Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 7 (13.2.1891)
- Date
- 1891-02-13
- Page
- Seite 133 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterreichrfche Wochenschrift ^•cue 133 Nr. 7 seiner Bertheidigung, und er hätte vielleicht den Platz nicht lebend verlassen, wenn nicht der Synagogenvorsteher Salomon dazwischen getreten wäre. „Nicht also meine Brüder," rief er, „nicht ziemt es euch wie Räuber und Mörder über ihn herzufallen. Er soll nach den Gesetzen Moses verurtheilt werden, morgen wird das Bethdin (Gerichtshof) zusammentreten. Die dreiundzwanzig Richter werden ihn verhören und seine Strafe bestimmen, soweit es das Gesetz des Kaisers gestattet; und Ihr," sagte er zu den Synagogendienern gewendet, „führt den Angeklagten weg und bewacht ihn bis morgen." „Er hat Recht, unser Vorsteher Salomon, er soll leben," riefen die Besonnenen unter der Menge, „lasset uns nichts übereilen, morgen wird er nach dem Gesetze Gottes gerichtet werden." Die Eiferer und Fanatischeren murrten zwar über den Aufschub, ließen sich aber endlich, besonders auf den Hinweis auf den anwesenden römischen Soldaten, zur Ruhe bringen. Simon war während dieser Verhandlungen wie betäubt dagestanden und ließ sich dann ohne Widerstand und fast bewußtlos ins Gefängniß bringen. Als Simon wieder zur Besinnung kam, fand er sich in einem kleinen Kämmerchen eingesperrt. Die scheidende Sonne warf ihre letzten Strahlen durch das kleine Fenster, das sich auf der gegenüberstehenden Wand als helles Viereck abzeichnete, kreuz und quer von dem Schatten des hölzernen Gitters durchschnitten. Bald war die Sonne hinter dem Horizont versunken, einzelne Sterne flimmerten am Himmel auf und der Wächter brachte dem Gefangenen ein Stück Brot und einen Krug mit Wasser. „Es ist eigentlich eine Sünde, einem solchen Gotteslästerer und Götzendiener, wie du bist, einen Bissen Brot zu reichen," sagte er, „aber es ist mir befohlen worden, es dir zu bringen, weil der Vorsteher glaubt, du hättest heute wie wir alle gefastet. Aber gesteh's nur, du hast gewiß bei der Griechin Schweinefleisch gegessen und Wein vom Götzenopfer getrunken." (Fortsetzung folgt.) Gingeseudrt. Zlsrrkscrgurrg. Bei der großen Zahl der mir anläßlich des am 2. d. M. gefeierten Doppelfestes: meines 80. Geburtstages und fünfzigjährigen Rabbineramtes, von hochachtbaren und hochwürdigen Seiten ausgedrückten warmen Glückwünsche muß ich mich vorläufig darauf beschränken, denselben auf diesem Wege meinen liefinnigen Dank hiefür auszusprechen. Piesl in g, am 4. Februar 1891. M. L. Kohn ■ - - Bezirksrabbiner. (Kürzeste SchnrUzirgsuerbindung Kondon-Mien). Mit 1. Februar 1891 wurde ein neuer Schnellzug von London via Ostende- Brüssel nach Köln, beziehungsweise nach Wien, mit Abfahrt von London 5 Uhr 40 Minuten Nachmittags, Köln Ankunft 7 Uhr 17 Früh und Wien Westbahnhof an 6 Uhr 45 Früh eingerichtet. Die Fahrtdauer beträgt somit von London nach Wien nur 37 Stunden 5 Minuten und ist diese Schnellzugsverbindung, sowie die seit October 1889 von Wien Westbahnhof nach London über Passau-Cöln-Vliffingen bestehende, mit Abfahrt von Wien (Westbahnhof) 8 Uhr 15 Abends, Köln an 4 Uhr 15 Minuten Nachmittags, London an 7 Uhr 55 Minuten Fl üh (Fahrtdauer 35 Stunden 40 Minuten) die kürzeste Schnellzugsverbindung zwischen Wien-London und zurück. Die Fahrtdauer dieser neuen Zugsverbindungen ist kürzer, als jene der bis zum I. Jnni 1888 bestandenen Wien-Londoner Schnellzüge. Kriefkaften. A. Rii» ftt. O Abonnementsbetrag bis 15. I ni 1891 'rhalten. I. K. Noch nicht bestimmt. Wir machen Sie auf di betreffende Mttheilung in dieser Nummer unseres Blattes aufmerksam. K—r, Redakteur, Kurarrst: Ihr voller Name ist nur aus Versehen abgedruckt worden Auch für uns genügt von nun ab Ihre Chiffre.- »I77Q1 vrw der mit Zeugnissen orthodoxer Rabbiner versehen und zugleich pH ist, sucht Anstellung. Anträge unter „M. R., Galizien“ an die Exp. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien und dessen Vororte. Wir erlauben uns zur öffentlichen Mittheilung zu bringen, dass am 16. d. J. präcise 7 Uhr Ahends eine solenne Plenar-Versammlung des Vereines in Khoner’s Restauration, I.. Börsegasse, 1. St. stattfindet. Hochachtungsvoll Der Schriftführer Der Obmann Alired Kisch. 8. Brad. 1 Ausarbeitungen von Inventuren, Bilanzen und jede nischer Verrechnungen werden von Art kaufmän- SIGMUND LÖWIN6ER, II , Taborstrasse Nr. 51 gewissenhaft und billigst durchgesührt. Der Gefertigte, authorisirter -ne Sofer □"no “lälD empfiehlt sich zur Anfertigung kalligr. Arbeiten, namentlich von Gesetzesrollen, Tfillen u. s. w., die prompt und solid auf's Schönste bei möglichst moderaten Preisen ausgeführt werden. Nathan Müller, II., Große Schiffgaffe 88. Für Bräute! Rumburger Weben empfiehlt JULIUS LEDERER, RUMBURG. Muster gratis und franco. Acten und Gutachten in dem Processe Rohling contra Bloch. 1. BAND. M. Breitenstein’s Verlagsbuchhandlung, Wien, IX., Währingerstrasse 5. . Preis 3 fl. Vorliegende Publication ist keine Streitschrift, sondern will blos jenen denkwürdigen Process, der in der Zeit von 1883 bis Ende 1885 zwischen dem Herrn Dr. Aug. Rohling, ordentlicher öffentlicher Professor der Theologie an der k. k. Universität in Prag und dem Herrn Dr. Josef Bloch, Bezirksrabbiner in Floridsdorf und Reichsrathsabgeordnetei vor dem k. k. Landesgerichte in Strafsachen zu Wien geführt wurde, zur bleibenden Erinnerung actengem äss darstellen. Der unschätzbare Werth dieser Publication besteht in der Wiedergabe jener Gutachten, welche in diesem Processe von den hervorragendsten Vertretern der orientalischen Sprachwissenschaft und der Theologie über Veranlassung des Gerichtshofes erstattet wurden. Diese Gutachten, wie sie von Prof. Dr. Mcrx, Professor der Theologie in Heidelberg, von Prof. Knöll, von Prof. Theodor Nöldecke in Strassburg, Dr. August Wünsche in Dresden und anderen Autoritäten erstattet wurden, bilden eine classische Darstellung der ganzen auf den Talmud und die gegen die Juden erhobene Blutbeschuldigung seit Jahrhunderten bezughabenden Literatur und eine glänzende, geradezu vernichtende Kritik aller dieser Anklagen und Angriff?. In hochwissenschaftlicher Weise wird hier diese verhängnisvolle Beschuldigung bis auf ihre letzten Beziehungen geprüft, zerlegt und für alle Zeiten vernichtet. Wenn je wieder dieses Märchen vorgebracht werden sollte, in diesem Werke findet es eine Wideilegung, der gegenüber selbst die Bosheit verstummen muss. Das vorliegende Werk hat daher für alle Kreise, die sich mit dieser Frage und mit dem Antisemitismus überhaupt beschäftigen, höchstes Interesse und sollte in keiner israelitischen Gemeinde fehlen.