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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-23 · 4 (23.1.1891) · p. Seite 70

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
4 (23.1.1891)
Date
1891-01-23
Page
Seite 70 (sequence 16)
Language
German
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Sette 70 Hesterreichifche Wochenschrift ^fr. 4. kräftig auf die Juden, die an allem Uebel in der Welt und speciell in Deutschland schuld seien. Was die „Deutsch-sociale antisemitische Partei" anstrebt, ist laut den von ihr ausgegebenen „Grundsätzen" nichts anderes, als die „Aufhebung der Gleichberechtigung und die Stellung der Inden unter Fremdenrecht in Deutschland." IrimKfnrt a. M. Wie man der „Frkf. Ztg." aus Heffen-Darmstadt meldet, hat Ober-Staatsanwalt Schlippe jüngst ein Ausschreiben an die Staatsanwaltschaften und die Amtsanwälte in Hessen ergehen lassen, in welchem diese Behörden angewiesen, werden, in allen Strafsachen antisemitischen A nst ri ch s, in denen Israeliten als beleidigte Privatkläger austreten, wegen des anzunehmenden öffentlichen Interesses die Strafverfolgung der bezüglichen Klagen selbst in die Hand zu nehmen. 'Mosen. Ein merkwürdiges Zusammentreffen freudiger Familienfeste ereignete sich in Ostrowa (Provinz Posen) in der Familie des Herrn Moses K o l l o m a n n. Am 7. Jänner feierten Moses Kollomann und seine Frau ihre goldene Hochzeit und gleichzeitig den Geburtstag des Jubilars. Am selben Tage verlobte sich ihr jüngster Sohn mit ihrer ältesten Enkelin und kam in Pittsburg (Amerika) ihr jüngstes Enkelkind zur Welt. Das greise Paar erhielt ein Gratnlationsschreiben vom Kaiser nebst der Ehejubiläumsmedaille und wurde von dem Gemeinden orstande, Corporationen und vielen Freunden beglückivünscht. London. Die Herren F Bar nett & C o m p., Koscher-Fleischhauer und Geflügelhändler, Middlesex Street, Aldgate, schickten im Allerhöchsten Aufträge an das königliche Hosttichenamt das Lendenstück eines auf den Besitzungen Ihrer Majestät gezüchteten Preisrindes, welches von dem Herrn Bar nett bei der letzten Viehschau erworben wurde. Das Lendenstück kam nach Osborne mit dem unversehrten Siegel des Schochets. Das ist vielleicht der erste Fall, daß Koscherfleisch für Ihre Majestät geliefert wird. Maris. Dr. Jules Oppert, welcher im Jahre 1887 zum Mitgliede der Academfe des Inscriptions et Beiles Lettres, einer der Abtheilungen des Institut de France, gewählt wurde, wurde zum Präsidenten dieser Akademie ernannt, welche Ehre derselbe seinen hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Assyriologie zu verdanken hat. Dr. Oppert ist bekanntlich eines der leitenden Mitglieder des Orientalistencongresses, welcher im September d. I. in London abgehalten werden wird. Weniger bekannt dürste sein, daß derselbe ein direkter Nachkomme von Samuel Oppenheimer ist, welcher als Hoffactor des Kaisers Leopold I. gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Wien lebte. Amsterdam. Die verschiedenen Provinzen Hollands haben Ober-Meoicinalräthe, welche die Oberaufsicht über den öffentlichen Gesundheitszustand führen. Als in jüngster Zeit mehrere Vakanzen ausgefüllt werden mußten, wurden durch königliches Decret auch folgende Glaubensgenossen ernannt: Herr Dr. Kayserling in Leewarden für Friesland und Groningen, Herr Prof. Dr. S t o ck v i s in Amsterdam für Nordholland und Herr Dr. D. Cohen in Assen für Oberyssel und Drenthe. — Herr Dr. Ch. Ali C o h e n in Groningen wurde zum Secretär des Medicinalraths für Friesland und Groningen ernannt. Manchester. Einflußreiche Persönlichkeiten lassen ein Gesuch an den Lordmayor zur Unterschrift circuliren, in welchem um Abhaltung eines Protestmectings gegen die Verfolgung der Juden in Rußland gebeten wird. Als erster Sprecher wird der Bischof von Manchester erscheinen; auch der Earl von Derby hat sein Erscheinen in Aussicht gestellt. chivrattar. Mr. M. A. Serfaty wurde zum fünften Male zum Obmanne der Sanitätscommission gewählt Jerusalem. Unser Glaubensgenosse Dr. G. d'Arbella wurde zum Consul der Niederlande für Jerusalem ernannt und dieser Tage vom Generalkonsul von Beyrut, welcher zu diesem Ende hierher kam, installirt. Dr. d'A r b e l l a kam vor etwa fünf Jahren nach Jerusalem, war durch etwa zwei Jahre Arzt in der Colonie Rischon le Zion unter dem Patronate des Baron Edmund von Rothschild und kam dann an Stelle des Dr. Schwarz au das Rothschildspital in Jerusalem. — Es ist nunmehr Vorkehrung getroffen, daß arme Juden im Falle von Erkrankung, nicht mehr — wie bisher — den Missionären in die Hände fallen müssen. Ein jüdischer Arzt hat sich außerhalb der Thore der Stadt niedergelassen und ein zweiter, Dr. Wallach, wurde eben von Amsterdam hergeschickt, um in der Stadt zu prakticiren; drei andere jüdische Aerzte aus Deutschland sind unterwegs und werden sich gleichfalls in Jerusalem niederlassen. Jerusalem. Der neue Gouverneur von Jerusalem, Ibrahim Pascha, stattete dem Chacham Baschi einen Besuch ab und versicherte demselben, daß er den Juden wohlwollend gesinnt sei. — In Galiläa ist eine jüdische Ackerbau-Colonie im Entstehen. Ein großes Stück Land wurde vor mehreren Jahren von einem reichen Einwanderer angekauft, welcher jetzt dasselbe in Abtheilungen gegen einen billigen Zins verpachtet. Der Boden wird als sehr fruchtbar gerühmt. Fanrilienblatt. Wochen- Jänner 1891 Cch'wath 5651 Kalender Freitag 23 14 Samstag 24 15 Sonntag 25 16 Montag 26 17 Dienstag 27 18 Mittwoch 28 19 Donnerstag 29 20 Freitag 30 21 Der sterbende Musikant. *) Von E. Birnb au m. In einem kleinen Zimmerchen liegt Machel im Sterben, der in der ganzen Gegend bekannte Geiger, der Führer der weit gepriesenen, aus seinen sechs Söhnen bestehenden Kapelle. Der Kranke liegt schon lange so und ist furchtbar abgemagert, kaum einem Skelet ähnlich. In tiefem Schweigen stehen an der mit musikalischen Instrumenten bedeckten Wand seine Söhne. Sie reden kein Wort, sie wissen ja Alles genau, denn der Arzt und sogar der Barbier hatten keine Hilfe für den Kranken mehr, und als auch der zur letzten Untersuchung berufene Ruwin von Hekdesch dasselbe bestätigte, hegten auch sie keine Hoffnung mehr. Es ist also über nichts nachzudenken, denn der Kranke hinterläßt kein Vermögen, es bleibt nur die Mutter, welche sich kärglich wird ernähren müssen. Die Chewra Kadischa wird dem Todten ein Sterbehemd, einen Platz aus dem Friedhofe und sogar dem Todlengräber ein Trinkgeld geben. Die Todesstille wird nur von Zeit zu Zeit durch eine springende Saite, oder durch das Weinen Mirels, die Frau des sterbenden Musi- . kanten, unterbrochen, Nur sie kann sich nicht mit dem Gedanken versöhnen , daß der liebe Gott sich nicht erbitten läßt. Es wird keine Hochzeit mehr in der Khille geben, wimmerte sie, zu Grunde werden die Tänze mit der Kalle (Braut) gehen, und Niemand wird beim Elmole-Rachmim (Gebet für die Todten) mehr die Leute zu Thränen rühren. Kein Mensch wird so tanzen, singen und weinen können. Und sie soll ihren Mann verlieren! So viel hat sie gelitten, so vielmal hat er sie verrathen, und nun er endlich zu ihr zurückgekommen, soll ihr *) Aus der Sammlung jüdischer Novellen im Jargon von Leon Peretz. (Allg. Ztg. d. Judenthums.)

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