Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 125 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020855--00135-3024108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

yfr. 7. Hesterreichische ZSochenfchrist Sette 125 zwar auf Hillels Ausspruch die Sentenz hin: Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris. Wer könnte nun aber angesichts der Sentenz: Res optima est non sceleratos exstirpare, sed soelera zweifeln, daß wir hier das bekannte treffliche Wort der frommen Beruria (des edlen Rabbi Meir gottesfürchtiges Weib) vor uns haben! So besitzen wir in diesen Senecaschen Sentenzen den, wie uns scheint, unwiderleglichen Beweis für das Eindringen jüdischethischer Ideen und Maximen in den Gedanken- und Vorstellungskreis der alten Römer. Tr. M. S ilb erst e iu. * * „Barfüßle." Klaus Groth schreibt in seinen Lebenserinnerungen über Bert hold Auerbach: „Der Buchladen von Arnold in Dresden bildete einen Anziehungspunkt für mich. Dort sah ich einst einen kleinen freundlichen Herrn mit großem Kopf eintreten. nach hinten gehn, dann wieder nach vorn an mich herantreten. „Ihr seid ja Klaus Groth!" — Und Sie", antwortete ich, „sind Berthold Auerbach!" — „Warum kommt Ihr nicht zu mir?" — Ich entschuldigte mich aufrichtig und betonte, daß ich seine ersten Sachen auf Fehmarn mit Verehrung gelesen, daß es in meiner Absicht gelegen, ihn aufzusuchen, nur daß ich mich nicht gern hervordrängte. „Wir mußten uns ja treffen", versetzte er, „wir bohren von verschiedenen Seiten an einem Tunnel". Dann erkundigte er sich, ob ich den Titel seines neuesten Buches „Barfüßle" nicht zu häßlich fände. Als wir zusammen fortgingen, klagte er in weinerlichem Tone, seine Frau sei krank, deshalb müsse er eine Besorgung machen, auf der ich ihn begleiten solle. Ich denke, er wird mich in eine Apotheke führen, er aber kaufte — ein paar Strümpfe! Und das der Dichter des Barfüßle! fuhr es mir unwillkürlich durch den Sinn. Freytag fragte mich später: „Hat's Barfüßle Sie gut behandelt?" — Auerbach war in der That äußerst liebenswürdig, nur sprach er gern von sich selbst." (Lorrespondenzen. Wien. Nach Ausweis des neuen Militär-Schematismus sind gegenwärtig im k. und k. Heere und in der Kriegsmarine Tapferkeitsmedaillen in folgender Zahl vorhanden: Leibgarden: 4 goldene, 10 große silberne und 12 kleine silberne. Generale: 2 goldene, je 4 große und kleine silberne; Stabs¬ und Oberofficiere des Ruhestandes und außer Dienst: 39 goldene, 130 große und 136 kleine silberne: Generalstab : 1 kleine silberne; Infanterie: 8 goldene, 29 große und 109 kleine silberne: Jäger: 4 große, 31 kleine silberne: Dragoner: 2 große, 3 kleine silberne; Kularen: 1 goldene, 3 große, 2 kleine silberne; Uh lauen: je 2 große und kleine silberne, ic. rc. Eine beträchtliche Anzahl der Besitzer dieser Auszeichnungen sind unsere Glaubensgenossen. Besonders hervorzuheben ist der Umstand, daß die einzige goldene T a p f e r k e i t s m e d a i l l e, welche in den ges a m m t e n 16 H u s a r e n r e g i m e n t e r n vorhanden ist; d i e B r u st eines u n s e r e r G l a u b e u sgenossen ziert. Der glückliche Besitzer dieser hohen Auszeichnung, Herr k und k. Rittmeister Wolf B a r d a ch Edler von C h l u m b e r g des 9 Husaren-Regiments hat dieselbe durch eine muthvolle, fast tollkühne Heldenthat erworben. Indem er als W a ch t m e i st e r sich zur Rückholnng einer vomFeinde bereits eroberten Fahne freiwillig meldete, und an der Spitze blos einiger muthvoller Reiter, dieses bravouröse Husarenstückchen auch vollführte. Seine Majestät der Kaiser, welchem gelegentlich einer Revue dieses Zeichen b e s o n d e r e r T a p f e rk e i t ans der Brust eines W a ch t m e i st e r s ausgefallen war, befragte den Escadrons-Commandanten um den Grund der Nichtbeförderung dieses Helden zum Disicier. und dieser entgegnete, daß dieConfession das einzige Hinderniß bilde, worauf Seine M a j e st ä t den Herrn Dberlieutenant Bardach vor die Front befa.hlen und demselben bei Verleihung dieser Charge die allerhöchste Anerkennung auszusprechen geruhten. Im Vorjahre wurde dieser verdienstvolle Ofsicier, der inzwischen zum Rittmeister avancirte und dessen Abneigung gegen „W ä s s e r u n g" seine Charakterfestigkeit doeumentirt, in den Adelsstand erhoben und ihm das Prädicat „von Chlumberg" allergnüdigst verliehen. Sollte den Maulhelden, die sich erfrechen, den Juden „Feigheit" nachzurühmen, dieses Factum (wie vieles Andere) nicht bekannt sein, dann wollen sie sich nur im Kriegsarchive des hohen k. und k. Reichs-Kriegsministeriums hierüber informiren. Es würde uns aber nicht wundern, wenn sie auch dann noch die Frechheit besitzen, den Juden Feigheit imputiren zu wollen. Dmucbalski. Prag. Tr. Gelbhaus, Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, hielt Samstag im „Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" („Asike—Jehuda") einen interessanten Bortrag über „deutsche und jüdische Volksdichtung." Der Vortragende ging zunächst von der bekannten Erfahrungsthalsache aus. daß im Vülkerleben Gleichartigkeit der intellectnellen Veranlagung, der äußeren Einwirkung oder der politischen Bedingungen ähnliche Richtungen des socialen und politischen Strebens. sowie der geistigen Entwicklung überhaupt zeitige. Wenn nun zwei Völker verschiedener Abstammung demselben Staatswesen angehören, und dieselbe Sprache reden, so bringt die gegenseitige Berührung und Beeinflussung ähnliche Gedanken- und Gefühlsäußerungen hervor. Einen schlagenden Beweis hiefür bietet das bezügliche Verhalten der jüdischen und nichljüdischen Bewohner des deutschen Bodens, wie es durch die jüdische und deutsche Volksdichtung auch literarisch erhärtet wird. Die frühesten Producte von deutscher Volksdichtung sind in Deutschland in jüdische Kreise gedrunge.l und haben da Ausnahme gesunden. Eine aus dem Mittelalter stammende Sammlung von Legenden in jüdisch-deutscher Sprache, das Maassebuch genannt, enthält Beftandtheile deutscher Märchen, aus welche die Brüder Grimm in ihren Kinder- und H.iusmärchen Hinweisen. Die Sage von König Artus' Hof, der Enlenspiegel und viele andere deutsche Volksdichtungen erfuhren Uebertragungen in's Jüdisch-Deutsche. Auch zahlreiche jüdische Dichter, welche in deutscher Sprache und in deutschem Geiste dichteren ivie der Minnesänger Süßkind von Trimberg. dessen Weisen lebhaft an Walther v. d. Bogelweide anklingen, der Grammatiker Elias Levita, der einen Ritterroman in Reimversen dichtete, sowie begeisterte Sänger deutsch-patriotischer Lieder durchschwirren das 13., 14. und 15. Jahrhundert. Ja sogar jüdische Frauen besteigen den deutschen Parnaß. Eine Frau Litte aus Regensburg versaßt eine „Geschichte des Königs David", Bella Hurwitz eine „Geschichte von de'' Ansiedlung der Juden in Prag". Hanna Katz aus Prag bethätigt sich als formgewandte Dichterin rc. rc. Wenn solcherweise der deutsche Geist den jüdisch-n beeinflußte, so sind anderseits auch inr deutschen Geisteswirken starke Anklänae an jüdische Ideen wahrzunehmen. Schon die Brüder Grimm weisen aus die märchenhaften Elemente im Talmud hin. In den von Müllenhoi und Scherer herausgegebenen Denkmälern deutscher Poesie aus dem 8. bis 12. Jahrhundert finden sich drei Gedichte biblischen und nachbiblischen Inhaltes unter dem Titel: „Die drei Jünglinge im Feuerosen," „Judit" und das „Lob Salomons". In neuerer Zeit haben Heinrich Heine und jüngst Gustav Karpeles die innige Wahlverwandtschafl hervorgehoben. Zum Schluffe seines in Form und Inhalt gleich gediegenen Vortrages zog Herr Tr. G e l b h aus die Summe seiner Ausführungen, indem er aus den lebhaften Ideenaustausch zwischen ^en Anhängern des christlichen und jüdischen Glaubens hinwies, durch welche manche jüdische Sage in christliche Kreise getragen und hier eigenartig verarbeitet wurde, ebenso wie die Juden auch immer mehr in das deutsche Geistesleben hineinwuchsen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.