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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-30 · 5 (30.1.1891) · p. Seite 83

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
5 (30.1.1891)
Date
1891-01-30
Page
Seite 83 (sequence 9)
Language
German
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Rr. 5 Gekerreichische Wochenschrifr serre 83 zu erfahren. Für ein Duell mit tödtlichem Ausgange ist der Held meines Romanes viel zu feige veranlagt, und selbst das praktische Verduften nach Amerika erscheint mir für P o l o n s k i wenig empfehlenswerth, obwohl ich annehmen kann, daß derselbe schwerlich eine Versorgung beim „New-Aorker Herald" finden dürfte. Es bleibt mir, der realistischen Tendenz meines Buches entsprechend, kaum etwas anderes übrig, als den Ehrenmann die Früchte seiner Thaten in Ruhe und Wohlbehagen genießen zu lassen. Das ist ein Faustschlag der Moral in's Antlitz? Allerdings — ich wüistche nur, daß der Fanstfchlag allgemein empfunden werde. P o l o n s k i bringt seinen Raub in Sicherheit, ohne an Ansehen besonders einzubüßen. Tie Welt vergißt leicht und schnell — wer kümmert sich nach einigen Jahren noch um den edlen „Volksfreund". Er lebt ruhig und behaglich in seiner, von den Abonnementsgeldern der „Volkspresse" erbauten Villa und lacht über die Dummheit und Leichtgläubigkeit des Volkes, lieber dem Eingänge seines Hauses aber prangt die Inschrift: „Alles für das Volk, alles durch das Volk!" R. T. Der Antisemitismus in der Schule. 11. Was sollen wir nun ttzun k In Nr. 1 dieser Zeitschrift haben unr einige, wie wir weinen, ernste Worte über die traurige Erscheinung gesprochen, welche der Judenhaß in der Schule, der Stätte der friedlichen, der ganzen Menschheit gehörenden Wissenschaft, darbietet. Wir suchten dieser Erscheinung nachzugehen und ihre Ursachen zu beleuchten. Schülern und Lehrern haben wir in gleichem Maße die Schuld daran zuerkennen müssen, daß selbst die geweihten Räume unserer Bildungsstätten von der Krankheit unserer Zeit nicht verschont bleiben. Und doch sollte sich die Rohheit an solche heilige Plätze nicht heranwagen! Wie schön wird uns dies in unserem Buche in der Bibel dargesiellt, durch jene Erzählung, welche berichtet, wie der gehässige Verfolgungsgeist Sauls plötzlich erhellt wird durch den Geist Gottes und er es nicht wagt, die Hand auszustrecken gegen David, der sich in den heiligen Hallen der Prophetenschule befindet kl. Sam. XIX. 23, 241. Ja, in der Schule sollte nur der gute Geist der Erkenntniß herrschen, und nicht der böse Geist der Zwietracht und Feindschaft. Doch es ist ein altes, wahres Wort, daß man mit Gründen der Einsicht unseren Herren Antisemiten nicht kommen kann, denn von ihnen gilt das Wort: Ich sehe das Gute, billige es auch, aber folge dem Schlechten. Und doch werden wir uns die Frage aufwersen müssen, wie könnte man dem Antisemitismus in der Schule kräftig entgegentreten und ihn Niederdrücken? Was sollen wir dazu thun?. In einer Fußnote zu unserem ersten Aufsätze (Nr 1. S. 5.) sagt der Herr Redacteur: Wir sind der Ansicht, daß derlei Vorgänge (antisemitische Ausschreitungen) unbedingt der Vorgesetzten Schulbehörde anzuzeigen sind, und der j ü d i s ch e R e l i g i o n s l e h r e r v e r n a ch l ä s s i g t s e i n e Pflicht, wenn er das verabsäumt. Beschäftigen wir uns nun mit diesem Heilmittel. Die zwei Theile sind in dem Angeführten auseinanderzuhalten: l. die Erstattung der Anzeige. 2. Daß der jüdische Religionslehrer es sei, der die Anzeige der Schulbehörde machen soll. Wir wollen es hier vor allem dahingestellt sein lassen, ob eine Anzeige in einem solchen Falle wirklich Abhilfe von dem Uebel verschafft; daß aber der jüdische Religionslehrer es sei, welcher der Schulbehörde die Anzeige erstatten soll, halten wir für ganz und gar verfehlt. Es ließe sich hören, wenn man sagte, der Religionslehrer möge die Sache seiner religiösen Behörde, dem Cultusvorstande, zurAnzeige bringen, dieser aber solle das Weitere veranlassen. Daß aber der Religionslehrer selbst die Sache zur Kenntniß der Schulbehörde bringe, halten wir für ganz verfehlt. Man stelle sich nur die Lage unserer Religionslehrer an den meisten unserer Schulen vor. Sie führen den Titel Nebenlehrer, werden auch als solche betrachtet, und selbst, wenn sie durch ihre Kenntnisse und ihre Tüchtigkeit im Unterrichte hervorragen und sich die Achtung ihrer Vorgesetzten erringen, selbst wenn sie ihre Autorität nach jeder Richtung hin wahren, nehmen sie eine Sonderstellung ein. Und nun soll der jüdische Religionslehrer gewissermaßen den Anzeiger machen, soll Collegen anklagen und ihnen Schaden zufügen V Dagegen sprechen doch wahrlich nicht nur Gründe der Humanität, sondern auch der — Klugheit. Denn wird den Schülern mosaischen Bekenntnisses durch eine solche Anklage genütztV Wir bezweifeln es wohl mit Recht. Eher wird ihnen geschadet. Und der Religionslehrer selbst steht, wenn nun schon auch die betreffende Person die Rüge von der Schulbehörde erhalten, denn zu einer solchen kommt es in den besten Fällen, als Anzeiger, als Tenuneiant da, — der Haß aber bleibt, ja er wird verstärkt „Ein bitteres Wort macht aufsteigen den Grimm", wie der weise Spruchdichter sagt: Wenig geholfen, i viel geschadet, — das ist der Erfolg einer solchen Anzeige, j Freilich, wenn die Angelegenheit zu bunt wird, dann muß ' er zu diesem äußersten Mittel greifen, in leichteren Fällen I aber wird man wohl anders vorgehen können. Und da ist es! nun freilich der jüdische Religionslehrer, welcher viel thun! kann. Er soll positiv wirken, nicht negativ. Vor allem muß er in den ihm anvertrauten Zöglingen das Bewußtsein der Würde, der Erhabenheit ihrer Religion zu heben trachten. Ta gilt es nun kräftig gegen den Strom schwimmen. Durch Wort und That, in der Schule und im Gotteshause, muß den mosaischen Schülern die Selbstachtung, d. h. die Achtung, die Verehrung vor ihrem Glauben, dem Glauben ihrer Väter eingewurzelt werden. Eine schwierige Aufgabe in unserer Zeit, wo alles sich zusammen gethan, unfern Glauben zu schmähen, zu verspotten, zu verhöhnen und zu beschimpfen. Je schwieriger aber die Aufgabe, desto herrlicher der Sieg, der Erfolg, wenn er errungen wird. Der mosaische Schüler muß von dem Bewußtsein erfüllt sein, daß er in seinem Glauben gar nicht beschimpft werden kann, daß dieser viel zu hoch steht, als daß er von Worten des Hohnes erreicht uud getroffen werden könnte; er muß von dem Gedanken durchdrungen sein, daß derjenige, welcher den mosaischen Glauben höhnt, seinen eigenen Glauben verspottet. Der Religionslehrer muß die ihm anvertraute Jugend dazu anletten, daß j sie durch die alten Tugenden, welche unsere Geschichte und | Vergangenheit uns so glänzend vorführt, sich immer aus-! zeichne, und ein weihevoller, begeisterter Geschichtsunterricht,! ein Eindringen in das Verftündniß unserer heiligen Schriften > wird dies wohl erzielen können. Ter sich Selbftachtende aber I wird sich auch die Achtung anderer abringen. Und wieder! ist es da der jüdische Religionslehrer, welcher sehr viel dazu thun kann. Er muß durch sein ganzes Wesen, durch die Art des Unterrichtes, durch pädagogisch richtiges Vorgehen, durch ein stark hervortretendes Selbstbewußsein, durch Charakterfestigkeit und Unbeugsamkeit, die Würde seines Standes zu wahren wissen, seiner Stellung und der Religionsgenoffenschaft, welche er vertritt, die ihr gebührende Achtung bei den Vorgesetzten Behörden zu gewinnen verstehen und die Schätzung von Seite seines andersgläubigen Amtsgenoffen wird dann von selbst sich einstellen. Wir halten es jedoch für sehr angezeigt, wenn der jüdische Religionslehrer, falls ihm die Anklage wegen irgend einer antisemitischen Ausschreitung, sei es nun eines Schülers oder Lehrers, erstattet wird, sich mit dem betreffenden Lehrer selbst über die Sache auseinandersetzt und zeigt, daß wir, obwohl wir nicht täglich darauf herumreiten, Haß zu besiegen wissen durch Liebe. „Ja, ein bitteres Wort macht aufsteigen den Zorn, aber eine sanfte Antwort macht schwinden den Grimm." Man kann so wirklich viel erzielen: ein kleiner Hinweis, wie unangenehm das Eingreifen der Schulbehörde werden könnte, hat, mit sanftem Nachdruck gegeben, in solchem Falle schon oft bei Manchen Wunder gewirkr. Auf die jugend-

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