Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 2 (9.1.1891)
- Date
- 1891-01-09
- Page
- Seite 36 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 HesterreichLsche Mochmschrlst Nr. 2 Dr. Koperberg aus Leuwarden, welcher zum Mit- , gliede des Sanitätsrathes für Friesland und Groningen, > ferner Professor Dr. S t o k v i s von Amsterdam, welcher für Nord-Holland und Dr. D. Cohen aus Assen, welcher für Oberysel und Drenthe ernannt wurde. Dr. Charles Ali Cohen in Groningen wurde zun: Secretär des Sanitätsrathes für Friesland und Groningen ernannt. Der Schulrath von Leuwarden hat neuerlich seine liberale Gesinnung bewiesen, indem er zu seinem Präsidenten das einzige jüdische Mitglied des Schulrathes, Herrn A. D u p a r c, Mitglied des Municipalrathes, ernannte. ^aris, 24. December. Die Herren Gebrüder Rothschild haben der Miethsunterstützungscasse 100.000 Francs zugehen lassen. Gorrftanlirropek, 10. December. Der Sultan hat die Frau Baronin Adelaide Rothschild, Gattin des Herrn Edmund Rothschild in Paris, als Zeichen der Anerkennung für das von ihr gesttstete Krankenhaus in Safed, mit dem Sefakat-Orden ausgezeichnet. Konstanlinopet. Am 1. December gab der Sultan ein Galadiner zu Ehren des Gesandten der Vereinigten Staaten Mr. Solomon Hirsch. Der Sultan conversirte in leutseligster Weise mit Mr. Hirsch und Mr. W h i t e l a w Reid. Gesandter der Vereinigten Staaten in Paris, und gab seiner Befriedigung über die hochherzige Unterstützung Ausdruck, welche die Amerikaner, vornehmlich durch Vermittlung des Mr. Hirsch, den Abgebrannten von Salonichi angedeihen ließen. — Präsident Carnot hat dem ersten Dolmetsch der türkischen Flotte, Oberst Moise Dal M e dig o, den Orden der Ehrenlegion verliehen. Waktiinore, 26. December. Hier wurde heute eine von Christen aller Confessionen besuchte Versammlung abgehalten, um Theilnahme für die Juden in Rußland auszudrücken und denselben Hilfe anzubieten. Es wurde ein Ausschuß zur Durchführung der gefaßten Beschlüsse gewählt. In diesem Ausschüsse befinden sich Cardinal Gibbon als Vorsitzender, Dr. P a r e t, Bischof der Episkopalkirche, und andere Geistliche. Jerusalem. Der Großvezir theilte den Secretären des ComitSs zur Versorgung Jerusalems mit Wasser, Sir Edmund Leshmere Bart. M..P. und Mr. Isidore Spielmann mit, daß der Sultan die Bewilligung zur Ausführung ihres Unternehmens ertheilt habe. Da das Comite beabsichügt, auch einige öffentliche Auslaufbrunnen zu errichten, so wird dieses Werk eine Wohlthat für die armen Classen der Bevölkerung sein. _ Familienblatt. Woche«- Jänner 1891 Tewes- Sch'wath 5651 Kalender Freitag 9 29 *0X1 Rosch-Chodesch Samstag 10 1 Sonntag 11 2 Montag 12 3 Dienstag 13 4 Mittwoch 14 5 Donnerstag 1b 6 Frettag 16 7 lieber de» Erfurter Maler a«d Knustgelehrte« Mauaffe Uuger. Bon De. Albert Dick- Bortrag gehalten im Verein für Geschichte und Alterthumskunde von Erfurt, den 6. December 1889. Geehrte Anwesende! Als am 9. März dieses Jahres der Geburtstag des Professors Dr. U u g e r, des Stifters der Erfurter Realschule, zum hundertsten Male wiederkehrte, da konnte ich es mir nicht versagen, durch einen Aufsatz in der „Thüringer Zeitung" auf die Bedeutuug dieses Mannes für das Schulwesen unserer Stadt hinzuweisen. Die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte Dr. Ephraim Salomon U nger's brachte mir die Person seines jüngsten Bruders, des Historienmalers und Hauptmanns a. D. M a n a s s e U n g e r, wieder lebhaft in Erinnerung, welcher gleich jenem gelehrten Mathematiker in nahen Beziehungen zum Hause meiner Ellern gestanden und in meinen Knabenjahren eine hervorragende Rolle gespielt hat. — Da nun dieser Mann gleichzeitig als Mensch ein edles Original gewesen ist, da er zugleich sein ganzes Leben hindurch — wenn auch nicht hier geboren — sich als Erfurter gefühlt und als Kind Erfurts bekannt, und da er endlich einen nicht uninteressanten Beitrag zur Geschichte dieser seiner Adoptiv-Baterstadt in der Franzosenzeit hinterlassen hat, so halte ich mich für berechtigt, Ihnen an dieser Stelle über seinen Entwicklungsgang und sein Wirken Einiges zu berichten. Als Quellen für meine Betrachtung nenne ich z u e r st einen von dem leider zu früh verstorbenen Professor der Architektur Richard L u c ä zu Berlin in der „Nationalzeitung" vom 5. Juni 1868 veröffentlichten Nekrolog auf unfern Künstler und Kunstgelehrten. Sodann standen mir die Jugenderinnerungen des Hauptmanns Unger selbst zu Gebote, welche unter dem noch zu erklärenden Titel: „Semidas Kinderjahre" gelegentlich des fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums seines Bruders am 20. September 1860, ohne Nennung des Verfassers im Druck erschienen und in einer beschränkten Anzahl von Exemplaren ausgegeben worden sind. *) Einzelnes bot mir ferner Unger's literarischer Nachlaß, welchen mir ein in Süddeutschland wohnender Neffe desselben zur Verfügung stellte, dazu die mündliche Ueberlieferung, sowie endlich zwei dramatische Versuche dieses sonst nur auf dem Gebiete der bildenden Künste bekannt gewordenen Mannes. M a n a s s e Unger wurde als das neunte von zehn Kindern seines Vaters am 14. März 1802 in Coswig a. E. geboren. Als er vier Jahre alt war, siedelten seine Eltern nach Erfurt über, und zu seinen ersten Erinnerungen gehörte das Schlachtfeld von A u e r st ä d t, über welches er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern fuhr, um in die neue Heimat zu kommen, wo der Vater ein fleißiger Geschäftsmann, die Familie erwartete. „Biele Häuser" so erzählt er, „waren niedergebrannt, und mehrere Menschen waren an einem noch stehenden Backofen versaminelt, um Brot zu empfangen, welches Manche noch rauchend verzehrten. Ich sah Kugeln in den Mauern sitzen und todtgeschossene Pferde liegen, bei welchen sich große Schaaren von Krähen und Raben unter Geschrei niederließen. Seufzend und klagend erklärte uns die Mutter die betrübenden Kriegszustände. Schon in dem Knaben regte sich ein gewisser Grad von Haß gegen die Franzosen, so daß sich patriotische Lieder seinem Gedächtnisse leicht einprägten, und so läßt es sich begreifen, daß die Rolle, welche unsere schwer von der Fremdherrschaft heimgesuchte Stadt in dem großen Drama von 1806 bis 1815 zu spielen bestimmt war, für die Bildung des jugendlichen Charakters entscheidend gewesen ist. Dafür bürgt das Urtheil Luc ä's, welcher als ein intimer Freund und langjähriger Genosse Unger's wohl berechtigt war, darüber zu sprechen. „Die Gesinnungen", sagt er, „die dem Knaben seine vortrefflichen Eltern in einer Zeit des Druckes und der Entbehrung vor Augen stellten, der kühne Trotz, mit welchem die Erfurter die Napoleonische Zwingherrschaft ertrugen, und der von Vaterlandsliebe durchglühte ritterliche Geist, der, getragen von der ganzen Romantik des damaligen Burschenschasterthums, in der altehrwürdigen Universitätsstadt die Jugend erfüllte, — dies Alles ließ in Unger schon früh die beiden Eigenschaften reifen, die der Grundzug seines Wesens in allen Lebensverhältnissen geblieben sind: Muth und Uneigennützigkeit". In jenen Jahren herrschte im Hause der Eltern des phantasievollen Knaben ein reges, geselliges Leben, welches in dem ältesten, die Universität besuchenden Bruder seinen Mittelpunkt fand. Dieser unser späterer Ehrenbürger hörte damals medicinische, mathematische und *) Den Commijsionsverlag hatten Mitscher n. Röstell i» Berlin.