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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-16 · 3 (16.1.1891) · p. Seite 48

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
3 (16.1.1891)
Date
1891-01-16
Page
Seite 48 (sequence 10)
Language
German
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Seite 48 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 3 ist 13 Jahre alt und bei Prenninger bedienstet. Der Knabe ist von Keiner, schmächtiger Figur und blaßgelber Gesichtsfarbe, hat grüne, zwinkernde Aeuglein und ein freches Wesen. Die wahren Thäter sind die Bauern Wasyl W o w k a und Iwan H r y k. Diese waren mit noch anderen vier Bauern am 21. Juni v. I. im obengenannten Wirthshause und tranken. Ersterer lockte den Fedko C z e r n i e c am Abende jenes Tages in die Schänke, fing mit ihm Händel an, und als derselbe hinausging, schlugen sie ihn so lange, bis ihm die Rippen zerbrachen, woraus sie ihn so vor demWixthshauseliegen ließen. Prenninger hörte, vom ersten Schlafe erwacht, ächzen, ging hinaus und fand den halbtodten C z e r n i e c. Er lief sogleich zu der LO Schritt von her Karczma entkernten Hütte des C z e rn i e c, werkte dessen Frau und Sohn auf und alle Drei trugen den zerschlagenen C z e r n i e c nach Hause, wo dieser auf die Frage der Frau, wer ihn so zugerichtet habe, sterbend das Wort „Alle" hervorbrachte und bald darauf den Geist aufgab Die Bauern, Wirth, Wirthin, Tochter und Magd wurden gefänglich eingezogen. Am 13. Juli v. I stellte sich der oben genannte Knabe Moses G u tstein freiwillig dem Gerichte und deponirte Folgendes: Nachdem er aus dem Dienste des Prenninger trat, drängte ihn das Gewissen zum wahren Geständnisse: Er hörte am 21. Juni, als er draußen am Fenster stand, wie Prenninger seine Frau um Rath fragte, auf welche Art man den Wächter Czerniec loswerden könne. Diese rieth ihm, sich zu Wasyl W o w k a zu begeben und ihm etwas zuzustecken, damit er den Wächter tödte. Als dieser Abends kam, standen Beide, Prenninger und Wowka, im Vorhause, er (G u t st e i n) stand hinter dem Schranke und hörte die Abrede zum Morde. Die Frau Prenninger rieth dann, Czerniec im Zimmer zu ermorden. Als nun der Wächter in's Zimmer ttat, zogen ihm die Verschworenen die Kleider vom Leibe, W o w k a riß ein Brett vom Tische und versetzte ihm damit einen Hieb in die rechte Schläfe. Czerniec siel zur Erde, und W o w k a zog ihm die Zunge aus dem Rachen Prenninger setzte sich ihm auf deu Kopf und schlug ihn mit einem spitzen Steine auf die Brust, dann auf den Bauch und würgte ihn mit der linken Hand — die anderen Bauern schlugen mit Fäusten auf die Rippen. Dann zogen die Frau und Tochter des P r e n n i n g e r die Leiche wieder an, wobei die Magd mit dem Lichte in der Hand leuchtete. Hierauf ttugen ihn Alle vor das Wirthshaus hinaus. Diese Angaben wiederholte G u t st e i n bei der Verhandlung so dreist und stand allen Kreuz- und Querfragen so fest gegenüber, daß man schier an seinen Aussagen nicht zweifeln durfte. Die Verhandlung brachte aber die völlige Verlogenheit der Aussagen zu Tage, und durch das einstimmige Votum der Geschworenen wurde die Familie Prenninger freigesprochen, dagegen die Bauern Wasyl W o w k a und Iwan H r y k des Verbrechens des Todtschlages für schuldig eäannt, Ersterer zu vierthalb Jahren und Letzterer zu zwei Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Uetfcheu a. d. H. Die in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" als Denunciation gebrandmarkte Meldung des Verganischen Blattes, daß eine jüdische Firma von hier österreichischen und ungarischen Weinhändlern „Weinfälschungsmittel" anbietet, verdient diesen Namen, denn es gibt hier keine jüdische Firma, die sich mit der Erzeugung solcher Artikel befaßt Hingegen ist die Angabe in der „Oesterr. Wochenschrift" unrichtig, daß es nur eine solche arische Firma hier gebe und zwar die Firma „Kurzhals", deren Inhaber in der Wolle gefärbte Anüsemiten seien. Es gibt erstens hier noch eine zweite Firma derselben Branche, und zwar die Firma „Schomburg & Stegmann", und zweitens find nicht die Inhaber der Firma ..Kurzhals", sondern die der letzteren als Antisemiten bekannt. Herr Rudolf Ebert, einer der drei Inhaber der Firma „Kurzhals", ist anläßlich eines antisemitischen Scandals, den Herr Schomburg in einem hiesigen Vereine provocirte, mannhaft für Toleranz eingetreten, auch noch in einem andern Vereine hat Herr Ebert den Antisemitismus zurückgewiesen, mit dem Austritte gedroht und Erfolge erzielt, was hier viel bedeuten will. Von der Firma „Schomburg und S t e g m a n n" ist wahrscheinlich V e r g a n i bedient worden und ein Handlanger derselben Firma dürfte auch die „Oesterr. Wochenschrift" mystificirt haben. Aber der Wahrheit die Ehre! Krankfurt a. W., Ueber Heldenthaten antisemitischer Corps st udenten schreibt man der „Frkf. Ztg " aus W orms, 5. Jänner: Wie allwöchentlich, hielten auch am vergangenen Samstag die hier anwesenden Corpsstudenten in Anwesenheit ihrer alten Herren — unter diesen die Herren Oberbürgermeister Küchler und Kreisrath Gros — im Festhaus einen „8. 6.-Abend" ab. Zu gleicher Zeit fand in dem großen Saale desselben Locales das Kränzchen einer Tanzstundengesellschaft, zu der hauptsächlich Juden gehören, statt. Von Anfang an hatten schon die Herren Studirenden versucht, die Gesellschaft der Tanzenden zu stören, waren jedoch von ihren alten Herren davon abgehalten worden. Sobald sie sich aber in vorgerückter Nachtstunde allein sahen, ließen sie sich nicht zurückbalten, sondern besudelten einen älteren Herrn, der zu der Tanzgesellschaft gehörte, auf die gemeinste und brutalste Art. Der Angegriffene konnte sich nur mit Mühe in ein Zimmer retten, wo mehrere ältere Herren gemächlich beim Spielchen saßen. Aber auch dahin folgten ihm die Zudringlichen unter Führung zweier Wormser Bürgersöhne. Nach einigen unverschämten Aeußerungen griffen die jungen Leute mit dem Rufe: „Jetzt aber 'mal d'rauf, auf die Judde!", die nichtsahnenden Herren an. Es entwickelte sich eine Schlägerei, deren Resultat war, daß ein hiesiger hochangesehener Bürger und ein Commis aus mehreren Kopfwunden stark blutend, von einem herbeigerusenen Arzte verbunden werden mußten. Die Geschichte wird ein gerichtliches Nachspiel finden. London. Der Lordmayor, Sir Joseph S a v o r y, hat anläßlich der Abhaltung des Guildhall-Meetings von dem Centralcomite der 111 sne « Israelit« in Paris, von der Repräsentanz derCultusgemeinde von Budapest und der Oesterreichischen israelitischenUnion in Wien, Dankschreiben erhalten. Der Odessaer Correspondent des „Standard" berichtet telegraphisch, daß während der letzten Woche gegen 2000 Juden aus Berditscheff, Odessa und Rostoff ausgewandert sind und sich nach England und Amerika gewendet haben. Das auswärtige Amt ließ durch den Generalkonsul Mr Charles S. D u n d a s in Hamburg in deutscher, englischer und hebräischer Sprache eine Warnung gegen Einwanderung nach England veröffentlichen, welche folgenden Wortlaut hat: Warnung! Der königlich großbritannische Generalconsul zu Hamburg ist beauftragt worden, es öffentlich bekannt zu machen, daß hilfsbedürftige Personen, welche beabsichtigen, nach Großbritannien ausznwandern, voraussichtlich sich in ihren Hoffnungen getäuscht fühlen werden, da die Aussicht, dort Arbeit zu finden, sehr beschränkt ist. Charles S. Dundas, k. Generalkonsul. Petersburg, 2. Jänner. Der Wilenski Westnik", das halbamtliche, unter Censur des Generalgouverneurs erscheinende Blatt erzählt Folgendes: „In einer der Städte, in welcher die Juden Aufenthaltsrecht besitzen, beschloß der Gouverneur, ernste Maßregeln gegen die Juden zu ergreifen, sobald sich ihm eine passende Gelegenheit bieten würde. Er brauchte nicht lange darauf zu warten. Bon ihrem Spaziergange zurückkehrend, begegnete die Frau des Gouverneurs einem Juden, der nicht nur nicht zur Seite trat, um der Dame auf dem schmalen Bürgerfteg Raum zu geben, sondern

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