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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-06 · 6 (6.2.1891) · p. Seite 103

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
6 (6.2.1891)
Date
1891-02-06
Page
Seite 103 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Gekerreichische Wocheuschritt eeite 103 Herzens der Wiederkehr des Passah-Festes entgegenschauen? Wohl sind wir von der Unschuld jener Trientiner Märtyrer durchdrungen, auch wenn uns nicht zum Ueberfluß der jüdische Chronist Joseph Hacohen den wahren Hergang der Sache kurz mitgerheilt hätte; aber mit dieser unserer Zuversicht können wir den Lügenmund der Böswilligen, die Bedenken der Zweifler nicht zum Schweigen bringen. Was uns fehlt, das sind gegenüber den getrübten und gefälschten bisherigen Berichten der Anstifter jener Gerichts-Farce und ihrer Helfershelfer — die Acten des Procesjes selbst. Erst aus diesen kann die Wahrheit geschöpft werden, gegen die sich kein Einspruch erheben läßt, erst ihre Kenntniß vermag die Lästerzungen verstummen zu machen und die Luge in ihrer nackten Blöße zu offenbaren. So lange die Quellen nicht anfgedeckt sind, so lange ist es zwar ein Frevel, mit Ganganelli von „authentischen Beweisen" zu sprechen, aber man sprach und spricht dennoch noch heute davon. Die Proceß-Acten schienen unwiederbringlich verloren, sie waren trotz vielen Euchens nicht aufzufinden. Zahlreiche Nenfunde wurden aus den Bibliotheken und Archiven veröffentlicht, über den Trientiner Fall ward nichts bekannt. Sollte sich der Schleier nie lüften, der jene Bluttragödie an der Etsch bedeckt, sollte nie der Alp schwinden, der die Brust eines jeden Juden bedrückt, so oft er die unverminderte Ausbeutung jenes Procesjes wahrnimmt Wissensdurst und Drang nach Wahrheit trieb mich in die Archive. Staatliche, städtische und Gemeindebehörden leisteten! mir Beistand. Die archivalischen Schätze von Wien. München und Rom mußten sich vereinigen, um in ihrer Gesammtheit ein Bild zu schassen, wie es vielleicht einzig dasteht, ein Gemisch von Seelengröße, Glaubensmuth.rafsinirter Niedertracht und kaltherziger Formalität, ein Schauspiel, ent-! stammt dem Himmel und der Hölle, bald Bewunderung, j bald Verachtung heischend. Es war einer der glücklichsten i Augenblicke meines Lebens, als ich fliegenden Athems und! klopfenden Herzens die von mir nach langem Suchen ausge-! fnndenen Blätter überflog, welche nichts anderes darj stellten', als — die gesummten Protokolle und Acten! des Trientiner Procesjes. Endlich Licht nach vierhundertj jährigem Dunkel! Hatte Bloch in seinen „Acten und Gutachten" die Literatur über die Blutsabel der Kennrmß eines Jeden zugänglich gemacht, so ist nunmehr auch der Geschichte der Mund geöffnet, und sie wird reden, daß allen denen die Ohren gellen sollen, die ihren urplötzlichen Offenbarungen lauschen. Aus den vergilbten Blättern dringt der Entsenensfchrei der Gemarterten zu uns herüber, welche, tausendfachen Tod bei lebendigem Leibe erleidend, des letzten Lebensfünkchens in teufiich rassiuirter Pein beraubt, mit zerfleischtem Körper zu „Geständnissen" gezwungen werden, bis dann Leben und Ehre in helllodernden Flammen aufgehen. Das gemordete Leben kann die Forschung den Unglücklichen nicht wiedergeben, wohl aber die verbrecherisch angetastete Ehre, ihnen, wie dem Gesammtjudenthum! Diese bedeutsamen Actenstücke, deren untrügliche Beweiskraft auch die schamloseste Verlogenheit nicht wird anzuzweifeln wagen, dürfen nicht im Schutte der Archive vergraben bleiben, sie müssen baldmöglichst der weitesten Qefsentlichkeit übergeben werden, und' dies wird mir. wie ich hoffe, in kürzester Frist möglich sein. Aber dasjenige, was jene Documente künden, hat nicht etwa nur akademisch-wissenschaftlichen Werth, bildet nicht nur einen den Historiker interessirenden Beitrag für die Leidensgeschichte unseres Stammes, sondern greift zugleich in die Kämpfe der Gegenwart hinein und hat somit seine acute Bedeutung unvermindert bis auf den heutigen Tag bewahrt. Deshalb erachte ich es für geboten, zunächst an dieser Stelle dasjenige in kurzem Auszuge aus den Acten mitzutheilen, was diese grauenhafteste aller Justiztragödien in ihrer ganzen Scheußlichkeit offenbart und so auch dem böswilligsten Verleumder die fernere Ausbeulung dieses „classischen Zeugnisses für die Blutfabel" unmöglich macht.-(Fortsetzung folgt). Theodor Parker über die Kikel und die Inden. Theodor Parker, der bekannte Unitarier, äußert sich über die Bibel alw: „Die Bibel hat eine solche Macht über die Welt gewonnen, wie es von keiner Büchersammlung je geschehen ist. Griechenlands Literatur hat nicht halb so viel Einfluß wie dieses Buch. Nie geht die Sonne über seinen hell leuchtenden Strahlen unter. Es findet seinen Weg gleicherweise in die Hütte des gewöhnlichen Mannes wie in des König Palast. Es geht mit in's Kämmerlein, es leistet Gesellschaft am Krankenbett. Der Seemann, eben dem Schiffbruch entrinnend, greift zuerst nach diesem Buche, als feinem besten Schatze. Es findet i seinen Platz in dem vollgepfropften Bündel des Hausirers, erquickt ihn Abends in der Müdigkeit und spendet am Morgen Freudestrahlen auf sein sorgenvolles Antlitz. Es erhebt den Menschen über sich selbst. Unsere besten Gebete sind in der Sprache dieses Buches geschrieben. Der Furchtsame, im Begriff, dem Traum dieses Lebens zu entrinnen, blickt durch das Fernglas der Schrift und sein Auge wird hell; er fürchtet sich nicht, die Hand des Todes zu erfassen, und Weib und Kind und dem trauten Heim das letzte Lebewohl zuzurufen. Nun, für dies alles muß ein guter Grund vorhanden sein Daß aus Nichts nichts kommt, gilt in der ganzen Welt. Es ist keine Kleinigkeit, tausende von Herzen zu fesseln, sei es auch nur für eine Stunde. Was will es nun erst sagen, eine Welt wie die christliche zu fesseln und das auf Jahrhunderte? Werden Menschenherzen mit Spreu und Hülsen gefüttert? Tausende von Schriftstelleru erstehen in diesem Jahrhundert, um im nächsten schon vergessen zu sein: aber die silberne Schnur der Bibel ist noch nicht locker geworden, noch ihre goldene Quelle verlausen, obgleich die Chronik der Zeiten indessen Jahrtausende aurznzeichuen gehabt hat, die in die Vergangenheit gesunken sind. Hat etwa ein Wahn das Menschengeschlecht ergriffen? Wir sehen die mächtigsteit Einrichtungen auf die Bibel gegründet: derartige Tinge kann man nicht auf Spreuhaufen stellen, sondern auf Felsen von Erz. Was ist die geheimnißvolle Ursache dieses weitausgedehnten und tiefen Einflusses? Sie muß in der Bibel selbst zu finden und auch hier muß die Ursache der Wirkung angemessen sein. Derselbe Herr Dr. Parker sagte in einer Predigt, am 27. Juli, vor versammelter Gemeinde: Ich liebe die Juden, wenn sie nicht bekehrt sind. Einige von ihnen liebe j ich und vertraue ihnen auch uach ihrer Bekehrung. Ter i jüdische G e i st i st die höchste i n t e l l e c t ü e l l e! M a ch t in d e r W e l r. Sv war es zu allen Zeiten.? Heute wird die Welt durch Juden begeistert und regiert, I und die Christen sind nur zu geneigt, diese Erscheinung zu! übersehen. Wurde nicht das „alte Testament" von Juden | geschrieben? Ist nicht das „neue Testament" ein Werk der Juden? Kommt nicht von den Inden das Heil? Gott wird die aufrichtigen Juden nie verlassen: sie sind ein eigenthümliches Volk. Lesefrirchte. Jüdische Alterthümer. Auf der internationalen Ausstellung von 1878 und auf der englisch-jüdischen Ausstellung in Royal Albert Hall von 1887 erregte eine prachtvolle Sammlung jüdischer Kunstgegenstände aus dem 17., 16. und 15. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher. Fünfzig Jahre verwendete der ehemalige Capellmeister der Opernbülle und des Hofs unter Napoleon III., Isaak Strauß, darauf, diese Sammlung zustande zu bringen. Strauß, der Freund Bellincks. Donizetti's und Rossinis, empfand für Kunstgegenstände ein lebhaftes, durch einen hohen Geschmackssinn geleitetes Interesse. Kürzlich wurde, wie wir berichteten.

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