Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 7 (13.2.1891)
- Date
- 1891-02-13
- Page
- Seite 131 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 131 der Sala Dante eine Anzahl althebräischer Musikstücke zur Aufführung zu bringen. Der musikalischen Ailfführung ging ein Vortrag über althebräische Musik vorauf. Luxemburg. Der neue Großherzog hat einen Juden, Herrn Julius Goudchaux zum Bürgermeister der Hauptstadt Luxemburg ernannt. Im Gegensätze zu anderen Ländern wird die Stelle des Bürgermeisters in Luxemburg von dem Souverän verliehen. London. Ende Jänner. Nach mehrjähriger Vorbereitung wird endlich im Laufe des kommenden Monats ein großer Theil der hier vorgenommenen englischen Uebersetzung der „Geschichte der Juden" von Graetz erscheinen. Der Rest derselben wird im Jahre 1892 folgen, Mr. F. D. Mocatta trägt alle Kosten der Vervielfältigung und verdient somit den Dank der gesammten englischen Judenheit. London, 10. Februar. Das Schreiben, mit welchem der Lordmayor Ende des vorigen Jahres die an den Kaiser von Rußland gerichtete Bittschrift um Aufhebung der Ausnahmsmaßregeln gegen die Juden nach Petersburg gesandt hatte, und welches dort nicht angenommen worden war, wurde heute mit der gedachten Bittschrift dem Lordmayor vom Auswärtigen Amte zurückgestellt. Kiek, 2. Februar. Herr Dr. Moriz Stern, Zögling des Berliner Rabbiner-Seminars, welcher durch seine verdienstvollen historischen Arbeiten, zuletzt durch seine vortrefflichen Artikel „Schachmatt den Blutlügnern" (Siehe Nr. 6 und die heutige Nummer unseres Blattes. Die Red.) wohlbekannt ist, wurde einstimmig zum Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde gewählt. Wcrv-Kork, 7. Februar. (Reuter-Meldung.) Baron Hirs ch theilte der Administration der H i rs ch'schen Stiftung zur Unterstützung der jüdischen Einwanderung in Amerika telegraphisch mit, daß er derselben 12 Millionen Francs zur Verfügung stelle und die Administration ermächtige, falls die Zinsen dieser Summe nicht ausreichen sollten, um alle Zwecke der Lüftung zu erfüllen, einen Theil des Capitals mitzuverwenden; er werde in diesem Falle das letztere wieder ergänzen. Familienblatt. Griechin und Jude. Erzählung von *** (Fortsetzung.) Die Nacht verging, ohne daß Simon ein Auge geschlossen und als er am Morgen sein Lager verließ, wußte er noch immer nicht, ob er eine Sünde begangen habe oder nicht. Während des ganzen Tages konnte er die Erinnerung an Irene nicht aus seinem Gedächtnisse bannen, und beständig glaubte er ihr Gesicht vor sich zu sehen, ihre Stimme zu hören. Als sein Großvater ihm dann am Abende, wie gewöhnlich von Jerusalem und den Herrlichkeiten des Tempels erzählte, da war er ein unaufmerksamer Zuhörer und hatte beinahe in seiner Zerstreutheit den alten Jonathan gefragt, ob das Gotteshaus in Jerusalem schöner war als der große Tempel des Zeus in Olympia. Zwei Tage hielr es Simon noch in Siph aus, aber am Montaz sand er einen Borwand, um nach Hebron zu gehe». , Ich will" — jagte er sich aut dem Wege — „doch einen der frommen und schriftgelehrten Männer in der Stadt ragen, und wenn cs wirklich eine so große Sünde ist, die Griechin nicht mehr sehen." Aber in Hebron angekommen begab er sich nicht in die Gasse, in welcher Mardochai und andere Schrittgelehrte Schule hielten. Fast ohne es zu merken, kam er in den Stadttheil, in welchem das von Irene und ihrem Bater bewohnte Häuschen sich befand. „Wenn ich sie nicht mebr sehen soll, will ich doch noch einmal ihren Gesang hören", sagte er sich. Aber vergebens lvartete er vor dem Häuschen in der einsamen stillen Gasse, kein Ton ließ sich hören. „Sollte sie vielleicht krank sein," dachte Simon, oder vielleicht ist sie mit ihrem Bater abgereist. Ich muß doch Nachsehen - wenn sie nicht da ist, darf ich ja gewiß in's Haus hereingehen." Langsamer und zögernder als das erste Mal. trat er diesmal in's Haus, sah auch, was er damals in der Eile und Aufregung nicku bemerkt hatte, die vor der Thüre stehende Herma, spuckte aus. und sprach dann nach Vorschrift: „Gelobt sei Gott, der langmüthig ist gegen die, welche seine Gesetze übertreten." *) Dann stieg er pochenden Herzens die Stiege hinauf. Irene war nicht abzereist, uno sie begrüßte den eintretenden Simon mit eineni halb freudigen, halb erschrockenen Ausruf. Sie hatte seit dem letzten Donnerstag sehr oft an Simon gedacht, es aber nicht für nöthig gehalten, ihrem Bater, der von seinen vielen Krankenbesuchen nur zum Essen nach Hause kam. von dem Besuche des jüdischen Jünglings zu erzählen. Eudamus curirte gern Heiden und Juden, ja sogar Nazarener, wenn sie gut zahlten, theilte aber im Uebrigen alle Borurtheile seiner Landsleute gegen die „Barbaren". Besonders barbarisch kamen ihm die Juden vor. welche nicht einmal einen sichtbaren Gott von schönem Marmor oder Ei^ hatten. Seine Tochter, deren verstorbene Mutier eine Antiochierin gewesen» hatte weniger griechischen Stolz, und fühlte ein gewiffes Mitleid mit den armen Juden, die so ganz ohne Götter, ohne Tempel und ohne Theater waren. Einen unglücklichen gottlosen Juden zum Anbeter des großen Zeus und des liederspendenden Phöbus zu machen, schien ihr ein sehr verdienstliches Werk. Frauen machen ja gerne Proselyten, und besonders eifrig thun sie es, wenn der zu Bekehrende ein schöner junger Mann ist. Und Simon schien so leicht zu bekehre»! In Irenens Gegenwart vergaß er alle seine Gewiffensscrupel und alle Bußevorsätze. Er hörte ihrem Gesänge, ihren Erzählungen vom schönen Hellas, von besten Göttern und ihren prachtvollen Tempeln, von den Theatern, in denen man die herrlichen Chorgesänge vortrug, viel aufmerksamer zu als den Beschreibungen der großartigen Feier des Bersöhnungstages im Tempel oder der lustigen Master- und Holzfeste in Jerusalem, mit welchen der alte Jonathan die Freitagabende auszufüllen pflegte. So verstrich Simon rasch der Tag in Gesellschaft Irenens, und als er sie verließ, hatte er ganz vergessen, daß er um einen frommen Schriftgelehrten zu consultiren nach der Stadt gekommen war. „Ist dein Großvater krank?" fragte ihn der kleine Alexander, als sie auf dem Heimwege nach Siph zufammentrafen. „Wie kannst du mich das fragen?" sagte Simon, nach jüdischer Weise die Frage mit einer anderen beantwortend. „Weil ich von ferne gesehen habe, wie du aus dem Hause des griechischen Arztes gekommen bist". Simon erichrack. Also man wußte schon, daß er im Hause des Heiden war. Stotternd gab er zur Antwort: „Mein Großvater ist gesund, — ich — ich wollte den Arzt nur fragen, ob er nicht ein Mittel gegen Kopfschmerzen wüßte, die mich seit einigen Tagen plagen: aber ich habe ihn nicht zu Hause getroffen." Es war die erste Lüge, die er in seinem Leben gesagt. Glücklicherweise hatte das Kind sein Erröthen und Stottern nicht bemerkt, und fragte nicht weiter. Aber auch andere, nicht so kindlich unschuldige Augen hatten gesehen, daß Simon bereits zum zweiten Male das Haus des griechischen Machen- Feber 1891 Adar 5651 Kalender Freitag 13 5 Samstag 14 6 norm Sonntag 15 7 Montag 16 8 Dienstag 17 9 Mittwoch 18 10 Donnerstag 19 11 Freitag 20 12 *) Talmud bab. Traetat Berachoth Fol. 57 b.