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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 124

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 124 (sequence 10)
Language
German
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«Seite 124 Geflerrelchtsche Wochenschrift VLr. 7 phero de Ratis de Terlaco zu eurer Besichtigung des Knaben zusammen. Sie erklärten unter Angabe der Gründe einmüthig, daß der Knabe nicht im Wasser gestorben, sondern bereits vorher getödtet worden sei; über die Todesart äußerten sie sich nicht?) War auf solche Weise die medicinische Grundlage sür den Proceß gewonnen, so fehlte es dem Leiter noch an den genügenden juristischen Kenntnissen. Er erbat daher vom Bischos einen erfahrenen Rechtsbeistand, der ihm in der Person des Stadtpräsecten Jacobus de Sporo beigesellt wurde. Während die Behörden wenigstens die äußeren Formen eines processualen Verfahrens festzu- > halten suchten, hatte die Volksmenge ihr Urtheil bereits gesprochen: sie erklärte die Juden als die Mörder und forderte dringend ihre Bestrafung. Unter dem Drucke dieser „Verurteilung" wanderten noch zehn fernere Trientiner Juden, mit Ketten belastet in's Gefängniß Auch die Namen dieser Märtyrer mögen hier dem Gedächtnisse überliefert werden: 9) Israel, Sohn des Samuel, 10) Der alte Moses aus Sachse n. 11) Mohär, dessen Sohn. 12) Salomon, Sohn des Mendelin aus Innsbruck. 13) Lazarus, Sohn des Ahron de Savalle de Friolo, Diener des Angelus. 14) Moses, Sohn des Salomon aus Ansbach, Lehrer der Söhne des Tobias. 15) Isaak, Sohn des Jacob de B e d e r a, Diener des Angelus. 16) Brunet 1 a, Frau des Samuel. V) Vitalis, Diener des Samuel. Der Schweizer Z a n e s u s blieb in Freiheit! (Fortsetzung folgt). Kesefriichte. Die Juden im deutsch-französischen Kriege. Das „Deutsche Reichsblatt" schreibt: In Bremen ist vor kurzer Zeit der antisemitische Agitator Liebermann von Sonnenberg gewesen und hat dort 2',2 Stunden in einem Zuge geredet. Wie man uns von dort schrieb, hat er aber sehr viel Mumpitz vorgetragen und daherkeinen Anklanggefundeu. Einlangjähriger Abonnent des „Reichsblattes" aus Bremen erzählt uns, Herr ».Lieberm a n n habe u. a. gesagt, es hätten Juden im Kriege 1870/71 als Soldaten vor dem Feinde im Feuer nicht gestanden, sondern diese wären nur an den nachfolgenden Bagagewagen anzutreffen gewesen. Als Beweis seiner Richtigkeit führt er an, in allen Orten, in denen er verweilt, sähe er vorzugsweise die Kriegsdenkmale an, und auf all' den Denkmälern, die er gesehen, habe er nur einen einzigen Juden in den Inschriften verzeichnet gefunden. Unser Bremer- Freund richtet daher an uns die Frage: „Ist es wahr, daß nur ein einziger Jude im genannten Kriege gefallen ist?" Wir konnten die Frage nicht selbst beantworten; wir wissen nur, daß in dem Kriege von 1870 kein Unterschied von Consessionen gemacht wurde, und daß die französischen Kugeln auch keinen solchen Unterschied gemacht haben; unseres Wissens haben damals die Mitglieder aller Parteien und Consessionen ihre Schuldigkeit gethan. Wir schickten daher die Anfrage einem politischen Freunde zu, von dem wir annahmen. daß er etwas davon wissen konnte, wenn darüber überhaupt statistische Angaben veröffentlicht worden sein sollten. Er antwortete uns, daß, weil in den Verlusten des deutschen Heeres keine Unterscheidungen nach den Consessionen gemacht sind, auch keine sicheren statistischen Angaben darüber, wie viele evangelische, katholische, jüdische *) Das Gutachten jedes Arztes wird in den Acten einzeln in llevr Ausführlichkeit mitgetheilt. u. s. w. Soldaten gefallen sind, existiren. Einen Anhaltspunkt gäbe nur P h i l i p p s o n s „Gedenkbuch an den deutsch-französischen Krieg." Philippson hatte an die israelitischen Gemeinden Deutschlands die Anfrage gerichtet', wie viele Soldaten sie gestellt hätten. Die Angaben der Gemeinden sind in P h i l i p p s o n s Buch abgedruckt. Indessen haben die größten Gemeinden, wie Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M., Posen, nicht geantwortet, oder sie haben geantwortet, daß sie gar nicht imstande seien, eine Uebersicht zu liefern. Es sind überhaupt nur von circa 500 Gemeinden, etwa dem fünften Theile der bestehenden Gemeinden, die Antworten zu erhalten gewesen. Bon den Gemeinden, die Antworten gegeben haben, haben einzelne auch die Getödteten angegeben. Im Nachfolgenden bringen wir neben den Namen dieser Gemeinden zuerst die Zahl der gestellten Soldaten und dann in Klammern die der davon Getödteten: Bockenheim 4 (1), Cassel 19 (1), Cöln 78 (2), Dresden 12 (1), Freiburg i. B. 7 (1), Gesecke 9 (l), Hannover 15 (1), Hastenbeck 1 (1), Heubach 1 (1), Hohenhorst 1 (1), Leipzig 15 (1), Lenzen 2 (l), Liegnitz 2 (2), Marienwerder 13 (1), Neustadt-Oberschl. 5 (1), Nieder-Meißen 1 (1), Nürnberg 5 (1), Osterode 2 (1), Rawitsch 25 (3), Regensburg 5 (1), Reichenberg i. S. 7 (1), Reichensachsen 7 (1), Rodenberg 3 (1), Romsthal 7 (1), Rotenburg 9 (1), Schwerin i. M. 2(1), Schwersenz 18 (1«, Sobernheim 9 (1), Solingen 7 (1), Stavenhagen 2 (1), Tholey 3 (1), Osau? (1), Uttrichhausen 2 (1), Wielichow 3 (1), Wittstock 4 (l), Zierenberg 7 (1). In einem Nachtrag sind noch verzeichnet: Crossen 9 (1), Hadmersleben 1 (1), Hagen 6 (1), in Oberhessen zusammen 69 (3), Meseritz 9 (2) Es ist klar, daß es sich hier um Minimalzahlen handelt. Von den 48 Getödteten sind 6 aus Orten, wo sie die einzigen jüdischen Soldaten waren, 6 aus Orten, wo es nur 2 gab, 3 aus Orten mit 3, 2 aus Orten mit 4, 3 aus Orten mit 5, 1 aus einem Orte mit 6, 6 aus Orten mit 7 Soldaten; also 27, mehr als die Hälfte aus ganz kleinen Gemeinden. In solch' kleinen Gemeinden ist ja auch die einzelne Person, welche zur Fahne eilt, bekannt, in großen Städten nicht. In diesen kennt man bestenfalls die Gemeindemitglieder, d. h. die selbständigen Leute, welche zur Cultusgemeinde Steuer zahlen. Die größeren Gemeinden, welche inPhilipps o n s Verzeichniß eine größere Zahl Soldaten haben — wie Stettin 51 Soldaten, Königsberg 47 Soldaten — geben keine Getödteten und auch keine Verwundeten an, und sie liefern überhaupt nur sehr ungenaue Listen. Von Interesse ist aus den Angaben des Philippson'schen Buches noch Folgendes: Unter den 82 Inden, die als Inhaber des Eisernen Kreuzes ermittelt worden sind, befinden sich: N u tz b a u m aus Salzkotten wegen Zurückbringens einer vom Feinde schon genommenen Fahne; Saul Daus, Unterofficier aus Wongrowitz, vom Kaiser Wilhelm I. eigenhändig mit dem Eisernen Kreuz decorirt. * * Sniccö und die jüdische Ethik. Seitdem die Juden mit fremden Völkern verkehrt, haben sie die Aufmerksamkeit zeitgenössischer Schriftsteller auf sich gelenkt, die wohl oder übelwollend zu ihnen Stellung genommen haben. Wie mancher jüdische Gedanke ist durch dieses Medium in breite und weite Kreise gedrungen und hat veredelnd auf dieselben gewirkt. So finden sich in den Sentenzen des römischen Schriftstellers Seneca Stellen, die unseres Erachtens oft unzweifelhaft jüdische Signatur an sich tragen und uns daher besonders beachtenswert!) erscheinen. So klingt die Stelle: Quietissime vivereut homines in terris, si dno verba tollerentur „meumu et „tuum“, in der freilich der Grundgedanke des Communismus sich ausprägt, auch an Pirke Aboth V, 10 an. (Das Mrine — Dein, das Deine auch Dein — ist des Frommen Grundsatz.) — Klarer weist aber auf jüdische Provenienz, und

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