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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 119

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 119 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 ®efieneid}if$e Wochenschrift Seite 119 bot seinen Leoposdstäbtet Wählern gegen den Antisemitismus Steilung nahm. Prof. Sneß sagte; „Alle Verschiedenheiten politischer Anschauung, vom stöckcönservütiven Altbürger M der breiten Zone des Liberalismus, zllr Demokratie und bis zur Socialdemokratie, soweit sie nicht die Grundlagen des staatlichen Lebens lengnet, bin ich bereit, in einer großen Weltstadt äts berechtigt a n z u e t k e n n e n. Sie find auch in jeder großen Weltstadt vorhanden. Sie bilden miteinander eilte gerade Linie, unterbrachen durch Schattirungen, welche Non einer Gruppe zur anderen führen und welche oft mehr SchüttirungeN des Temperaments, als der Ueberzeugnng sind. Alke diese Gruppen bestehen in jeder großen Stadt, jede feste Ziele, bestimmte Ideen und Interessen umfassend, irit Hanfe der Jahre bald steigend und bald sinkend an Einfluß. Ä e t A n t i s e m i t i s m N s st e h t außerhalb dieser Linie. Schon der erste Grundsatz jeder positiven socialen Ordnung, nämlich die allgemeine Menschenliebe, sie ist ihm fremd. Er ist in den Weltstädten nur eine locale krankhafte Erscheinung. Seine Ziele tuechseln nach der politischen Wetterfahne und seine Führer wechseln die Farbe schneller als das Chamäleon. Erinnern Sw sich, zuerst war der Antisemitismus eine Nationale germanische Bewegung. Dann wurde er benützt üts eine Hülle für die gegen unsere Schule gerichteten Pläne. Hellte singt Man andere Lieder, welche, allerdings wohl vergeblich, einen Widerhall suchen im Lager der Soeialdemvkrätie. Welche Melodien morgen gangbar sein Werden, das kann ihnen irgend ein Operettenheld sagen, vielleicht der Rattenfänger von Hameln, der mit feiner Querpfeife die Kinder lockt. Ernst gesprochen, die Carricwe, welche einige weniae Menschen auf dein Rücken dieser Bewegung gemacht haben, ist von unserer Stadt theuer bezahlt worden, befahlt mit einer merkbaren Erlahmung des Unter- 11 e h m u n g s g e i st e s. mit mancher Störung des g e w e r b 1 i ch e n C o n s u m s, mit einer Hemmung positiver Arbeit in d e r G e m e i n d e st u b e, und endlich mit einer tiefen Schädigung des politischen Ansehens u-n d Einflusses. Für Uns ist der Antisemitismus nur der Ausdruck der Roth und der unklaren Unzufriedenheit einer bestimmten Schichte der Bevölkerung, welche' von e i n z e l n e n E h r g e i z i g e n ausgenützt w i r d für verschiedene politische Z w e ck e, welche den Interessen dieser Bolksclassen ferne liegen Unser Ehrgeiz wird es sein, die Quellen dieser Noth zu treffen, soweit dies überhaupt einer legislativen Thätigkeit möglich ist." -t- Pattai und Vetter gegen Lueger. Jener Zwiespalt zwischen den Antisemitenführern, von welchem wir schon in unserer letzten Nummer berichteten, hat sich in den letzten Tagen noch vertieft und erweitert. Die persönlichen Eifersüchteleien zwischen den Herren Pattai und Vetter einerseits und den Herren Lueger und Metzler anderseits haben sich zu einem heftigen Conflicte entwickelt, bei welchem die edlen Volkstribunen einander die heftigsten Grobheiten an den Kopf werfen. Im III. Bezirke ist zunächst der Bezirksvorsteher Schallaböck von Lueger abgefallen, weil der Letztere Herrn Schallaböck nicht als Candidaten aufstellen wollte. Daraufhin erklärte L u e g e r, das Tischtuch zwischen ihm und Schallaböck sei für immer zerschnitten. Herr Cornelius Vetter, der Feind aller Juden und Freund alles jüdischen Geldes, hat unabhängig von Lueger seine Candidatur für den Reichsrath gegenüber dem Wirthschaftsrath Metzler aufgestellt. Der Letztere wollte sich diese Gegnerschaft dadurch vom Halse schaffen, daß er Vetter als Candidaten für den IX. Bezirk empfahl, Cornelius Vetter aber antwortete hierauf mit eine flammenden Philippika gegen die Partei Lu ege r-Liechtenst e i n, in der er sagte: „Das Aergste ist ein Mann im civilen Kleide, der im Herzen den schwärzesten Kalksburger Jesuitismus hegt. Bor einem solchen Menschen müssen wir uns hüten, denn sonst wird uns auch noch der Meßner von St. Rochus und Sebastian als Candidat offerirt. Welches sind denn die Verdienste Metzler's? Niemand kennt sie; er ist ein Mann, von dessen Vergangenheit man nichts weiß, der einen Titel usurpirt hat, der überhaupt nicht existirt, denn „Wirthschastsräthe" gibt es nicht; ich aber bin Landstraßer Bürger und Gewerbetreibender, und dieser Mann will mich aus meinem angestammten Bezirke verdrängen und bietet mir gnädig den Alsergrund an. Mich aber wird Metzler nicht aus der Landstraße delogiren (Schallende Heiterkeit!, ich bin ihm nichts schuldig. Ich werde meine Candidatur bis zur äußersten Consequenz aufrecht halten. Wir werden nicht weichen, möge es kommen, wie es komme? Wir werden kämpfen, und so melde ich hiemit meine Candidatur an. Die Bevölkerung soll entscheiden, wer würdig ist, sie zu vertreten, ich oder Metzler, mich kennt man, ihn nicht!" (Stürmischer Beifall.) Ja wohl, Herrn Vetter kennt man und Herr Metzler nickt. Ob das ein Vorzug ist, soll dahingestellt bleiben. In derselben Versammlung erkläre ein anderer Pattaianer, Herr Polzhofer. der Dr. Lueger sei ein politischer Heuschreck, der von Partei zu Partei springe. Die Candidatur Metzlers sei eine Arroganz. „Wenn ich gereizt werde," sagte Herr Polzhofer, „werde ich Thatsachen an das Tageslicht bringen, an welche die Herren wohl nicht denken." Dr. Pattai aber nannte die Aufstellung Metzlers die „brutalste Gewaltthat, die von der herrschsüchtigen Clique der Christlich- Socialen begangen werde. Man sieht, die Herren wissen, was sie gegenseitig von sich zu halten haben; sie sind nur noch darüber in Zweifel, wer von ihnen der größte — Ehrenmann ist. * * * Steinwender für Bergani Auch der verschämte Antisemit Dr. Steinwender wird endlich — muthiger. Am vorigen Donnerstag hat derselbe in Hernals eine Versammlung für den Candidaten des Herrn Bergani, den Ingenieur Fraßt, abgehalten und ebenso unterstützt Herr Steinwender die Candidatur des von Bergani ponssirten Antisemiten Moriz Richte r im Städtebezirke Leibnitz. Das „deutsche Bolksblatt" bemerkt zu dieser Thatsache: „Die Partei Steinwenders zeigt damit, daß sie die nationale Sache thatkräftigst zu fördern bestrebt ist. nicht wie gewisse Leute, die mit dem Worte „national" umherwerfen, gefährdete nationale Candidatureu aber noch durch Aufstellung sinnloser Zählcandidatnren schädigen." Die letztere Bemerkung geht gegen Schönerer, der neuerdings die Wählerschaft des Kremser Wahlbezirkes gegen Bergani zu beeinfluffen trachtet. -ft * -ft Die Candidatur Alexander Scharfs. Der Herausgeber der „Sonn- und Montagszeitung", Herr Alexander Scharf, hat seine Candidatur für das vierte Mandat der inneren Stadt Wien angemeldet. Fiirfterzbischof Gr«fcha gegen de» Anti senritinlu». Nach Informationen von authentischer Seite haben die Bischöfe sich mit der Frage der Theilnahme des Klerus an der antisemitischen Agitation

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