Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 4 (23.1.1891)
- Date
- 1891-01-23
- Page
- Seite 69 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Hesterreichische Wochenschrift Seile 69 verschweigt jedoch in tendenziöser Weise, daß dieses Resultat nur mit Hilfe der jüdischen K amm erw äh l e r erzielt werden konnte, derselben jüdischen Wähler, welche von Czechen, nicht weniger aber auch von Deutschen in rüdester Weise behandelt und mit dem Rufe: „K a u f t nur bei C h r i st e n" auf die Proscriptionsliste gestellt werden. Es ist leider eine nicht wegzuleugnende Thatsache, daß die Juden in Folge der forcirten Nationalitätenhetze in ihrem Erwerbs- und Nahrungszweige empfindlich beeiuträchtigt werden. Bei den Deutschen finden sie für ihr Einstehen um das Deutschthum nicht den mindesten Dank und von den Czechen werden sie als nationale Gegner boycottirt. Es erweist sich deshalb die Nothwendigkeit dringend heraus, daß die Juden eine mehr neutrale Stellung einnehmen sollen, wollen sie nicht in ihrer Existenz bedroht und gefährdet erscheinen. Wien. Der akademische Verein „Kadimah" veranstaltete in Hernfeld's Loealitäten am 17. d. M. einen Geselligkeitsabend, der sowohl von der Studentenschaft als auch von den älteren Herren sehr zahlreich besucht war. Den Glanzpunkt des Abends bildete ein Vortrag des Herrn D. L ö w y über „die Geschichte der Juden in England." Redner veranlagte zur historischen Würdigung hauptsächlich die jüngste Manifestation der Londoner Bürgerschaft für die russischen Inden. Die gründliche und geistre che Darstellung der geschichtlichen Vorgänge wurde mit begeistertem Beisalle ausgenommen. Der weitere Verlauf des Abends gesellte sich zu einem geistig sehr anregenden und wollen wir die von den Anwesenden mit großem Beifalle aufgenommene Rede des Vereinspräsidentm Herrn Drd. Med. Max R o s e n t h a l hervorheben Den Abend beschloß ein lustiger Commers. Drd. Albert Schwarm. Wien. Der jüngst verstorbene Oberbeamte der Assecuranzgesellschaft „Donau", Herr Eugen Zakowski (Christ), testirte den beiden Kindern seines jüdischen Quartiergebers Herrn Ignaz Rosenberg, aus Dankbarkeit für die ihm während seiner Krankheit zutheil gewordene aufmerksame Pflege je 5000 Gulden. Wien. Am 8. d. M. hielt der Kranken-Unterstützungsverein seine zehnjährige Gründungsfeier. Bei dieser Gelegenheit wurden 12 arme Kinder bekleidet. Der Schriftführer, Herr Moriz Rosen bl att, Beamter des Wiener Giro- und Cassenvereines, hielt die Festrede, die beifällig ausgenommen wurde. Der Obmann, Herr S. Neumann, und die Herren Leopold G r ü n w al d, L e v i n g e r und Rubinst ein stehen seit l0 Jahren an der Spitze des Vereines und fördern denselben mit ihren besten Kräften. Außer diesen Männern haben die Herren Adolf Schramek, Doctor Rappaport, S. K auders, M. Knöpfelmacher und Michael Sonnenschein sich um den Kranken-Unterstützungsverein sehr verdient gemacht. Wien. Fräulein Emilie Dub, Tochter des Bauunternehmers und Großgrundbesitzers Herrn Albert Dub, hat sich mit Herrn Dr. Franz von Portheim in Prag vermählt. Herr Dr. Leopold W e i n s b e r g ist laut Verfügung vom 4. Jänner in seiner Eigenschaft als k. und k. Feldrabbiner, dem Generalkommando der I. Armee zugewiesen worden. Budapest. Die meisten israelitischen Cultusgemeinden Ungarns spenden dem Lordmayer von London Dankadressen für sein reges Eintreten für die russischen Juden. Wrody. Am l i. d. M. wird die israelitische Volksschule in feierlicher Weise den Tag begehen an welchem Herr Kammersecretär Herzberg-Fränkel vor 25 Jahren das Amt eines Schulinspectors übernahm, wozu seitens der Direction und des Lehrkörpers Vorbereitungen getroffen werden. Herr Herzberg-Fränkel wird anfangs März d. I. nach 35 Dienstjahren sein Amt als Secretär der Brodyer Handels- und Gewerbekammer zurücklegen. Kolomea. Fräulein Henr iette Marm orosch, Tochter des Herrn Josef Marmorosch in Kolomea, hat sich mit dem Advocaten Salomon Berger in M arm. Szig et verlobt. Lemberg. Die hiesige israelitische Cultnsgemeinde und die galizische Judenheit überhaupt haben einen schweren Verlust erlitten. Herr O b e r r a b b i n e r E t ti n g e r ist am 16. d. M. nach langem, schweren Leiden zu seinen Vätern heimberufen worden. E t t i n g e r war der Sohn einer uralten berühmten Rabbinerfamilie aus deren Mitte zahlreiche Celebritäten dem Judenthume erwachsen sind. Er selber war ein Mann von hoher talmudischer Gelehrsamkeit, von strengster Frömmigkeit und genoß wegen seines persönlichen Charakters im ganzen Königreiche Galizien eine hohe Verehrung. Ein wohlhabender Manu, hat er sein Amt nicht als milchende Kuh ausgenützt; er lebte jahrelang als Privatmann und pflegte seine Lieblingsstudien, ohne nach einem Amte zu trachten. Nach dem Tode Q r n st e i n s wurde er von der Lemberger Gemeinde zum Oberrabbiner berufen, doch verzichtete er auf den Gehalt. Sein Tod reißt eine Lucke, die schwer auszufüllen sein wird. Friede seiner Asche! Rawilsch, 10. Jänner. Herr Kreisphysicus Dr. A d a mk i e w i c z ist zum Geheimen S a n i t ä t s r a t h ernannt worden. Vncareü. In der Sitzung des Senates vom 26. December stellte Schendrea, ein Mitglied der nationalliberalen Partei, an die Regierung die Anfrage, ob dieselbe beabsichtige. Maßnahmen an der Grenze zu treffen, um das Eindringen von aus Rußland vertriebenen Juden zu verhüten. Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Adreßdebatte verweigerte der Premierminister eine Discnsfion über diese Angelegenheit. — Schendera beabsichtigt dieselbe in Form eines Antrages neuerlich vorzubringen. — Der Senat hat mit 52 gegen 2 Stimmen das Rationalisationsgesuch des Professors S a i n e a n u zurückgewiesen. S a i n e a n u in Rumänien geboren, ist eine der bedeutendsten Autoritäten auf dem Gebiete rumänischer Philologie und versieht die Lehrkanzel für dieses Fach an der Universität von Bucarest. Äswiecim, 16. Jänner. Bor einigen Tagen wurde hier Herr Heinrich Thieberg zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene hat sich um unsere Stadt überaus verdient gemacht. Herr Thieberg, welcher ein Alter von 64 Jahren erreichte, war viele Jahre Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultnsgemeinde, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes und Ehrenbürger der Stadt. Die zahlreiche Betheiligung am Leichenbegängnisse, im Besondern alle Beamten ohne Unterschied der Confession, gab ein ehrendes Zeugniß für die Beliebheit ab, welche, der theure Verblichene sich überall und immer erfreute. Ans Nah und Fern waren Bauern- Deputationen mit ihren Richtern an der Spitze zur Beerdigung erschienen. Unser Rabbiner Herr Abraham Schnur hielt an der Bahre dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf, der die zahlreichen Trauergäste zu Thränen rührte. Der soeben vollendete Umbau unseres Tempels ist zum größten Theile ein Verdienst des Heimgegangenen S. Ko bl er. Wertin, 12. Jänner. Herr Sanitätsrath Doctor I. B l u m e n t h a l ist von der Königin-Regentin von Spanien mit dem Commandeur-Kreuz des Ordens Jsabella der Katholischen ausgezeichnet worden. Darmkadi, 12. Jänner. Der dritte Ausschuß der zweiten Kammer hat beantragt, die Wahl des Antisemiten Köhler für ungiltig zu erklären, da bei ihr verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Stuttgart, 8. Jänner. Die seither im Dunkeln arbeitende „Deutsch-sociale antisemitische Partei" ist gestern zum erftenmale öffentlich hervorgetreten. In einer meist von halberwachsenen Burschen besuchten Versammlung hielt Redacteur G ü t t i n g e r, ehemals Redacteur des Handelstheiles der entschlafenen „Landeszeitung". eine Hetzrede niedrigster Art; dann schimpfte ein ' sich „Schriftsteller" nennender B. H. W e l ck e r nicht minder