Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 3 (16.1.1891)
- Date
- 1891-01-16
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020851--00048-3024017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 42 Hesterterchifche Kochenschrift Vh. 3 wenn wir überdie Theilrmg de» Raubes einig find, sollen wir lustig -ava« gehe«, den« es ist ei« wahres Uerg««ge« diesen Leuten -a» Gelb ab«ehme« zu können." So ehrlich und offen in ihrer Brutalität sind die Ziele des Antisemitismus noch niemals gepredigt worden. Und das anläßlich einer Frage, bei der das menschliche Gefühl einen Triumph feiern wollte und für welches sich die Antisemiten einzusetzen Vorgaben. In einem Athem an die Menschenliebe appelliren und die Judenhetze treiben — das überragt noch die mittelalterliche Heuchelei, die Psalmen sang, während sie den Scheiterhaufen anzündete. Allerdings muß, wenn von Armenpflege die Rede ist, der Juden gedacht werden; aber nur um sie als Muster zu nehmen, um dankbar das anzuerkennen, daß sie allein unter allen Völkern der Erde, unter allen Gesetzgebungen, welche die Culturgeschichte kennt, das einzige Richtige in dieser Beziehung getroffen. Denn nicht nur, daß es im Allgemeinen den einzelnen Israeliten zur Pflicht gemacht worden ist, dem Dürftigen beizuspringen und ihm mit ganzem freudigem Herzen zu geben, was ihm mangelt wird noch der Schutz der Dürftigen von Seiten der Gesellschaft als ein Recht an das besitzende Individuum in Anspruch genommen. Dem Dürftigen gehörten von rechtswegen: der Ertrag des siebenten Jahres, die Früchte an den Rändern der Felder, die einzelnen Abfälle und das Vergessene bei der Ernte und die Nachlese des Weinbergs und der Oelbäume; ferner die zweiten Zehenten des dritten Jahres und endlich der gleiche Antheil an den Freudenfesten, wie dem Besitzenden, also nicht nur das Nothdürstigste, sondern selbst Genüsse mußten dem Armen gewährt werden, was in dem -panem et circenses« der Römer nur als Sport oder Agitationsmittel zu politischen Zwecken, wie gegenwärtig bei den Antisemiten das Freibier und die Gratis-Virginier, von den Großen den Armen gewährt wurde. Den geistlichen Herren unter den Antisemiten, wie z. B. dem P. Scheicher, muß doch das Alles bekannt sein; dem Dr. Lueger empfehlen wir aber im V. Buch Moses, Cap. 24, V. 10 bis 13 zu lesen, wie das jüdische Gesetz das Pfandrecht zu Gunsten der Armen beschränkt In dem von den Antisemiten so viel verlästerten Schulchan- Aruch bildet das Gesetz der Armenpflege einen eigenen Abschnitt im Theile Joreh-Deah, aus dem wir nur Einiges hervorheben wollen, z. B.: Man muß dem Armen vom B esten geben; es ist nothwendig mit fteundlichem Angesicht, mit Freude und gutem Herzen zu geben; man darf niemals einen Bittenden ganz leer fortgehen lassen; die Armen müssen wie die Kinder deines Hauses betrachtet werden; verlangt einer zu essen, so untersuche man nicht, ob es ein Bettüger ist, sondern speise ihn sofort; u. s. f. Dieser Geist beherrschte das Judenthum in allen seinen Stadien und Phasen; dieser Geist begleitete uns durch die ganze Welt, bis in die Savannen Amerikas und in die Steppen Australiens. Von Dorfgeschichten, wie sie Herr Schöffel im Landtage erzählte, wobei einem die Haare zu Berge steigen müssen, vor dem Elende der Armen auf dem Lande, die von unseren braven Bauern ärger wie die Hunde behandelt werden, hat man unter Juden nie gehört. Muß also die Welt nicht noch in die Schule zum Judenthume gehen? Und ist etwa der Jude so mildthättg nur gegen Juden? Abgesehen davon, daß das mosaische Gesetz der Armenunterstützung im III. B. Mofes, Cap. 25, V. 35, ausdrücklich betont, daß hierin kein Unterschied gemacht werden darf, ob der Arme Israelit oder Nichtisraelit ist, sind wir durch unsere Gesetze zur Barmherzigkeit ja förmlich erzogen worden, daß wir gar nicht anders sein können, daß das jüdische Herz von jedem Elend, ob bei Juden oder Nichtjuden, gerührt werden muß, und wir haben es in der Praxis auch immer so gehalten. Wir führen kein Register über jüdische Wohlthaten an Christen, so wenig wie über Wohlthaten an Glaubensgenossen, weil wir eben hierin keinen Unterschied machen. Aber wir erinnern uns an einige. In dem Werke „Umständliche Nachrichten von den Salzburgischen Emigranten" (Berlin 1732) liest man folgende interessante Notiz: „Und was soll man von den Juden sagen: Männer und Weiber unter denselben haben diesen (wegen ihres protestantischen Glaubens) verjagten Leuten nicht allein bei ihrem Einzuge in die Stadt vieles zugeworfen, sondern sie haben auch sogleich des andern Tages in ihrer Synagoge freywillig eine Collecte gesammelt. Diese brachten die beyden Vorsteher derselben noch selbigen Tages an gehörigen Ort und stellten dabey folgende cigenhändige Erklärung darüber aus: Nachdem auf Verlangen ver hiesigen Juden Gemeine die Aeltesten am heutigen dato in der Synagoge eine Collecte für die Salzburgische Emigranten aufgebracht (gleich wie wir in der Thora oder alten Testament von Gott gar vielfältig dergleichen Freuden zu adsistiren ermahnt sind) und dann obige Collecte 33 Reichsthaler 8 Groschen sich belaufen; als haben wir solche Gelder an des Herrn Gcheimden Rath von Herolds Hochwohlgebohren zu weiterer Beförderung in Gottes Nahmen abgeliefert Berlin, den 1. May 1732. Mayer Samuel und Benedictuß^^ayer." Das war vor mehr als anderthalb Jahrhunderten? Und heute? Zu den von Professor Sueß im Landtage als Antwort an die Antisemiten erwähnten großartigen jüdischen Wohlthätigkeitsacten an Christen wollen wir nur noch folgende hervorheben. In Gersthof, einem Stück von Groß-Wien, wird gegenwärtig eine größere Kirche gebaut. Sie ist ein dringendes Bedürfniß. Den hiezu nöthigen Bauplatz schentte ein Jude, Herr Albert D u b, und verpflichtete sich in der Schenkungsurkunde auch noch zur unentgeltlichen Ueberlaffung eines weiteren Platzes zum Baue eines Pfarrhauses. Bei der Grundsteinlegung dieser Kirche sprach Cardinal Ganglbauer in seiner Rede diesem Juden öffentlich den Dank aus, und auch das „Vaterland" konnte nicht umhin, darüber zu berichten. Von Baron Popper ist bekannt, in welcher prachtvollen Weise er als Pattonatsherr die Kirchen und Pfarrhäuser ausstattet. Der verstorbene Bürgermeister von Ottakring, Herr Kuffner, spendete Tausende für katholische Kirchenzwecke und sein Erbe ermöglicht durch die Schenkung einer bedeutenden Geldsumme die Erweiterung der Calvarienkirche in Hernals Die Generaloberin der Congregation „der Töchter der göttlichen Liebe" in Wien ist im Begriffe ein drittes Haus mit einem Kindergarten und einer Kirche in der Jacquingasse zur Vollendung zu bringen. Für die von ihr bisher gegründeten zwei Institute haben Juden ansehnliche Beiträge geleistet. Aber im vorigen Sommer wandte sie sich an einen bekannten Wiener Juden mit der Bitte, eine Geldsammlung für sie unter den Juden zu veranstalten, weil sie bei der antisemitischen Strömung nicht mehr den Muth habe, bei jüdischen Wohlthätern vorzusprechen. Professor Sueß erzählte, daß Baron Hirsch 120.000 fl jährlich in Wien allein für Wohlthätigkeitszwecke ausgiebt; ebensoviel aber in Budapest und in Galizien; er erzählte von dem von Juden gegründeten „Philanthropischen Verein". Die Brüder Gutmann bauen in Döbling ein Erziehungsinstitut für Waisenmädchen; sie haben 155.000 fl. für die Poliklinik gespendet, welche auf Kosten dieser Wohlthäter ein Krankenhaus für 50 Kinder erbauet; diese Brüder Gut mann haben in Krems ein Altersversorgungshaus für 600 Siechen erbauen lassen — in der antisemitischen Stadt Krems; in Gsöhl — ebenfalls antisemitisch — hat die Gattin des Herrn Wilhelm von Gutmann eine Suppenanstalt gegründet, um alltäglich 100 Kindern eine warme Suppe zu gewähren. Man erkundige sich bei der christlichen Gemeinde von L e i p n i k über die Wohlthaten der Brüder Gut mann. Wo aber sind die Wohlthaten, mit welchen die arischen Millionäre jüdische Arme und Nothleidende bedacht haben?