Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 6 (6.2.1891)
- Date
- 1891-02-06
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 109 daß in Rußland mit verschiedenem Maße gemessen wird. So ist kürzlich in Polen eine Verordnung ergangen, nach welcher militärpflichtige Juden, welche sich wegen einer Superrevision aus einer Stadt nach einer anderen zu den Militärbehörden zu begeben haben, nur etappenmäßig, d. h. wie gemeine Verbrecher, befördert werden müssen — angeblich, damit sie sich nicht unterwegs selbst verstümmeln oder einen anderen vorschieben! Die übrigen Militärpflichtigen werden einer solchen barbarischen Behandlung nicht unterworfen. Vermischtes. Wien, 4. Februar. Die heutige „Wiener Zeitung" veröffentlicht die Enthebung Dr. v. Dunajewski's vom Posten des Finanzministers und die Ernennung des Sectionschefs Dr. Emil Stein b ach zu dessen Nachfolger. Dieser Ministerwechsel kündigt eine bedeutsame Wandlung in der inneren Politik Oesterreichs an. Der neuernannte Finanzminister Dr. Emil S t e i n b a ch, der zu den hervorragendsten Juristen Oesterreichs zählt und auf die neuere Gesetzgebung, insbesondere auf socialpolitischem Gebiete, einen maßgebenden Einfluß geübt hat, entstammt einer jüdischen Familie. Wien. O este rre i ch is ch -> i s r aelit is ch e Un i o u. Samstag den 7. Februar 1891, 7 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner I. Börsegasse 14, eine Vereiusversammlnng statt. Tagesordnung: l. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Heinrich Jaques. 3. Anträge und Interpellationen. Wien, 3. Februar. Am 25. Jänner d. I. fand in Salzburg unter dem Vorsitze S ch ö n e r e r s eine Wanderversammlung des „Deutschen Volksvereines" statt, welche von dem Regierungsvertreter in Folge aufreizender Reden gegen die Juden aufgelöst wurde. In dem über die Auflösung aufgenommenen Protokolle wird constatirt, daß einer der Redner, Herr Karl I r o, geäußert hatte, in Wie n sitze eine Bande von Räubern und man sei berechtigt, sich desRothschild'scheu Vermögens ebenso zu bemächtigen, wie seinerzeit der Staat sich die Kirchengüter angeeignet habe. Diese Enteignungstheorie des P. Eichhorn, welcher Raub und Diebstahl an Juden bekanntlich für erlaubt erklärt hat, ist demnach von den deutsch-nationalen Antisemiten ratificirt worden. — Der Curiosität halber erwähnen wir noch, daß in dem betreffenden Berichte der „Unverfälschten deutschen Worte" erzählt wird, der Regierungsvertreter habe zu dem „g ewunschenen" Zwecke der Begleichung der Zeche einen halbstündigen Aufschub gewährt. Unsere deutsch-nationalen Apostel schreiben ein wahrhaft classisches Deutsch! Wien, 4. Februar. Der Tempelverein in Mariahilf hat einen tieffchmerzlichen Verlust erlitten. Gestern starb der langjährige Schriftführer des Vereines, Herr Isidor Preiss. nach langwieriger, schmerzlicher Krankheit. Noch in der jüngsten Generalversammlung hatte der Präsident, Herr- Architekt Fleischer, Anlaß genommen, die unschätzbaren Verdienste dieses edlen Mannes um das Aufblühen des Mariahilfer Tempelvereines anzuerkennen, und hiebei ein Schreiben zur Verlesung gebracht, in welchem Herr Preiss seiner Hoffnung auf baldige Wiedergenesung Ausdruck gab. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Von dem Ansehen, dessen sich der Verstorbene nicht blos bei seinen Glaubensgenossen erfreute, zeugen seine zahlreichen Ehrenstellen als Schätzungscommissär, Direktor des Neubauer Creditvereins und des Verbandes der Wiener Vorschußvereine, Repräsentant des Gremiums der Wiener Kaufleute rc. Mit Preiss scheidet ein wahrer und echter Jude in des Wortes bestem Sinne aus dem Leben. — Ehre seinem Angedenken. Wien, 3. Februar. Von Petersburg ist dieser Tage nachstehendes Telegramm bei dem hiesigen Rabbinate eingelaufen: „Hiesiger T h i e r s ch u tz v e r e i n behauptet Abschaffung der jüdischen Schlachtmethode in der Wiener israelitischen Cultnsgemeinde wegen Thierquälerei. Bitte dringend sofort telegraphisch dementiren Rabbiner Drabkin." Der Aufforderung wurde fofort entsprochen. Rußland, das typische Land der Judenschinderei nimmt sich der Thiere gegen die Juden an. Wer lacht da'? Wien, lieber die Ernennung des Herrn Wilhelm Ritter von G u ttm ann zum Präsidenten der hiesigen Cnltusgemeinde lesen wir in „Jewish Ohronicle“: „Die jüdische Cnltusgemeinde in Wien, eine der größten und einflußreichsten in Europa, hat Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann zu ihrem Präsidenten gewählt. Die Dienste, welche derselbe seinen Glaubensgenossen geleistet hat. gaben ihm volles Anrecht auf diese hohe Stellung. Nicht das geringste Verdienst rvar jenes, welches er sich um den Libellproceß erworben, der von dem Antisemiten Rohling gegen den Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, welcher die Bertheidigung seiner geschmähten Religion und derrabbinischen Literatur übernommen hatte, angestrengt worden war. Ritter von Guttmann hat ein umfasselldes Programm angekündigt, welches er zur Förderung der seiner Leitung anvertranten Gemeindeangelegenheiten durchzuführen beabsichtigt." E. B. Wien. Am 11. d. M. feiert hier der bekannte Wohlthäter und Menschenfreund, der Großindustrielle Herr Moriz Hirsch, Gesellschafter der Firma Karpeles & Hirsch und Schenker & Comp., die Feier der silbernen Hochzeit. Diese Feier begleiten die Tausende, denen Herr Hirsch Retter in Noth. und Drangsal gewesen, mit den heißesten Segenswünschen und der Bitte, die allmächtige Vorsehung möchte den Jubilanten in geistiger und körperlicher Frische erhalten bis in das späteste Menschen erreichbare Alter, zum Gluck und zur Freude seiner Familie und zum Wohle der Menschheit. Das walte Gott! Wien. Der im Jahre 1882 gegründete Krankenuud Unterstützungsverein „Montefiore" versendet seinen achten Jahresbericht. Derselbe beweist, daß die Prosperität des Vereins die günstigste genannt werden könne. Zum Zwecke der Bekleidung armer Kinder wurde eine Sammlung eingeleitet, welche gestattete 43 arme Schulkinder mit vollständigen guten Winterkleidern zu versehen und bei diesem Anlasse bewirthen zu können. In dankbarer Erinnerung der hervorragenden Verdienste des gewesenen Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch hat sich der Verein veranlaßt gesehen, „diesen geschätzten und verdienten Menschenfreund zum Ehrenmitgliede des Vereins zu ernennen " — An Vereinsbenesicien wurde geleistet: An Krankengeldern fl. 1097.98, an Entbindungsbeiträgen fl. 390, an Pathenbeiträgen fl. 15, au Curbeittägen fl. 85. an außerordentlichen Unterstützungen fl. 15, an Mirjambeiträgen fl. 15, an Leichenkosten fl. 13.36, an Witwenunterstützungen fl. 75. Für ärztliche Unterstützungen wurden fl. 858 verausgabt, Darlehen im Gesammtbetrage von fl. 190 gewährt. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am 31. December 1890 333, das Vereinsvermögen fl. 9486.53 gegen fl. 8509.94 im Vorjahre. Mir«. Der Vorstand des Leopoldstädter Krankenunterstützungs- Vereines „Nächstenliebe" in Wien versendet die Einladung zu der Samstag den 14. Februar 1891 präcise 7 Uhr Abends in den Saallocalitäten „zum goldenen Widder", ll., Taborstraße 36, stattfindenden X. ordentlichen Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Wahl von 6 Scrutatoren. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren. 4. Wahl von 5 Herren in den Ausschuß mit dreijähriger Functionsdauer; ferner Ersatzwahl für die freiwillig austretenden Herren: 5. Buchbinder, H. Ehrenfeld und H. Kaiser. 5. Wahl von zwei Revisoren mit einjähriger Fnnetionsdaner. 6. Eventuelle Anträge. Der