Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 6 (6.2.1891)
- Date
- 1891-02-06
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 106 Gesterreichtfche Wochenschrift Vtr. 6. trat, kam der Herr Gymnasialdirector auf ihn zu und überreichte ihm eine in den herzlichsten collegialen Ausdrücken al'gefaßte und vom gesammten Lehrkörper unterfertigte Glücktvunschadresse. Hierauf geleitete ihn der Herr Director in einen eigens zu diesem Zwecke festlich decorirten Lehrsaal, wo sämmtliche israelitische Schüler aller ackt Classen versammelt waren und richtete an diese eine fast halbstündige Ansprache, in der er in wahrhaft hochehrender Weise die schätzenswerthen Eigenschaften des Herrn Jubilars hervorhob, da derselbe bei seinen so vielfachen, fast aufreibenden Bernfsobliegenheiten dennoch auch seinen Platz in der wissenschaftlichen Welt durch hervorragende Arbeiten immer mehr zu erweitern sucht, und bei dem allen — trotz der Werthschätzung, deren er in allen Schichten und Classen der Bevölkerung sich zu erfreuen hat — von einer Bescheidenheit, ja einer fast demuthvollen Anspruchslosigkeit beseelt erscheint, die wahrhaft rührend ist. Fast bis zu Thränen gerührt, konnte der Jubilar kaum Worte finden, um seinen vollen Dank auszusprechen, worauf der Herr Director dem Herrn Jubilar die eben gehaltene Rede, kalligraphisch niedergeschrieben, und ebenso sein Porträt zum fteundlichen Gedenken überreichte. Noch sei des glänzenden Banketts erwähnt, das der Herr Gemeindepräses dem Herrn Jubilar zu Ehren in seinem Fabriksgebäude gab, bei welchem viele und interessante Tischreden gehalten wurden. ßen-Amittai. Heiklen, 30. Jänner. Heute fand hier das Leichenbegängniß des am 28. d. M. verstorbenen Med. Dr. Samuel Bloch statt. Seit 40 Jahren wirkte hier Dr. Bloch als hervorragender Arzt, hochgeachtet und verehrt in allen Schichten der Bevölkerung unserer Stadt und Umgebung. Mit seltener Hingebung widmete er sich seinem Berufe, und für die Kranken, die in der Hütte der Armuth, war er ein zweifacher Wohlthäter, denn wo Noth vorhanden, hatte er stets eine offene Hand, er beschaffte die Medici» und sorgte für den Kranken und dessen Familie, ohne nach Confession oder Nationalität zu fragen. Welch' seltene Verehrung der Dahingeschiedene genoß, das zeigte das großartig sich gestaltende Leichenbegängniß. Lange schon vor angesetzter Trauerstunde hatte sich eine große Anzahl Leidtragender eingefunden, die auf mehrere Tausende heranwuchs. Die Geistlichkeit mit den Prälaten an der Spitze, der Pastor d. h. pr. Gemeinde, der Präsident des Kreisgerichts mit den Landesgerichtsräthen, der Bürgermeister Reichsrathsabgeordneter K r o f t a mit den Stadträthen und Stadtverordneten, Landtagsabgeordneter Schiebt, die Bezirksvertretung, die Mitglieder der Handelskammer, die Gymnasial-Professoren, Aerzte, Advocaten, Großindustrielle, Kaufleute und Gewerbetreibende hatten sich eingefnnden. Mehrere Vereine sandten Deputationen und eine Abtheilung Veteranen mit der Musikcapelle war ausgerückt. Beim Trauerhause hielt Tr. Caro eine ergreifende Rede mit deu einleitenden Worten: „Einen hohen Priester haben wir verloren, eine Säule ist uns geborsten". Nach der Rede und einem ergreifenden Trauerchoral vom hiesigen Chorgesangsverein wurde der Sarg gehoben, und der imposante Leichenzug setzte sich in Bewegung Am Grabe sprach noch Dr. Eduard L ö w y, der dem Geschiedenen namens der ärztlichen Collegen das letzte „Lebewohl" zurief. Die Teilnahme für die hartgeprüfte Familie ist eine allgemeine und das Andenken des Verblichenen wird von allen, die ihn kannten, stets hoch in Ehren gehalten werden. —1— Wucareft, 29. Jänner. (Max Reiniger.) Anläßlich seines 25jährigen Amtsjubiläums erhielt der Pastor der Bucarester evangelischen Gemeinde, Herr Teutschländer, unter anderen auch ein Glückwunschschreiben des Predigers der Bucarester israelitischen Gemeinde, Herrn Dr. Beck. In dem Antwortschreiben des Pastors an den jüdischen Seelsorger heißt es: „Wiewohl ich für die mir anläßlich meiner 25jährigen Thätigkeit in Bucarest entgegengebrachten Kundgebungen der Anerkennung meiner geringen Verdienste bereits öffentlich gedankt habe, mag ich es doch nicht unterlassen, Ihr freund-- liches Glückwunschschreiben mit besonderem Danke zu beantworten. Der „Jude", der aus Ihren Zeilen spricht, steht meinem Harzen nahe — näher als alle Namen-Christen der Welt, und ich bedauere lebhaft, daß Menschen, die sich iw der Höhe der Humanität die Hände reichen, im Leben durch so manche Schranke getrennt sind und sich ferne bleiben. — Als treuer Sohn der evangelischen Kirche habe ich mich stets bemüht, das Wesen aller Religionen und vor allem des Christenthums zu erfassen. „Tie Liebe ist des Gesetzes Erfüllung," Da.an will ich mich halten mein Leben lang." In Jassy ist zwischen dem Primaradjuncten Joan D. G h i k a und den jüdischen Fleischhauern ein scandalöser Conflict entstanden. Der famose Primaradjunct erließ nämlich ein Verbot, daß das Vieh nach der rituellen Vorschrift der Israeliten geschlachtet werde, worauf die Eigenthümer der Fleischbänke außerhalb der Stadt geschlachtetes Vieh nach Jassy einführten und in der Halle zum Verkauf brachten. Da verfiel Herr Ghika auf den Gedanken, das koscher ansgebotene Fleisch mit Schweinefett bestreichen zu lassen und es auf diese Weise „trefe" zu machen. Die jüdische Gemeinde mußte sich infolge dessen durch mehrere Tage ohne Fleisch behelfen. — Die jüdischen Fleischhauer haben einen diesbezüglichen Protest an das Ministerium eingereicht. R—r. Bucarest, 28. Jänner. Nachstehend wieder einmal ein Beispiel, wie sehr unserer „herrschenden" Nation das Bewußtsein von Recht und Billigkeit gänzlich mangelt und wie dieser Mangel bei dem „regierenden" Theil der Rumänen, d. h. bei den Beamten jeder Kategorie, am crassesten hervortritt: Bei der letzten Weinlese stellte der Ortsvorsteher des Torfes Würtischkoj, Jonescu, den dem Pächter Peretz M o s k o w i t s ch gehörigen Ertrag zum Zwangsverkauf, um mit dem Erlös in Gemäßheit eines Erkenntnisses des Bezirksgerichtes von Odobeschti die Pacht- und noch eine andere Schuld zu bezahlen Bei der Bietung erstand ein Herr B. L. Margulies das Object für 2205 Frcs., gab ein Staatspapier von 1000 Frcs. als Garantie und erhielt vom Schulzen die Erlaubnis;, nach dem nahen Odobeschti zu gehen, um die ganze Summe herbeizubringeu. Nach zwei Stunden zurückgekehrt, fand er gar nichts mehr vor: der Schulze hatte in dieser Zeit denselben Ertrag nochmals verauctionirt und einen! (Christen) G. Raschen für nur 50l Frcs. zugeschlagen, gleichzeitig das von Margulies gegebene Cautions- Werthpapier von 1000 Frcs. für nur 830 Frcs. verkauft und mit der erste» sowohl, als auch mit der zweiten Summe, die dem Debitor doch gar nicht gehörte, sondern dem rechtmäßigen ersten Käufer, die beiden Gläubigerinnen befriedigt. Und warum dieser Amts- und Vertrauens-Mißbrauch und der Raub“? Einfach wegen einer — Bestechung. Der „ehrliche Christenmensch" Raschen hatte nämlich in der blos zweistündigen Abwesenheit des gesetzlichen ersten Käufers, des „diebischen Juden" Margulies, den Ortsvorsteher, den Amtssecretär und drei Mitbieter mit je 120, zusammen, 360 Frcs. bestochen, und darum wurden zwei Israeliten ruinirt. Als alles Protestiren der Geschädigten beim Schulzen nichts half, wurde die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben, aber da hilft es oft ebenfalls nichts, wenn man Jude ist. Leipzig, am 1. Februar. Der deutsch-sociale Reformverein veranstaltete zu Kaisers Geburtstag eine Festlichkeit, woselbst Herr Lehrer Kirchhofs, seit einiger Zeit auch Stadtverordneter, die Festrede hielt. Herr Kirchhoff schloß seine Kaiserrede mit folgenden Sätzen: „Die Deutsch-Socialen finden in den Reformgedanken ihres Kaisers ihre eigenen wieder. Aber in einem Gedanken sind sie ihm vielleicht vorangeeilt. Sie meinen, daß deutsch-social auch bedeute: Nicht jüdisch! Nicht schacherjüdisch!