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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-16 · 3 (16.1.1891) · p. Seite 47

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
3 (16.1.1891)
Date
1891-01-16
Page
Seite 47 (sequence 9)
Language
German
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Nr 3 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 47 Präses Herr S. Rosner, verdient allen Dank für seine mühevolle, redliche Verwaltung ohne jeden selbstischen Zweck nur im Interesse der Gemeinde und zur Ehre des Judenthums. Dank aber auch den hochherzigen Förderern dieser Cultusgemeinde, insbesondere der edlen Familie von Kuffn er, die nicht müde wird, der Gemeinde Spenden zufließen zu lassen. ^rag, 7. Jänner. Ein Fall ä la Tisza-Ezlär hatte in Kolm a. d. E. eine ganz entgegengesetzte Wirkung. Vor Ostern v. I. verbreitete sich daselbst das Gerücht, daß ein Bäckerjunge bei dem jüdischen Kaufmann Morgenstern bis 10 Uhr Nachts im Keller eingesperrt war, und wußte der Junge nicht genug Aufhebens von der Angst, die er ausstehen mußte, zu erzählen. Die städtische Polizei unterzog den Jungen einem Verhöre, und es stellte sich heraus, daß derselbe das Begebniß erfunden und in böswilliger Absicht ausgestreut hatte. Vor Kurzem wurde der 14 Jahre zählende Bursche vom Kuttenberger Kreisgericht zu einem Monat Gefängniß verurtheilt, und hiebei wurde die Strafe wegen seiner Jugend gemildert. I. S. Kraus. Wrag, 11. Jänner 1891. Gestern hielt Herr Dr. Nathan Grün im Afike Jehuda-Berein einen Vortrag über jüdische Literatur und jüdisches Leben am Ende des vorigen und Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts. Der Vortragende entwarf ein lebensvolles treffliches Bild der Mendelsohn'schen Schule, der Biuristen nach ihren literarischen Leistungen. Dann besprach er eingehend das Eintreten der Juden in die allgemeine Zeitbildung und den Umschwung, der sich dadurch im socialen und religiösen Leben der Juden vollzog, hob die Licht- und Schattenseiten in anschaulicher Weise hervor, und leitete viele Erscheinungen, die noch in der Gegenwart hervortreten, aus den Gestaltungen der Mendelsohnschen Zeit her. Die Zustände der Prager Gemeinde am Ende des vorigen und Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts, wo der strenge Halachismus des Ezechiel Landan nnt dem Rationalismus der Measphimschule in Widerstreit gerieth, wurden im Bortrage geistvoll beleuchtet. Der Vortragende bot eine sehr interessante Studie, die auf gründlicher Quellenforschung beruhte, und viele neue Anregungen gab. Dem Inhalte entsprach auch die Form. Die den Saal gedrängt füllenden Zuhörer spendeten.dem Vortragenden großen Beifall. H*rag. (Antisemitische Wühlereien in Böhmen.) Sie würden sich, geehrter Herr Redacteur, ein Verdienst um die gute Sache erwerben, wenn Sie mir gestatten würden, in Ihrem geschätzten Blatte auf die unter dem Mantel heuchlerischer Schönthuerei erfolgten antisemitischen Tendenzen hinzuweisen, welche hierzulande immer üppiger in die Halme schießen. Die jungtschechischen Blätter, allen voran „Narodni lisch", spielen jetzt seit geraumer Zeit ein Doppelspiel; sie überfließen einerseits von Phrasen über Liberalismus, Fortschritt rc., andererseits aber versuchen sie nach Art Schönerer's gegen die Juden zu hetzen. Ist es nicht geradezu schamlos, daß ein sich liberal gerirendes Blatt wie die „Narodni listy" — von den gleich gesinnten kleineren jungtschechischen Blättern will ich absehen — ostentativ bei jedem Gerichtsfalle, in dem ein Jude eine üble Rolle spielt, ausdrücklich die jüdische Confession hervorhebt, während sie sonst über die Confession der Angeklagten schweigend hinweggeht. Man liest in diesen Blättern nur von jüdischen Missethätern und man könnte versucht werden zu der Annahme, daß alle Gauner — falls sie nicht zufällig Juden sind — consessionslos sind. „Narodni listy" und die nahverwandt jungtschechischen Organe können auch nicht ihre geheime Freude über die allen menschlichen Gefühlen hohnsprechende Art, wie man die armen, den Thieren gleich mißhandelten Juden in Rußland quält, verbergen. Sie drucken mit breitem Behagen alle Nachrichten über die Verfolgung der Juden ab, allein sie finden niemals auch nur ein Wort der Indignation für dieses haßerfüllte, schändliche Treiben. Wie wohl aber manche antisemitische Tschechen ihren Haß gegen die Juden mit der Liebe zu deren Gelde vereinigen, dafür spricht das ingeniöse Inserat der „Slavia", respective der Pilsener Filiale dieser Versicherungsgesellschaft. Sie veröffentlicht — wofür ich die Beweise in der Hand habe — in der „Narodni listy" ein Inserat, in welchem für mehrere westböhmische Städte, die st a r k von Juden bevölkert sind, Versicherungsbeamte ausgenommen werden. Zum Schluß folgte die Bemerkung: „Juden sind ausgeschlossen". Das jüdische Geld ist nicht ausgeschlossen, wohl aber die Juden. Die sind nur gut dazu, Geld herzugeben, sie aber auch verdienen zu lassen — nein, das wäre ein Verbrechen an der heiligen Lehre des Antisemitismus. Es wäre hohe Zeit, gegen dieses jungtschechische Antisemitenthum etwas zu thun, bevor nicht Böhmen, wo bis jetzt ein friedliches Einvernehmen zwischen den Bekennern der verschiedenen Consessionen herrschte, ganz von Antisemitismus verseucht werde. Hochachtungsvoll '??? Temberg, 7. Januar. (Der Abg. G n i e w o s z und seine Stellung zur I u d e n f r a g e.) Im abgelaufenen Jahre 1890 sind im Hinblicke auf die denkwürdige große Debatte anläßlich Berathung des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der jüdischen Religionsgenossenschaft im Abgeordnetenhause des österreichischen Reichsrathes, aus der Mitte der Lemberger Judenschaft zwei mit vielen Hunderten von Unterschriften aus den besten Gesellschaftsklassen bedeckte Dankadressen an die zwei, an jener Debatte betheiligten galizischen Abg. Dr. Bloch und Hofrath von Gniewosz, abgesendet worden. Die Dankadreffe an Hofrath G n i e w o s z wurde erst gegen Jahresende 1890 demselben nach Wien zugemittelt mit einem überaus schmeichelhaft abgefaßten Beglett- resp. Widmungsschreiben des betreffenden Comites, welches die Abfassung der Adresse, gleichwie deren kalligraphische Ausschmückung und die Sammlung der Unterschriften besorgt hatte, worauf der Herr Abg. Gniewosz wie folgt antwortete: Hochgeehrte Herren! Die mir übersendete, mich überaus ehrende Adresse nehme ich mit Dank an; doch muß ich hervorheben, daß ich lediglich eine durch das göttliche Gebot der R ä ch st e n l i e b e gebotene Pflicht erfüllt habe gleichwie auch die Pflicht des Abgeordneten und Referenten im Parlamente, das sich auf eine Constitutton stützt, deren gewichttgste, die Grundlage der staatlichen Gestaltung bildende Bestimmung ist: die Gleichberechtigung aller Bewohner des österreichischen Staatswesens. Empfangen Sie, vielgeehrte Herren, die Versicherung hoher Achtung von Ihrem ergebensten Diener Edward von Oleksowa Gniewosz m. p. Reichsrathsabgeordneter. An die hochgeehrten Herren Moriz Diamand und Dr. Josef Gott lieb in Lemberg. Larnopol, 2. Jänner. Ein Fall, der ein wenig an die Tisza-Eszlarer Affaire erinnert, spielte fich im Gerichtssaale zu T a r n o p o l ab. Der Ermordete heißt Fedko Czerniec und war Sttaßenwächter in Dereniowce, die in böswilliger Weise durch einen jüdischen Knaben Angeklagten sind der Wirth der Dorfschänke „Lo8korze" Abraham Prenninger, seine Frau, seine Tochter und eine Dienstmagd. Das saubere Bürschchen heißt Moses G u t st e i u. * * %

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