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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-23 · 4 (23.1.1891) · p. Seite 68

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
4 (23.1.1891)
Date
1891-01-23
Page
Seite 68 (sequence 14)
Language
German
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Seite 68 Gesterreichische Wochenschrift Nr. 4 anderen Völker, diese schließlich nöthigend, das, was plebejisch in ihm ist, zu bekämpfen, was sie dann wieder als einen verletzenden Angriff auf das gesammte Judenthum empfinden." „Ja", sagte der Fürst, „die Juden sind eben die allerzäheste Race, zäher als die Polen." Werki«. Eine interessante Mittheilnng, die der „Allg. Ztg." aus Berlin zugeht, gipfelt darin, daß der Urheber der vor einiger Zeit wiederholt aufgetanchten Gerüchte über eine mißliche Lage des königlichen Hausvermögens — Herr Stöcker gewesen sei und daß seine Entlassung mit diesem Umstand in unmittelbarem Zusammenhang stehe. Die betreffende Mittheilung lautet: „Woher vor einiger Zeit die Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten in der Verwaltung des königlichen Hausvermögens entstanden waren, war bis jetzt unaufgeklärt geblieben. Thatsächlich waren in der Reichshauptstadt allerlei Angaben von Mund zu Mund gegangen und hatten manchen Gläubigen gefunden, obgleich niemand zu sagen wußte, aus welchen Ursachen die angeblichen Verlegenheiten enfftanden waren. Die höchsten Würdenträger, welche die Sache anging, vor allen der preußische Ministerpräsident und der Minister des königlichen Hauses, konnten leicht die gänzliche Grundlosigkeit der Gerüchte feststellen und nach den bestimmten authentischen Mittheilungen, welche namentlich an Abgeordnete gelangten, verbreitete sich allgemein die Einsicht, daß nichts weiter vorlag, als eine schmähliche Klatscherei. Derartige mystische Andeutungen, aus denen sich das Gerücht zusammensetzte, finden immer auf ihrem weiteren Laus auch phantasievolle Erklärer, die vollends das Unglaubliche möglich machen, und so war auch die Behebung der angeblichen Verlegenheiten des Kronvermögens mit politischen Tagesereignissen in Verbindung gebracht worden. Dem Kaiser selbst sind diese häßlichen Dinge nicht verborgen geblieben. So tief ihn auch die Sache berüdren mußte, so hat er doch jüngst Gelegenheit genommen, offen vor einem größeren Kreise mit erhabenem Freimuthe sich zu äußern. Wir tragen kein Bedenken zu sagen, daß Seine Majestet eine Geschichte erzählte, weshalb der Hofprediger Stöcker seine Entlassung erhielt, eben die erdichtete Geschichte, in der S t ö ck e r als das Opfer der allmächttgen Großfinanz erscheint." Hieße«, 9. Jänner. Samstag den 3., Nacht 12 Uhr, bettaten zwei als durchaus ehrenwerth bekannte Leute, ein Christ und ein Jude, das Seitenzimmer des Cafe Hetler und ließen sich an einem leeren Tische nieder. Außer ihnen befanden sich in dem Raume noch drei Corpsstudenten und ein Forstaccessist, die ohne jede Veranlassung die letztgenannten zu hänseln (aufzureizen) begannen. Aeußerungen wie: „Kerle saufen nur Wasser", „müssen die Kerle 'rausekeln", „werft doch die Judenbuben 'raus" u. s. w., fi-len, ohne von der Gegenseite, die augenscheinlich jeden Auftritt vermeiden wollte, beachtet zu werden. Schließlich erhob sich einer dieser vielversprechenden Jünglinge und faßte, nachdem er die zum Hauptraume führende Thür geschlossen und eine andere geöffnet hatte, den einen der beiden Herren mit dem Ausruf an der Brust: „Junger Mann, wollen Sie gutwillig hinausgehen?" Bei der sich jetzt naturgemäß entwickelnden Prügelei (4 gegen 2) wurde sogar von dem Hirschfänger des Forstaccesisten Gebrauch gemacht. Es muß hervorgehoben werden, daß weder irgend einer der im Hauptraume zahlreich anwesenden Gäste, noch der Wirth den Angegriffenen, von denen der eine aus einer Kopfwunde stark blutete, zur Hilfe kam. Die Polizei beendete den Kampf und es wird diese ttaurige Affaire noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Gaffet, 12. Jänner. Eine in Hinsicht auf die B etheiligung protestantischer Geistlicher a.n der autisemitischenHetze nicht uninteressante Sache kam hier zur Verhandlung Als Privaikläger trat auf der israelitische Lehrer Heinemann aus Nieder- Weisel bei Butzbach, vertreten durch Rechtsanwalt Grünewald-Gießen. Beschuldigter war Redacteur Föbus- Kassel, dessen Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. I o u v e n a l. Gegenstand der Klage, die sich gegen F ö b u s als den verantwortlichen Leiter des „Kasseler Sonntagsblatt" richtete, bildete ein in diesem Organe im Juni v. I mit der Ueberschrift: „Hie Geld — hie Jud!" erschienener Artikel, der sich mit der Person des Privatklägers und einem Feste beschäftigte, das die Gemeinde demselben anläßlich seiner fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit als Lehrer veranstaltet hatte. Dem als Schächter, Winkeladvocat rc bezeichnten Privatkläger wurde vorgeworfen, er sei noch gar keine 25 Jahre Lehrer gewesen, der Hunger nach Ehren und — Geschenken habe ihn aber veranlaßt, das Fest zu feiern, Geld und Ehre seien überhaupt die Ideale der Semiten. Dann verbreitete sich der Artikel in hämischer Art über die Erwartungen, die angeblich seitens der Betheiligten wegen Ankunft eines Ordens vom Großherzog und über die Theilnahme der Behörden an dem Feste gehegt worden seien. Der Anwalt des Angeklagten beanttagte die Vernehmung des Pfarrers Bernhardt in Nieder-Weisel zum Beweise der Wahrheit der dem Privatkläger nachgeredeten Thatsachen. Der Anwalt stellte dem Redacteur anheim, den Einsender des Artikels zu nennen, dann solle gegen diesen vorgegangen und die Klage gegen den Redacteur fallen gelassen werden. Es sei nicht honett, daß der Einsender den Redacteur in der Klemme stecken lassen wolle. Der Richtigkeit dieses Hinweises konnte sich auch der Angeklagte und sein Anwalt nicht verschließen, und so kam denn ein Vergleich dahin zustande, daß Herr F ö b u s als Verfasser und Einsender des Artikels zwei oberhessischeGeistliche, Pfarrer Bernhardt in Nieder-Weisel und Pfarrer B u t t r o n in Brauerschwend bezeichnete, das Manuscript an Rechtsanwalt Grünewald auslieferte, sich zur Aufnahme einer Erklärung in sein Blatt verpflichtete und die Kosten übernahm. Der Beleidigte will nunmehr gegen die beiden Geistlichen gerichtlich Vorgehen. Vermischtes. Wien. (Oesterreichisch-israelitische Union). Samstag den 24. d M, 7 Uhr Abends, findet im Restaurant Khune r, I., Börsegasse 14, eine Vereinsversammlung statt. Wie«. (Eine Spende für die Armen Wien s.) Baron Albert Rothschild hat gestern mit Rücksicht auf den harten Winter dem Bürgermeister die Summe von zehntausend Gulden zur Verwendung für Arme ohne Unterschied der Confession übersendet. Die Vertheilung wurde dem Ermessen des Bürgermeisters überlassen, welcher diesen Bettag sofort den Armeninstituten der zehn Bezirke Wiens in entsprechenden Quoten überwiesen hat. Wien. (Antisemitische Moral und Corruption.) Die sogenannten Kandelschänken, beziehentlich die Licenz zum Verschleiße von Spirituosen befinden sich bekanntlich in einem numerus clausus, repräsentiren daher einen Werth von 15- bis 20.000 Gulden. Um nun die Licenz zu einem außerhalb des numerus clausus stehenden Kandelschank zu erlangen, ließ der Jude H. durch den Advocaten und antisemitischen Gemeinderath Dr. K u p k a ein Gesuch um Verleihung verfassen. Um diesem Gesuche mehr Nachdruck zu verleihen, ließ es sich Dr. K u p k a der Mühe nicht verdrießen, persönlich bei sämmtlichen Magisttatsräthen um Bewilligung dieser Licenz vorzusprechen, darunter auch bei Dr. Kronawetter, seinem bestgehaßten Politischen Antipoden. Trotz dieser persönlichen Intervention wurde, wie zu erwarten war, das betreffende Gesuch im Plenum des Magistrates e i n st i m m i g abgelehnt. Und die „Moral" dieser Affaire? Wie«. Das anttsemitische „Deutsche Volksblatt" berichtet mit großer Befriedigung, daß bei den jüngst stattgefundenen Wahlen, die deutschen Candidaten in der Olmützer Handelskammer mit großer Mehrheit durchgedrungen sind.

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