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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 132

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 132 (sequence 18)
Language
German
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Nr. 7. oette 132 Hesterreichische Wochenschrift Arztes betreten und mit dessen Tochter lange gesprochen hatte. Es waren Augen die gar scharf sichen — die Augen der Eifersucht, der verschmähten Liebe. Warum war auch Simon an der kleinen gelben, sommersprossigen Tochter des Bäckers Samuel immer so gleichgiltig vorübergegangen? 4. Vierzehn Tage waren vergangen, seitdem man in Hebron die öffentlichen Fasttage avbesohlen hatte, und noch immer kam kein Regen. Tie Dürre und die Theuerung nahmen zu, das Waffer in den C.sternen war beinahe ausgezehrt, die Bäche und Quellen begannen zu versiegen. Schon mußte mau das Vieh bis zum Jordan treiben, um Waffer zu fmden, und der Himmel hatte noch immer seine stahlblau: Farbe. Der Erdboden bekam Riffe und Spalten, und jeder Windstoß wirbelte Waffen trockenen und heißen Staubes auf. Trotz der vorgerückten Jahreszeit herrschte noch drückende Hitze. Zweimal drei Fasttage waren in Hebron abgehalten worden! hatten aber nichts geholfen, und die Väter der Stadt befahlen nun ein * siebentägiges Fasten mit öffentlichen Gebeten für die Stadt und die ' umliegenden Dörfer. Auch in anderen Städten hatte man zu fasten! begonnen. j Es war am ersten der sieben Fasttage als Jonathan und Simon sich nach Hebron begaben, um an dem Gottesdienste und den öffentlichen ‘ Regengebeten in der Stadt theilzuuehmen. s Aus der großen Synagoge bewegte sich der traurig feierlicke j Zug. Voran schritten die Vorsteher der Synagoge, die Lade mit den! Pergamentrollen der Bibel tragend; ihnen folgten die angesehensten! E nwohner der Stadt, ernst und schweigend. Manche verhüllten das Gesicht mit dem Mantel und beteten leise. Auf dem Hauptplatze ward Halt gemacht und die Lade au einen Tisch gestellt. Ein Synagogendiener brachte ein großes Gefäß mit Asche herbei. Der erste Synagogenvorsteher bestreute die Lade mit Asche und streute davon auch auf sein eigenes Haupt. Dann traten die anderen Vorsteher und die angesehensten Einwohner der Stadt hinzu und bestreuten ihre Köpfe mit Asche. Auch der alte Jonathan that es, war er doch der frommste und angesehenste Mann in Siph. Dann wurde der alte Mardochai von zwei Vorstehern herbeigehult; denn ihn, als den ältesten und frömmsten Mann der Gemeinde, hatte man gewählt, um an diesem ernsten Tage die Predigt zu halten und dem Volke die Gebete vorzusagen. ' Er trat vor die "Lade mit den Pergamentrollen, küßte den kostbaren gestickten Teppich, mit dem sie umhüllt war, und begann dann feine Rede. Er hiett dem Volke seine Sünden und Uebelthaten vor, wegen deren Gott, seine Strafen: Dürre, Mißwachs und Hunger, schicke; dann ermahnte er sie zur Buße und Reue: „Nickt mit Weinen, Fasten mck Beten werdet Ihr Gottes Berzeiyung erlangen" — sprach er — „sondern nur durch aufrichtige Besserung. Zerreißet euere Herzen und nichts euere Kleider, so wird sich der Allerhöchste Eurer erbarmen, wie er sich der Einwohner Ninives erbarmte." Nachdem dann das übliche Morgengebet gebetet worden, begann Mardochai die Fastengebete zu reciüren. Mit lauter klarer Sttmme sprach der Greis die sechs Psalmverse vor, welche die Umstehenden laut jammernd wiederholten: „Zu Gott rufe ich in meiner Noth und er erhört mich." „Ewiger! Höre mein Gebet und mein Schreien komme vor dich." „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen, von wannen wird mir Beistand kommen?" „Mein Beistand kommt vom Ewigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde." „Aus der Tiefe rufe ich dich, o Ewiger!" „Herr, erhöre meine Sttmme, möge dein Ohr aufhorchen bei meinem Flehen."") Einige römische Soldaten, die von ferne, anfangs mit spöttischen Mienen, zugesehen hatten, wurden unter dem Eindrücke der düslern Feier und dem lauten Jammern des Volkes immer ernster. Ihr an- °) Die Ceremonie des Fastengebetes ist nach Talmud bab. Tractat Taanith Fol. 15, geschildert. fängliches Gelächter verstummte und sie beobachteten aufmerksam die Ceremonien, obwohl sie von den Gebeten nnd Ermahnungen kein Wort verstanden. Nach einer Pause begann Mardochai wieder: „Wer unserm Vater Abraham aus Moriah geantwortet hat, der möge euch heute erhören," und das Volk antwortete: „Gelobt sei Gott, der Erlöser Israels!" So ging es fort; Mardochai sprach den Segenspruch und die Gemeinde antwortete mit dem Dankvers: „Wer unfern Vätern am Schilfmeer antwortete, der möge euch heute erhören." „Gelobt sei Gott, der sich der Vergebenen erinnert!" „Wer den Josua in Gilgal erhörte, der möge euch heute erhören und euch antworten." „Gelobt sei Gott, der den Posaunenschall erhört!" „Wer dem Propheten Elias am Karmel antwortete, der möge euch erhören und euch antworten." „Gelobt sei Gott, der das Gebet erhört!" „Wer David und Salomon in Jerusalem." Aber plötzlich unterbrach lautes Schreien die feierlich-traurige Ceremonie. Ein Mädchen drängte sich schrei:nd durch die Menge. Trotzdem die um die Stadtvorsteher herumstehenden Männer es zu hindern suchten, gelang es ihm dock, sich Bahn zu brechen und bis zu dem Kreise vorzudringen, welchen die Aeltesten der Gemeinde um die Lade bildeten. Erstaunt und mit zornigen Mienen blickten die frommen Männer auf das kecke junge Mädchen; der Bittgesang verstummte und der alte Mardochai erhob drohend seine Rechte. Aber das kleine Ding mit dem gelben, sommersprossigen Gesichte ließ sich nicht einschüchtern. Mit gellender Stimme r es es: „Was nützt euch das Fasten und Beten, wen Ihr so ungeheuere Frevel in eurer Mitte geschehen läßt. Wie soll sich Gott eurer" erbarmen, wenn es Leute unter euch gibt, welche in die Häuser der Heiden gehen, mit ihren Töchtern singen und ihre Götzen anbeten?" Das Ungeheuere der Anklage machte die Keckheit des jungen Mädchens vergessen. „Wer hat cs gewagt, solches zu thun, wer mißachtet in dieser traurigen Zeit so schändlich die Gebote Gottes" tönte es von allen Seiten. „Da steht er unter euch" schrie die Bäckerstochter, auf Simon zeigend, der abwechselnd erblaßte und erröthete. „Das ist nicht wahr, das kann nicht sein." rief der alte Mardochai — „der Enkel des frommen Jonathan wird so etwas nicht thun. Schweige still Verleumderin!" Aber diese ließ sich nicht abschrecken. „Fragt ihn selbst, ob er e S leugnen kann, daß er fast jeden Tag zur Tochter des griechischen Arztes kommt, der gegenüber unserem Hause wohnt; daß sie ihm in ihrer heidnischen Sprache vorsingt und zu ihren Götzen beten lehrt." Wie das vom Sturm gepeitschte Meer, fluthete nun die Menge gegen Simon. „Sage ihr, daß sie lügt" schrieen die Einen — „gesteh deine Verbrechen, du Frevler," die Anderen Kräftige Hände ergriffen ihn, andere suchten ihn freizumacheu, und es wäre zu einem Kampfe gekommen, wenn nicht der alte Mardochai allen seinen Einflutz aufgeboten hätte, um die Aufgeregten zu beschwichtigen. Endlich gelang es ihm die Ruhe herzustellen. Da drängte sich der alte Jonathan heran, schob die Männer, welche Simon gefaßt hatten, auf die Seite und, seine Hände auf die Schultern des Jünglings legend, rief er: „Warum schweigst du? Sage doch dieser Unverschämten, daß sie lügt." Da bedeckte Simon sein Gesicht mit beiden Händen und stöhnte laut. „Also ist es wahr, was sie sagte," schrie der Alte mit herzzerreißender Stimme, seine Hände glitten von den Schultern Simons herab, ein krampfhaftes Zittern ging durch seinen ganzen Körper, und er wäre zu Boden gestürzt, wenn ihn nicht mitleidige Hände ergriffen und aus dem Gedränge fortgetragen hätten. „Schlagt ihn todt, steinigt ihn, den Frevler, den Gotteslästerer," tönte es nun aus der Menge, und wieder wurde Simon von kräftigen Armen gepackt. Diesmal erhob sich keine Hand und keine Sttmme zu

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