Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 6 (6.2.1891)
- Date
- 1891-02-06
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«verte 104 GekerretiVische WocheasArtN ifir. 6 diese Sammlung von der Baronin von Rothschild, in deren Besitz sie gelangt war, dem Clunymuseum zum Geschenk gemacht. Die Sammlung enthält ungefähr 120 Gegenstände. Eine Bundeslade zum Aufbewahren der Gesetzesrollen in Gestalt eines Schrankes, datirt aus der Zeit der italienischen Renaissance und stammt aus der Synagoge von Modena. Sie ist aus Nußbaumholz in gothischem Styl gebaut und weist 54 durchbrochene Schnitzereien, ebenfalls in gothischem Style, auf. Das Ganze wird von roth, schwarz und gold gefärbten Rumpfsäulen getragen. Der Kasten ist 2'65 Meter hoch und 1 '30 Meter breit. Neben der Bundeslade befindet sich eine Vorlesepult, in dessen Mitte ein Wappenschild einen gemalten Leoparden zeigt. Auch dieses Stück rührt aus der Synagoge von Modena her und ist in demselben Style wie die Bundeslade. Reiche Familien pflegten in ihren Wohnungen Betsäle mit tragbaren Bnndesladen zu unterhalten. In der Sammlung befindet sich eine solche aus getriebenem Silber mit Blumenverzierungen und mit farbigen Steinen in der Mitte. An den vier Ecken derselben sind vergoldete Rumpssäulen; der Aufsatz trägt eine Krone und der Vordertheil läuft in eine Kindergestalt aus. die ein Musikinstrument hält. Das Stück stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und ist 0*56 Meter hoch und 0'21 Meter breit. Es enthält die mit der Wimpel umhüllten Gesetzrollen. Die Wimpel, lange Leinwandstreisen, auf denen der Name und Geburtstag eines jeden Knaben gestickt waren, bildeten eine Art von Geburtsregister, dessen man sich noch während der Revolutton bediente, um den Civilstand der zum erstenmal kriegsdienstpftichtigen israelitischen jungen Leute festzustellen. Ferner enthält die Sammlung ungefähr 15 Leuchter mit 7, 8 und 9 Armen aus Holz geschnitzt, von Silber oder von Kupfer. Einer derselben, etwa 0-56 Meter hoch und aus Silber, besteht aus einem von vier Löwen, die Schilde halten, getrageneu Sockel, von welchem eine Säule emporragt, von der sich wiederum nach beiden Seiten je 4 Arme abzweigen. An jedem Lichtnäpfchen ist ein symbolischer Gegenstand dargestellt, und über der mittleren Säule befindet sich eine Krone, aus der Juda der Maccabäer in der einen Hand ein Schwert und in der anderen den Kopf des syrischen Feldherrn Lysias hält. Zwei andere Leuchter zeigen ein buntes Gemenge von profanen Stoffen: einen Pelikan, Delphine, einen Medusenkopf, und einen eine Nymphe entführenden Centaurus. (!!) Ferner sind sehr schöne Hawdalabüchsen zu sehen. Die gewöhnlichste Form ist die eines viereckigen Thurms mit Erkern und einer Spitze, auf der die Kerze befestigt wird. An einigen Exemplaren hat der Künstler auch den Becher für den Segenspruch in einer Kreisscheibe angebracht. Die Büchsen sind theils aus Silberfiligran, mit farbigen Steinen und Emailbildern geziert, welche Scenen aus der Bibel darstellen, theils aus getriebenem Silber, von Kupfer, Bronze rc.; sie sind von einer Figur als Kerzenttäger überragt. Neben den Büchsen befinden sich sechs silberne, sehr fein gearbeitete Ornamentplatten, auf denen allegorische Figuren eingegraben sind. Ferner bemerkt man Zeigerstäbchen (zum Lesen der Bibelrollen) von kostbarem Metall; am Ende eines jeden ist eine Hand mit gestrecktem Zeigefinger. Eines der Stäbchen ist aus bluttothem Jaspis, auf dem hebräische Sinnsprüche mit Goldbuchstaben eingegrabeu sind und an dessen Ende eine goldene Hand angebracht ist Ein anderes besteht aus einem Schaft, auf dem ein Löwe mit der Gesetzrolle und eine Krone mit Palmen und Blumenverzierungen angebracht sind, zwei andere Löwen klettern einen mit Blüthen und Früchten beladenen Baum hinan; darüber befindet sich eine vergoldete silberne Kugel, aus der eine Reihe von Blättern und Früchten emporwachsen. Ein Kegel und eine Kugel, beide von Silber und durchbrochener Arbeit, bilden endlich den Uebergang zur Hand. Ferner sieht man viele Verlobungsringe. Die Form derselben ist sehr massiv; fast alle tragen eine Art von Dach in der Form eines Prisma und bisweilen einen Löiven; die meisten sind aus emaillirtem Gold und von großem künstlerischen Werth. Auch die Beschneidungswerkzeuge wurden bisweilen in Kunstobjecte verwandelt. Der Griff des Messers ist ciselirt oder gravirt. Ein Becher stellt in seiner Höhlung die Ceremonie der Beschneidung dar, an welcher 0 Personen theilnehmen. Ferner enthält die Sammlung eine vergoldete silberne Krone, welche im Jahre 1780 von Rabbi Abraham und Sarah Kahn gestiftet wurde, silberne Büchsen zum Aufbewahren des Ethrog, vergoldete Becher, Schmucksachen für die Gesetzrolle, Riech büchschen, Sparbüchsen, Statuetten von Moses und Aron, Siegel, Amulette, Ketten, Gebetbücher u. dgl. Vublicatioue« des Israel. Cultusvorstandes in Wien. Rannette Edle von Wertheimsteiu'sche Heiratsausstattungs- Stiftung. Aus der vom Herrn Sigmund Edlen von Wertheimstein zum bleibenden Andenken an seine Gattin, Frau Nannette Edle von Wertheim st ein begründeten Heiratsausstattungs- Stiftung für arme israelitische Mädchen, ist für das laufende Jahr ein Zinsenbeitrag von fl. 130 zu verleihen. Zu diesem Stipendium sind zunächst Mädchen ans der Verwandtschaft der Frau Nannette Edlen von Wertheimstein, bei deren Abgang Mädchen aus der Verwandtschaft des Stifters, endlich in Ermanglung auch dieser, Mädchen aus der israelitischen Cultusgemeinde in Wien berufm. Die Gesuche sind mit dem Geburtsscheine, dem Sittenu n d A r m u t h s z e u g n i s s e, dem Nachweise, daß Petentin sich im Braut stände befinde, und wenn das Vorzugsrecht der Verwandtschaft geltend gemacht wird, auch mit dem diese Verwandtschaft nachweisenden, mit den Geburts- und Trauungsscheinen belegten Stammbaume bis 28. Februar 1891 in der Kanzlei der israelitischen Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, ll. Stock) zu überreichen. Wien, 1. Februar 1891. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Ignaz und Rosalia Wölfische Krankenunterstützungs- Stistung. Am 10. Mai d. I. gelangen die halbjährigen Interessen der obigen Stiftung an arme hilfsbedürftige Kranke der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zur Vertheilung. Die Bewerber haben ihre mit dem Mittellosigkeits¬ und Krankheitszeugnisse belegten Gesuche in der Kanzlei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde (L, Seitenstettengasse 4, IJ. (£tod) bi§ 28. f$eb rua r 1891 zu überreichen. Wien, 1. Februar 1891. Das Curatorium der Ignaz und Rosalia Wölfischen Krankenunterstützungs-Stiftung. Joses und Cäcilie Adler'sche Stiftung für Arme. Am 28. April 1891 gelangen bei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde die halbjährigen Zinsen der obigen Stiftung in Beträgen von 20 bis 30 Gulden an arme Personen israelitischer Religion behufs Bezahlung der Wohnungsmiethe zur Vertheilung. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armuth versehenen Gesuche bis 28. Februar 1891 im Secretariate der israelitischen Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, ll. Stock) von 9 bis 13 Uhr Vormittags zu überreichen. Auf später, einlangende Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Arme Verwandte der Stifterin Frau Cäcilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Mndern, ältere hilflose Frauen oder Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache angehörige Personen werden in erster Linie berücksichtigt. Wien, 1. Februar 1891. Der Bor st and der israelitischen Cultusgemeinde