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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-13 · 7 (13.2.1891) · p. Seite 118

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
7 (13.2.1891)
Date
1891-02-13
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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Seite 118 Hesterreichische Wochmfchrlft Nr . 7 stellt und verficht, bedeutet einen Hohn auf die Intelligenz der Wiener Wählerschaft und einen Faustschlag gegen die j öffentliche Moral. Es sei uns gestattet, von dieser Kampfesart des Prinzen etwas ausführlicher zu sprechen. * * -i- Priuz Liechtenstein unter Schneiders Patronanz. Wer Herr Ernst Schneider ist, das ist aus den Vorgängen der jüngsten Zeit, aus Zeitungen und Broschüren, j aus den Versammlungen und aus dem Gerichtssaal Jederj mann bekannt Man weiß, daß Herr Schneider sein « Gewerbe als Mechaniker nur nebenher betreibt, und daß er j aus der socialen Verhetzung ein Geschäft gemacht hat. Mau weiß, daß Schneider das Brandmal eines Fälschers an der Stirne trägt, daß er den öffentlich erhobenen und bewiesenen Vorwurf der Verleitung zu falscher Zeugenaussage vor Gericht nicht von sich abgewalzt hat; man weiß, daß er sich von seinen eigenen Parteigenossen ruhig einen Schuft, einen Schurken und einen Berräther schimpfen läßt, ohne für diesen Schimpf Genugthuung zu verlangen. Man muß es sich gefallen lassen, mit demselben Menschen im Landtage beisammen zu sitzen, aber jeder anständige Mann wird es sich zweimal überlegen, im privaten Leben mit ihm zu verkehren und an einem Tische mit ihm zu sitzeu. Der Prinz Alois Liechtenstein aber hat kein Bedenken getragen, seine Candidatenrede in Hernals unter dem Vorsitze Schneidens zu halten, er hat es mit der Ehre eines österreichischen Cavaliers nicht unvereinbar gefunden, sich unter den Schutz und unter die Patronanz eines Schneider zu begeben. Aber freilich, der Prinz Alois Liechtenstein hat noch andere Dinge mit seiner Stellung vereinbarlich gefunden. Er hat in seiner Candidatenrede seine eigene Schöpfung, den Liechtenstein'schen Schulantrag verleugnet, indem er erklärte, er st ehe heute nicht mehr auf dem Standpunkte, den er seinerzeit, als er seinen Schulantrag ein brachte, ein.genommen hatte. Nie werde er einen solchen Antrag wieder einbringen. Als er vor zwei Jahren den Schulantrag ein brachte, sei er der Vertreter eines ländlichen Bezirkes gewesen und seine bäuerlichen Wähler hält en ihn dazu gedrängt. Er habe dieser Pression nachgegeben und konnte nicht erwarten, daß seine Absichten so mißdeutet würden, denn der Antrag habe nur agrarische Interessen verfolgt. Heute sei er ein entschiedener Gegner jenes Antrages und er würde nicht einmal mehr fürdenselben stimmen. Niemals noch hat ein Mann in öffentlicher Stellung, hat ein Parteiführer in so cynischer Weise seine Gesinnungen verleugnet, sich so offen der Gesinnungslosigkeit gerühmt, wie der Prinz Liechtenstein. Der wichtigste, durch die Verfassung festgestellte Grundsatz für die Reichsvertretung ist der, daß jeder Abgeordnete nicht blos seinen engeren Wählerkreis, sondern die gesammte Bevölkerung vertrete. Wenn das Interesse der ländlichen Bevölkerung die Herabsetzung der Schulpflicht erfordert, so erleidet dies durch den Umstand, daß Fürst Liechtenstein heute für ein städtisches Mandat candidirt, keine Aenderung. Die Verhältnisse haben sich nicht geändert, aber der Prinz Liechtenstein hat seine Gesinnung gewechselt und seine Vergangenheit verleugnet, um einen augenblicklichen Erfolg zu erringen. Er hat es gethan, weil er dem jesuitischen Grundsätze huldigt, daß der Zweck dieMittel heilige. Er hat es gethan, well es seinen Absichten entspricht, die politische Ueberzer^ungstreue der Bevölkerung zu corrumpiren und den Gerst der politischen Heuchelei in sie hineinzutragen. Und »ie er durch die Gemeinschaft mit S chsseftH->sich selbst herabgewürdigt hat, so auch durch den Ton, den er vor den Hernalser Wählern anschlug. Wie weit ist es gekommen, wenn ein Prinz Liechtenstein sich nicht entblödet, den Jargon des niedrigsten, rohesten Rassenhasses anzuwenden und von einem „Judenjüngelchen" zu sprechen, das „zum Tate läuft". Das ist die Sprache des Tischlermeisters I e d l i c k a, der ja auch den fürstlichen Candidaten patronisirt, das ist' die Sprache der Rohheit, der Unbildung. Mag der Prinz Liechten st ein in Hernals gewählt werden oder nicht, durch seine Candidatenrede und durch den Verkehr mit Männern, wie Schneider und I e d l i c k a hat er sich selbst für alle Zeit sein Urtheil gesprochen. * Die Canditatur Kronawetter's. Gegenüber dem trüben Bilde politischer Verwahrlosung und Entartung, das wir soeben entworfen, gewährt die Dank barkeit, mit welcher ein großer Theil der Wiener Bevölkerung für einender besten und edelsten Männer, für den unermüdlichen Verfechter der Humanität und Toleranz im Abgeordnetenhause, für Dr. Kronawetter, einsteht, ein wahrhaft erhebendes und erquickendes Schauspiel. Der Wiederwahl Dr. Kronawetter's in seinem bisherigen Wahlbezirke, der Josefftadt, stehen in Folge der Verhetzung der dortigen Wählerschaft unüberwindliche Hindernisse im Wege. Die demokratische Partei hat daher ihren Führer im IX. Bezirke, auf dem Alsergrund, als Candidaten aufgestellt, obgleich dieser Bezirk bisher gleichfalls von einem wahrhaft freisinnigeil Abgeordneten, Herrn Wr ab etz vertreten war. Gleichzeitig aber hat sich Dr. Kronawetter bereft erklärt, in Hernals die Candidatur des Prinzen L i e ch t e n st e i n zu bekämpfen. Die deutschliberale Partei erhebt nun gegen die Aufstellung Dr. K r o n a w e t t e r's auf dem Alsergrund Protest, weil sie für die Wiederwahl des Herrn W r a b e tz eintritt. Diese Differenzen gelangten in der jüngsten Versammlung des Vereines „Oesterreichisch-israelitische Union" zur Sprache und es wurde hier einmüthig und unter rauschenden Ovationen für Dr. K r o n a w e t t e r der Ansicht Ausdruck gegeben, daß es eine Ehrenpflicht der deutschliberalen Partei sei, Herrn Dr. Kro n aw etter ein s ich er e s Mandat zuzuweisen, ehe er den Kampf gegen den Prinzen Liechtenstein aufnähme. Da das vierte Mandat der Inneren Stadt Wien ftei ist, so unterläge es gar keiner Schwierigkeit, dasselbe Herrn Wrabetz zu überlassen und Dr. Kronawetter die Unterstützung der deutschliberalen Partei im IX. Bezirke zuzuwenden. Die Juden Wiens erfüllen eine Dankespflicht, wenn sie sich für eine solche friedliche Lösung des Zwistes einsetzen und mit aller Energie darauf dringen, daß Dr. Krona weiter einen Wahlbezirk zugewiesen erhalte, wo seine Wiederwahl keinem Zweifel unterliegt. * Die Liberalen und die Judenhetze. Am 9. d. M. ist der Wahlaufruf der deutschliberalen Partei erschienen. Derselbe hat insofern eine Ueberraschung gebracht, als er mit kaum einer Silbe gegen den Antisemitismus Stellung nahm. In unserem heutigen ersten Artikel ist unser hochverehrte Dr. Güdemann mit aller Entschiedenheit und großer Energie diesem befremdlichen Schweigen entgegengetreten, so daß wir an dieser Stelle nur noch zu constatiren haben, daß in vielen, nicht blos jüdischen Kreisen, der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wurde, es genüge nicht, daß Herr v. Plener in seiner Rede am Schluffe der Abgeordneten-Conferenz sich gegen den „confessionellen Hader" aussprach, sondern es hätte eine entschiedene Verurtheiluug der antisemitischen Hetze in den Wahlaufruf selbst ausgenommen werden müssen, wenn die liberale Partei ihrem Namen Ehre machen wollte. Um so erfreulicher ist die Rede, mit welcher Pros. Eduard Sueß

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