italienischen und deutschen Meistern. Bereits in iungen Jahren wirkte er als Maestro Concertatore in Italien, und war vielfach gleichzeitig auf dem Felde der Composition thätig. Als Jüngling wurde er Cantor in Frankfurt a. M., in der bekannten Reformgemeinde des Rabbiners Stein. Als die Gründung des neuen Tempels in Wien stattfand. kam er nach Wien und componirte an der Seite seines Vaters Gesänge für die Grundsteinlegung und Einweihung desselben mit Orchesterbegleitung. und erhielt vom Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde einen Ehrenbecher aus diesem Anlasse. Um den Gesang im Leopoldstädter Tempel auf eine hohe Stufe zu bringen, gründete er den Gesangverein „Zion", welcher bei solennen Anläffen beim Gottesdienste mitwirkte. Er selbst alternirte mit Goldstein als erster Cantor. Ein durch allzusrühe Anstrengung aufkeimendes Lungenleiden zwang ihn das Cantorat aufzugeben und sich nach dem Süden zu wenden. Julius sulzer war der erste europäische Künstler, welcher vor dem Sultan Abdul Aziz im Harem concertirte, ebenso vor dem Khedive. Er war es, der es erwirkte, daß österreichische Musikinstrumente in der türkischen Armee eingeführl wurden, wofür er von der österreichischen Gewerbe- und Handelskammer ein Anerkennungsdecret erhielt. Im Jahre 1865 wurde seine Oper „Johanna von Neapel" in Prag mit Erfolg aufgeführt, vnd im Jahre 1866 für Berlin acceptirt, jedoch des Krieges wegen zurückgelegt. Anfangs 1868 dirigirte Sulzer die italienische Stagione von Patierno. Er wurde kurze Zeit darauf von dem Fürsten, derzeitigen Könige Karl von Rumänien, beauftragt eine Hofcapelle zu gründen und zum Hofcapellmeister ernannt Damals componirte er im Austrage des rumänischen Cultusministeriums die dreiactige National- Oper „Held Michael", deren Partttur das Ministerium ankaufte, im Jahre 1870 acceptirte Sulzer den Antrag, während der Carnevals-Stagione die oberste Leitung der großen Oper am königlichen Hoftheater „Vittorio Emmanele" zu übernehmen. Julius Sulzer, ein treues Wiener Kind, kam, von Sehnsucht nach Heimat und Familie getrieben, im Jahre 1874 nach Wien und wurde zum Capellmeister im k. und k. Hofburgtheater ernannt, woselbst er bis zu seiner schweren Erkrankung wirkte. Er schrieb in dieser Zeit die Musik zu den Königsdramen, wie überhaupt zu den meisten Stücken, und fand dieselben ohne Ausnahme an allen deutschen Bühnen Eingang. Von Director Dingelstedt, und Wilbrandt wurde Sulzer vielmals durch Uebersendung von Belobungsdecreten ausgezeichnet. Sein warmes Bestreben für die Hebung der orchestralen Burgtheaterverhält- > nisse fand stets in technischen wie materiellen Verhältnissen unüberwindliche Hemmnisse. Bon seinen Liedern ist besonders, „der Wanderer in der Sägemühle" bekannt. Professor Julius Sulzer hinterläßt eine dreiactige Operette und ein bei Breit köpf und Härtel erscheinendes liturgisches Nachlaßwerk. Sulzer war Ritter des italienischen Krouenoröens, des erncstinischen Hausordens I. Classe, Officierdes Medschidie- Ordeus. Professor an der einstigen Hofopernschnle unter Director Salvi und Professor am rumänischen Conservatorium. Sulzer war ein tteuer Patriot und rettete als ganz junger Mann im Jahre 18*8 einem österreichischen Öfficier das Leben, bei welcher Gelegenheit er einen Schuß in den Daumen erhielt, welcher ihn viele Jahre am Clavierspiele hinderte. Er war ein intelligenter, leicht empfänglicher Geist