Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 3 (16.1.1891)
- Date
- 1891-01-16
- Page
- Seite 43 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 43 Man prüfe die Namen der Mitglieder aller Wohlthätigkeitsvereine in Wien, die ausschließlich oder doch zumeist von Christen in Anspruch genommen werden, ob sie nicht zum größeren Theile jüdische sind. Man frage die Barmherzigen Brüder und Schwestern, ob sie nicht bei ihrem Sammeln von Juden mehr als von Nichtjuden bekommen. Und wer zählt die Thränen armer Christen, die von der Privatwohlthätigkeit einiger jüdischer Häuser Wiens getrocknet werden? Ist es nothwendig, einen R a u b z u g gegen die Juden zu Gunsten der christlichen Armen zu predigen. Aber Lueger will diesen Raubzug ja gar nicht für die Armen, der Raub an den Juden soll christlich getheilt werden. Aus seinen vielen Wandlungen hat er noch nicht die letzte Phase überwunden, er ist noch Demokrat und will die Gleichheit bei der Theilung. Wir können jedoch getrost die Aristokratie und die Kirche für uns zittern lassen. Denn der edle tapfere Lueger, der das Herz hat, einem armen Christen das Beuschel herauszureißen und am Christabend ein Herrgottsbild zu pfänden, wird auf seinem Raubzuge sicher nicht bei der Börse stehen bleiben, und „bis hieher und nicht weiter!" commandiren, sondern ohne Skrupel auch den Adelspalästen und Klöstern eine Visite abstatten. Nein, nicht das Mittelalter mit seinen Judenkravallen predigte Dr. Lueger, sondern die moderne Lehre des Communismus, und wehe dem Staate, der Gesellschaft und besonders der Kirche, die ihn jetzt hätschelt, wenn sein Anhang noch wächst. Die GmNchaU-Kittfchrist a« de« Zar. Wortlaut der auf dem jüngsten G n i l d h a l l - M e e t i n g in London beschlossenen Petition an den Zaren: Kaiserliche Majestät! Wir, die Bürger von London, nahen ehrfurchtsvoll Ew. Majestät und bitten um allergnädigste Erlaubniß, Ew. Majestät die Sache der Unterdrückten vorzulegen. Bon tausenden von bedrückten Juden in Ew. Majestät weitem Reiche sind Hilferufe zu uns gedrungen, und wir Engländer, die wir für alle Nothleidenden Mitleid fühlen, wenden uns an Ew. Majestät mit der Bitte um Ew. kaiserliche Hilfe und Gnade. Fünf Millionen Unterthanen Ew. Majestät seufzen unter dem Joche von Ausnahmegesetzen; Nachkommen einer Race, von welcher alle Religion kmn, unsere und die Ew. Majestät, und jegliches Bekenntniß, das an die Existenz eines Gottes glaubt; Leute, die mit allen Regungen ihres Herzens an ihrem alten Glauben und alten Cultus hängen, diese Juden sind in Ew. Majestät Reich Gesetzen unterworfen, welche ihnen Leben und Gedeihen unmöglich machen. Diese Gesetze, die aus Zeiten stammen, wo religiöse Unduldsamkeit in fast jedem Staate herrschte, sind noch in jüngster Zeit verschärft worden und bedrücken mit fürchterlicher Schwere als eine unerträgliche Bürde die israelitischen Unterthanen Ew. Majestät, errichten eine Schranke zwischen ihnen und ihren christlichen Landsleuten, machen eine Pariaskaste aus ihnen, erniedrigen sie und drücken auf sie das Mal einer fluchbeladenen' Race. Zusammengepfercht in enge Grenzen innerhalb des weiten Reiches Ew. Majestät und selbst innerhalb dieser Gebiete gezwungen, hauptsächlich in Städten zu leben, wo Armuth und Elend jeder ''Art strotzen, ist es ihnen benommen, sich ftei und ungehindert zu bewegen; durch Specialgesetze in jeder Unternehmung gehindert, dürfen sie weder Grundbesitz erwerben noch irgendwelche Interessen an solchen haben, so daß es ihnen, der meisten Erwerbszweige beraubt, nahezu unmöglich geworden ist, ihr Leben zu fristen. Nicht allein dem Raume und der Wirkmigssphäre nach sind sie in jeder Beziehung eingeengt. Man versagt ihnen die höhere Ausbildung und gestattet ihnen dieselbe nur in einem Maße, welches wenig dem Umfange ihrer Bedürfnisse und ihrer Aspiration entspricht. Sie können weder wie die übrigen Unterthanen Ew Majestät ungehindert die akademischen Berufsarten ergreifen noch trotz aller Verdienste und aller Tapferkeit auf Beförderung in der Armee rechnen. Es ist nicht zu verwundern, wenn bei ihrem Ringen mit solchen Hindernissen im heißen Kampfe um's Leben die Fehler und Schwächen ihres Charakters besonders hervortreten und ihre mannigfachen Tugenden verdunkeln. Denn sie besitzen Tugenden. Diese Israeliten lieben ihr Vaterland, trotzdem die Gesetze sie für Fremdlinge erklären, sie dienen in der Armee Ew. kaiserlichen Majestät in größerer Anzahl als ihnen zukommen würde, sie kämpfen todesmuthig in Rußlands Schlachten und vergießen ihr Blut für das Wohl ihres Vaterlandes. Immer treu ergeben Ew. Majestät, bestreben sie sich, den Gesetzen zu gehorchen, so drückend ihre Last auch sein mag, und gehorsam den Befehlen ihres alten Gesetzbuches, beten sie in ihren Synagogen für den Thron und das Haus Ew. kaiserlichen Majestät. Kaiserliche Majestät! Wir, die wir gelernt haben, alle Confessionen zu dulden und Glaubensfreiheit für ein Zeichen wahrer Religion erachten, wir flehen Ew. Majestät an, diese Ausnahmegesetze gegen die Juden aufzuheben. Geben Ew. kaiserliche Majestät den Segen der Gleichheit vor dem Gesetz. Ueberall wo Juden gleiche Rechte besitzen, gedeihen die Völker. Wir bitten daher Ew. kaiserliche Majestät, diese Ausnahmsgesetze und Rechtsbeschrünkungen zu annulliren, welche die jüdischen Unterthanen Ew. taiserlichen Majestät Niederdrücken. Kaiserliche Majestät! Lassen Sie die Sonne Ew. kaiserlichen Gnade in ihre dunklen Hütten leuchten und lassen Sie Ihre väterliche Fürsorge dieselben beschirmen. Wie jedes Jahr die Vergrößerung und das das Wachsthum von Ew. Majestät weitem Reiche sieht, so möge Ew. kaiserliche Majestät ein neues Eroberungsgebiet betreten, und durch diese Emancipation ausgerufen werden zum Kaiser von 5 Millionen dankerfüllter Herzen. Kaiserliche Majestät! Ihre königliche Schwester, unsere Kaiserin Königin (Gott schütze sie!) baut ihren Thron auf die Liebe ihres Volkes, indem sie dessen Glück und Gedeihen zu dem ihrigen macht. So möge Ew. Majestät aus der Liebe Ihres Volkes Macht und Glück schöpfen; möge diese Liebe Ew. Majestät gewaltiges Reich noch gewaltiger. Ew. Majestät Thron fest und unerschütterlich machen und neue Segnungen auf das Haus Ew. kaiserlichen Majestät ergießen. Im Namen der Bürger Londons Joseph Savory, Lord Mayor. Der Lordmayor hat die vorstehende Denkschrift Generallieutenant Richter als Adjutanten für Bittschriften des Zaren übersandt. In dem Begleitschreiben hebt der Lordmayor hervor, daß den Bittschriftstellern jedes politische Motiv fernliege. n Wagner uni» Megerbeer. Schon des Oefteren ist in diesen Blättern auf das Verhältniß zwischen diesen beiden Männern hingewiesen worden. Der eine, der Urteutone, der Verfasser des Pamphlets „das Judenthum in der Musik," war zu Anfang seiner Laufbahn ein sklavischer Bittsteller, der das Borzimmer des jüdischen Collegen in Apoll eifrig ftequentirte. Späterhin erwiederte er die großen Freundschaftsdienste des semiüschen Tonkünstlers mit schnödem Undanke und derben Schmähworten. Er sprach dem Meister der „Hugenotten" so ziemlich alles Talent ab — etwa das des Geldverdienens ausgenommen. Wie groß aber die Weihrauchpfanne war, welche 1 er dereinst vor ihm schwang, welch dichte Wolken ihr ent-