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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 86

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 86 (sequence 12)
Language
German
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«Seite 8v Gesterreichifche Wochenschrifr Nr. 5 cassiren und ging zu V e r g a n i, dessen Mitarbeiter bei ihm circa 150 Gulden Zechschulden stehen hatte. Ueber den Erfolg dieses Schrittes erzählt Kaiser: „V e r g a n i sagte mir: „Bares Geld kann ich Ihnen nicht geben, aber ich gebe Ihnen Wort und Handschlag. daß ich die Schuld meiner Leute übernehme." „Als ich nach zwei Monaten ihn an sein Versprechen und an das mir gegebene Wort erinnerte, leugnete er mir dasselbe direct ab. „Aber auch noch durch einen zweiten Vorfall bin ich seinetwegen zu Schaden gekommen. Der Jahrestag der Gründung des Blattes sollte bei mir mit einem Bankett gefeiert werden. Zwechundert Personen sollten erscheinen. Leider wußte ich damals noch nicht, daß V e r g a n i mit Schönerer bereits zerfallen ist. Ich hätte sonst die Sache nicht übernommen. Ich machte große Vorauslagen und schließlich k a m n i e m a n d, so daß ich einen Schaden von 500 fl. erlitt. ..Es war ein U n g l ü ck". schloß Kaiser seine Verantwortung, „daß d i e A n t i s e m i t e n zu mir gekommen sin d." Das Wort ist bezeichnend, und die christlichen Geschäftsleute, die sich von dem Sirenenklang der Parole ..Kaust nur bei C h r i st e n" bestechen lassen, sollten sich dasselbe merken. Man weiß längst, wie viel Wort und Handschlag Ehren - V e r g a n i s werth sind. Herr Kaiser muß sein Vertrauen auf die Lockungen des Abgeordneten sür Stein mit zehn Tagen strengen Arrests büssen." Wien, 25. Jänner 1891. (Antisemitisches aus der L e o p o l d st a d t.) Montag, den 12. d. M. hat in Schneiders zweitem Caffehaus im Prater das Faschingskräuzchen des aus allen Gasthäusern des II. Bezirkes dclogirten Leopoldstädter Antisemitenvereincs (Firma: „Katholisch-politischer Verein Leopoldstadt") stattgefunden. Aus allen Bezirken waren die „Gesinnungsgenossen" zusammengetrommelt worden; man sah die G r e g o r i g, Schne ider, Metzler und wie sie alle heißen mögen. Selbstverständlich waren in erster Linie die Judenfresser aus der Leopoldstadt beisammen, und unter diesen waren, es ist gewiß charakteristisch, diejenigen am pünktlichsten erschienen, die geschäftlich am meisten mit Juden verkehren, die sozusagen von Juden leben. Wir erachten es geradezu als pnblicistische Pflicht, hier die Namen dieser antisemitischen Leopoldstädter Gewerbsleute zu veröffentlichen, damit die Juden diejenigen kennen lernen, die ihre grimmigsten Feinde sind. Es sind dies die Herren: Joh. Förster, Kürschner, II. Taborstraße 17; Franz Förster, Hutmacker. II., Taborstraße l i; Joh. Bapt. Härtel, Lederansschneider, II., Obere Augartenstraße 76; Karl Göttlicher, Drechsler, II.. Kleine Pfarrgaffe 27; Frau Anna R a m b o u, Pfaidlerin, II.. Taborstraße 42. Als gegen Mitternacht der Vertreter von Hescheles auf dem Antisemitenkränzchen im Prater erschien, wurde er von den Anwesenden lärmend bejubelt und die Capelle musicirte den „Luegermarsch" nach der feierlichen Melodie: „Juden. Juden will ich fressen." Einige antisemitische Damen der Leopoldstadt trugen das Bild des Häuptlings blumenbekränzt im Saale herum, nur fehlte die Inschrift: „Seht her. das ist der Mann. Der die „kleinen Leut'" am besten pfänden kann!" Fl—s. Wie«. Am letzten Sonntag hat im Hause des Herrn David Ritter von G u t t m a n n die Vermählung der Tochter desselben, Frau Baronin Irma von Königsw a r t e r mit Herrn Baron S i e g w a r t von Mayer aus Coburg, durch den Prediger Dr. I e l l i n e k unter Assistenz des Obercantors Singer im engsten Familienkreise, dem nur wenige Gäste, u. a. Rabbiner Dr. G ü d em a n n und Lector Friedm a n n zugezogen waren, stattgefunden. Unter den zahlreichen eingelaufenen Telegrammen ist, zumal in der jetzigen antisemitischen Zeit, dasjenige des regierenden Herzogs von Coburg an den Vater des Bräutigams gerichtete bemerkenswerth. Dasselbe hat den Wortlaut : „N eh me herzlichen Antheil an dem schönen F a m i l i e n f e st, das S i e u n d die Ihrigen heute feie rn. BitteSie, dem jungen Paare meine freundlichsten Glückwünsche a u s z u sprechen. Herzog vonCobur g." Die Frau Herzogin telegraphirte aus Nizza: „Empfangen Sie meine a l l e r h e r z l i ch st e n G l ü ck w ü n s che zum heutigen Tage. Herzogin von Coburg." Die Cultusgemeinde von Coburg telegraphirte: „Ihrem hochgeehrten Mitgliede nebst ganzer Familie sendet aufrichtige Glückwünsche zum frohen Feste die Cultusgemeinde Coburg. S e l i g m a n n." Wien. (Ein Wiener „Arier" in Budapest.) Friedlich und nichts Arges denkend, ging der Geschüstsleiter der Weizenfeld'schen Großtrafik jüngst Abends nach acht Uhr durch die Carlsgasse, um sich nach Hause zu begeben, als ihm plötzlich auf dem daselbst befindlichen engen Trottoire eine abenteuerliche Gestalt entgegentrat, die ihn ani Rockkragen erfaßte und ihm die höfliche Frage in die Ohren donnerte: „Bist a Jud"?" Als der auf solche Art Ueberraschte diese Frage durch sein Schweigen zu bejahen schien, faßte ihn die Erscheinung noch fester beim Kragen, stellte ihm ein Bein und drückte den also Gemaßregelten dann, als er zu Falle gekommen war. mit dem Kopfe in einen Schneehaufen. Diese ungewohnte Behandlung brachte aber endlich, trotz des Schnees und der grimmigen Külte, auch das Blut des Angefallenen in Wallung; er sprang auf, stürzte sich auf den Angreifer und versetzte ihm eine wohlapplizirte Ohrfeige. Es versteht sich von selbst, daß sich nun eine regelrechte Balgerei entspann, bei welcher ein Halbdutzend. aus dem Salz er'scheu Kaffeehause herzueilender Gäste die ebenso erstaunten als neutralen Zuschauer bildeten. Die .Affaire begann einigermaßen bedenkliche Dimensionen anzunehmen, als ein Constabler auf dem Schauplätze erschien und summarisch die Lpeeies facti anfnahm. Als er den Urheber des Scandals nach dem Motive seiner Handlungsweise fragte, erklärte derselbe, er sei ein Wiener Antisemit, erst seit drei Tagen in Budapest und begreife gar nicht, daß man hier so viel Aufhebens von einer Sache macht, die in Wien alle Tage vorkomme. Es versteht sich von selbst, daß er trotzdem auf die Polizei eskortirt wurde, wo er gleichfalls seinem Erstaunen darüber Ausdruck gab, daß die Civilisation hier noch nicht so weit vorgeschritten sei. wie in Wien, wo er heuer mindestens hundert Inden in den Schnee „getaucht" habe, ohne daß ein Hahn, geschweige denn ein Polizist danach gekräht hätte. Er gab an, Friseurgehilfe zu sein und erklärte sich auch bereit, dem von ihm Angefallenen ein Schmerzensgeld — schuldig zu bleiben, da er vor der Hand nicht über Baarmittel verfügt. Da der wackere Arier aber auch vorläufig keine Wohnung hatte und man ihn also am Morgen nicht recht zu finden gewußt hätte, mußte er die Nacht in polizeilichem Gewahrsam zubringen. Heute wurde die saubere Affaire dem Gerichte übergeben, nach deren Austragung der Arier seinen Wiener Stammesgenossen wahrscheinlich auf dem Schubwege zurückspeditirt werden wird Kremster, 16. Jänner. (Bon der israelitischen Cultusgemeinde. — Wohlthätigkeitsact.) Die Mitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde versammelten sich am Sonntag den 4. Jänner l. I., im Gemeindelocale zur Neuwahl des Cultusvorstandes und des Ausschusses für die nächste dreijährige Functionsdauer. Der Cultusvorstand, Herr Karl Liebmann, erstattete den Bericht über die in 39 Sitzungen gefaßten Beschlüsse der abgelaufenen Wahlperiode (1887 bis 1690), welcher mit besonderer Befriedigung ausgenommen wurde. Wähler Herr Adolf P o l l a k, praktischer Arzt,

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