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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 126

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 126 (sequence 12)
Language
German
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Seite 126 Gesterreichifche Wochenschrtsr ilir. 7. tfieftltttg. 3. Februar 1891. Gestern wuroe in ber hiesigen Cultusgemeinde der 80. Geburtstag und das 50jährige Amtsjubiläum unseres ehrwürdigen Bezirksrabbiners Herrn M. L. Kohn festlich begangen. Dem Programme gemäß wurde dieses so. schöne und seltene Doppelfest damit eingeleitet, daß sowohl die Repräsentanz der hiesigen Gemeinde, als die Vertreter der Filialen und Nachbargemeinden Pullitz Wölking-Zlabings-Zamnitz :c. :c. i^ der Wohnung des Jubilars erschienen und demselben sehr werthvolle Ehrenge'chenke nebst prachtvollen, die hohen Verdienste des Jubilars schildernden Adressen überreicht wurden, wobei Herr Med. Dr. B i x den freudigen Gefühlen der Gemeindemitglieder in einer trefflichen Ansprache. Ausdruck verliehen Tiefbewegt sprach der Jubilar seinen sämmtlichen Gemeinden für die dargebrachten Ovationen seinen Dank aus. Unter Musiklängen wurde hierauf der Jubilar von seiner Wohnung in den prachtvoll deeorirten, und festlich beleuchteten Tempel von den Vertretern der Gemeinden wie von sämmtlichen, aus dem ganzen Bezirk herbeigeeilten, nach vielen Hunderten zählenden Festgenossen geleitet. Der Festgottesdienst wurde mit einem inweihevoller Weise vom Cantor Herrn Wormser vorgetragencn Choral begonnen. Hierauf betrat der ehrwürdige Schwiegersohn des Jubilars, der rühmlichst bekannte Schriftsteller Herr Rabbiner Tr. M. H. F riedländer, die Kanzel, und hielt in begeisterten Worten die Festrede, in welcher er die hohen Verdienste des Jubilars, in zündenden Worten schilderte, und die auf alle Anwesenden ohne Unterschied der Confeffion einen tiefergreifenden Eindruck machte. Nachdem hieraus ein der Feier des Tages entsprechendes Lied gesungen wurde, bestieg der Jubilar die Kanzel und hielt in gewohnter Weise eine formvollendete Rede, in der er dem^ Allgntigen für die ihm erwiesene hohe Gnade dankte und mit einem innigen, tiefergreifenden Gebete für das Heil und Wohl Sr. Majestät des Kaisers und des Vaterlandes schloß. Das Absingen der Volkshymne, in welche Alle begeistert einstimmten, bildete das Ende des Festgottesdienstes. Am Abend fand ein Festbankett statt wobei lebhaft toastirt, und ungefähr 80 Telegramme? und eine eben so große Anzahl von Adressen und Glückwünschen zur Vorlesung gelangten. Aus der Reihe der Absender von Telegrammen und Adressen heben wir hervor: Herrn Ritter von Winkler, k. k. Bezirkshauplmaun in Daschitz; Herrn 'Di o l i n e f, vormals k. k. Bezirkshauptmann Datschitz derzeit k. k. Bezirkshauptmann in Iglau; Prediger Dr. I ell i n e k, Rabbiner Dr. G ü d e m a n n, Rabbiner Dr. S ch mied l, Religions- Professor Dr. Wolf, Lector I. H. W c i ß, Tirector Fischer, Religionslehrer L. Sern in Wien, Landrabbiner Tr. Platschet, Dr. L p p e n h e i m, Thorn: Dr. Ungar, Iglau; Tr. Hoff, Proßnitz. Dr. Pollak, Trebitsch, Tr. Stern, Friesch; Dr. Weiner, Gr.- Meseritsch; Dr. Eisler, Eiwanowitz; Dr. Diamant, Schaffa; Dr. D a v i d.Prcßburg; Tr. Eisler, Nikolsburg : S. H a l b e r st a m m. Bielitz; Tr. Reich, Baden; Dr. Zieberger, Goltsch-Jenikau; Dr. Gr ü n w a l d, Jungbunzlau; Kreisrabbiner Wunder rc. rc. Juda Brun er, Porlitz: Dr. Ries, Ausspitz: Cultnsgemeinden: Mieslitz, (Geburtsort des Jubilars), Znaim, Horn, Piesck, Schaffa, Eibenschitz. Gr.-Meseritsch, Kanitz rc. :c. M. Spitz, Fabrikant Pisek, :c. R. L. Meran. Nach längerem Leiden ist hier Herr Arnold W o d i a n e r gestorben. W o d i a n e r, Gutsbesitzer aus Ungarn, gehörte zu einer der angesehensten Bürgerfamilien Ungarns (ein Cousin des bekannten Baron Moriz W o d ia n e r), deren Mitglieder im Parlamente sitzen. W o d i an er verlebte seit vielen Jahren den Winter in Meran und erfreute sich hier, wie überall, verdienter Verehrung. Ein Mann ans altem Schrot und Korn, ein markiger abgeschlossener Charakter, bieder, osienherzig. beseelt von wahrhafter Humanität und innerster Herzensgüte, war der Verblichene allzeit bereit zu Helsen und Gutes zu thun. Seine Wohlthätigkeit war ebenso groß, wie seine eigene Anspruchslosigkeit. Er gab mit vollen Händen, ohne viel Worte zu machen; es war ihm eine Freude, Helsen zu können. W o d i a n e r sah dem Tode mit größter Seelenruhe in's Auge. Schon vor Wochen äußerte er gegen Freunde: „Ich bin täglich bereit zu gehen, aber ich werde um jede Minute mit der Natur kämpfen." Auf seinem Sarge erglänzten die Thränen warmer Freunde und Jener, denen er allezeit Gutes und Liebes erwiesen hat. Wodian er wird von seiner edlen, hochsinnigen Gattin, mit welcher die schönste Seelenharmonie ihn verband, und von zahlreichen Familienmitgliedern betrauert. Das Begräbuiß fand am 28. Jänner d. I. 11 Uhr Vormittags vom Trauerhause Steinachplatz Nr. 6 ans statt. Die Leiche war in einem schwarz drapirten Zimmer unter einer Unmenge von Palmen, welche Frau Dr. Virginia Putz und Frau Petermichl in Verehrung des Verstorbenen spendeten, feierlich aufgebahrt. Trotzdem in der Parte Kränze dankend abgelehnt wurden, ließen es sich dennoch Freunde nicht nehmen, das Sterbegemach mit Blumen zu schmücken. Sohin wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und eine große Anzahl Einheimischer und Curgäste. Herren und Damen, die Neffen des Verblichenen als Leidtragende, sowie die Curatoren der Königswarter-Stistnng, welche ihren Präsidenten betrauern, gaben dem verehrten Todten das letzte Geleite nach dem Königswarter Friedhofe. Am offenen Grabe widmete der von Graz hierher berufene Prediger, Herr Dr. Mühsam, dem Verstorbenen warme Worte der Trauer. Der Prediger entrollte das Lebensbild eines ebenso eifrigen und erfolgreichen Oekonomen, als idealangelegten, selten gebildeten Mannes, dessen Ehrenhaftigkeit und Scrupulosität, sowie große Bescheidenheit und außergewöhnliche Humanität in weitesten Kreisen Verehrung und Bewunderung fanden. Es wurde des Vaters des Verstorbenen, eines der bedeutendsten Gelehrten des Judenthumes, gedacht, dessen Werke durch den pietätvollen Sohn edirt worden sind. (Diese Werke fanden durch den Bischof von Großwardein, Herrn Tr. S ch l a u ch, sogar in der vaticanischen Bibliothek Aufnahme, wofür Papst Leo XIII., dem Verblichenen Herrn Arnold W o d i a n e r ein besonderes Dankschreiben widmete. Das von dem Verstorbenen herausgegebene Werk seines Vaters Kosman Wodianer. das eben erst erschienen ist, führt den Titel rÖFij [commentationes in plerosqne talmudi Babylonici tractatus additis commentationibus in Pentateiiclmm reliquit nrnnus sua scriptas R. Cosman W od inner etc.] und bildet zwei voluminöse Bände. Die Herausgabe hat Professor Dr. W. Bacher in Budapest auf Kosten der Familie besorgt. Die Red.'s Aertin, 9. Februar. Der mächtige Eindruck, welchen der Aufruf des Vereines zur Bekämpfung des Anti s e m i t i s nt it s auf alle Kreise der deutschen Bevölkerung übte, gibt sich in zahlreichen Manifestationen, in Aeußerungen der Presse, in Zustimmungserklärungen Einzelner, sowie zahlreicher Vereine und Corporationen kund. Wie ein erlösender Ruf klingen die Worte, unter welche Männer wie G n e i st, M o m m s e n, I h e r i n g, Paul H e y s e, B o d e n st e d t, Gustav F r e y t a g, F o r ck e nb e ck und B a u m b a ch ihre ruhmvollen Namen gesetzt, im Deutschen Reiche wieder und allgemein ist die Empfindung, daß hier endlich mitten durch den wüsten Lärm der erbärmlichsten und culturschändcrischen Rohheit die Stimme der Menschlichkeit, der Gesittung und des Fortschritts sich wieder Gehör erzwungen hat. Die Ehre des deutschen Volkes ist besudelt worden und seine besten Männer haben sich vereinigt um diesen Schandfleck auszutilgen. Mit Recht weist ein hiesiges freisinniges Organ, das „Berliner Tageblatt" darauf hin, daß der Antisemitismus dem ganzen Wesen und der geistigen Entwicklung des deutschen Volkes zuwiderlaufe und demselben wie ein fremdes Pfropfreis aufgezwungen wurde. „Unserem weltumspannenden Idealismus nach," sagt das genannte Blatt, „sind wir Deutschen förmlich von Natur auf die Duldung angewiesen. Deutschland ist seiner philosophischen, wie seiner religiösen und politischen Entwicklung nach auf ein gegenseitiges Vertragen aller seiner Bürger durchaus angewiesen. In diese allgemeine Volksstimmung oder besser gesagt Volksempfindung hat die gegen die deutschen Juden gerichtete Hetzbewegung einen sehr schrillen Mißton hineingeworfen, der leider noch lange nachklingen dürfte." Und nicht minder äußert sich das Blatt über die ausgehängte Firma, indem es die Frage aufwirst, weshalb man sich scheue, den Antisemitismus bei seinem deutschen Namen zu

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