Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 3 (16.1.1891)
- Date
- 1891-01-16
- Page
- Seite 46 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterreichifche Wochenschrift Seite 4L Nr. 3 empfehle dieses Mittel allen meinen Glaubensgenossen, die nicht geneigt sind, eine ausgesprochen judenfeindliche Firma noch zu unterstützen. Ein Jude. Wie«. Einer der bekannten antisemittschen Helden im fünften Bezirke ist der Kaffeesieder Josef Schwarz, Hundsthurmerltraße 82. Und doch hat derselbe zahlreiche jüdische Kaffeehäuser zur Kundschaft in dem von ihm erzeugten Artikel Glühwein. Erst dieser Tage hat er in der vom gewesenen Gemeinderath Dotzauer einberufenen Versammlung seine Redeblüthen gegen die Juden losgelaffen. Aber ttotz seines fanatischen Geschreies nach Einführung des Befähigungsnachweises in allen Erwerbszweigen betreibt er selbst mehrere Gewerbe und ttotz seines Schimpfens auf Juden kann er dem Namen und Aussehen nach die jüdische Abstammung nicht verleugnen. Er hat auch lange Jahre das Brot von Juden gegessen. In vielen Kaffeehäusern im zweiten Bezirke, die fast ausschließlich von Juden ftequenttrt werden, hängt unter Glas und Rahmen die Ankündigung: Glühwein aus der Fabrik Josef Schwarz. Die Besucher werden durch den Namen mysttficirt und ahnen nicht, daß sich hinter demselben ein Anüsemtt birgt. Wie«. Von einem Freunde unseres Blattes erhalten wir folgende Zuschrift: Nächsten Donnerstag Abend findet im Hotel Metropole ein Ballfest statt, dessen Reinerttägniß dem Allersversorgungsfond für arme jüdische Gemeindemttglieder gewidmet ist. Da die ursprünglich projecttrten 200 Süstplätze wegen mangelnder Mittel reducirt werden mußten, so wurde zur Deckung des Ausfalles ein Wohlthättgkeitsfest arrangirt. von welchem das Comite eine große Einnahme erwartet. Sie werden staunen, von diesem so nahe bevorstehenden Feste bisher nichts gehört zu haben — die Ursache liegt darin, daß dieser Ball nicht in Wien, sondern in London abgehalten wird Dieser kleinen Ortsdifferenz ist es wohl zuzuschreiben, daß die Totaleinnahmen vom Comite auf 1500 Pf. St. geschätzt werden. Auch in Paris machen unsere Glaubensgenossen das Tanzvergnügen jüdischen Wohlthätigkeitszwecken dienstbar. Am 20. v. M. fand im Hotel Continental — dem feinsten Local in Paris — ein von der Wohlthätigkeitsgesellschast „Les Enfants de Japhet“ arrangirtes Ballfest statt, welches einen in jeder Beziehung glänzenden Erfolg aufzuweisen hatte. Ob wohl unsere jungen Damen und Herren für solche specisisch jüdische Zwecke einen Schritt machen würden? Wie«. (Zur Geschäftspraxis eines Kirchenbauvereines.) In einem interessanten Civilprocesse ist gegenwärtig das Urtheil des Landesgerichtes erfloffen. Fräulein Henriette Zink in Neulengbach war die glückliche Sewinnerin des Haupttreffers der vom Kirchenbauverein emittirten Lotterielose. Sie gewann „eine Villa in der Umgebung Wiens im Werthe von 5000 fl." — so hieß es nämlich auf dem Lose. In der That aber war Fräulein Zink sehr unangenehm überrascht, als sie erfuhr, daß es sich um eine zerlegbare Villa handle, die sie hinstellen könne, wohin sie wolle — wenn sie vorerst den nöthigen Grund und Boden erworben habe. Die Gewinnerin aber bestand darauf, daß sie das bekomme, was auf dem Lose versprochen wurde: eine Villa in der Umgebung Wiens im Werthe von 5000 fl. Sie klagte daher den Kirchenbauverein auf Herausgabe einer Urkunde für eine Billa in der Umgebung Wiens im Werthe von 5000 fl. oder auf Bezahlung der 5000 fl. selbst." Ueber die Klage wurde beim Landesgerichte in Civilsachen verhandelt. Die Klägerin war durch Dr. Eduard Benedikt, der geklagte Kirchenbauverein durch Dr. P o r z e r vertreten. Das Landesgericht fällte nun das Urtheil, der Kirchenbauverein sei schuldig, der Klägerin entweder die Urkunde auf eine Billa in der Umgebung Wiens im Werthe von 5000 fl. oder diesen Betrag selbst herauszugeben. — Dr. Porzer meldete gegen dieses Urtheil die Berufung an das Oberlandesgericht an. Wien. Herr Bergani hat ein ingeniöses Mittel entdeckt, um sein bisher nur in bescheidener Weise bethätigtes Talent für die Ausübung der Wohlthätigkeit in erhöhtem Maße zu fructificiren. Herr Bergani will die geplante Börsensteuer pachten! 200.000 fl. — so hoch denkt sich Herr Bergani diese Steuer, und er will der Pächter derselben werden! Das Geld soll den Armen zugute kommen — welchen? Das wird wohl die Sache des Pächters sein, zu bestimmen. Das notorisch arme „Deutsche Volksblatt" brauchte keineswegs ausgeschlossen zu bleiben, im Gegentheile, vielleicht wären andere Arme ausgeschlossen, wenn Herr Bergani diese 200000 fl. zu vertheilen hätte. Bis jetzt hatte Herr Bergani nur in bescheidenem Maße sich um die Armen verdient machen können. Er hat Alles in Allem einmal 150 fl. 44 kr, die er laut der ausgesprochenen Intention des Herrn Dr. Robert P a t t a i der Wiener Armencasse hätte zuwenden sollen — n.i ch t in die Taschen dieser Armen fließen lassen. Was sind aber 150 fl. 44 kr. im Vergleiche zu 200.000 fl.! Da könnte man erst das Genie des Herrn Bergani bewundern, der in seiner bekannten und bewährten Methode in einer Weise das Geld der Armen verwaltet, wie sie bisher beispiellos geblieben ist — wenn man nicht an den edlen braven Verhovay denkt, der nicht nur als Antisemit das Vorbild des Herrn Bergani zu sein scheint. . Wie«, 12. Jänner 1891. In dem großen, dicht gefüllten Locale des Restaurant R o b i t s ch e k, l. Wipplingersttaße 49, fand anl 10. Jänner 1891 um 8 Uhr Abends die constituirende Generalversammlung des „V e reines zur Hebung der Gewerbe für Wien und dessen Vororte" statt. — Der Vorsitzende, Herr M. Sonnenschein, der die Versammlung begrüßte, verlieh in ernsten und feierlichen Worten der Schasftmg von Groß-Wien Ausdruck, worauf ein begeistertes und dreimaliges Hoch auf Se. Majestät unfern allergnädigsten Kaiser folgte. — Nun hielt der Proponent Herr S. B r o d ein einstündiges Expose unter hohem Beifall, und mit Acclamation wurde Herr S. B r o d als Obmann gewählt. Als e r st e r Obmann-Stellvertreter wurde Herr M. Sonnenschein, bürgerlicher Steinmetzmeister,- als zweiter Obmann-Stellvertreter Herr Hermann B i e l i tz, Hutfabrikant; in den Ausschuß die Herren: Franz A u s p i tz, Tischlermeister; Filipp Fischer, Schlossermeister; Alfred K i s ch, Buchdruckereibesitzer; Bernhard K v h n, Clavierfabrikant; Leopold R o b i t s ch e k, Rollbalkenfabrikant; Moriz Schwarz, Kunstschlossermeister; Adolf Schönbaum, Spenglermeister; Michael T h i e m a n n, Stadtbauamts-Jngenieur; Max Makler, Anstreichermeister, gewählt. chttaürmg. Wer die Rechnungsausweise der letzten drei Jahre der Cultusgemeinde der Vereinigten Israeliten von Ottakring, Hernals und Neulerchenfeld mit Aufmerksamkeit verfolgt, muß die Ueberzeugung von dem steten Aufschwünge und der vorttefflichen Verwaltung dieser Cultusgemeinde gewinnen. Um nur einige Posten hervorzuheben: Im Jahre 1888 bettägt der Cultussteuereingang fl. 3311 25, im Jahre 1889 fl. 3538 60 und im Jahre 1890 fl. 4125 25; der Erlös für Tempelsitze im Jahre 1888 fl. 2553'—, im Jahre 1889 fl. 2904 — und im Jahre 1890 fl. 3381'—; und Opferstockspenden im ersten dieser drei Jahre fl. 210 80, im zweiten fl. 234-90 und im dritten fl. 278'—. So ist bei allen Posten ein zwar langsamer, aber steüger Fortschritt zu bemerken. Im Perhältniß zu diesem Wachsthume steht auch die Schlußbilanz. Im Jahre 1888 bettugen die Passiva fl. 28.600, im Jahre 1889 fl. 27.800 und im letzten Jahre nur fl. 22.622. Der Vorstand, namentlich der