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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 90

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 90 (sequence 16)
Language
German
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Seite 90 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 5 Magistratswahlen erfreulichen Beweis geliefert. Fast in jeder Stadt sind Glaubensgenossen gewählt worden, selbst in Orten, wo nur 3 oder 4 Juden wohnen, ist mindestens einer von ihnen zur Bekleidung eines solchen Ehrenamtes würdig befunden worden. In manchen Städten hat die Wahl ein überraschendes Resultat geliefert: so ist in Posen unser Glaubensgenosse Rechtsanwalt Orgeler mit 31 von 34 Stimmen und in Gr ätz der Kaufmann A. H erzfel d einstimmig zum Stadtverordneten-Borsteher gewählt worden. In Pinne, wo der Bürgermeister seines Amtes entsetzt worden ist, wird dasselbe von dem dortigen Beigeordneten Herrn Markus Lewin, welcher die Stadt auch auf dem Kreistage vertritt, seit Jahresfrist zur Zufriedenheit der königl. Regierung verwaltet. Mom. 19. December. Unser Glaubensgenosse Luigi Luzzatti ist von der Bugdet-Commission der Deputirtenkammer mit 24von 27 Stimmen abermals zum Präsidenten gewählt worden. London. Das hiesige Schächtamt (Ldeettita Board) zeigt an, daß die erste Sendung von rituell geschlachtetem Fleisch aus Buenos-Ayres (in gefrornem Zustande) angelangt ist und vom 20. Jänner ab zum Verkaufe gelangt. Diese Neuerung des Schachtamtes ist eine große Wohlthat für die ärmere Bevölkerung, welche die hohen Preise des hierzulande geschlachteten Fleisches nicht erschwingen kann. Waris. Während die Regierung bestrebt ist, die Noth in Paris mit öffentlichen Mitteln zu lindern, kargt auch die Privatwohlthättgkeit nicht. Dienstag überschickten die Herren Gebrüder Rothschild eine zweite Gabe in der Höhe von 150.000 Francs an die Mairs der verschiedenen Bezirke zur Bertheilung an Arme. Die jüdische Gemeinde von Paris hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod von M. Gustave D a l s a c e, einem der populärsten Mitglieder der Gemeinde. M. Dalsace hatte zwei Leidenschaften — Patriotismus und Wohlthätigkeit. Bei seinem Ableben war derselbe Präsident der „Bienkaisante l8raÄite", welche Armenanstalt unter seiner gerechten und energischen Leitung bemerkenswerthe Erfolge erzielte. Das Begräbniß fand unter militärischen Ehren statt, da M. Dalsace Ritter der Ehrenlegion war. Charakteristisch für den Verstorbenen ist die Thatsache, daß derselbe gelegentlich der Verleihung dieses Ordens von der Regierung verlangte, es möge ihm der Orden nicht wegen seiner persönlichen Fähigketten, sondern in seiner Eigenschaft als Präsident der „Bienfaisance Israelite“ verliehen werden. St. Petersburg. Die Commission im Justizministerium, welche mit der Reorganisirung des Barreaus in Rußland betraut ist, hat beschlossen, es solle von nun ab die Zahl der jüdischen Advocaten in St. Petersburg, Moskau und Warschau auf ein Zehntel der Gesammtsumme der Anwälte in diesen Städten beschräntt werden. Die mit der Ausarbeitung neuer Judengesetze beschäftigte Regierungscommission ist besttebt, bei den kompetenten Administrativbehörden den Widerruf des Gesetzes vom Jahre 1858 zu erwirken, welches Gesetz den Kindern, Enkeln und Geschwisterkindern alter Soldaten jüdischer Confession gestattet, sich in den Hauptstädten der verschiedenen Provinzen niederzulassen. Nach Vorschlag der Commission soll das Privilegium blos auf die Kinder beschräntt werden. Aristot. Gleichwie in Birmingham wurde auch hier von einer großen Anzahl angesehener Männer an den Mayor das Ersuchen wegen Abhaltung eines Protest- Meettngs gerichtet. Der Mayor sagte der Deputation, welche den Anttag überbrachte, die baldige Einberufung einer Versammlung zu. Mnstschnck. Als Fürst Ferdinand von Bulgarien vor einiger Zeit in Begleitung der Herzogin Max E m a n u e l Rustschuck besuchte, wurde Madame Astruc, Direktorin der Mädchenschule der Allianz, von der jüdischen Gemeinde zum feierlichen Empfang der hohen Persönlichkeiten entsendet. Nunmehr hat Madame A st r u c zur Erinnerung an den Besuch der fürstlichen Hohheiten von denselben eine prachtvolle Brillantbroche zum Geschenke erhalten. Lnremvurg, 19. Jänner. Durch großherzoglichen Beschluß ist unser Glaubensgenosse Julius Goldschlaux zum Bürgermeister von Hamm ernannt worden. Stockhokm, 14. Jänner, Herr Abr. Hirsch, Ritter des Wasa-Ordens, ist mit dem Nordstern-Orden ausgezeichnet worden. Amsterdam. 18. Jänner. Die Königin-Regentin hat sich bereit erklärt, die jährliche Unterstützung, welche von ihrem verstorbenen Gemahl dem Waisen-Fond der jüdischen Diamant-Arbeiter gewährt wurde, fortzusetzen, und der diesjährige Beittag ist bereits überwiesen worden. «Lonstantinopel. 12. Jänner. Unser Glaubensgenosse Herr Dalmedico, Beamter im Marine-Ministerium, ist vom Präsidenten der ftanzösischen Republik mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. — Unter den Opfern des bekanntlich im Stillen Ocean untergegangenen Kriegsschiffes „Esttogul" befand sich auch unser Glaubensgenosse Dr. Joseph Gabal. Annis. 11. Jänner. Am 23. December ist hier von der Alliance israelite eine neue Mädchenschule eröffnet worden. Gums. Die Allianz besitzt hier eine Schule, welche wohl nächst der jüdischen Freischule in London die größte jüdische Schute der Welt sein dürfte. Bis vor Kurzem war die Mädchenabtheilung mit ihren 700 Schülerinnen in einem Annex der Knabenschule, welche allein 1300 Schüler aufweist, untergebracht. Um den nöthigen Raum zu beschaffen, kaufte die Allianz aus dem Nachlasse des Ca'id Nissim dessen alten Palast und adaptirte denselben, so daß jetzt nicht blos die Mädchenschule, sondern auch ein Kindergarten daselbst untergebracht werden kann. Am 29. v. M fand die feierliche Einweihung dieses Schulgebäudes unter Vorsitz des ftanzösischen Ministerresidenten MMassicaut statt. Anwesend waren der Premierminister des Bey, ferner als direkter Vertteter desselben General Valensi (ein Jude), der Gouverneur der Stadt und fast sämmtliche Notabilitäten derselben. Sakonichi. Für sechzig arme Familien (Juden und Mohamedaner), deren Häuser bei dem großen Brande zerstört wurden, werden 60 kleine Häuser ganz neu erbaut werden. Da Baron Hirsch zu den Kosten dieser Bauten 60.000 Francs beigesteuert hat, so wird dieser Stadttheil nach seiner Vollendung „Quartier Hirsch" genannt werden. Merv-Aork. 12. Jänner. Der jüngst verstorbene Millionär Faye rw eath er, ein Nichtjude, hat dem Mount-Sinai-Hospital 10,000 Dollars letzwillig hinterlaffen. Washington, 23. Jänner. Einer Kabeldepesche entnehmen wir folgende hochwichttge Nachricht. Die Congreßmitglieder für Newyork und Mississippi, C n m m i n g s und Catchings, überreichten heute dem Staatssettätär Blaine Abschriften der von Massen-Meetings in den obgenannten Staaten der Union gefaßten Beschlüsse, welche ihn ersuchen, gegen dieVerfolgung derJudeninRußland Protest zu erheben. Blaine erwiderte, er habe ähnliche Bittschriften aus allen Theilen des Landes empfangen. Der amerikanische Gesandte in Petersburg, Smith, werde angewiesen werden, den wesentlichen Inhalt derselben dem russischen Minister des Aeußern, Hrn. von Giers, zu unterbreiten.

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