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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-23 · 4 (23.1.1891) · p. Seite 72

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
4 (23.1.1891)
Date
1891-01-23
Page
Seite 72 (sequence 18)
Language
German
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Hesterreichrfche Kochmsihrkst Nr. 4. Seite 72 Doch sende Unheil ihm zum Lohne, Wird bald sein Gottverrath Dir kund." Zur Prüfung, ob er werd' das Böse meiden, Ward Hiob drauf versucht mit schwerem Leiden. Des Sängers Aug' durchdrang der Zukunft Schleier, Das Schicksal seines Volks hat er erspürt, — Ein Schmerzenston entströmte seiner Leier — Des Leidens dorn'gen Pfad sah er's geführt, Er sah des Glaubenshasses Feuer Mit Teufelseifer wild geschürt. Er hat im Lied beim Dulden uns gewiesen, Zu rufen demuthvoll: „Gott sei gepriesen!" Ja, Hiobs Los ist Juda zugefallen. Bon Ort zu Ort gehetzt, ein scheues Reh, In dem Genick schon des Verfolgers Krallen, So flohn wir ruhelos des Feindes Näh.' Vertrieben aus der Menschheit Hallen, Wen wundert's, daß in heißem Weh Ein bang „Warum?" sich oft der Brust entrang, Ein Klageruf sich auf zum Himmel schwang? Von Pharao bis zu den jüngsten Jahren Ward eine Schmerzenskette uns gefügt. Erreicht ward so, daß wir uns fester schaaren, Gewiß, daß unser Sieg in Gott nur liegt: Sowie das Kind in den Gefahren Sich enger an den Vater schmiegt. Geduld! Bald wird die herbe Prüfung enden, Wie Hiobs Schicksal, sich das unf're wenden! Weber de« Erfurter Maler u«d Kunstgelehrte« Manaste W«ger. Von Dr. Albert Pick. (Fortsetzung.) Wir stehen an der Schwelle von U n g e r s Jünglingsjahren, ja, wir haben sie eigentlich schon überschritten, und nun ist es Zeit die vorhin vertagte Frage wieder aufzunehmen, weshalb unser Landsmann, als er im Greisenalter seine Jugendgeschichte mit flüchtigen Zügen entwarf, dieselbe „S e m i d a s Kinderjahre" genannt habe. Der Name taucht in Ungers literarischer Thätigkeit hier nicht zum ersten Male auf, denn dieses Büchlein ist nur eine Ergänzung zu seiner im Jahre 1843 erschienenen Künstlernovelle „S e m i d a, der Selbstdenker."*) Dieses Buch stand mir nicht zur Verfügung, weil es vergriffen ist; ich muß mich deshalb auf die Wiedergabe von Lucäs Charakterisirung desselben beschränken. Nach deffen Angabe schildert der Verfaffer in der Form einer kleinen, aus einzelnen Episoden lose zusammenhängenden Erzählung sich s e l b st a l s M a n n in seinem Verhältnisse zum Leben im Allgemeinen und zur Kunst im Besonderen. Jener Freund behauptet, daß manche von den Eigenthümlichkeiten, welche an dem trotz seines sprudelnden Humors immerhin verschlossenen Originalmenschen Räthsel geblieben seien, durch die Lectüre dieses Buches einigermaßen erklärt würden. Das Pseudonym „Semida" ist nicht von U n g e r erdacht. Im vierten Gesänge von Klopstocks Messias, und zwar nicht in der allerersten Ausgabe, sondern in den späteren Fassungen, erscheint ein Jüngling mit Namen Semida, und diesen Namen hat nach Boxbergers**) Bersich wung K l o p st o ck selbst erfunden. Der genannte Jüngling wird als derjenige dargestellt, welcher der Schrift zufolge bei Rain durch den Messias aufgeweckt worden ist. Er ist in edler Liebe entbrannt zur sittsamen Cidli, die als die Tochter des Jairus eine gleiche wunderbare Lebensrettung erfahren hat. Diese Liebe ist völlig aussichtslos, da Cidli, die so unerwartet dem Leben wiedergeschenkte, von ihrer frommen Mutter durch ein Gelübde zur ewigen *) Leipzig, bei Hermann S ch u l tz e. **) Klopstocks Werke, herausgegeben von R. Boxberger; Berlin, G. Hempel, S. 151 ff. Jungfräulichkeit bestimmt ist. Deshalb ist Semidas Herz voll Bitterkeit. Er ruft aus: „Warum bin ich's allein, der, ungeliebet, auf ewig liebt? Was erhebt sich mein Herz auch über die edelsten Herzen, groß und elend zu sein? — — — — — — — — — — — — Wie hat — der Schmerz — — — — — — — — — — — — — — — — — — — meinen blühenden Jahren Ihre Krone geraubt und das Antlitz der lächelnden Freude. Vor dem Verlassensten unter den Menschen auf ewig verborgen!" — — Wahrlich, der Name, welchen Unger aus der Klopstock'schen Dichtung für sich entlehnt hat, gestattet uns einen tiefen Blick in das wunde Gemüth dieses immer unvermählt gebliebenen Künstlers, welcher in seinen letztwilligen Verfügungen auch den Namen seiner durch die Verhältnisse von ihm fern gehaltenen und fern von ihm alt gewordenen Braut — (Lilli Jungwirths — der Nachwelt überliefert hat. Zu feinem Lebensberufe wählte Unger die B a u k u n st und bestand — nach Lucäs Angabe — in Berlin sein Geometerexamen gleichzeitig mit seinem Jugendfreunde, dem späteren Oberbaurath Söller, dessen Name in der Benennung des von ihm in Erfurt gegründeten und heute noch bestehenden Gesangvereins in unserer Stadt fortlebt. Bis zu Söllers im Jahre 1853 erfolgtem Tode standen beide Freunde in engstem Verkehr; ja das Geschick führte sie sogar einmal fern von der Heimat, in Venedig, zusammen. — Unter den Männern, welche für unfern Landsmann in Berlin warme Theilnahme zeigten, befand sich auch der bekannte Generalpostmeister Nagler. — Da Unger der Landeskirche nicht angehörte, blieb ihm die weitere Laufbahn in seinem Berufe verschlossen. So wurde er Maler. Als er nach dem Tode seines Vaters Protestant geworden, und ihm nun der früher betretene Weg wieder offen war, hatte er mittlerweile seine Kunst so liebgewonnen, daß er das weitere Studium des Baufaches aufgab. Er blieb Maler: aber, einige Porträts ausgenommen, hat er wohl nichts Dauerndes geschaffen. Erwähnt sei von diesem hier nur das Bild einer gluthäugigen Italienerin, welche er, in Anlehnung an eine Hauptperson seiner dramatischen Dichtung „Künstler und Fürst", Zaffetta nannte. Schon in den vierziger Jahren kam er zu der Ueberzeugung, daß seine Erkenntniß seinem künstlerischen Können voraus war, und seit der Zeit war seine hauptsächlichste Thätigkeit der Forschung in der Kunst gewidmet. Durch ausgedehnte Reisen erweiterte er feinen geistigen Gesichtskreis. Zunächst ermöglichte es ihm ein ihm von Seiten des Staates zur Verfügung gestelltes Reisestipendium, mehrere Monate in Italien zu verweilen. Diese Reise fällt in die letzten Wochen des Jahres 1844 und in das erste Halbjahr 1845. In einem „Venedig, den 22. Januar 1845" datirten Brief, welcher an seinen Bruder, den Dr. E. S. U n g e r in Erfurt, gerichtet ist, beklagt er sich zunächst bitter über eine gewisse einflußreiche Persönlichkeit aus dem Kreise der Berliner Kunstgelehrten, welche einen von Unger selbst nach Deutschland geschickten, unzweifelhaft echten Tizian für ein Werk des B o n i f a c i o erklärt und dadurch die Erwerbung desselben seitens der Verwaltung der königlichen Gemäldegalerie verhindert hätte. „Das Bild ist echt wie Gold," schreibt er. „Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, daß das Werk nicht für unser Museum erworben wird. Wer imstande ist, den Bonifacio mit dem Tizian zu verwechseln, der hat den Tizian nie verstanden." — Dem erwähnten Schreiben zufolge beabsichtigte er, von Venedig nach Ferrara, von da nach Bologna und Florenz zu reisen, von wo er die Heimreise antreten wollte. Mit schwerem Herzen erklärte er, daß er aus Mangel an Mitteln auf die Reise nach Rom verzichten müsse; im übrigen aber gibt er die Versicherung, daß die Reise eines Kunstverständigen in Italien eine höchst anstrengende Arbeit sei, die einem noch durch die unersättliche Habsucht der Menschen in diesem Lande bedeutend erschwert werde. Ein weiterer Brief an den Bruder aus Wien vom 4. Mai 1845 meldet triumphirend, daß er das unglaublich Scheinende möglich gemacht habe und neun Wochen in Rom gewesen sei. Freilich wandelte er nicht ungestraft auf classischem Boaen. Es ergriff ihn eine leichte Erkrankung, welche damals in schwerer Form fast alle dort weilenden Fremden befallen hatte; aber doch nahm er dort beim Anschauen der vielen Kunstschätze Eindrücke in sich auf, die für sein ganzes Leben vorhielten. Tiefe Wehmuth freilich ergriff sein Künstlerherz, als er in

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