Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 6 (6.2.1891)
- Date
- 1891-02-06
- Page
- Seite 110 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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«sene 110 Hesterreichische Wochenschrift Str. 6. Jahresbericht dieses Vereines constatirt, daß die vor zehn Jahren von einem kleinen Häuflein biederer Männer gebildete Bereinigung sich im Laufe der Jahre zu einem der angesehensten und bedeutendsten Krankenunlerstützungs-Vereine Wiens vergrößert hat. Heute sind es 500 Mitglieder. welche an den wohlthätigen Institutionen dieses Vereines theilzunehmen berechtigt sind und mehr als 11.000 Gulden beträgt das Vermögen desselben, welcher Betrag trotz der Ungunst der dermaligen Zeitverhältnisie und ungeachtet der Munificenz, die der Verein denen gegenüber walten läßt, die denselben in Anspruch nehmen, durch rationelles Gebühren und gewiflenhafte Verwaltung zusammengespart ist. Wir entnehmen dem Berichte ferner, daß die ausgezahlten Krankengelder im abgelaufenen Jahre die bis nun noch nie dagewesene Höhe von fl 1645 erreichten. Die verabfolgten („Schiwo")-Gebühren betrugen fl. 125. Die Mitgliederzahl erreichte am 31. December 1890 die runde Ziffer von 500, nebstdem zählt der Verein 11 Ehren- und 10 unterstützende Mitglieder. Wie«. Der Krankenunterstützungsverein „Liwras Chen" versendet die Einladung zur ordentlichen Generalversammlung für Sonntag 8. Februar 189 l, präcise halb 2 Uhr Nachmittags, in der Restauration Schwarz, ll.. Große Schiffgasse 24, mit folgender Tagesordnung: 1. Verlesung des Jahresberichtes pro 1890- 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl von neun Ausschußmitgliedern für die ausgetretenen Herren Sal. B l o d e k, M. B l o n s k i, Sigm. Hollitscher, M Hudes, Emil Jellinek, Leop. Klausner, David K o l i e b, Wilhelm Popper, Sal. T r i a e r. 4. Neuwahl von drei Ersatzmännern. 5. Neuwahl von zwei Revisoren für das Jahr 1891, 6. Anträge und Interpellationen. (Diese wollen bis 6. Februar dieses Jahres beim Obmann, Herrn Dr. Adolf Herzfeld, II., Praterstraße 15, schriftlich angemeldet werden; auf später einlangende kann keine Rücksicht genommen werden. Wie der veröffentlichte Rechnungsabschluß constatirt, hatte der Verein mit Schluß des Jahres 1890 722 ordentliche, 9 unterstützende und 5 Ehrenmitglieder. Das Bereinsverinögen beträgt fl. 1274*18. Krankenunterstützungen wurden an neun Mitglieder im Betrage von fl. 76*46 und Darlehen an 36 Personen mit fl. 710 geleistet. E. B. Drößnitz. (Volkszählung. — Ehre nbürgerrechts-Verleihung.) In Proßnitz besteht, gleichwie in vielen anderen Gemeinden Mährens, die Anomalie, daß es eine eigene politische Judengemeinde besitzt. Die jüngste Volkszählung ergab für dieselbe 1667 Einwohner. Hlemit ist jedoch die Zahl der hier wohnenden Juden nicht erschöpft, respective klargestellt, denn ein erheblicher Theil wohnt in der Stadtgemeinde, während in der israelitischen Gemeinde wieder auch Christen wohnen. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde besitzt bedauerlicherweise keinen Kataster, daher sich die jüdische Einwohnerzahl in der gesammten Katastralgemeinde Proßnitz, Christen- und Judengemeinde, erst nach dem detailirten Ergebnisse der Volkszählung Herausstellen wird. Man kann jedoch immerhin mi einiger Sicherheit annehmen, daß Proßnitz ungefähr 2500 jüdische Einwohner zählt. — Die Gemeindevertretung der israelitischen Gemeinde Proßnitz hat Herrn Emanuel L ö w, der eine lange Reihe von Jahren als Gemeinde- und Cultus- Vorstandsmitglied eine ersprießliche Thätigkeit entfaltet hat. zum Ehrenbürger ernannt. Suczarva, 26. Jänner. Der hiesige Großgrundbesitzer Herr Naftali Zwiebel, hat am 25. d. M. 63 arme Schüler der hiesigen israelitisch-deutschen Volksschule mit Stiefeln und Mützen im Betrag von 250 fl. beschenkt. Aerti«, 26. Jänner. Am vergangenen Sonntag fand hier die Einweihung der neuen Synagoge, welche der „Verein der Rosenthaler Vorstadt" sich in der Brunnenstraße 120 erbaut hat, statt. Schon lange vor Beginn der Feier hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, welches den festlich geschmückten Raum bis auf den letzten Platz füllte. Nachdem die Thorarollen unter Vorantritt des Herrn Rabbiner Höxter von dem ftüheren Betsaal der Gemeinde an ihren neuen Bestimmungsort gebracht waren, trug der Cantor, Herr Druj a n, mit klangvoller Stimme die üblichen Weihepsalmen und das Minchagebet vor. Die Weiherede des genannten Rabbiners knüpfte sehr passend an die Worte der Ledira: TO WOm 1DNOD an und legte die Bestimmung des Gotteshauses als Berg der Zuversicht, als Ruhepunkt und als Heiligthum, d. i. als Ort der Läuterung dar. Der Vortrag des 150. Psalms, ein Gebet des Festredners für Kaiser und Reich und der Gesang Adon olam schlossen die erhebende Feier. Hlom. Cavaliere Miglietta, Richter am Appellgerichte zu Livorno, veröffentlichte ein Schreiben, in welchem derselbe sich in der lobendsten Weise über die Rechtschaffenheit der Juden äußert Derselbe bemerkt: Durch zehn Jahre war ich Untersuchungsrichter zu Livorno, welches eine jüdische Bevölkerung von circa 40.000 Personen hat, und während dieser Zeit wurde nur einmal ein Jude eines Verbrechens beschuldigt, und zwar des Diebstahls an einem Rabbiner. Niemals hörte ich davon, daß ein Jude sich an der Person oder dem Eigenthum eines Christen vergriffen habe. Im Geschäftsleben finde ich dieselben ehrlicher als meine eigenen Glaubensgenossen. Was den Wucher anbelangt, so wird derselbe weit mehr von jenen betrieben, welche die Taufe empfangen haben. Diese Erfahrung habe ich speciell in Neapel gemacht. London. Der Lord Mayor erhielt Adressen von den jüdischen Cultusgemeinden zu Prag und Lemberg, in welchen dieselben Seiner Lordschaft den Dank für seine Actton für das Guildhall Meettng zu Gunsten der verfolgten Juden Rußlands zum Ausdruck brachten. Eine Deputation angesehener Bürger hat Montag den Mayor von Manchester ersucht, er möge ein öffentliches Meeting behufs Besprechung der Lage der russischen Juden einberufen. Der Mayor bestimmte den 4. März für die Abhaltung des Meetings. Waris. Die Wahlen für die theilweise Erneuerung des Senates ergaben kein so günstiges Resultat für die jüdische Sache wie die allgemeinen Wahlen in Italien. Von fünf jüdischen Candidaten hatte einzig und allein M. Milland, Exminister für öffentliche Arbeiten, ein neues Mandat von den ausgewählten Votanten erhalten, welche berechtigt sind, Mitglieder in die gesetzgebende Körperschaft, welche im Palais Luxembourg seine Sitzungen abhält, zu entsenden. Außer diesem sitzt nur noch ein Jude im Senate, M. Lisbonne. — Auf der Liste der letzten Ernennungen von Officieren der Akademie befindet sich auch der Name der Baronin James de Rothschild. ^armltenblatt. Woche«- Feber j 1891 : Schwach Adar 5651 Kalender Freitag 6 28 Samstag 7 2d D’DSE'D Sonntag 8 30 1 Roschchodesch Montag 9 1 2 Dienstag 10 2 Mittwoch 11 3 Donnerstag 12 4 Freitag 13 5 Griechin «nd Jude Erzählung von *** (Fortsetzung.) Simon antwortete nicht. Er starrte noch immer auf das blaße dunkeläugige Gesicht, auf die langen schwarzen, auf den alabasternen Nacken hinabfließenden Locken. Er vergaß ganz, daß ihn sein Großvater gelehrt hatte, vor fremden Frauen und Mädchen das Auge