Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 7 (13.2.1891)
- Date
- 1891-02-13
- Page
- Seite 128 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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eettc 128 Hesterreichische ZSocheuschrisl Nr 7. Margolius nach Florenz, Dr. Zuckermandel nach Pleschen, Dr. Stier nach Berlin, Dr. Kronberg nach Hermanniestetz (Böhmen), Dr. B a ß f r e u n d nach Trier, Dr. Lewinsky nach Weilburg, Dr. Einstein nach Heilbronn. Der Bericht enthält einen Nachruf auf den verstorbenen Profeßor Joel, sowie auf den kürzlich erst verschiedenen Rabbiner Dr. Bärwald in Saaz. Varis Mlle Morgulieff, Doctorin der Medicin, geboren zu Odessa, welche vor zwei Jahren in Paris promovirt wurde, wird demnächst einen jungen französischen Archäologen und Schriftsteller, M. Salomon R ei nach, Bruder des bekannten Deputirten und Herausgebers der „Republique Fran^aise", ehelichen. Einer telegraphischen Nachricht aus Nizza zufolge, ist daselbst Mlle Rosine Bloch gestorben. Dieselbe war früher Primadonna in der Pariser Oper. Im November v. I. creirte sie die Rolle der Dalila in Saint-Saßnt's Oper „Samson und Dalila" der ersten Aufführung im Theater Lyrique in Paris. Mlle Bloch starb infolge einer Verkühlung, welche sie sich zugezogen hatte; dieselbe war erst 42 Jahre alt. Ihr erstes Auftreten erfolgte in der Oper im Jahre 1865 und ihre schöne Erscheinung sowie ihre prächtige Stimme verhalfen ihr sofort zu einem glänzenden Erfolge. Das große Elend, welches infolge des strengen Winters hier herrscht, nimmt die öffentliche Wohlthätigkeit vollauf in Anspruch. Wie bereits berichtet, haben die Herren Rothschild 150.000 Francs (wovon 50.000 Francs von der Baroneffe Salomon de Rothschild) an die Bürgermeister der verschiedenen Arrondissements zur Linderung der Noth unter den Armen überschickt. Die Rothschild haben diese Spende noch ergänzt, indem dieselben 40.000 Francs dem von dem Syndicate der Presse organisirten Unterstützungssonds spendeten, was dem „Matin" Gelegenheit gibt, diese Spende der Schenkung des Herzogs de la Rochesoucauld-Doudeauville per 500 Francs gegenüberzustellen. Baron Hirsch überschickte 50.000 Francs dem Unterstützungsfonds der Presse und eine gleiche Summe dem Bureau de l'Assistance publique. Mme Furtado- Heine überschickte ihrerseits 5< ».000 Francs an den Seine- Präfecten für die Armen von Paris. Leyderr. Sein 25jähriges Jubiläum als Universitäts- Professor feierte am 8. d. M. hier der Kliniker Sigmund R o s e n st e i n, ein geborener Berliner, der bis zu seiner Berufung zum Professor in Groningen vor jetzt einem Vierteljahrhundert dem Lehrkörper der Berliner Universität angehörte. 1832 geboren (sein Vater, Elkan R o s e n st e i n, war ein rabbinischer Gelehrter von Ruf), kam R o s e n st e i n, auf dem Friedrichs-Gymnasium vorgebildet, 18.0 zur Universität. Ein Jahr lang studirte er zunächst Philosophie und Philologie unter Gabler, Trendelenburg, Heyse und Boeckh, sodann aber ging er zum Studium der Medicin über, dem er vier Jahre lang, vornehmlich unter Johannes Müller, Remak, Juengken, Langenbeck, Schoenlein, Romberg, Traube, Lenbuscher. Busch, Henoch oblag. Im Sommer 1854 brachte er sein Studium mit der Doctorpromotion zum Abschlüsse, nachdem er zuvor mit einer Untersuchung über Cyclopie von der Universität einen Preis gewonnen hatte. In dieser Preisschrist (»De Cyclopia inter animalia observata«) versuchte Rosenstein mit Glück die Cyclopie durch eigene entwickelungsgeschichtliche Beobachtungen und ältere von Remak und Schoeler als Bildungshemmung zu erhärten. Nach Ablegung der Staatsprüfung übernahm Rosenstein 1856 die Stelle eines Assistenten am Stadtlazareth zu Danzig, das . damals Albrecht Wagner (nachmals Professor der Chirurgie in Königsberg, gestorben 1871) leitete. 1858 aber kehrte er nach Berlin zurück und begann hier die selbstständige ärztliche Praxis als Armenarzt in der Gegend vor dem Schönhauser Thor. So wenig diese immer geeignet war, streng wissenschaftliches medicinisches Forschen zu fördern, so entnahm Rosenstein daraus doch hinreichend Material zu bedeutsamen Studien. Rosensteins Arbeitsfeld war von Anfang an vornehmlich die Lehre von den Nierenleiden, die damals, nachdem sie lange Zeit brach gelegen, durch Reinhardt, Frerichs, Meckel, Virchow und seine Schüler Beer und Beckmann zu neuem Leben erweckt worden war. Im Brennpunkte seiner Arbeit stand das Hauptstück von der Bright'schen Krankheit, so benannt nach Richard Bright vom Guy-Hospital in London. Auf Vorarbeiten gestützt, unternahm Rosenstein 1863 den für die damalige Zeit etwas kühnen Versuch, die Lehre von den Nierenkrankheit.en im Zusammenhänge monographisch zu bearbeiten, einen Versuch, den seit Rayer im Jahre 1840 Niemand gewagt hatte. Er gelang Rosenstein vollauf, wie seine „Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten" erwies, die 1863 herauskam, nach kurzer Zeit schon neu aufgelegt werden mußte und auch mehrfach in fremde Sprachen übertragen wurde. Das Buch, Rosensteins Hauptwerk, ist bis auf den heutigen Tag, obgleich es an gleichartigen Werken nicht fehlte, in hoher Schätzung geblieben. Obwohl die Lehre von den Nierenleiden den Haupttheil von Rosen steins bisheriger Lebensarbeit in sich begreift, so hat er im Einzelnen noch andere Zweige der klinischen Medicin bereichert. Roiensteins Berufung nach Groningen fand ihrer Zeit mit auf das Betreiben von Virchow und von Traube statt. In Leyden wirkt Rosenstein seit 1872. Mowno, 30. Jänner. Vor dem hiesigen Kreisgerichte gelangte folgender Proceß zur Verhandlung: Eine Bäuerin verlor auf ihrem Heimgange aus der Stadt in's Dorf einen Beut:l mit 400 Rubeln, den Erlös eines verkauften Grundstückes. Diesen Beutel fand ein jüdischer Lehrer, und ohne ihn geöffnet, ohne von seinem Inhalte eine Ahnung zu haben, erstattete er ihn der Suchenden zurück. Anstatt Finderlohn zu zahlen oder auch nur zu danken, erstattete die Bäuerin gegen den redlichen Finder die Anzeige bei Gericht, der Beutel habe 600 Rubel enthalten, zurückerstattet seien ihr aber nur 400 Rubel. Da vier Zeugen die Angaben der Frau beschworen, wurde der Lehrer gefänglich eingezogen und schmachtete fünfzehn Monate in Untersuchungshaft. Bei der vorwöchentlichen Verhandlung wiederholte die Frau ihre Angabe, die vier Zeugen beschworen dieselbe abermals, und der Staatsanwalt beantragte die Verurtheilung des Lehrers. Nun wandte sich der Gerichtspräsident abermals an die Bäuerin mit der Frage, ob der von ihr verlorene Beutel wirklich 800 Rubel enthalten habe, und als sie dies bejahte, fuhr der Präsident fort: „Dann erhältst du gar nichts von dem Gelde, denn der von dem Lehrer gefundene Beutel kann nicht der von dir verlorene sein, der ja, wie du sagsb 800 Rubel enthalten hat." Kaum hörte dies die Bäuerin, als sie in die Kniee sank und betheuerte, der von ihr verlorene Beutel habe in der Thpt nur 400 Rubel enthalten; ein Bösewicht habe ihr gerathen, von dem Finder noch 400 Rubel zu fordern, wofür sie versprach, ihm 200 Rubel abzugeben Selbstverständlich zog der Staatsanwalt sofort die Klage zurück. Der Lehrer erhält für die erlittene Untersuchungshaft 130 Rubel, gegen die Zeugen wird wegen Meineid Anklage erhobeu. Gairo, 26. Januar. Es ist eine erfreuliche Thatsache, daß der contagiöse Stoff des Antisemitismus hier nur wenig Boden findet, daß wir im „uncivilisirten Orient" von dieser Epidemie, welche in den „civilisirten" Staaten so verheerend grassirt, fast völlig verschont geblieben sind. Wir danken dies in erster Linie dem gesunden Sinn der arabischen Bevölkerung, dann aber auch dem energischen Vorgehen der Behörden gegen jeden Versuch, die Judenhetze auch auf egyptischen Boden zu verpflanzen. Wie energisch die Regierung auf unseren Schutz bedacht ist, hat ein Vorkommniß der letzten Zeit abermals dargethan. Hier ist in