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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-16 · 3 (16.1.1891) · p. Seite 50

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
3 (16.1.1891)
Date
1891-01-16
Page
Seite 50 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 3 Hesterreichlsche Wochenschrift Seite 50 Angelegenheit abzuhalten sei. Der Gerichtshof hat den Antrag des Vicestaatsanwaltes in vollem Umfange acceptirt. Merk«. Gegen Rector Ahlwardt, den bekannten Heros der antisemitischen Partei, hat die Staatsanwaltschaft, wie dieselbe der Schuldeputation in Berlin amtlich mitgetheilt hat, das Verfahren wegen Unterschlagung im Amte eingeleitet. Merk«. Wie wir bereits gemeldet, hat sich hier ein über ganz Deutschland verbreiteter „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gebildet, an dessen Spitze die Abgeordneten Gneist (national-liberal) und R i ck e r t (deutschfreisinnig) stehen. Der Verein hat kürzlich einen Aufruf versendet, in dem es heißt: „Die Unterzeichneten, Mitglieder verschiedener religiöser Bekenntnisse und politischer Parteien, haben einen Verein zur Abwehr des Antisemitismus in's Leben gerufen. Sie wollen der antisemitischen Agitation mit Wort und Schrift entgegentreten. Sie wollen wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen, noch entschuldigen, sondern durch positive Einwirkung, insbesondere auch durch wirthschastliche Maßregeln, solche zu beseitigen suchen. Sie wenden sich an ihre Mitbürger, ohne Unterschied der Partei und des Glaubens, mit der Bitte, sie bei diesen Bestrebungen zu unterstützen und dem Verein beizutreten." Mainz, 7. Jänner. In Joh. Wirth's Hosbuchdruckerei ist ein mit wahrhaft vollendeter Meisterschaft in Heliogravüre hergestelltes Bildniß des Herrn Rabbiners Dr. M. Lehmann erschienen, das von der großen Zahl der Freunde und Verehrer des Verblichenen sicherlich mit Freude begrüßt und ungetheilte Bewunderung finden wird. Würzburg, 2. Jänner. Bei dem aus Anlaß des 309. Stiftungstages der hiesigen Universität stattgehabten Festacte wurde der Preis der medicinischen Facultät für richtige Lösung der von dieser gestellten Preisaufgabe, dem cand. med. Jac. Benario aus Marktbreit verliehen. ßökt, 2. Jänner. Man schreibt der „Cöln. Volkszeituug" aus Bassenheim: Die Verstorbene Frau Baronin v. Oppenheim war bekanntlich für unseren Ort eine große Wohlthäterin. Dies erfahren so recht die Armen von Bassenheim jeden Winter. Dieser Tage wurden nämlich wieder die jährlichen Zinsen von 50.000 Mk. einer Stiftung der edlen Frau unter die hiesigen Armen vertheilt. Zunächst kamen sechs Doppelwaggons Kohlen zur Bertheilung; alsdann erhielt jeder Bedürftige an baarem Geld 10 Mk.; schließlich bekamen die Armen noch während des ganzen Winters um die Mittagszeit Essen aus dem hiesigen Krankenhause, welche Einrichtung man ebenfalls der verstorbenen Frau Baronin verdankt. — Warum meldet die „Cöln. Volkszeitung" nicht auch, daß die verstorbene Frau Baronin eine Jüdin war? Maris, 1. Jänner. Herr Raph. Bischoffsheim hat dem „internationalen Comits zur Aufnahme photographischer Himmelskarten" 10.000 Francs überwiesen. — Die Herren Gebrüder Rothschild haben 20.000 Francs, Herr Jmmerwahr 10.000 Francs für die städtischen Armen gespendet. — Dem (£omite de bienfaisance sind ui den Monaten Rovember-December v. I. 34.000 Francs an Spenden zugegangen. Maris, 1. Jänner. Vorletzten Sabbath Abends 6 Uhr veranstalteten die Mitglieder des Vereins „Ben Zion", wie alljährlich ihr Makkabäersest, das der Secretär des Vereines, Herr D o b r u g s k i n, mit einer Rede eröffnete, welche mit Begeisterung gesprochen, wie immer applaudirt wurde. Er schloß mit Toasten aus den Oberrabbiner von Frankreich Zadoc Kahn und Herrn Baron Rothschild. Nach chm richtete der Administrator der Palästinensischen Colonien, Herr Scheid, einige Worte an die Anwesenden, welche sehr sympathisch ausgenommen wurden. Nachdem Herr Baumgarten einen Brief des Herrn Oberrabbiners Zadoc Kahn verlesen, in welchem derselbe sein Ausbleiben entschuldigte, hielt Herr Sch merkin, vormaliger Lehrer einer jüdischen Schule in Palästina, einen gediegenen Vortrag in hebräischer, Herr Rappoport, Zögling des hiesigen Rabbiner-Seminars, eine Rede in deutscher Sprache, hierauf wurden einige Lieder in hebräischer Sprache gesungen, womit das Fest, welches zu allgemeiner Befriedigung aussiel, endete. Maris. Die „Archives Jsraelites" sagen bei der Besprechung des Guildhall-Meeting, daß England seine Schuldigkeit gethan hat und fordern demgemäß auch Frankreich auf, ein Gleiches zu thun. Das Blatt glaubt, daß in Folge der äußerst fteundlichen Beziehungen Frankreichs und Rußlands eine von der Republik ausgehende Kundgebung der Synipathie mit den russischen Juden den günstigsten Erfolg haben müsse. Maris. Die Gesellschaft „les etudes juives“ nimmt ihre Conferenzen wieder auf. Die erste fand am 20. December statt, in welcher Professor Cagnat am ftanzösischen Colleg „über die römischen Heere bei der Belagerung von Jerusalem" gesprochen. Maris. Herrn K. G u e d a l l a berichtigt in den „Archives Israelites“ die Nachrichten, welche über die gegenwärtige Lage der Juden in Madrid und anderen spanischen und portugiesischen Städten verbreitet wurden. Herrn Guedalla erklärt es als unwahr, daß die Juden gehalten werden, ihren Gottesdienst in entlegenen Localen abzuhalten und daß ihnen das Schofarblasen an hohen Feiertagen verboten sei. Im Gegentheile genießen die Juden in Spanien und Portugal dieselben religiösen Freiheiten wie in Frankreich und England. Herr Guedalla erinnert an die Schritte, welche er unternommen, um die Zulassung der Juden in Spanien durchzusetzen; dies sei ihm mit Hilfe seiner Freunde, der Generale Prim und Serrano im Jahre 1868 gelungen. Maris. Der „Prix Capuron" im Betrage von 10000 Francs wurde dem Dr. Josef S ch u h l in Nancy für seine Arbeit über eine von der Akademie gestellte Preisfrage zuerkannt. Dr. S ch u h l ist ein junger Arzt von 29 Jahren, welcher seit fünf Jahren Vorsteher der Klinik an der Facultät zu Nancy ist. Ein zweiter Preis in gleicher Höhe wurde dem bekannten Arzt Dr. Netter in Paris zuerkannt. Lo«do«, 14. Jänner. Die „Times" erfahren, daß die Inkraftsetzung der neuen Gesetze gegen die Juden in Rußland auf Befehl des Czaren für drei Jahre sistirt worden sei Der Finanzminister Wichnegradski verursachte diese Verfügung, weil er dem Czaren vorstellte, es sei im Interesse der russischen Finanzen gegenwärtig nicht räthlich, die jüdischen Bankhänser Europas vor den Kopf zu stoßen. Mom. Die neue Deputirtenkammer hat ihre ständige Budgetcommission ernannt: Zum Präsidenten derselben wurde der bedeutende Nationalökonom Sgr. Luigi Luzzatti mit 24 von 27 Stimmen gewählt. Sa« Ararrcrsco. Die Juden in San Francisco beschlossen einen Fond von 50.000 Pf. St. zu Gunsten der unterdrückten Glaubensgenossen in Rußland auszubringen. Es ist im Plane, 1 Million Morgen Landes in Mexico zu kaufen, dasselbe in kleine Parzellen zu theilen und die aus Rußland ausgewanderten Juden daselbst anzusiedeln. Das Vorgehen verdient Nachahmung.

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