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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-06 · 6 (6.2.1891) · p. Seite 112

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
6 (6.2.1891)
Date
1891-02-06
Page
Seite 112 (sequence 18)
Language
German
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Seite 112 Hesterrerchische Wochmschrift Nr. 6. Den Mittelpunkt des kleinen Dramas, um welchen sich die lose Handlung gruppirt, bildet der Besuch Kaiser Karls V. beim Meister Tizian zu Venedig im Jahre 1530. Damit wird freilich von der historischen Ueberlieferung abgewichen, wonach diese Zusammenkunft in Bologna i) stattgefunden haben soll. Der reiche Fürst, in dessen Ländern die Sonne nicht unlergeht, der schlaue Diplomat, welcher anscheinend für nichts ein Herz hat, als für seine Politik, — er cntschlägt sich der Staatsgedanken und der ewig lastenden Sorgen für kurze Zeit und findet inmitten der frohen Künstler sich selbst wieder. „Die herrlich hohe Kunst in diesem Hause Hat ihn sich selber wieder finden lassen Im schweren Kampf der Welt, die er regiert. Erst jetzt erkenne ich das Göttliche Der Kunst und preise unfern großen Meister." So sagt Graf B e n e f i d e s, der Vertraute des Kaisers, von seinem Herrn. 2) Wie aber erscheint uns jener gepriesene Meister selbst, — Tizian Vecellio? Er bemüht sich, „in der heil'gen Kunst" „In Ruhe ohne Leidenschaft zu walten. Weil ihm gemäßer dies der Schöpfungskraft, Durch die die Kunst erst wahrhaft göttlich ist." Sein Schüler Paris Bordone sagt von ihm,4) daß er „leichten Flugs das weite All durchdringt, Im stäten Rythmus seiner mächtigen Schwingen". Darum ehrt ihn auch der Kaiser wie Seinesgleichen, er ernennt ihn zum Ritter und Pfalzgrafen und gibt ihm noch mannigfache Beweise seines Wohlwollens. Dem Tizian gegenüber wird MichelangeloBuonarotti!') als Gegenstück eingeführt, der von der medicäischen Partei aus Florenz verbannt — „von der Balle infam geächtet" — feine Zuflucht in Venedig gefunden hat und dort am schweren Heimweh krankt. In Wirklichkeit fällt die Flucht Michelangelos in den October und Anfang November 1529«) Die „Titanenkraft und hohe Allgewalt" dieses herrlichen Meisters — der Maler, Bildhauer und Architekt zugleich ist — wird mit beredten Worten geschildert. Er selber sagt von sich: „Mit sicherm Hammerschlag zersprenge ich Die Fessel, die den Geist gefangen hält, Im harten Stein, damit ein Leben draus Auf's Neu' erblüh' in ursprünglicher Schöne. Die klar und deutlich, von dem Zufall frei, Den reinen Zweck in ihrer Krone trägt." Jndesien bereut er es tief, sich in den Kampf der Parteien eingelaflen zu haben, da ihm diese Wirren das schwerste Herzeleid bereiteten. Er versinkt in eine Art Wahnsinn, und der Friede kehrt erst wieder in feine Brust zurück, als eine aus Florenz gesandte Schaar von Nobili erscheint, um ihm seine feierliche Rückberufung in die Vaterstadt anzukündigen, während ihm venetianische Künstler den Lorbeerkranz auf's Haupt setzen. Die zweite dramatische Dichtung U n g e r s, welche leider nicht zum Drucke gelangt ist, und von der sich das Manuskript in den Händen eines seiner Erben befindet, ist gleichfalls ein Künstlerdrama : *) Im Jahre 1530 ging Tizian nach Bologna, um Karl V. zu malen, der ihn zum Retter und Pfalzgrafen ernannte und ihn mit Reichthümern überhäufte. Hier war es, wo Karl ihm den Pinsel aufhob. Im Jahre 1533 malte er den Kaiser nochmals zu Bologna . . . 1543 begab er sich nach Rom, wo er von Michelangelo empfangen wurde. Zweimal berief ihn Karl V. nach Augsburg und nahm ihn mit nach Innsbruck und Trient. Auch nach seiner Rückkehr nach Venedig fuhr er fort, für Karl V. nnd Philipp II. zu arbeiten. Fr. Müller, Die Künstler aller Zeiten, lll. S. 748 bis 749. Stutt gart 1864. Kaiser Karl V. wollte nur von ihm gemalt sein und ließ ihn zu diesem Zweck zweimal (1547—48 und 1550) nach Augsburg kommen; König Heinrich HI. von Frankreich reiste zu ihm nach Venedig, um ihm zum Bildniß zu sitzen. Vgl. E. Förster, Geschichte der italienischen Kunst V. -) II. 1, S. 53. 3) II, 5, S. 70. *) II, 1, S. 3. 5) Vgl. II, 5, S. 70 6) Michelangelo verließ Ende September 1529 Florenz heimlich, ging nach Ferrara und von da nach Venedig, kehrte aber schon am 9. November nach Florenz zurück. Als 1530 Florenz von den Medicäern eingenommen war, hielt sich Michelangelo einige Ta^e verborgen. Vergl. Fr. Müller, Die Künstler aller Zeiten. I. S. 215. Stuttgart 1857. Miöera, genannt lo Spagnoketto. Drama in fünf Aufzügen. Es behandelt einen ähnlichen Stoff wie die bekannte Auber'sche Oper „die Stumme von Portici". Auch hier ist Neapel der Schauplatz der Ereigniffe, und zwar spielen sich dieselben geschichtlich gegen das Ende des Jahres 1647 ab, bald nachdem die Erhebung Masaniellos stattgefunden hatte. Das Thenia ist die Befreiung Neapels vom spanischen Joch; der Titel ist von einem italienischen Maler hergenommen, welcher sich der spanischen Partei angeschloffen hat und der durch seinen Ehrgeiz zugrunde gerichtet wird. Der spanische Prinz Don Juan d'Austria, der natürliche Sohn König Philipps IV.,. — nicht zu verwechseln mit seinem älteren Namensvetter, dem Sieger von Lepanto — weilt als Regent in Neapel. ') Er ist wohlwollend, ein Freund der Kunst und der Künstler, läßt sich aber von der Leidenschaft zu einer schlimmen That Hinreißen, zur Entführung der edlen Tochter des Malers La Ribera. Diese stirbt nach dem Borbilde von Lessings Emilia Galotti freiwillig. Dadurch wird der schon lange vorbereitete Aufstand der Neapolitaner, unter denen das unruhige Volk der Künstler eine große Rolle spielt, zum Ausbruch gebracht. Die Spanier werden vertrieben und hiermit trifft ein schon lange durch dumpfes, unterirdisches Grollen angekündigtes Naturereigniß, der Ausbruch des Vesuv, zeitlich zusammen. Unter den für die Freiheit des Vaterlandes begeisterten Künstlern tritt besonders Salvator Rosa hervor, welcher, in die Hände von Räubern gefallen, diese Leute durch eine meisterhafte Rede veranlaßt, ihr Banditenleben aufzugeben und sich zur Befreiung des gedrückten Vaterlandes mit den Landsleuten zu vereinigen. Es sei mir gestattet, diese Rede als eine Probe des vorliegenden Dramas hier im Auszuge wiederzugeben. Salvator Rosa. „Ihr habt es euch viel leichter hier gemacht. Als Eure Brüder, die dem fremden Joch Erliegen, während Ihr im Ueberfluß Der Freiheit und Gemächlichkeit hier lebt. — Jst's recht, daß Ihr nur selbstisch denkt an euch?' Habt Ihr nicht Vater, Mutter, werthe Freunde, Die darbend keuchen unterm fremden Druck? — Wie viele unter ihnen haben schon Ihr Blut vergossen für das arme Land, Das Spaniens Habgier aussaugt, wie ein Vampyr! Es schreit das Blut des edlen Masaniello Zum Himmel, und nur Ihr habt taube Ohren? Ich bin nicht Richter eurer bösen Thaten, Wenn Ihr dem Wandrer in den Rücken fallt, Der still und harmlos seine Straße zieht, Die frohe Hoffnung in dem reinen Herzen, Daß er die Seinen Wiedersehen werde. — Statt dessen strecken eure Messer ihn zu Boden, Weil Beute Ihr vermuthet in dem Säckel. Ich will darüber jetzt nicht mit Euch rechten, Das überlaß ich dem gerechten Gott. Wenn aber Ihr auch jetzt noch hier verbleibt, Wo man sich rüstet zum Verzweiflungskampf, Die Ketten der Gewaltherrschaft zu brechen, So fluch' ich solcher feigen Müßigkeit, Die es verabsäumt ihrer Sünden Im Blut der Feinde wieder quitt zu werden. — Girolamo, ich kenne dich, Du hast Mir treu gedient. Gering nur war der Lohn, Den ich dir reichen konnte, groß die Müh, Der du dich oft so willig unterzogest. — Da ward ich selbst dem Mangel preisgegeben Und nicht, wie sonst, könnt' ich dich unterstützen, Denn auch die Kunst liegt lange schon darnieder. Denk deines treuen Weibes, deiner Kinder. >) Sein Vater hatte ihm die Dämpfung der Unruhen in Neapel übertragen. Johann verlangte, daß das Volk die Waffen niederlege, ohne auf früher abgeschloffene Verträge Rücksicht zu nehmen. Er überfiel am 5. October genannten Jahres unversehens von den drei Burgen St Elmo, Uovo und Nuovo aus die Stadt Neapel. Ein zweitägiger Kampf brachte die Eingebornen zu dem Entschluß, sich von Spanten zu trennen, und versetzte den Prinzen Johann in die größte Bestürzung und Rathlosigkeit. Bgl. Ersch und Grubers „Encyklopädie der Wissenschaften und Künste", 11. Section, Theil 21, S. 171 (Johann II. , von Oesterreich), Leipzig, Brockhaus.

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