Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 8 (20.2.1891)
- Date
- 1891-02-20
- Page
- Seite 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 140 Hesterreichifche Wochenschrift Nr 8. Millionen-Stiftung entsendet wurde. Gewiß konnte die Wahl auf keinen würdigeren und edleren Mann fallen. Wir richten daher an unsere Glaubensgenossen, und insbesondere an die Cultusvorsteher in Sanok, Rymanow, Lisko, Lutowiska und B a l i g r 6 b die eindringliche Mahnung, mit allen ihren Kräften, wie ein Mann, die Wiederwahl des Herrn Eduard Ritter von Gniewosz zu fördern, und so einen geringen Theil der Dankesschuld abzutragen, zu welcher uns dieser echte Ritter des Geistes, dieser wahrhaft humane Mann, dieser reine und makellose Charakter, durch seine glänzende Rede am 13. Februar d. I., durch seine stete, überzeugte und überzeugende Vertheidigung der Juden und des Judenthums verpflichtet hat!" Alexander Schorr. Schönerer eontra Uergnni. Der am 1. und 16. jedes Monats erscheinende Moniteur Schönerers, benamset „Unverfälschte Deutsche Worte", widmet in der Regel den vierten Theil des Raumes dem „Briefkasten". Der Briefkasten der letzten Nummer ist zum großen Theil Herrn Berg an i gewidmet. Wir geben im Nachstehenden eine Blumenlese dieser Correspondenz: K., Hernals Wir sehen durch die Candidatur Liechtensteins nur unsere längst offen ausgesprochene Anschauung bestätigt, daß die christlich-socialen und andere Sorten patentirt patriotischer Antisemiten auch noch ihren Antisemitismus ablegeu werden, wenn es das patriotische Gefühl verlangt und die Regierung es wünscht. Fürst Liechtenstein dürfte die erste von der Regierung ausgehängte Leimruthe sein. Daß so viele Fliegen hängen bleiben, ist zum großen Theile auch das Verdienst des „Deutschen Volksblattes" Verganis, das bis heute nie eine zielbewußte, klare und unzweideutige Haltung eingenommen hat, sondern stets mit der „Einigkeit" im Munde sich zwischen den unzähligen antisemitischen Schattirungen, immer den Blick in die Abonnentenlistcn gerichtet, aalglatt durchgewunden hat. — Nur ein im strengsten Nationalismus wurzelnder Antisemitismus ist gefeit gegen solch' officiösklerikal - feudale Gimpelfängerei. — Dr. gj. IX. Es kann heute schon bestimmt gesagt werden, daß Bcrgani im Städte-Wahlbezirke Krems nicht gewählt wird. U. d. G. J. — Cand. med. Schiester Seit Jahr und Tag ist die Kampfesweise des' „Deutschen Bolksblattes" einfach die gleiche wie die der Judenblätter ärgster Sorte: Auf der einen Seite Todtschweigen, auf der anderen Beschimpfen der Deutschnationalen. Der „Redactionsanständige" des „Deutschen Volksblatt" dürfte die schwierigste Stellung bei dieser „christlichen" Zeitung inne haben. In Steierniark mag man von einem Anstande der Cavaliere des ancien regime etwas wissen — beim „Deutschen Volksblatt" aber haben wir seit Monaten nur den Anstand von Hotzeuplotz aus den Zeilen höhneln gesehen. Ehren-Vergani liebt „Verfälschte Deutsche" und „Unverschämte Deutsche Worte". Wir möchten heute vor den Pforten von Nr. 5 linke Bahngasse, vor Ehren-Vergani, nicht mit unseren Suppentöpsen kauern. Die trübe Suppe dieser journalistischen „antisemitischen" Hexenküche auszulöffeln, - würden wir Uns niemals herbeilaffen. U. d. G. J. — G S. Verlangen Sie als Nationaler nur immerhin den Betrag zurück, den Sie laut Einzahlungsbestätigung seinerzeit Herrn Vergani für ein „deutschnationales", und nicht für ein „Berwirrungsorgan" übergeben haben. Sie werden jedoch sehen, daß Herr Vergani, trotzdem er in seinem Blatte erklärte: Geforderte Beträge der Deutschnationalen zurückzuerstatten — nicht diesem seinem Versprechen gemäß handelt. Trotz eingeschriebener Briefe mit Retourschein, trotz nochmaliger eingeschriebenener Mahnung, gab er Genoffen keine Antwort, auch wenn noch.Rückantwortmarke beilag. Das Geld der Deutschnationalen steckt man ein. um dieselben dafür gemein beschimpfen zu können. Hoch Ehren Vergani! U. d. G. - S. N- Mrl? V- Es ist allerdings zu köstlich, wenn das „Deutsche Volksblatt" in seiner Abendausgabe vom 5 Februar schreibt: „Wie wir erfahren, beabsichtigt Dr. Ge. mann ein neues Blatt zu gründen, welches die politische Richtung des Fürsten Llechtenstein zu vertreten uitd die Christlich-Socialen in das klerikale Lager zu führen hat, nachdem das „Deutsche Volksblatt" unverrückt auf dem Ttandpunkte „nicht liberal, aber auch nicht klerikal, nur national" stehen bleibt." — Wie diese Leimruthe des „Ehren-Vergani" nach „Geschäft" riecht!! Wenn „verwursteln" gleichbedeutend mit „national" ist, dann wollen wir das „Deutsche Volksblatt" als nationales Blatt anerkennen. So aber wissen wir nur, daß es gerade dieses Blatt war, das für die deutschnationale Bewegung in einer Zeit zum Hemmschuh wurde, als b;efclbe in der kräftigsten Entwicklung begriffen war. Erst zieht man aus Rücksichten „für's Geschäft" die Klerikalen groß, dann weint man wieder aus Rücksichten „für's Geschäft", man sei nationaler Märtyrer. O Spiegelberg, ich kenne dir! U. d. Gr. J. — F. St , V. Es ist richtig, daß anfangs dieses Monats der „Cassier" des „Deutschen Bolksblattes" in der Advocatenkanzlei des Herrn Dr. Meyer, dem Vertreter des „Volksblattes", die Mittheilung machte» daß Herr Vergani sich in einer schlimmen Lage befinde, er werde von allen Seiten gedrängt u. s. w. Auch ließ Vergani seinen Vertreter bitten, es doch zu ermöglichen, daß der Proceß Hron-Vergani noch über die Wahlen hinaus verschoben werde. Dr. Meyer soll an der Möglichkeit einer Verschiebung gezweifelt haben. Auch hier würden wir, im Falle „Ehren-Vergani" diese Thatsache in Abrede stellen sollte (das ist ja immer seine einfachste Vertheidigung), den unfreiwilligen, in der Kanzlei anwesenden Zuhörer namhaft machen. U. d. Gr. 1. Wir haben hier nur einen Theil der Herrn Vergani im Briefkasten Schönerer's gewidmeten Correspondenz mitgetheilt. Offenes Schreiben des Oberrabbiners K. Schreiber. Die Congreßkanzlei wandte sich an den Herrn Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg während seines letzten Aufenthaltes in Budapest mit einem Schreiben, in welchem sie denselben aufforderte, zufolge seiner Stellung es durchzusetzen. daß beide Kanzleien, der Orthodoxen und Neologen, in gewissen Fällen Hand in Hand handeln sollen. Kaum aber langte das Schreiben in seine Hände, erschien dasselbe in einem Organe abgedruckt, deshalb sah sich Herr Oberrabbiner Schreiber genöthigt, dieses Rundschreiben, welches wir wortgetreu aus dem Hebräischen wiedergeben, an die israelitischen Gemeinden in Ungarn zu versenden. Das Schreiben lautet: Rechtschaffene und aufrickitige Worte an unsere Glaubensgenossen in Ungarn. Die Congreßkanzlei überreichte mir durch ihren Secretär ein Schreiben, welches sie unter Einem in den Zeitungen publiciren ließ. In diesem Schreiben wird auf Umwegen angestrebt, eine Gemeinschaftlichkeit in gewissen Fällen zwischen uns und den Neologen plausibel zu machen, und merkwürdig, daß die Congreßkanzlei selbst bei diesem Anlasse, wo eine Annäherung scheinbar angestrebt wird, es nicht unterlassen kann, unsere Kanzlei zu begeifern, um das Ansehen derselben öffentlich schmälern zu können. Ich enthalte mich diese Handlungsweise zu charakterisiren, es möge diesen Vorgang jeder selbst beurtheilen und sowie ich — wird jeder Unbefangene das Endziel dieser Bestrebungen sofort erkennen. Wenn ich es also für überflüssig erachte mich weiter hierüber auszulassen, so kann ich dennoch nicht umhin, im Interesse der Wahrung des von uns eingenommenen Standpunktes, dieses offene Schreiben, „dessen Worte reine Wahrheit sind," (Spr. Sal. 22, 21.) an unsere Glaubensgenossen zu richten, um jeden Fallstrick von Israel zu entfernen. Theuerste Glaubensgenossen! Mehr als 20 Jahre sind es, da war die Bedrängniß im Lager des Judenthums von Tag zu Tag immer größer, und so lange, daß die Frommen im Lande gezwungen waren, im Verbände mit den Neologen vereint zu leben, mit jenen Neologen, die sich das Strebeziel gesteckt, alles was uns von den Weisen s. A. als heilig und unantastbar überliefert wurde, zu zerstören, die, wie der Prophet sagt, die Religion, die Quelle des Lebens verlassen haben,