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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 91

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 91 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 5 Hesteneichifche Wochenschrift «Seile 91 Familienblatt. Wochen- Jänner Feber 1891 Sch'wath 5651 Kalender Freitag 30 21 Samstag 31 22 rvr Sonntag 1 23 Montag 2 24 Dienstag 3 25 Mittwoch 4 26 Donnerstag 5 27 Freitag 6 23 An Dr. Todtlebe« Getreu dem Spruch: 6s mortuis nil nisi bene, Rühmst wacker du von dir stets nur das Gute, Schöne, Du rufst dabei nur Todte auf zu Zeugen, Warum? weil todt die Todten sind und — schweigen. — A. L e bendiger. Griechin «nd Jude. Erzählung von *** 1. Es war an einem Herbstmorgen des Jahres 132. Ein blauer, wolkenloser Himmel spannte sich über die Hochebene von Siph, während die ausgehende Sonne die Spitzen des Gebirges von Juda beleuchtete, dessen weiße Kalkfelsen das Sonnenlicht grell reslectinen, als ein junger Mann das Dorf Siph verließ. Obwohl er einen ziemlich schweren Korb trug, schritt er doch den Weg in's Thal von Hebron rasch hinab, einen Psalm leise vor sich hinsingend. Er hatte sich verspätet und suchte die verlorene Zeit durch schnelleres Gehen wieder einzubringen, da er befürchtete, daß ihm ein anderer Gärtner aus der Umgegend Hebrons zuvorkommen und er keinen Käufer mehr für seine Früchte und Gemüse finden würde. Simon, so hieß der junge Wanderer, lebte mit seinem Großvater Jonathan von dem Ertrage eines kleinen Grundstückes, das sie gemeinsam bearbeiteten. Was das Feld an Früchten und Kräutern hervorbrachte, verkaufte Jonathan in Hebron, wohin er sich an jedem Marktag in aller Früh zu begeben pflegte. Ruhig und einförmig floß das Leben von Großvater und Enkel dahin. Hatten sie den Tag über in Feld und Garten gearbeitet und bei Sonnenuntergang ihr bescheidenes Mahl zu sich genommen, so holte der alte Jonathan aus einem Schranke eine sorgfältig verwahrte Pergamentrolle, setzte sich mit dem Enkel an den Tisch und begann, ihm beim Scheine der kleinen Lampe die Worte der heiligen Schrift zu erklären. Nur am Freitagabend ward nicht gelesen, da erzählte der Alte von den Herrlichkeiten Jerusalems, von dem Tempel, den er als Kind noch in seiner ganzen Pracht gesehen hatte, und wie dann die bösen Römer gekommen, die heilige Stadt erobert und den Tempel verbrannt hatten, weil die Kinder Israels von Gott abgefallen waren und viel gesündigt hatten. Immer, wenn er den Namen der bösen Römer erwähnte, setzte er hinzu: „Gott möge sie vernichten," das sprach er aber nur ganz leise, denn in Hebron war eine römische Cohorte stationirt, um die unzufriedenen, zum Aufstand geneigten Einwohner iin Zaume zu halten und vor Lauschern und Angebern war man selbst im Dörfchen Siph nicht sicher. Als Simon die Stadt erreicht hatte, fand er auf dem beim Thore gelegenen Marktplatze schon mehr Leute als an anderen Markttagen versammelt und hörte, wie sie mit seinem Nachbar Anania um die Früchte und das Gemüse, das dieser zum Verkauf gebracht hatte, feilschten. Kaum aber hatten die Käufer den Neuangekommenen erblickt, als sie ihn schon umringten und ehe er sich's versah, hatte er seinen ganzen Borrath verkauft und für seine Waare so viel bekommen, als er verlangte. Erst als Simons Korb ganz geleert war, begannen die Städter wieder mit Anania zu feilschen, wobei es nicht ohne vieles Schreien und manches derbe Schimpfmort abging. Ueber dieses sonderbare Benehmen der Hebroniter verwundert, eilte Simon auf Anania zu, der auch bald seine Waare ausverkauft hatte, und fragte ihn: „Wie kommt es denn, daß meine Waare mir gleich bei meiner Ankunft abgenommen wurde, während du, der früher Gekommene warten mußtest, bis ich alles verkauft hatte?" Anstatt zu antworten, fragte Anania lachend zurück: „Wie viel hast du denn für deine Waare bekommen?" „Nun, acht Denare, genau so viel, wie am letzten Markttage, vorigen Donnerstag," antwortete Simon. Da lachte Anania noch lauter und zeigte ihm elf Denare, „Siehst du, so viel habe ich bekommen, und mein Korb ist doch kleiner als der deinige. Deshalb haben die guten Stadtleute sich so schwer entschlossen bei mir zu kaufen und haben dich wie hungrige Wölfe überfallen. Aber am Ende mußten sie doch geben, was ich verlangte, denn von den anderen Dörfern ist heute niemand gekommen." „Aber warum ist es dir denn eingefallen, heute mehr als sonst zu verlangen? Du konntest doch nicht wissen, daß niemand von Mamre und Keila in die Stadt kommen wird?" fragte Simon. „O du einfältiges Kind, weißt du denn nicht, daß wir heute den vierundzwanzigsten Marcheschwan haben, und es ist noch kein Tropfen Regen gefallen. Wenn der Himmel noch länger so schön blau bleibt und die Sonne jeden Tag so hell scheint, da kann ja nichts wachsen von dem was man in die Erde gelegt, und wenn zum Frühjahr nichts Neues gewachsen ist, müssen die Leute für das Alte mehr zahlen. Gestern erzählte der Sohn meines Onkels Mardochai, der Keine Alexander, du kennst ihn doch, den gescheidten Jungen, der den ganzen Tag in der Schule des alten Rabbi Nachmun sitzt und lernt, wie man die Opfer im Tempel zu schlachten Pflegte und was mit den Ochsen, welche stoßen, zu geschehen hat. Also Alexander erzählte, sein Lehrer habe gesagt, wenn es nicht bis zum ersten Kislew zu regnen anfange, werden die Aeltesten der Stadt ein dreitägiges Fasten befehlen. Vielleicht erbarmt sich dann Gott und schickt den Frühregen. Regnet es aber auch dann nicht, wird man eine ganze Woche fasten." „Und wenn auch das nicht hilft?" fragte wieder Simon. „Wenn kein Frühregen kommt, so wird nichts wachsen und der Hunger wird im Lande sein," lautete Anania's Antwort. Unter diesen Gesprächen hatten die beiden Jünglinge den Rückweg nach Siph angetreten. Als Simon nach Hause kam, übergab er dem Großvater den Erlös seiner Waare, erzählte ihm, was er von Anania gehört hatte und wollte sich entschuldigen, daß er nicht auch so klug gewesen sei, wie dieser. Aber der Alte ließ ihn nicht ausreden: „Hast recht gethan, mein Kind," sagte er, „daß du nicht mehr verlangt hast, als vergangene Woche. Wenn der Herr, um sein Volk zu strafen, keinen Regen zu rechter Zeit schickt, so müssen wir ihn um Erbarmen anflehen und dürfen uns nicht das allgemeine Unglück zunutze machen. » ü. Eine Woche ohne Regen war vorübergegangen und wieder trug Simon seinen Korb mit Früchten und Gemüsen zum Martte nach Hebron. Dort angekommen wurde er von den Käufern überfallen. »Ich gebe dir zehn Denare für deinen Korb!" schrie der Eine, „ich gebe zwölf" schrie noch lauter ein Anderer, und bevor noch Simon antworten konnte, daß er für seine Waare nicht mehr verlange als er am letzten Markttage bekommen, hatte man ihm schon dreizehn Denare in die Hand gedrückt und sich seines Korbes bemächtigt. Der schlaue Anania, der an diesem Tage absichtlich etwas später gekommen war, wußte sich auch diesmal den ungestümen Eifer der Stadtleute zunutze zu machen und verkaufte den Inhalt seines Korbes für fünfzehn Denare. Während Simon noch überlegte ob er sogleich nach Siph zurückkehren oder noch einen Gang durch die Stadt machen sollte, bemerkte er, daß alles Volk nach einer Stelle des Marktplatzes hinlief, wo man die Sttmme des öffentlichen Ausrufers vernahm. Neugierig eilte Simon auch dahin und hörte wie der Ausruser im Namen der Aeltesten der Gemeinde drei öffentliche Fasttage ansagte, um von Gott Regen zu erbitten. „Ihr sollt fasten" — ries er — „am nächsten Montag und am Donnerstag von heute in acht Tagen und dann wieder am Montag. An jedem Fasttage werden die Häupter der Gemeinde die Gebete um

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