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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 88

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 88 (sequence 14)
Language
German
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Seite 88 Hesterreichifche Wochmfchrift Nr. 5 Sultan den Befehl erhalten, die Leute am Besuch der Insel zu verhindern. Bei dem Einwande, dem ihm Herr Serusi, der italienische Cousularagent, selbst ein Israelit, machte, daß es den anderen Europäern frei stehe, die Insel zu besuchen, und Herrn Lumbroso dasselbe Recht zustehen müsse, gab der Caid die Antwort: „Die anderen Europäer sind keine Juden, aber Herr Lumbroso ist Jude. Die Beleidigung war ebenso gegen Herrn Serusi wie gegen Herrn Lumbroso gerichtet. Es blieb dabei, und Herr Serusi theilte die Angelegenheit seinem Minister Herrn Cantagal li mit. Der italienische Minister eilte ohne Verzug nach Rabat zum Sultan, erhielt von ihm einen Brief an unseren Caid, einen Brief, welchen die italienische Mission, die gerade nach Mogador aufbrach, dem Caid eigenhändig zu übergeben, den Auftrag hatte. Dieser mußte auf Befehl des Sultans sich zu Herrn Serusi begeben und in Gegenwart der ganzen italienischen Mission seine Entschuldigung aussprechen wegen der den Herren Serusi und Lumbroso zugesügten Beleidigung. Eine glänzende und schnelle Genugthuung, die der Energie des Herrn Cantagalli zu danken ist! Seit dieser Lehre gewährt der Caid den Israeliten das Recht, die Insel zu besuchen. London. Die Nachricht, daß die Petitions-Commission in St. Petersburg die Guildhall-Petition zu Gunsten der russischen Juden an den Lordmayor zurück geschickt habe, bestätigt sich nicht, nur die Thatsache, daß das Document wieder an den Lordmayor gelangt ist, ist richtig. Wie bereits berichtet wurde, bestand ursprünglich die Absicht, die Petition durch eine Deputation, bestehend aus dem Earl of M e a t h und Sir Albert R o l l i t, M. P., direct überreichen zu lassen, allein dieser Plan wurde in Folge eines Vorschlages aus hohen officiellen Kreisen Londons aufgegeben und das Anerbieten eines in St. Petersburg lebenden einflußreichen Engländers angenommen, das Schriftstück persönlich solchen Händen anznvertranen, aus welchen der Kaiser dasselbe zuverlässig entgegennehmen würde. Diese Mittelperson hat nun, nachdem sie das Schriftstück ungefähr zwölf Tage bei sich behalten, dasselbe nach Mansion House zurückgeschickt, mit dem Bemerken, daß es ihr nicht möglich sei, die Petition auf dem vorgeschlagenen Wege zu befördern Der Lordmajor hat sofort über die nunmehr eiuzuleitenden Schritte mit dem russisch-jüdischen Comitö conserirt, ein Beschluß wurde jedoch bisher nicht gefaßt. Washington. 8. Jänner. Das hiesige Census-Bureau hat eine specielle Statistik des israelitischen Theiles der Bevölkerung der Vereinigten Staaten anfnehmen lassen und wird dieselbe demnächst in Bulletin-Form veröffentlichen. Die Statistik ist zwar keine annähernd vollständige, dürfte aber trotzdem interessant sein. Die betreffenden statistischen Erhebungen beschränken sich auf 10 618 Familien mit zusammen 66 630 Mitgliedern am 31. December 1889, während die israelitische Bevölkerung der Union mindestens fünfmal so viel beträgt. Innerhalb der am letztgenannten Datum beendeten fünf Jahre hatten in diesen Familien im Ganzen 21-18 Eheschließungen, 6038 Geburten und 2062 Todesfälle stattgefunden. Daraus, daß zwei Drittel dieser Familien einen oder mehrere Dienstboten hatten, schließt das Census-Bureau, daß sich dieselben in guten Verhältnissen befinden. Am 31. December 1886 war die Durchschnittszahl der Mitglieder jeder Familie 5,71 und während der an dem genannten Datum beendeten fünf Jahre 5,47. Die jährliche Durchschnittszahl der Heirathen betrug pro Tausend nur 7,4 gegen >8 bis 22 für den nichtjüdischen Theil der Bevölkerung der östlichen Staaten. Auch war das Alter der die Ehe eingehenden Personen bei den Israeliten durchschnittlich viel höher als bei dem anderen Theile der Pevölkerung. Aus diesen Gründen erklärt sich auch die verhältnißmäßige geringe Geburtsrate. Die Durchschnittszahl der Todesfälle während des in Rede stehenden fünfjährigen Zeitraums war 7,11 pro 1000, etwa die Hälfte der Durchschnittszahl für die ganze Bevölkerung. Auf Basis der im Jahre 1889 vorgekommenen Todesfälle berechnet, ist die Höhe des Wahrscheinlichkeitsalters für die männlichen Israeliten 61,11 und kür die weiblichen 56,02 gegen 46,99 und 48,05 für den männlichen resp. weiblichen Theil der anderen Bevölkerung, wie seitens der Lebensversicherungsgesellschaften angenommen zu werden pflegt. Je länger der Aufenthalt der Israeliten in unserem Lande dauert, desto mehr nehmen die Todesfälle unter ihnen zu und die Geburten ab. So weit der uns vorliegende Auszug aus dem betreffenden Censusbericht. Vermischtes. Wien. Die Nachrichteu aus dem Wahlbezirke des bisherigen Abgeordneten Dr. Bloch lauten wenig erfreulich. In Kolomea arbeiten die Agenten des Herrn Dr. Emil Byk mit all den immensen Mitteln dieses seit Jahrzehnten in derlei Agitationsmethode geübten Candidaten; in S n i aty n hat sich ein Geldvertheilungs-Consortinm eines sichern Leon M e i s e l s etablirt, um die verarmte Bevölkerung zu corrumpiren. Borläusig wird für die beiden verdienstvollen Männer um die Wette Geld ansgetheilt, es fragt sich, wer von beiden länger anshält. In Kolomea hat sich für Dr. Bloch ein Comite achtbarer uneigennütziger Männer zusammengestellt, seine Wiederwahl zu fördern; ein gleiches Comite hat sich in Buczacz orgauisirt. In Sniatyn ist es auch dazu noch nicht gekommen. Aus der Mitte der Drohobyczcr Judenschaft geht eine Deputation nach Kolonie«, Sniatyn und Buczacz, die Wahl Dr. Bloch's zu fördern. Andere Gemeinden dürften diesem Beispiele folgen. Wien. (D a s S t a a t s b u d g e t und d i e I u d e n.) Unsere Leser werden sich vielleicht noch der unter vorstehender Ueberschrift in den Nummern 23 und 30 des vorigen Jahres erschienenen Artikel erinnern, in welchen wir unter Hinweis auf die Beiträge, welche andere Religionsgenossenschaften aus dem österreichischen Staatsschätze und unsere Glaubensgenossen in anderen Staaten erhalten, für die Gewährung eines Beitrages für Cultuszwecke in Oesterreich eintraten. Wie wir nun aus sicherer Quelle erfahren, wurde schon in das pro 1891 vorbereitete Budget von der Regierung ein Betrag eingestellt, welcher als Subvention zur Erhaltung eines Rabbiner-Seminars bestimmt ist Wir freuen uns, daß hiedurch. wenigstens das Princip der Gleichberechtigung anerkannt wird und hoffen, daß der neue Reichsrath dieser Budgetvorlage zustimmen werde. Wien, 26. Jänner. In einer Zeit, in welcher gewisse Kreise uns Juden allen Sinn für das Ideale und Schöne, jede Sympathie für die Kunst abzusprechen gewohnt sind, ist es doppelt angezeigt, das Gegentheil zu beweisen und zu constatiren, daß es in unserer Mitte noch immer Personen gibt, die ihr Leben nur der Knust widmen und auf diesem Gebiete schöne Erfolge aufzuweisen haben, aber auch edle Herzen, die diese Jünger der Kunst auf das thatkrästigste unterstützen. Was uns zu dieser Bemerkung veranlaßt, ist die Melldnng, die wir soeben erhalten, daß unserem jugendlichen Glaubensgenossen, dem hiesigen akademischen Maler Herrn Helman Pfeiffer, der seinerzeit in diesen Blättern anläßlich seines in der vorletzten Münchener Jahresausstellung ausgestellten Bildes „Der Seifenbläser" lobend erwähnt wurde, von dem innerhalb der hiesigen Cultusgemeinde besteheudem Curatorinm der Fanni Jeiteles-Stifrung ein Stipendium zu einer Studienreise nach Italien zu seiner weiteren Ausbildung verliehen wurde.

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