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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 89

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 89 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Hesterreichische Wochenschrift Seite 89 I««gbun?tau Ein ungeheuerer Leicheuzug bewegte sich am 20. d. M. dem Friedhose zu, es galt unserer allverehrten Rabbiuerin Frau Dorothea Grün Wald geb. Meitze die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre sprachen der tiesbetriibte Gatte Herr Rabbiner Dr. Moritz G r ü u w a l d, die Herren Dr. Ki s ch aus Prag, Tr. F r i c dberg-Goltsch-Jenikau und der Bruder der Verewigten, Dr. Samson Weiße, herzoglicher Landesrabbiner aus Dessau. Jung und Alt betrauert tief die zu früh Hingeschiedene, die alle weiblichen Tugenden in sich vereinigte. Die Cultusgemeinve creirte eine Talmud- Thora-Stiftung mit dem Namen der Verewigten, die wie sie eine zärtliche Mutter ihrer vier unmündigen Kinder so auch eine theilnehmende und hilsbereite Mutter all denen war, die ihrer bedurften. Möge sie sanft im Grabe ruhen, ihr Andenken wird stets unter allen, die sie kannten und verehrten, sortleben. Älmütz. Das hier erscheinende „Mähr. Tagblatt" berichtet: „Unser Mitbürger Herr Eduard Hamburger vertheilte ein Honorar von 250 fl. ö. W, welches ihm für ein von ihm durchgesührtes Vertrauensamt zufloß, in folgender Weise: an die B ü rg e r v e r s o r g u n g s a n st a l t 1Ö0 sl, an den Siechenfond 100 fl., an den hiesigen Zweigverein des rot Heu Kreuzes 25 fl., an den hiesigen Zweigverein des weißen Kreuzes 25 fl. Das Bürgermeisteramt bringt diese hochherzigen Widmungen mit dem Ausdrucke der wärmsten Anerkennung zur öffentlichen Kenntn iß." Herr Ed n a r d H a mb u r g e r ist Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde. Weder von der Bürgerversorgungsanstalt , noch von dein Siechenfond, welchen die Beträge zngewendet wurden, erhält ein Jude die geringste Unterstützung. Die Antisemiten werden bekanntlich durch solche Großmuth nicht versöhnt, indeß die Gleichgiltigkeit gegenüber der jüdischen Armuth in jüdischen Kreisen mit Recht vielfach verstimmt. Hlaudnitz a. d. Elbe. Samstag, den 17. Jänner starb hier Frau Cäcilia Reich, Gattin des bei Juden und Christen gleich geachteten Oberlehrers, Herrn Lazar Reich, der seit einem halben Jahrhundert an der hiesigen deutschen Schule thütig ist. Die Verblichene, die ein Alter von 65 Jahren erreichte, war eine brave, fromme Frau nach echt jüdischer Tradition die bei Allen, die sie kannten, das beste Andenken znrückgelassen hat, Biesking, 25. Jänner. Unser ehrwürdiger hochverdienter Bezirksrabbiner, Herr M. L. K o h n, wird a:n 2. Februar d. I. sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum und seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Einer achtbaren Familie in Mislitz entstammt — sein Großvater R. Jacob Schäfer, dessen Biographie der Jubilar vor Kurzem veröffentlichte, gehörte zu den hervorragenden Rabbinern unseres Kronlandes. Herr K o h n wirkt seit 1841 als Rabbiner der hiesigen Gemeinde und seit Ende der fünfziger Jahre auch als Rabbiner der Gemeinden Pullitz, Slabings, Athart rc. Der hiesige Gemeindevorstand trifft Vorbereitungen, um dieses schöne und seltene Doppelfcst würdig zu begehen und seinem allgemein verehrten Lehrer entsprechende Beweise der Liebe und Hochachtung liefern zu können. Der Schwiegersohn des Jubilars, Herr Rabbiner Dr. Friedländer wird ebenfalls hier erwartet. B. 8. Oedenburg (Mohlthätigkeitsact.) Ein hier durch die Schneeverwehungen, und (infolge derselben) Zugseinstellungen zurückgehaltener Handlungsreisender, Namens Josef Beer aus Wien, hat am Südbahnhofe unter den Anwesenden eine Collecte veranstaltet, für elf mit Findelkindern aus Wien hier eingetroffenen und nach St Gotthardt bestimmten Frauenspersonen, welche bitter nothleidend schienen. Auch der Herr Stationschef und der hiesige Weinhändler Herr I. K o h n haben mit Lebensmitteln die erwähnten Hungernden uno Frierenden werkthätig unterstützt. Ehre den wackeren Nothhelfern! Kaposvar, 23. Jänner 1891. Der erste Wahlbezirk zu Kaposvar (Comitat Somogy, Ungarn) bat den Rabbiner Dr. Emanuel Herzog daselbst am 27. December 1890, nahezu einstimmig in die städtische Repräsentanz aus sechs Jahre gewühlt. Für dessen Erwählung wirkten besonders Nicht-Juden, unter ihnen der Bürgermeister. Zum Präses der jüdischen Gemeinde wurde mit Stimmenmehrheit der Advocat Franz B a k o n j e gewählt. Äambor. Sonntag am 1. Februar findet hier die Trauung des Fäulein Mathilde Ranunkel, Tochter des Herrn C. Ranunkel, mit Herrn Dr. Wilhelm Hochfeld statt. Ternberg, 19. Jänner. Der galizische Landtag hat für die israelitische Volksschule in Brodh 6000 fl. für die Taubstummenschule unter Leitung des Herrn I. B a r d a ch und für den Verein „A^uckas Achim" in Lemberg je 300 fl. und für die Bernstein'sche Handwerkerschule 285 fl. bewilligt. Berlin, 19. Jänner. Bei dem gestrigen Krönungs¬ und Ordensfeste sind folgende Glaubensgenossen ausgezeichnet worden: Geheimer Justizrath Professor Dr L. Golds ch m i d t mit dem K r o n e n - O r d e n zweiter C l a s s e, Professor Dr. P i n n e r mtt dem R o t h e n A dler - Orden vierter C l a s s e, der Lehrer S ch n e r b in Herlisheim mit dem A l l g e m e i n e n E h r e n z e i ch e n. Unter den neuernannten Ritterinnen des Luisen-Ordens, welche die Ehre hatten, Sr. Majestät dem Kaiser vorgestellt zu werden, befanden sich Frau Geh. Commerzienrath Schwabacher. Berlin. 20. Jänner. Der bisherige erste Assistenzarzt am jüdischen Krankenhause, Herr Dr. Lazarus, ist an Stelle des verstorbenen Herrn Prof. Jacobsoh n einstimmig zum dirigirenden Arzt gewählt worden. Marburg, 22. Jänner. Heute kam vor dem hiesigen Schöffengericht die Privatklage der Darmstädler Kausleute C a h n und Consorten gegen Dr. B ö ck e l zur Verhandlung. In einem Artikel des „R e i ch s h e r o l d" war die Stadt Darmstadt als „greulich verjudet" bezeichnet, und unter Hinweis ans die vielen Kaufleute jüdischen "Namens, das Vorhandensein eines „fressenden Krebsschadens" behauptet worden. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt G r ü n ewald-Gießen, erklärte, daß der Artikel zweifellos beleidigend sei, und daß die Geflissentlichkeit, mit welcher der Angeklagte in seinem Blatte die Juden nicht nur, sondern alle, die seine antisemitischen Hetzereien nicht billigten, Private wie Behörden, verfolge und beleidige, eine empfindliche Strafe angezeigt erscheinen lasse. Der Angeklagte leugnete das Vorhandensein einer Beleidigung und bestritt, daß seine Zeitung consessionelle und persönliche Hetzerei treibe. Er bat um Freisprechung. Das Gericht üerurtf) eilte B ö ck e l in eine G e l d st r a f e von 50 Mark, eventuell eine Woche Hast, und in die Kosten. Wiesbaden, 12. Jänner. Der neue israelitische Friedhof wurde gestern Nachmittag anläßlich der ersten dort stattfindenden Beerdigung eines hier verstorbenen auswärtigen Arztes Dr. Med. Julius Pauly, von dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. Silber st ein im Beisein des Vorstandes der Gemeinde und des Herrn Stadtbaumeister Israel als Vertreter der Stadt, feierlichst eingeweiht. Elbing, 14. Jänner. Herr Dr. Jacoby, Vorsteher unserer Gemeinde, ist zum Stadtverordneten-Vorst e h e r wiedergewühlt. Frankfurt a. M. Eine jüdische Dame, welche eben in einer Lotterie 300.000 Mk gewonnen hat. widmete diese Summe sofort zur Bertheilung an Arme ohne Unterschied des Glaubens. Bosen, l9. Jänner. Für die erfreuliche Thatsache des friedlichen Einvernehmens zwischen den verschiedenen Confessionen in unserer Provinz haben die Ende vorigen und Anfangs dieses Jahres stattgehabten Stadtverordneten- und

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