Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 5 (30.1.1891)
- Date
- 1891-01-30
- Page
- Seite 87 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ätr. 5 Hesterreichische Wochenschrift Seite 87 hob die besonderen Verdienste des Cultusvorstandes hervor und beantragte» denselben mit Acclamation wiederzuwählen. Der Cultusvorstand dankte jedoch für die von Seiten der Wähler ihm dargebrachte Ovation und bat, wie bisher die Wahl durch geheime Abstimmung vorzunehmen» wozu sich die Wähler einverstanden erklärten Hierauf eröffnete der Cultusvorstand die Wahl mit einer Ansprache worin er der Cultusgemeinde ganz besonders an's Herz legt, ihn in seinen Bestrebungen insbesondere dadurch zu unterstützen, den Kindern eine religiös-sittliche Erziehung angedeihen zu lassen, da nur durch die echt jüdische Moral und Bescheidenheit dem Antisemitismus wirklich entgegengearbeitet werden kann. Gleichzeitig forderte er die Eltern auf, ihre Kinder anzuhalten, die Talmud-Thora-Schule fleißig zu besuchen und selbst dem Gottesdienst so oft als möglich anzuwohnen, um hiedurch der Jugend als leuchtende Vorbilder zu dienen, ferner betonte er die historische Bedeutung dieser Wahl, da diese diesmal nicht mehr auf Grund der Polizeiverordnungen, sondern auf der festen Basis des neuen Gesetzes durchgeführt werde, und hofft im Sinne der ganzen Gemeinde zu sprechen, wenn er sie zu dem Gelöbnisse auffordert, aus Dankbarkeit die Kinder stets in patriotischem Geiste und in Liebe und Treue zu unserem allerhöchsten Kaiserhause zu erziehen, und in dieser Stunde desjenigen zu gedenken, dessen allerhöchster Gnade wir dieses zu verdanken haben. Um die Gefühle der Loyalität zum Ausdruck zu bringen, ladet er die Versammlung ein, ein dreimaliges Hoch aul Se. Majestät den Kaiser Franz Josef I. auszubringen, in welches die Versammlung mit Begeisterung einstimmte. Nach vorgenommenem Scrutinium erschien Herr Karl L i e b m a n n als Cultus- Vorstand einstimmig wiedergewählt. Er erklärte, die Wahl an* zunehmen und nach wie vor für das Gedeihen der Gemeinde zu sorgen und überall für die Ehre derselben einzustehen. Als Cultusvorstand-Stellvertreter wurde Herr Rudolf Pollak, Schnittwaarenhändler, und zu Cultusräthen die Herren: Albert O r n st e i n, Malzfabrikant, und Salomon Hayek, Hausbesitzer und Weinhändler gewählt. In den Ausschuß die Herren: Adolf S ch w o n e r, Karl Teich, Leopold F l e s ch, Ignaz K ä u f l e r, Siegmund Simon, Eduard Brauchbar, Leopold Färber, Dr. Moriz Rose nb e r g und Ignaz Knöp felmache r; als Ersatzmänner die Herren : Bernhard F i s ch l. Heinrich I o ck l, Eduard Riesenf e l d und Jacob S u e l. — Herr Johann F r i e ß, Großgrundbesitzer in Zborowitz, spendete für die israelitischen Ortsarmen 100 fl., und Herr 1. U, Dr. Max Steiner, Verwaltungsrath der Hanna- Malzfabrik in Kremsier, sandte einen großen Wagen Kohlen für diese. Beide Spenden kamen bei dem heurigen strengen Winter den Armen zugute. Den edlen Spenderu wurde der Dank des Ausschusses schriftlich übermittelt. Kamvurg, 1b. Jänner. Borgestern Abend ist Doctor Anton Ree im 76. Jahre seines Lebens am Herzschlag verschieden. Er entstammte einer Kaufmannsfamilie, hatte von 1829 bis 1833 Philosophie studirt und war 1837 Lehrer, 1848 Direktor der jüdischen Freischule in Hamburg geworden. Später wurde, vornehmlich in Folge seiner Bestrebungen, die Schule in eine Simultanschule umgewandelt, die dann den Namen „Stiftungsschule von 1815" erhielt. Am politischen Leben Deutschlands, wie an den Ereignissen auf communalem Gebiete der Vaterstadt, nahm Dr. Ree stets den regsten Antheil; namentlich 1848 trat er in den Vordergrund der Bewegung, Eifrig kämpfte er auch im Verein mit Gabriel R i s s e r für die Emancipation der Israeliten. Er gehörte dem Parlamente des Norddeutschen Bundes, 1867 bis 18/0, und dem Reichstage, 1881 bis 1884, als Mitglied an (III. Hamburgische Wahlkreis); Mitglied der Bürgerschaft war er zu verschiedenen Zeiten. Von seinen schriftstellerischen Werken ist namentlich die 1847 erschienene „Wanderung eines Zeitgenossen auf dem Gebiete der Ethik" zu nennen. Sein 50jähriges Lehrerjubiläum 1888 wurde durch eine größere Feier begangen, die zur Gründung der „Anton R s e - Stiftung" führte. „Mit Dr. R 6 e", schreibt der „Hamburger Correspondent", „ist eine der bekanntesten und geachtetsten Persönlichkeiten unserer Vaterstadt aus dem öffentlichen Leben geschieden, dem er Jahrzehnte hindurch angehört hat. Anhänger und Gegner seiner politischen Ueberzeugungen stimmen überein in der unbedingten Hochachtung vor dem lauteren Charakter dieses Mannes, der stets nur das beste des Reiches und seiner Vaterstadt gewollt hat. R ö e ist dem, was er als seine leitenden Grundsätze erkannt und festgehalten hat, unverbrüchlich treu geblieben: er gehörte zu der immer geringer werdenden Zahl Derer, welche noch an Ideale glauben. Zu diesen Idealen gehörte seine Ueberzeugung von den Fortschritten der bürgerlichen Gesellschaft auf der Grundlage religiöser und politischer Toleranz und liberaler Anschauungen. Diesen Fortschritt hat er allezeit mit den reichen Gaben seines Geistes, mi einer Beredsamkeit und seinem mannhaften Eintreten zu fördern^ gesucht." Seine Beerdigung fand am 16. unter lebhafter Theilnahme der Bevölkerung auf dem Ohlsdorfer Friedhofe statt. Stockholm, 11. Jännar. Am 21. December. dem Namenstage unseres Königs, wurde dem Herrn Abraham Hirsch, Ritter des Wasaordens, auch der Nordsternorden verliehen. Diese ehrenvolle Auszeichnung ist ihm vermuthlich als vieljährigem Directionsmitgliede der königlichen Mustk- Akademie zu Theil geworden. Aber auch nach anderen Richtungen hin hat sich Herr Hirsch große Verdienste erworben, und wenn einst die Geschichte unserer Gemeinde geschrieben wird, ist dem Namen Abraham Hirsch ein Ehrenplatz gesichert neben denen, die unablässig und mit bestem Erfolge für die Emancipation ihrer schwedischen Glaubensgenossen ihre ganze Persönlichkeit einsetzten. Vermöge seiner hochangesehenen socialen Stellung, seines milden Wesens, seiner umfassenden Bildung und Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur ist es ihm gelungen, manches Borurtheil gegen Juden und Judenthum zu beseitigen. Fast 35 Jahre lang war er Präses der Schulcommission und nicht nur dem Namen nach, er war es voll und ganz und unterzog sich mit unermüdlichem Eifer den Pflichten, die diese Stellung ihm auferlegte. Für die Kinder der Armen war er — es ist nicht zu viel gesagt — die irdische Vorsehung, er half, lvo er nur konnte und wo ausreichende Mittel nicht vorhanden waren, da hat sein mildes Wort, sein trostreicher Zuspruch das Fehlende ersetzt. Weit über die Schulzeit hinaus erstreckte sich sein Wohlwollen, seine Fürsorge für die Kinder der jüdischen Familien, und obwohl auch ihm bittere Enttäuschungen nach dieser Seite hin nicht erspart geblieben, so ermüdete er dennoch nicht in seinem edlen Thun. Seine schönste Belohnung fand er darin, wenn es ihm gelang, einen armen polnischen Knaben dem Schacher zu entreißen und zu einem nützlichen Handwerk heranzuziehen, und wo er gute Geistesanlagen bemerkte, da ließ er es an Opfern nicht fehlen, zu weiteren Studium Mittel zu verschaffen. Durch vorgerücktes Alter genöthigt, die Ehrenstellungen in der Gemeinde jüngeren Kräften zu überlassen, bethütigt er doch fortwährend sein lebhaftes Interesse für unsere Angelegenheiten. Strebsame Jünglinge suchen noch jetzt nicht vergeblich sein Haus auf. mit fast jugendlicher Begeisterung umfaßte er heute noch höhere Ideen, edle Zwecke finden in ihm immer noch einen regen Förderer, die Synagoge zählt ihn zu den fleißigsten Besuchern und wir mit Stolz zu den Zierden unserer Gemeinde. Möge ihn der Himmel uns noch lange, recht lange als leuchtendes Vorbild für unsere jüngere Generation erhalten! In der letzten Gemeindesitzung theilte der Vorstand mit. daß Herr Abraham Hirsch einen Betrag von 3000 Kronen der Gemeindekasse zu wohlthätigen Zwecken überwiesen hat. Mogador, im December. Bor einigen Wochen hatte Herr Lumbroso, ein israelitischer Notabler, italienischer Unterthan, mit seiner Familie einen Tag auf einer kleinen unbewohnten Insel zubringen wollen, die an der Einfahrt des Hafens gelegen ist, und wohin sich die Europäer oft zum Vergnügen begeben. Unser Caid verbot ihm ausdrücklich, die Insel zu besuchen und untersagte sogar den arabischen Schiffern, ihn hinzufahren. Herr Lumbroso ließ den Gouverneur durch den italienischen Consul nach dem Grund dieser Weigerung fragen. Dieser antwortete, er habe vom