Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 3 (16.1.1891)
- Date
- 1891-01-16
- Page
- Seite 49 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 HesterreichrfHe Wochenschrift Seite 49 sie so anstieß, daß sie zu Boden siel. Das geschah dicht bei 1 dem Hause des Herrn Gouverneurs. Der dort stehende Polizist sprang sofort hinzu und packte den Juden. In großer Erregung erzählte sie ihrem Gatten, was geschehen war, worauf der Gouverneur dem Juden sofort so und so viel aufzählen ließ. Am anderen Tage erscheint beim Gouverneur ein Bevollmächtigter des Geprügelten, gleichfalls eine Jude, und forderte vom Gouverneur eine Copie des Protokolls, auf Grund dessen er, der Gouverneur, sich für berechtigt gehalten, seinem Clienten so und so viel Prügel zu dictiren. „Sie wünschen eine genaue Copie?" fragte der Gouverneur. Ja wohl, Excellenz. erwiedert der Bevollmächtigte. Gut. Wenden Sie sich morgen an den Polizeimeister. Ich werde das Nöthige veranlassen. Am folgenden Tage begiebt sich der Bevollmächtigte zum Polizeimeister und dort wird ihm die versprochene „genaue Copie" zntheil, das heißt, ihm werden genau eben so viel aufgezählt wie seinem Clienten und dann wird er an die ihtft gesetzt!" — Das genannte halbamtliche Blatt entblödet sich nicht, diese Geschichte, in welcher der Gouverneur wider alles Recht und Gesetz gehandelt, mit großer Genugthuung wiederznerzählen! Vermischtes. Wien, 13. Jänner 1891. Samstag den 10. Jänner 1891 begab sich eine Deputation der Bediensteten der Cultusgemeinde unter Führung des Oberschames Jacques Schnitzler 511 dem neugewühlten Präses Herrn Ritter von G u t m a n n, welcher dieselbe in seinem Palais empfing. Herr v. G u t m a n n ließ sich jeden Einzelnen vorstellen und war äußerst liebenswürdig, er sagte der Deputation, daß er es als eine große Gunst des Schicksals betrachte, als der Präses der größten Gemeinde der Monarchie berufen zu sein und daß er sein ganzes Können und Wollen einsetzen werde, um die Gemeinde zu heben und zu fördern, und all' die großen Aufgaben, die jetzt vorhanden sind, mit allem Eifer zu behandeln. Wieu. et Nachlaß des Oberkant 0 rs S u l z e r.) Am 20. d. M. findet die öffentliche Versteigerung der vom ehemaligen Oberkantor Professor S u l z e r hinterlafsenen Pocale, Ehrengeschenke, Werth¬ und Kunstobjecte, die ihm bei verschiedenen Anlässen von Potentaten, Gesellschaften, Corporationen und Gemeinden verehrt wurden, statt. Laut testamentarischer Verfügung des Verstorbenen müssen diese Gegenstände einer Licitation unterworfen werden. Eine Reihe intimerer Andenken. Widmnngstafeln, Bilder, Diplome u. s. w. wurde der Geburtsgemeinde Sülze r's, Hohenems, vermacht und dürfte zurAusschmückung seinesGeburtshauses verwendet werden. Wien. Am 6. Jänner wurde Herr Jacques Ritter von Leon, Sohn des Herrn Gustav Ritter von Leon und Neffe des kaiserl. Rathes und Spitaldirectors Herrn Dr. Wölfl er, mit Fräulein Therese Redlich, Tochter des Großindustriellen Herrn Adolf Redlich; ferner Herr Dr. jur. Elias Münz, ein Nachkomme berühmter Rabbinen, der Verfasser der Werke Schaare Thora und Scheinen Rokeach, mit Fräulein Jda Kohn im Tempel der inner» Stadt getraut. Herr Dr. Münz ist Concipient in der Kanzlei des Herrn Dr. Josef Ko pp. Wien, 13. Jänner 1891. Nach dem neuesten militärstatistischen Jahrbuche für das Jahr 1889 stellen sich die confessionellen Verhältnisse der Mannschaft vom Cadetofficiersstellvertreter abwärrs — für die Officiere liegen keine Daten vor — wie folgt: 652.364 röm.-kathol., 103.026 griech.-kathol., 60 986 griech.-oriental., 38.483 evangel. A. C., 46.665 evangel. H. C., 36.155 Israeliten; Unter 1000: 694 röm.-kathol., 110 griech.-kathol., 65 griech.- oriental., 41 evangel. A. C., 50 evangel. H. C., 38 Israeliten. Wien. (Antisemitische Erpresser.) Bor einem Erkemitnißgerichte stand heute Hugo Petermann, Mitarbeiter der clericalantisemitischen „Wiener Tagespost", unter der Anklage wegen Verbrechens der Erpressung. Petermann hatte, nachdem Ansuchen um Freikarten von der Direction des Etablissements R 0 nacher oftmals bewilligt worden waren, nach einer Ablehnung einen Brief an den Leiter Koriz gerichtet, in welchem cr mit Angriffen droht. Thatsächlich erschien auch im Briefkasten des Blattes eine diesbezügliche Notiz. Petermann wurde der Erpressung schuldig erkannt und zu drei Monaten Kerkers verurtheilt. Ottakring. Herr Moritz Edler von Kuffner hat sich mit Fräulein Elsa Holitscher verlobt. In Folge der hohen Verdienste, welche Herr von Kuffner um das Gedeihen der israelitischen Cultusgemeinde Ottakring sich erworben, hat der dortige Vorstand beschlossen, Herrn von Kuffner anläßlich seiner Verlobung deputativ die Glückwünsche der Gemeinde auszusprechen. Ottakring. Der soeben in Drnckerschienene Gebahrungsausweis des Wohlthätigkeitsvereines Chewra-Kadischa der Ottakringer Cultusgemeinde für das Verwaltnngsjahr 1890 zeugt, welcher Fond von Wohlthütigkeitssinn bei den Mitgliedern dieses Vereines vorhanden, und mit welcher Liebe dieser seiner edlen Aufgabe nachkommt. Die Auslagen für Gratisleichen allein betrugen nahezu fl. 1000: außerdem hat der Verein bei fl. 500 an Unterstützungen Armer verausgabt. Der Obmann Herr Bernhard T r n k a, der Caffier Herr Bernhard Weiniger und der Controlor Herr Philipp Mandl scheuen auch keine Zeit und Mühe, für die Interessen des Vereines zu wirken. L»orardioweh. Zu den ältesten Vereinen Böhmens gehört unstreitig die hiesige Chewra-Kadischa. Dieselbe verfügt über einen mehr als 500 Jahre alten Friedhof, der viele wohlerhaltene Grabdenkmale ausgezeichneter Männer enthält. Der neue Friedhof ist erst 65 Jahre alt. mußte aber doch schon Heuer erweitert werden, was einen Kostenaufwand von fl. 4000 erforderte, die, dank der Opferwilligkeit einzelner Mitglieder aus der Vereinscasse gedeckt werden konnten. Am 8. d. M. fand die Generalversammlung des Vereines statt. Zum Obmann wurde Herr Wilhelm Kohl und zum Obmann-Stellvertreter der Cultusvorsteher Herr Dr. Jg. Pick einstimmig gewählt. In einer nach Form und Inhalt gleich vollendeten Rede setzte der Cantor und Religionslehrer Herr M. Friedmann die erhabenen Ziele des Vereines auseinander. Bei der darauffolgenden Festtafel wurde eine Collecte für die Ortsarmen ohne Unterschied der Religion veranstaltet, die ein namhaftes Resultat lieferte. Slaniskau. Der langjährige Werkstättenchef der Staatsbahnen in Stanislau, Herr Theodor Birnbaum, bisher Oberingenieur, wurde zum Jnspector genannter Bahnen ernannt. Wndapek, 13- Jänner. Der vor einigen Jahren als antisemitischer Agitator bekannte Pfarrer Z i m a n d y hat soeben eine Stiftung von 10.000 fl für die Kinderbewahranstalt in seinem Pfarrsitz Törökbalint gemacht, die ausdrücklich für Kinder ohne Unterschied der Conf e s s i 0 n bestimmt ist. Wubapek. (Ein antis emitis ch er Reichsr athsabgeordneter vor Gericht.) Noch im October des Jahres 18*9 erhob ein Bauer Peter V i r a g eine Anklage wegen Documentenfälschung gegen den Antisemitischen Reichsrathsabgeordneten des Dürdaer Bezirkes und Advocaten Gerson Serendy beim S tu hl weißenburg er Gerichtshöfe. Vicestaatsanwalt Dr. Stephan S z ü t s hat jetzt seinen Antrag beim Gerichtshöfe eingereicht. Dieser Antrag lautet dahin, daß Szendrey wegen Documentenfälschung unter Anklage gestellt werde, und die Schlußverhandlung in dieser