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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-06 · 6 (6.2.1891) · p. Seite 107

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
6 (6.2.1891)
Date
1891-02-06
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 6 Hesterreichische Wochenschrift Seit^ 107 Der Deutsche will nicht sein Hab und Gut verhandeln; hin und her es vertauschen, verschachern, weder auf dem Lande, noch in der Stadt. (Das thut der Deutsche sehr gern!) Der heutige schacherjüdische Geist zerschlägt das bäuerliche Grundstück, schlachtet es aus; der Hypotheken-, Verpfändunas- und Wuchergeist vernichtet das Grundstück und den Eigenthümer." Da der Antisemit Kirchhoff offenbar nicht weiß, was jüdisch ist, so soll er es hier erfahren. Indisch ist, allen Mitmenschen den Weg zu zeigen, wie sie aus Erden menschlich glücklich werden. Jüdisch ist ferner, seine Leibes- und Seelenkräfte als Bürger des Staates zum allgemeinen Besten und zur eigenen intellectuellen und sittlichen Vervollkommnnng gewissenhaft anzuwenden. Aber diese ausgezeichnete Moral ist eben schwer zur Geltung zu bringen, weil ja die Herren Antisemiten — gewiß auch Herr Kirchhoff — alles, was vornehm, gut und lobenslmrth an uns erscheint, herabwürdigen und in den Koth zerren. Was sich der Jude erworben, das betrachtet der Antisemit als erschachert, und doch schachern die Deutsch-Socialen selbst in einer unerhörten Weise. Sie fristen ihr Leben durch die niedrigsten Gemeinheiten, sie hausiren mit Flugblättern, schreiben Bettelbriefe für ihre Sache; kurz, sie sind die letzten, die berechtigt wären, uns Vorwürfe za machen. Daß Herr Kirchhoff als Beamter sich zur Erhaltung der Seinigen nicht mit Tausch- und Schachergeschäften zu befassen braucht, ist sein persönliches Glück. Wer im Leben eine gesicherte und fette Stellung einnimmt, der kann gut und groß sprechen. Wir werden noch Gelegenheit haben, uns mit Herrn Kirchhoff zu befassen. K. W Worms, 25. Jänner. Man hät es während der unseligen Antisemiten-Bewegung öfters erfahren, welche traurige Stellung die Kriegervereine ihren jüdischen Mitgliedern gegenüber eingenommen haben. Um so erfreulicher ist die Kundgebung, mit welcher der hiesige Kriegerverein seinen von einem Antisemitenblatte angegriffenen jüdischen Präsidenten, den Hauptmann a. D. Gernsheim, in Schutz nimmt: „An die Redaction des Anzeigeblattes für Reichelsheim und Umgegend zu Lindenfels i. O. Wir ersuchen Sie laut § 11 des Preßgesetzes Nachstehendes zum Abdruck zu bringenAuf den im Anzeigeblatt für Lindenfels, Reichelsheim und Umgegend Nr. 3 vom 17. l. M. gebrachten Artikel bezüglich der Weihnachtsfeier des deutschen Kriegervereines erlauben sich die Unterzeichneten zu erwidern: Es versteht sich von selbst, daß der Kriegerverein von Worms ausschließlich deutsche Krieger zu seinen Mitgliedern zählt; und was den Festredner anbelangt, so kann behauptet werden, daß derselbe ein durch und durch deutscher und tüchtiger Mann ist. Seit 18 Jahren steht Herr Gernsheim, der inzwischen wegen seiner militärischen Befähigung in der Armee zum Hauptmann avancirte, dem Vereine als Präsident vor. Mit Stolz blickt der Verein auf ihn als seinen Präsidenten, der auch in seiner Vaterstadt Worms die allgemeinste Achtung genießt. Nicht allein als Vorsitzender des Kriegervereines, sondern auch als langjähriges Mitglied des Landesverbandes „Hassia" und Vorsteher des Hassiabezirks Worms, hat er sich durch sein tactvolles und liebenswürdiges Benehmen die Anhänglichkeit aller Kameraden gesichert. Auf die schmählichen Verleumdungen des in Rede stehenden Artikels haben wir zu erklären, daß man hierorts. Gott sei Dank, vom Geiste der Intoleranz verschont ist und Verhetzungen solcher Art keinen Boden finden. Die dem Kriegerverein selbst geltenden unqualificirbaren Vorwürfe können wir nur mit einem kräftigen Pfui beantworten. Gegen die Redaction des „Lindenfelser Anzeigeblattes" ist von dem Beleidigten selbst aber Klage eingeleitet worden. Man weiß, daß nirgends mehr für deutschen Sinn und Ehre gearbeitet wird, als in einem Kriegerverein und daß die Mehrzahl der Kameraden des Vereines im Jahre 1870 bis 1871 ohne Unterschied der Confession für die Einigkeit Deutschlands ihr Leben eingesetzt haben. Dem Verfasser des schamlosen Artikels ist es nunmehr überlassen, eine Rechtfertigung vor Gericht zu versuchen." (Folgen die Unterschriften.! Aaag. Das holländische Parlament verhandelte in drei Sitzungen über die Lage in Surinam, dessen Gouverneur, Jonkheer de Savornin Lohman, Begünstigung des Antisemitismus zur Last gelegt wird. Der Deputirte S m i d t klagte darüber, daß der Gouverneur das judenfeindliche Blatt Volksbode, welches zu subscribiren die Bischöfe ablehnten, subventiouire. Herr Smidt verlangte, es soll ein Commissär nach Surinam entsendet werden, un; die Anklagen gegen den Gouverneur zu untersuchen. Baron M a ck a y, der Minister für die Colonien, nahm den Gouverneur in Schutz, und informirte das Haus dahin, es haben viele Reisende aus Surinam, welche ihn officiell besuchten, nur günstig über den Gouverneur gesprochen, mit einziger Ausnahme eines Juden, welcher klagte, daß derselbe zu Religionshaß aneifere. Aufgefordert, bestimmte Thatsachen anzufiihren, habe derselbe erwähnt, daß der Gouverneur eine bestimmte Secte bevorzuge, deren Kirche derselbe besuche. Erwarten vielleicht die Juden, daß er in die Synagoge gehe? frug der Minister, welcher die Abordnung einer Untersuchungscommission ablehnte. Am 20. Jänner kam die Angelegenheit abermals zur Sprache, und wurde eine Tagesordnung, welche das Vertrauen aussprach, es werde die Regierung die Surinamfrage im Interesse des Friedens und des guten Einvernehmens aller Claffen der Bevölkerung lösen, mit großer Majorität abgelehnt. Das Algemeen Handelsblad, die erste Zeitung von Amsterdam, veröffentlichte Samstag einen kräftigen, offenen Brief des Herrn A. C. Wertheim, Mitglied des Oberhauses und Präsident der jüdischen Gemeinde von Amsterdam. gegen ein Mitglied der zweiten Kammer, welches Herrn Wertheim in der Surinamdebatte vom 21. Jänner angegriffen hatte. Am 8. Februar wird Professor Rosen st ein sein 25jähriges Jubiläum als Universitätsprofeffor feiern. Professor Rosen stein, einer der bedeutendsten Specialiften auf medicinischem Gebiete, wurde am 8. Februar 1866 Professor der Universität von Groningen, und erhielt sieben Jahre später eine Lehrkanzel an der berühmten Universität zu Leyden. In den letzten Jahren empfing derselbe wiederholt Beweise des Vertrauens seitens des verstorbenen Königs, welchen er auch während seiner letzten Krankheit behandelte. Loudo«. (Das ethische Testament des Chief Rabbi Dr. Adler.) Die Söhne des verstorbenen Chief Rabbi Dr. Nathan Marcus Adler haben gelegentlich der ersten Jahrzeit eine Abschrift des ethischen Testaments ihres Vaters der Presse zum Abdruck überlassen. Dasselbe, vom 31. Decemder 18-3 (rOUD f'ÖTI mtfSn) datirt, lautet: „Da ich mich in Brighton niedergelassen habe, nicht mehr von den Mitgliedern meiner Familie umgeben und daher außer Stande bin, zu denselben zu sprechen, fühle ich mich verpflichtet, in Uebereinstimmung mit Genesis XVIII, IS die folgenden religiösen Pflichten den Herzen meiner Kinder, Enkel und Urenkel nahezulegen, mit dem ernsten Wunsch, daß sie dieselben stets beobachten möqen und dadurch mein Andenken frisch erhalten. Wenn ich in den folgenden Ermahnungen weniger von den sogenannten moralischen Pflichten spreche, so denket, Gott behüte, nicht für einen Augenblick, daß ich die moralischen Pflichten für weniger wichtig als die religiösen halte. Mein Grund ist der, daß in unserer Zeit mehr Nachgiebigkeit in Bezug auf religiöse Verpflichtungen herrschend ist und größere Versuchungen vorhanden sind, dieselben zu vernachlässigen . . . Das Hauptprincip des Judenthnms ist zu Grunde gelegt in Gottes Gebot (Deuteron. VI. 3): Und Du sollst den Ewigen, Deinen Gott, lieben mit Deinem ganzen Herzen, mit Deiner ganzen Seele und mit Deinem ganzen Vermögen. In diesen Worten befiehlt uns der Herr, Ihn —

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