Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-23 · 4 (23.1.1891) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
4 (23.1.1891)
Date
1891-01-23
Page
Seite 67 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020852--00074-3024044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rr. 4 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 67 weiß, erscheint uns ganz unzweifelhaft und wir sind fest überzeugt, daß dieser Mißstand nun auch bald abgeschafft werden wird. Irischen a. K., 20. Jänner 1891. Geehrter Herr Redacteur! Von befreundeter Seite erhalten wir die Mittheilung, daß unsere Firma in Nr. 2 Ihres geschätzten Blattes vom 9. Jänner a. c. als eine antisemitische bezeichnet ist. Ohne uns deshalb mit Ihrem wahrscheinlich durch ein plumpes Concurrenzmanöver absichtlich irregesiihrten Correspondenten in eine Polemik einzulassen, gestatten wir uns dieser Behauptung die einfachen Thatsachen gegenüberzustellen, daß unser seit mehr als zehn Jahren bewährter treuerMitarbeiter undGeschüftsl e i t e r, H e r r Josef E i s n e r, I s r a e l i t i st und daß ein zweiter Vertrauensposten in unserem Hause ebenfalls von einem Herrn israelitischer Confession bekleidet wird, welche Thatsachen den uns angedichteten Antisemitismus gewiß am besten widerlegen. Wir nehmen im klebrigen keinen Anstand, bei dieser Gelegenheit öffentlich zu erklären, daß wir alle antisemitischen Tendenzen perhorresciren und, indem wir Ew. Wohlgeboren noch für die Anerkennung unserer Solidität danken, bitten wir, vorstehende Richtigstellung gütigst in der nächsten Nummer Ihres werthen Blattes veröffentlichen zu wollen. Genehmigen Ew. Wohlgeboren den Ausdruck unserer Hochachtung, womit wir zeichnen Julius Kurz halß & Co. Wroßnitz, 15. Jänner. (Orig. Cor.) Der rühmlichst bekannte Reichsrathsabgeordnete und Superintendent der protestantischen Kirche in Mähren und Schlesien, Herr Dr. Theodor H a a s e aus Teschen, traf gestern in unserer Stadt ein, um nach dem Muster des hiesigen städtischen Spitales ein interconfessionelles Krankenhaus in Teschen zu erbauen. Unter den hiesigen Honoratioren, die Herr Dr. H a a s e mit seinem Besuche beehrte, war es unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Hoff, dem er seinen ersten Besuch widmete, und mit ihm, wie wir vernehmen, anderthalb Stunden lang in freundlichster Weise über verschiedene Grundsätze sprach, die alle klar bestätigten, daß Dr. H a a s e ein erleuchteter Priester ist, der den Antisemitismus, diese häßliche Ausgeburt unseres Jahrhunderts, wie vor Jahren öffentlich im Reichsrathe, so auch heute noch muthig in Wort und Schrift bekämpft. Welch ein Unterschied herrscht aber zwischen diesem hochgelehrten, wahrhaftig christlichen Geistlichen und unserem hiesigen Monsignore, der. wie die hier erscheinenden „Deutsche Stimmen" berichten, bei der jüngsten städtischen Gemeindewahl einem christlichen Wählerin dem Momente, als er deutsch-liberal wählen wollte, zurief: „Schämst Du Dich nicht mit den Juden zu wählen?" Wie erstaunt war aber der Geistliche, von seinem voruriheilslosen Pfarrkinde die schlagfertige Antwort zu hören: „Herr Pfarrer mögen sich schäme n, daß S i e das Wort Gottes „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" verleugnen und anstatt Liebe und Eintracht, Haß und Zwietracht unter den Menschen säen!" Wadautz, 13. Jänner. Am 5. d. M. trat die vom Herrn Landespräsidenten Grafen Anton Pace nach Czernowitz einberufene, aus den Herren: Landesrabbiner Dr. Igel, Bezirksrabbiner Weiß, Stadtrath B a l t i n e st e r, Advocat Dr. S t r a u ch e r und Advocat Dr. Wachtel, Czernowitz; Oberrabbiner K u n st a d t und Advocat Dr. K ü b e l, Radautz; Advocat Dr. Hatschet, Sereth; und Advocat Dr. Ulrich, Suczawa, bestehende Enquete unter Vorsitz des Herrn Landespräsidenten zusammen, um die einzelnen Punkte des im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 für die israelitischen Cultusgemeinden zu schaffenden Statuts zu berathen. Herr Oberrabbiner K u n st a d t stellte nun zwar bei Eröffnung der Enquete einen Vertagungsantrag wegen Berufung weiterer Experten aus den übrigen Städten der Bukowina — da er der einzige Vertreter der Bukowinaer orthodoxen Landbevölkerung sei. allein der Herr Landesprüsident erklärte, daß die Person des Herrn Oberrabbiner K u n st a d t als Vertreter sämmtlicher jüdisch-orthodoxen Bukowinaer Landgemeinden hinreichend maßgebend — und, daß also dieserhalb eine Vertagung der Enquete nicht nöthig sei. Es wurden hierauf die einzelnen Punkte der von den Herren Dr. H a t s ch e k und Dr. Ulrich vorgelegten, dermaligen Statuten von Suczawa und Sereth einer eingehenden Besprechung unterzogen und die in das neue Statut aufzunehmenden Bestimmungen erörtert. Obzwar nun das Gesetz vom 21. März 1890 die Regelung der „äußeren" Verhältnisse der israelitischen Cultusangelegenheiten zum Vorsatze hat, glauben wir doch unserer Hoffnnng Ausdruck geben zu können, daß mit dem Jnslebentreten dieses Gesetzes, auch die „inneren", und hoffentlich die momentan so arg zerrütteten Verhältnisse unserer Cultusgemeinde Radautz eine gehörige Regelung erfahren werden. Den Meldungen der Tagesjournale zufolge, sollen die Statuten der hochherzigen Stiftung des Herrn Baron Moritz von Hirsch für Galizien und Bukowina, von Seiten der hohen Regierung bereits genehmigt sein. Die hiesige Bevölkerung ist nun ob dieser Nachricht höchst erfreut, da hoffentlich auch unsere Stadt von dieser edlen Stiftung, respective von den Herren Curatoren derselben, berücksichtigt werden wird. N. R . .. 1. Werkin, 13. Jänner. Von der „Zeitschrift des Königl. Preußischen Statistischen Bureaus" ist soeben das dritte Vierteljahresfest des 80. Jghrgangs (! 890) erschienen. Dasselbe enthält einen interessanten Beitrag über die Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle im preußischen Staat während des Jahres 1889. Aus der Eheschließungsstatistik scheinen uns die auf das jüdische Religionsbekenntniß sich beziehenden Ziffern besonders interessant. Es verheirateten sich: Evangelische Männer mit jüdischen Frauen 101 : katholische Männer mit jüdischen Frauen 45; sonst christliche Männer (zu einer der verschiedenen Secten gehörig"» mit jüdischen Frauen 4; jüdische Männer mit evangelischen Frauen 131, mit katholischen Frauen 24, mit sonst christlichen Frauen 2, mit jüdischen Frauen 2503; überhaupt: evangelische Frauen 158.009, katholische Frauen 79.895, sonst christlich 439, jüdische Frauen 2653. Srfirft Wismarck hatte letzthin das Malheur, von einem Hamburger Journalisten, Namens Max Bever, interviewt zu werden. Dieser Herr, welcher ein „modernes Literaturghetto" entdeckt zu haben vorgibt, berichtet Ms nun auch einige Aeußerungen des ehemaligen Reichskanzlers über die Juden. Die Unterhaltung ging von Spinoza aus; Fürst Bismarck sagte: „Spinoza habe ich an der Hand deutscher Hilfsbücher im lateinischen Text studirt. Er war ein aristokratischer Jude, wie sich ja überhaupt die holländischen Juden vorwiegend aus dem portugiesischen Judenadel rekrutirt haben." „Durchlaucht", bemerkte Bever, „erkennen also, gleichwie der Verfasser von „Rembrandt als Erzieher" einen Adel im Judenthum an?" — „Gewiß!" antwortete der Fürst. „Ist es nun nicht merkwürdig," fuhr Bever fort, „daß in allen Völkern sich zwei Parteien bilden, eine aristokratische und eine plebejische, die denselben Kamps in sich vollziehen, wie sich in der Natur Licht und Schatten bekämpfen, nur im Judenthum nicht? Alle germanischen Völker bis herauf zu dem kleinen norwegischen Staatsleben, kämpfen auf das leidenschaftlichste gegen ihr eigenes Fleisch und Blut, um das Gute in ihrem Charakter durch Kampf zu läutern. Einzig und allein in der gesammten Weltgeschichte weist nur das jüdische Volk keine zwei Parteien in sich auf; als eine solidarisch-compacte Masse von Aristokrie und Plebejerthum schiebt es sich vorwärts durch die Cultur der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.