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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 122

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 122 (sequence 8)
Language
German
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Seite 122 Hesterreichtfche Mochesfchritt Nr. 7 wurde unter dem anhaltend lebhaften Applaus der Versammlung einstimmig angenommen, und über Antrag des Herrn S Heit dem Wahlbezirke des Dr. Bloch auf telegraphischem Wege bekannt gegeben. Herr E. Neustadtl wirft der liberalen Partei vor. daß sie zu einer Zeit, wo sie noch im Besitze ihrer Macht war, für den kleinen Mann nichts gethan habe. Redner plaidirt für die Unterstützung der demokratischen Candidaten, und der Candidatur des Dr. Kronawetter. Herr Dr. Glaser gibt seiner Ansicht Ausdruck, daß die „Union" entstehen mußte, weil die Judenschaft zur Erkenntniß kam. daß sie in den von ihr gewäblten Wortführern nicht die erhoffte energische Vertretung besitze Anderseits bedauere er, daß die Regierung nicht ein einziges Mal Gelegenheit nahm, dem Antisemitismus wirksam entgegenzutreten, ein Vorwurf, der auch die hervorragenden Wortführer der liberalen Partei träfe. Schließlich wünscht Redner 'ie Anstellung drr Candidatur des Dr. Kronawette in dem ersten Bezirke an Stelle des abtretenden Dr. W e i t t o f. Herr Alexander Scharf theilte der Versammlung mit, daß er in einem Schreiben an das Central-Wahlcomitv seine Candidatur für den ersten Bezirk angemeldet habe, von dem Comite jedoch eine ablehnende Antwort erhielt. Dies werde ihn jedoch nicht abhalten, in der allgemeinen Wählerversammlung als Candidat aufzutreten. Der Redner verspricht ein energisches, rückhaltloses Vorgehen gegen antisemitische Ausschreitungen. Die Candidatur des Herrn Dr. Jacques .verspricht Herr Scharf eiftigst zu unterstützen. Herr Jaite les und Hutmacher Bielitz bedauern den Kampf zwischen Liberalen und Demokraten und treten ebenfalls für die Aufstellung der Candidatur des Dr. Kronawetter für den ersten Bezirk ein. Herr Ludwig Lang nimmt die liberale Partei gegen die vielfach vorgebrachten Anschuldigungen in Schutz, und ist der Ansicht, daß nur die Regierung im Stande sei, dem Antisemitismus wirksam entgegenzutreten. Redner verweist diesbezüglich auf das energische Vorgehen des ungarischen Ministeriums. Herr Lang verspricht für die Einigung aller freiheitlichen Elemente einzutreten. Auch er sei für die Candidatur des Dr. Kronawetter, bedauert jedoch den taktischen Fehler der demokratischen Partei, welche ohne vorherige Verständigung mit der liberalen Partei, ihre Candidaten für die einzelnen Bezirke nominirte. Der Redner tritt schließlich für die Candidatur des Herrn Dr. Jaq ues ein, welcher in würdiger und glänzender Weise das Judenthum im Parlamente repräsentire. Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Kann verweist auf die Verdienste, die sich die liberale Partei um die Staatsgrund- und Schulgesetze erworben habe. Redner acceptirt ebenfalls das Programm der demokratischen Partei, für dessen Oberhaupt, Dr. Kronawetter, ein Platz im Parlamente geschaffen werden müsse. Entschieden müsse er jedoch der Candidatnr des Herrn Alex. Scharf entgegentreten. Herr Dr. Glaser gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß in der „Union" persönliche Gegensätze aufeinanderstoßen. Dies veranlasse ihm zur Erklärung, daß Herr Alex. Scharf ihm vor Absendung seines Briefes an das Central-Wahlcomite mittheilte, daß er die Anmeldung seiner Candidatur als ein politisches Manöver betrachte, um dem Central- Wahlcomite die Wahl zwischen ihm und Dr. Kronawetter anheimzustellen. Herr Alex. Scharf bestätigte diese Ausführungen und bemerkte, daß er nur einer eventuellen Candidatur des Dr. K r o n a w e t 1 e r weichen werde. In vorgerückter Stunde schloß der Vorsitzende die Versammlung. „Schachmatt de« Klutliigoer«!" Bon Dr. Moritz Stern in Berlin. II. Bangen und Zagen ergriff um das Jahr 1470 die Gemüther der italienischen Judenheit. Noch war der geifernde Capistrano in Aller Gedächtniß: der vom Volke umjubelte Franciscanermönch, welcher in den italienischen Städten Haß und Verfolgung gegen die Juden gepredigt hatte und dann nach Deutschland gezogen war, um als „Geißel der Hebräer" unsagbares Elend auf deren Häupter zil häufen. Da trübte sich von Neuem Italiens Himmel. Bernardinus von Feltre folgte Capistranos Spuren und suchte, von Stadt zu Stadt pilgernd, durch seine Brandreden gegen die Juden sich gleiche Verdienste wie sein Meister zu erringen. Das freundschaftliche Verhältniß zwischen Juden und Christen war ihm in der Seele verhaßt, und er warnte wiederholt vor dieser „argen Versündigung". Wohl seien die Hebräer auch Menschen, aber man dürfe nach den kanonischen Gesetzen keinen Umgang mit ihnen pflegen, an ihren Mahlzeiten keinen Antheil nehmen, von jüdischen Aerzten sich nicht behandeln lassen. Besonders müßten die Eltern auf ihre Kinder achten, damit sie die Juden nicht stehlen und kreuzigen. Schon längst hatte die teuflisch ersonnene Blutbeschuldigung ihren Weg über die Alpen nach Italien gefunden, und es bedurfte nur weniger Worte des Hetzpriesters, um die wilde Leidenschaft der Volksmenge auf's heftigste zu eutfachen. Was aber von dieser zu befürchten war, sollten die jüdischen Gemeinden an der Gefährdung oder Vernichtung ihrer eigenen Existenz nur allzu bald erfahren. In der Osterwoche des Jahres 1475 predigte Bernardinus in Trient. Andächtige Stille herrschte ringsum, da er weithin vernehmbar von der Kanzel herab „das L-iden Christi" schilderte. Aber immer mehr steigerte sich die Aufregung seiner Zuhörer, als er auf die Juden als die „Mörder des Heilands" hinwies. „Und mit diesen Verruchten steht Ihr im freundschaftlichen Verkehr?", so geiferte der Hetzcaplan. „Gehen doch Tobias, der Arzt und seine Frau Brunetta bei euch täglich ein und aus! Ihr sagt, daß sie, wenn auch ohne den wahren Glauben, doch gute Menschen seien. Ich aber sage euch, daß dieses Passahfest des Herrn nicht vorübergehen wird, bevor sie euch einen schlagenden Beweis für ihre Herzensgute geliefert haben werden.*) Also mehrere Tage vorher vermochte Bernardinus anznkündigen, was am Passahfeste sich ereignen werde! Konnte der Mönch in die Zukunft schauen oder war er selbst dabei behilflich, diese Zukunft zu — schaffen? Die P ro ph ezeih ung ging in Erfüllung, und damit begann jene Tragödie, die von so unheilvollen Folgen für die Judenheit aller Länder werden sollte. Den Schleier, der bisher über den ganzen Vorgang gebreitet war. vollständig zu lüften und an der Hand der Quellen die kunstvoll zu verderblichem Netze geschlungenen Fäden zu lösen, kurz die ganze Maschinerie, die hinter den Coulissen thätig war, offen darznlegen, ist hier nicht der Ort. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß das gesammte Proceßmatei ial im lateinischen Text mit deutscher Uebersetzung in nicht allzuferner Zeit durch den Druck Jedem *) Hi vestri boni quantutn vobis adveluml nmli nescitis. sed non praeteribit Pascha Dominicum. antequam hi dignum suae bo nit a t i s praebeant argumentum. 80 wörtlich mitgethcilt von den» Kirchenhistorikcr Waddinq in Annales Minorum XIV, p. 152 Wo int Folgenden die Quellen nicht citirt werden, liegen den Darlegungen die Acten und Protokolle des Processes zugrunde.

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