Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 8 (20.2.1891)
- Date
- 1891-02-20
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Hesieneichische Wochenschrift Seite 137 ebenfalls nicht; ist uns ja ohnedies bezüglich a u ch unserer politischen Thätigkeit längst schon nur der Trost geblieben, daß sie das Volk bei der Wahrheit und Gerechtigkeit erhält. Die Antisemiten werden es zu gar nichts bringen, weil sie nur confuse Ideen, aber kein gemeinsames Programm haben. Die Möglichkeit, ein solches, wenn auch ein sehr begrenztes zu schaffen, und sich dann stramm daran zu halten, liegt oor; aber anstatt darauf zu sinnen, wie man sich als junge Partei Credit und Ansehen schafft, hat man häufig einen Bezirksbergerton angeschlagen, der abstoßend wirkte. Nun rückt ein hochintelligentes Mitglied der Aristokratie, Fürst Alois Liechtenstein, öffentlich in diese Partei ein, — merkwürdigerweise in dem Augenblicke, wo die Geistlichen daraus scheiden müssen. Es wird ihm vielleicht gelingen, die Antisemiten als Partei zu einigen, weil er ein Hinderniß nicht mehr vorfindet, weil er von der christlichen Schule nur mehr das beibehält, was jene lieben, weil er die Confessionalität der Schule nahezu allein in die Trennung der christlichen und jüdischen Kinder verlegt! Die Geistlichen, aber, welche über das Wesen der Confessionalität bessere Begriffe verbreiten könnten, scheiden aus der Partei, nun, von jeglichem „Klerikalismus" gereinigt, zwar keine Freundin des Staates, aber auch nicht der Kirche sein wird." Das ist ziemlich klar gesprochen, und man weiß in Hinkunst, was man von dem Fürsten Liechtenstein zu halten hat, der am vorigen Dienstag in einer Wühlerversammlung in Margarethen erklärt hat: Was meine Gesinnung abelangt, erkläre ich hier vor Ihnen, daß ich kein Klerikaler w a r, w i e e s d i e G e g n e r u n d die j ü d i s ch e P r e s s e mir zum Vorwurf machen." Fürst Liechtenstein hat in derselben Versammlung die antisemitische Bewegung zu einer a n a r ch i st i s ch e n gestempelt, indem er gegen das mobile Capital eiferte. In seiner Nummer vom 18. d. M. schreibt das „Vaterland": „Wir können den österreichischen Bischöfen nicht zumuthen, dem Klerus und dem christlichen Volke jede Reaction gegen die intellectuelle, moralische und materielle Schädigung des Judenthums zu verbieten." Nach dieser akademischen Verwahrung heißt es dann weiter: „Damit ist allerdings nicht gesagt, daß die hochwürdigen Ober Hirten m i l allen Mitteln, welche gewisseVorkümpfer desAntisemit i s m u s a n w e n d e n, e i n v e r st a n d e n sind und alle Grundsätze der professionellen A n t i s e m i t e n billigen; s i e können dies nicht, sowie kein ü b e r z e u g u n g s t r e u e r und erleuchteter Katholik es kann, mag es dem A n t i s e m i t e n recht sein o d e r n i ch t." * * * Antisemiten unter sich. Man erinnert sich noch jener Antisemitenversammlung bei der „Schönen Schäferin" in Mariahilf, bei welcher es zwischen den edlen Gesinnungsgenossen, den Anhängern Vetter und Schönerer s, zu förmlichen Messerkämpfen kam. Ein gleich erhebendes Schauspiel bieten heute die Anhänger P a t t a i s auf der einen und Luegers aus der andern Seite. Die Pattaianer haben auf der Landstraße Herrn Vetter candidirt, die Luegerianer treten für die Wahl des Wirthschaftsrathes Metzler, eines ehemaligen Lehrers an der Kalksburger Jesuitenschule, ein. Vor einigen Tagen nun brachte Dr. P a tt ai im „Politischen Bezirksoereine Landstraße" eine Correspondenzkarte zur Verlesung, die ihm zugekommen war und in welcher es heißt: „Fünfzehn Christen haben sich zusammengethan, um Sie recht fest nieder zu „metzlern", wenn Sie sich noch einmal auf der Landstraße sehen lassen sollten; es soll Ihnen die Lust vergehen, Zwietracht in die Reihen der Antisemiten zu trage 11." Unterzeichnet war die Karte mit „Fritz Matouschek, Obmann des „L andstraßer ch ristlichen Fünfzehne r-Clubs." In derselben Versammlung hielt Vetter seine Candidatenrede, in der er sich darüber beklagte, daß derKalksburger Jesuitismus das ernten soll, was er seit neun Jahren gesäet habe. Eine Partei der „Vereinigten Christen" existire nicht mehr. Dieselbe sei vor Jahren gegründet worden, um einen Vereinigungspunkt aller antisemitischen Fractionen zu bilden; bald jedoch machte sich ein Cliquenwesen in ihr bemerkbar und heute sind die „Vereinigten Christen" nichts Anderes, als ein Häuslein Christlich-Sozialer, die von Mandatsjügern zu usurpatorischen Zw ecken des Wühlersanges ausgenützt werden. Zum Schlüsse jammert Vetter darüber, daß seine „Freunde" gegen ihn intriguirt und einen Terrorismus gegen ihn ausgeübt Hütten, wie er bei den Liberalen niemals gesunden werde. Mit der arischen Treue scheint es demnach ziemlich windig bestellt zu sein. * * + Schönerer gegen Fiegl. Der bisherige antisemitische Abgeordnete Fiegl wurde vor sechs Jahren aus Grund des deutschnationalantisemitischen Programmes im Badener Landgemeindenbezirke gewählt. Mittlerweile ist Fiegl bei seinem Herrn und Meister Schönerer ebenso in Ungnade gefallen, wie Ehren - V e r g a n i, und der Schloßherr von Rosenau bekämpft seine neuerliche Candidatur durch die Ausstellung eines Gegenkandidaten. Zur Empfehlung des Letzteren ist eine Flugschrift erschienen, in welcher die Gesinnungstüchtigkeit F i e g l 's folgendermaßen gekennzeichnet wird: „Fiegl war jahrelang Mitglied der deutschnationalen Partei, sogar Obmann des Deutschnationalen Vereines in Wien und hatte also die beste Gelegenheit, die Ziele und Bestrebungen dieser Partei kennen zu lernen. Damals war ihm Alles recht, was in der Partei in nationaler und wirthschaftlicher Richtung angestrebt wird, denn er wußte, daß er sich nur dadurch aus die Oberstäche des politischen Lebens drängen könne, wenn er sich an die Rockschöße Schön erers anhängt. Als jedoch über Schönerer das Unglück seiner politischen Rechtlosigkeit hereinbrach, da fand Herr Professor Fiegl bald dies, bald jenes in der Partei auszusetzen. Wer aber seine langjährigen Freunde in der Roth verläßt, aus Angstmeierei das verleugnet, woraus er lange Jahre geschworen hat, ist zum mindeste n e i lt schwankendes Rohr, wie das Evangelium sagt, das vom leisesten Winde hin- und hergetrieben wird." Die Flugschrift erwähnt dann, daß Fiegl aus Andrängen des Fürsten Liechtenstein bei der Abstimmung über die galizische Propinationsentschädigung sich absentirte und als er von Bekannten darüber befragt wurde, sich damit entschuldigte, er habe in Baden ein privates Rendezvous mit eineni Fräulein e i n h a l t e n müssen. Zum Schlüsse wird Fiegl jeder Begriff von den Pflichten deutscher Freundschaft und Bundesgenossenschast abgesprochen. Die liberale Wählerschaft des Badener Landgemeindenbezirkes candidirt — hoffentlich mit Erfolg — den Professor an der Hochschule für Bodencultur, Herrn M a r ch e t, der durchaus freisinnigen Anschauungen huldigt. Am 8. d. M. fand in Wien die Constituirung des Bezirkswahlcomites statt, bei der jedoch die Bürgermeister von Mödling